Mary Elizabeth O’Sullivan | 17. Eukalyptusgrün

Eine Eule landete vor mir auf dem Küchentisch. Seufzend nahm ich ihr den Brief vom Ministerium ab und überflog ihn kurz. “Draco, unsere Verhandlungen sind heute Mittag!”, rief ich die Treppe hoch. Seine Antwort klang ruhig: “Okay.”
Zwei Minuten später kam Draco zu mir in die Küche. Er schnappte sich einen Toast und reichte mir ein hübsch eingepacktes Päckchen. Irritiert nahm ich es entgegen: “Habe ich einen Jahrestag oder so vergessen?”
Draco schüttelte lächelnd den Kopf: “Nein, es ist für die Verhandlungen. Es soll dir Glück bringen und dich an mich erinnern. Pack es später aus.”
“Okay. Danke.”, sagte ich noch immer leicht verwirrt. Wir beendeten unser Frühstück und gingen in unsere Zimmer, um uns für unsere Verhandlungen fertig zu machen. Ich setzte mich mit dem Päckchen auf mein Bett und schloss für ein paar Sekunden die Augen. Vielleicht war jetzt der letzte Moment, in dem ich so friedlich in meinem Zimmer saß. Die Wahrscheinlichkeit, nach Azkaban zu kommen, war nicht besonders gering. Seufzend öffnete ich meine Augen wieder. Ich nahm Dracos Päckchen und zögerte kurz, bevor ich es langsam öffnete. Es war ein elegantes, eukalyptusgrünes Kleid. Ich musste lächeln. Mein Blick fiel auf die dunkle Uhr an meiner Wand. Ich sollte mich langsam beeilen.

Dracos Sicht: 
Mary kam die Treppe herunter. Sie trug das Kleid, das ich ihr geschenkt hatte und es stand ihr sehr gut. Vor mir bleib sie stehen und drehte sich einmal im Kreis: “Und? Wie sehe ich aus?”
Ic lachte leise: “Wunderschön. Wie immer.”
Sie grinste. “Na komm.”, ich hielt ihr meine Hand hin. Marys Grinsen verschwand und machte Platz für einen angespannten Gesichtsausdruck. Sie nahm meine Hand und wir apparierten.

Marys Sicht: 
Mit ein paar anderen Todessern standen wir vor den Verhandlungsräumen. Ein kleiner, rundlich Zauberer trat aus einem der Räume: “Mary Elizabeth O’Sullivan.”
Ich küsste Draco vielleicht zum letzten Mal und folgte dann dem kleinen, rundlichen Zauberer in den Verhandlungsraum. Ich setzte mich auf den Stuhl und blickte nach oben zum neuen Zaubereiminister Kingsley Shacklebolt. “Miss O’Sullivan.”, begann er, “Sind Sie sich bewusst, warum Sie heute hier sind?”
Ich schwieg, nickte aber. “Sie tragen das Dunkle Mal und haben für Voldemort gearbeitet. Sind diese Informationen korrekt?”, fuhr Shacklebolt fort. “Ja.”, antwortete ich ruhig. Die Verhandlungsmitglieder begannen leise zu diskutieren. Nur Shacklebolts Blick war nach wie vor fest auf mich gerichtet: “Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung vorzubringen?”

Shacklebolts Sicht: 
Die junge Frau starrte mich an ohne zu blinzeln und ohne die Miene zu verziehen. In diesem Moment sah sie ihrer Mutter erschreckenderweise zum Verwechseln ähnlich. “Nichts.”, antwortete sie schließlich ruhig auf Emine Frage. Plötzlich ging die Tür auf und Percy Weasley betrat den Verhandlungsraum.

Percys Sicht: 
Kingsley wirkte verwirrt und auch die anderen Mitglieder schienen nicht ganz zu verstehen. In der Mitte saß Mary und starrte mit verschränkten Armen ausdruckslos zu Kingsley herauf. “Du hast… nichts zu deiner Verteidigung zu sagen?”, fragte Kingsley nach. Ich beschloss, dass es jetzt Zeit für mich war, einzugreifen. Also trat ich vor und stellte mich neben Mary: “Doch, das hat sie.”
Kingsley wirkte erleichtert. “Nein!”, zischte Mary leise und funkelte mich wütend an. “Doch.”, antwortete ich leise, aber bestimmt. Sie schwieg. “Ich habe Miss O’Sullivan bei der Schlacht beobachtet.”, erklärte ich an die Verhandlungsmitglieder gewandt, “Anfangs hat sie für die Todesser gekämpft, wobei sie sich aber sehr zurückgehalten und so wenige von uns geschockt hat, wie möglich. Getötet hat sie niemanden von uns. Dann hat sie die Seite gewechselt und für uns gekämpft. Sie hat sogar versucht, einen von seinen Horkruxen zu zerstören.”
die Verhandlungsmitglieder nickten und machten sich Notizen. “Mary, erzähl ihnen, was du zu mir und zu deinem Onkel gesagt hast.”, forderte ich sie auf. Sie verdrehte leicht die Augen. Kaum sichtbar. “Ich habe gesagt, dass die dunkle Seite falsch ist und, dass ich nach siebzehn Jahren endlich erfahren habe, was Liebe ist. Für Liebe lohnt es sich zu kämpfen.”, wiederholte Mary ihre Worte von der Schlacht, “Was ich zu meinem Onkel gesagt habe, haben die meisten von euch gehört. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich gegen ihn stelle und für Harry Potter kämpfe.”

Marys Sicht: 
Nach meinen Worten schwiegen alle Anwesenden eine Weile. Schließlich ergriff einer der Verhandlungsmitglieder das Wort: “Außerdem hat sie ihre eigene Mutter getötet. Ist das nicht Beweis genug?”
“Wir stimmen ab.”, entschied Kingsley Shacklebolt, “Wer ist dafür, dass Mary Elizabeth O’Sullivan eine Strafe bekommt?”
Nach und nach hoben sich einige Hände. Doch es waren wir weniger als die Hälfte. Mit einem leichten Lächeln schlug Kingsley Shacklebolt drei Mal auf seinen Pult: “In allen Punkten freigesprochen.”
Ich starrte ihn sprachlos an. Nur langsam sickerte die Erkenntnis zu mir durch. Ich war frei!

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Mary Elizabeth O’Sullivan | 16. Schokoladenbraun

Ich gab mir einen Ruck und klopfte an Dracos Zimmertür. Seit unserem Streit hatten wir uns nicht mehr gesehen, da meine Eltern mich wieder zu sich zurück geholt hatten und ich einige Aufträge für meinen Onkel zu erfüllen gehabt hatte. “Ja?”, fragte Draco von innen. Er klang irgendwie… hoffnungsvoll? Ich öffnete die Tür und betrat das Zimmer.

Dracos Sicht: 
Die Tür schwang auf und Mary trat ein. Ungläubig starrte ich sie an, ich hatte fast nicht mehr gerechnet, sie wiederzusehen. Nach unserem Streit war sie einfach verschwunden und ich hatte sie wochenlang nicht gesehen. “Draco?”, Mary klang unsicher und mir fiel auf, dass ich sie immer noch anstarrte, als wäre sie ein Alien. Ich riss mich aus meiner Starre: “Mary!”
Mit zwei Schritten war ich bei ihr und zog sie in meine Arme. Sie gab ein überraschtes Keuchen von sich: “Draco! Ich bekomme keine Luft!”
Wiederwillig ließ ich sie los. Wir sahen uns einige Sekunden in die Augen, dann sagten wir gleichzeitig: “Es tut mir leid!”
“Vielleicht hast du recht.”, sagte ich traurig, “Vielleicht haben wir wirklich keine Chance.”
“Nein!”, widersprach sie schnell, “Gib die Hoffnung nicht auf. Wir haben eine Chance und ich habe einen Plan.”
Ich starrte sie überrascht an: “Wie sieht dein Plan aus?”
Ein diabolisches Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus: “Ich habe in den letzten Wochen ein paar Mal mit meinem Onkel gesprochen. Er ist sich sicher, dass es am Ende zu einer Schlacht herauslaufen wird.”
“Und dann?2, fragte ich vollkommen verwirrt. Sie lachte leise: “Das ist eigentlich ganz einfach. Wir wechseln die Seite.”
“Ganz einfach, ja?”, fragte ich ironisch. Sie verzog leicht den Mund: “Zugegeben, nicht wirklich. Wir könnten draufgehen. Aber ich finde, für die Freiheit lohnt es sich zu kämpfen.”
“Ja, du hast recht.”, gab ich zu. “Okay, hör zu.”, sagte Mary, während wir uns auf mein Bett setzten, “Wir ziehen bunte Alltagskleidung unter unsere Todesserumhänge. Wenn wir die Umhänge dann ausziehen und einfach für Potter kämpfen, wird es anfangs schwieriger sein, uns in der Menge auszumachen. Und alles andere wird sich dann schon fügen.”
Marys Plan hatte ziemlich viele undichte Stellen. Trotzdem nickte ich: “Okay, hoffen wir mal, dass wir nicht draufgehen.”
Sie lachte etwas nervös, sagte dann aber entschlossen: “Wir werden nicht draufgehen!”
Ich lächelte sie sanft an: “Ich liebe dich, vergiss das niemals.”
“Ich liebe dich auch.”, sagte sie lächelnd und beugte sich vor. Ich überbrückte den Abstand und küsste Mary.

Marys Sicht: 
Mit dem anderen Todessern, neben meinem Onkel, stand ich vor dem Schutzschild, das Hogwarts umschloss. Voldemort hob den Zauberstab und brach mit einem Zauber das Schutzschild. Mein Onkel gab das Zeichen zum Angriff und alle Todesser stürmten gleichzeitig auf das Schloss zu. Ich suchte mit dem Blick nach Draco, konnte ihn aber nirgends entdecken. Im Schlosshof trafen wir auf die Verteidiger von Hogwarts. Augenblicklich entflammten kleinere Duelle und Kämpfe. Ich schlug mich zum Eingangsportal durch und versuchte dabei, so wenig Flüche, wie möglich abzuschießen. Auch im Schloss tobten Kämpfe. Ich Verbar mich in einer dunklen Nische, zog meinem Todesserumhang aus und legte einen Verbergungszauber über mein Dunkles Mal. Dann trat ich wieder aus den Schatten und griff in die Schlacht ein. Ich schleuderte Todesflüche und Schockzauber auf alle Todesser, sie mir in den Weg kamen und hinterließ eine Schneise aus starren. leblosen Körpern. Mein Plan funktionierte ganz gut. Die Kämpfer von Hogwarts beachteten mich kaum. Bis zur einstündigen Pause, die mein Onkel gewährte, kam ich durch, ohne viel mehr als ein paar Kratzer abzubekommen. Nachdem die Todesser verschwunden waren, suchte ich nach Draco. In einem der Gänge entdeckte ich drei rothaarige Gestalten. Als ich näher kam, konnte ich sie als Percy Weasley und die Zwillinge Fred und George Weasley identifizieren. Einer der Zwillinge (keine Ahnung, wer von den beiden, wer war) lag auf dem Boden. Seine toten, schokoladenbraunen Augen starrten ins Leere. sein Zwilling weinte so herzzerreißend, dass auch mir beinahe die Tränen kamen. Plötzlich sah Percy zu mir. Er wurde blass, wie ein Gespenst: “Du!”
Er hob den Zauberstab, doch der lag nach einem Schnellen Schnippen meinerseits in meiner Hand. “Du trägst eine Mitschuld an Freds Tod!”, brüllte Percy und sprang auf die Füße. Ich blieb ruhig: “Ich habe meinen Zauberstab heute gegen keinen der Euren gehoben. Ich habe die Todesser bekämpft.”
Percy schnaubte: “Die Nichte von Du-weißt-schon-wem hat die Seite gewechselt?”
In mir brodelte Wut, doch äußerlich blieb ich ruhig: “Nur weil der Dunkle Lord mein Onkel ist, darf ich mich nicht gegen ihn entscheiden?”
“Es ist deine Familie.”, sagte Percy entschieden. “Hast du dich nicht auch gegen deine Familie entschieden?”, fragte ich spöttisch, “Und für das Ministerium?”
“Bis ich erkannt habe, dass das falsch war!”, fauchte Percy. “Und ich habe auch erkannt, dass die dunkle Seite falsch ist.”, erwiderte ich und jetzt traten mir doch Tränen in die Augen. Als ich weitersprach, brach meine Stimme leicht: “Ich habe nach siebzehn Jahren endlich erfahren, was Liebe ist. Und für Liebe lohnt es sich zu kämpfen. Das habe ich jetzt verstanden.”
Percy nickte leicht und sah mich mitfühlend an: “Das tut mir leid.”
Ich nickte nur und warf ihm seinen Zauberstab zu. Dann ging ic weiter, um die Suche nach Draco fortzusetzen.

Dracos Sicht: 
Mary kam mir auf dem Gang entgegen. Ich war erleichtert. Bis auf ein paar Kratzer war sie unverletzt. “Draco!”, rief sie erleichtert, als sie mich entdeckte und umarmte mich, “Dir geht es …”
Sie löste sich von mir und musterte verwirrt meine mit Ruß verschmierte Kleidung. “…gut.”, beendete sie ihren Satz dann lahm. Ich lachte leise: “Ja, mir geht es gut. Dir auch oder?”
Meine Frage war eher zur Sicherheit. Mary nickte. In diesem Moment ertönte Voldemorts magisch verstärkte Stimme, die verkündete, dass Harry Potter tot sei. Mary und ich wechselten einen geschockte Blick. Würden wir gleich sterben? Marys Miene wurde entschlossen und ich nickte ihr bestimmt zu. Ohne ein Wort laut auszusprechen, hatten wir beschlossen, für unsere Freiheit zu kämpfen. Und wenn wir dabei sterben sollten, dann war das so. Dann würden wir mit dem Wissen sterben, alles versucht zu habe. “Gehen wir.”, schlug Mary vor und ich nickte. Zusammen gingen wir in den Hof, wo die Todesser den Kämpfern von Hogwarts gegenüber standen. Einige Todesser bedrohten Hagrid, der den leblosen Harry Potter in den Armen hielt, mit ihren Zauberstäben. “Schließt euch mir an oder sterbt.”, verlangte Voldemort gerade. Meine Eltern begannen, nach mir zu rufen. Alle blickten zu Mary und mir. Mary griff nach meiner Hand und drückte sie leicht.

Voldemorts Sicht: 
Ich entdeckte meine Nichte Mary neben dem kleinen Malfoy-Junge auf der Seite von Potters Freunden. “Mary!”, rief ich mit meiner freundlichsten Stimme, “Komm zu mir!”
Sie starrte mich ausdruckslos an. Und was sie dann sagte, brachte mich vollkommen aus dem Konzept: “Nein.”
“Nein?”, wiederholte ich gefährlich ruhig. Wie konnte sie es wagen, sich mir zu widersetzen?

Marys Sicht: 
Mein Onkel starrte mich wutentbrannt an. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich jetzt eindeutig tot. “Du hattest deine Wahl und hast dich für die Dunkle Magie entschieden.”, erklärte ich fest, “Nun treffe ich meine Entscheidung. Onkel.”
Bei dem letzten Wort keuchten die Kämpfer von Hogwarts kollektiv auf. “Mach jetzt keinen Fehler, Mary.”, warnte Voldemort mich kalt. “Ich mache keinen Fehler.”, informierte ich ihn kühl, “Ich entscheide mich für Harry.”
Noch während ich sprach, zog ich meinen Zauberstab und schoss einen Todeshauch auf Nagini. Gleichzeitig stürzte Neville Longbottom nach vorne und schlug der Schlange mit einem Schwert den Kopf ab. Mein Onkel schoss einen Fluch in meine ungefähre Richtung, den ich mit einem lässigen Schwenker meines Zauberstabes ablenkte. Plötzlich sprang Harry Potter völlig lebendig aus Hagrid Armen. Sofort begannen die Kämpfe erneut. Ich schockte einige Todesser. Dann stand plötzlich meine Mutter vor mir. “Du miese kleine Verräterin!”, spuckte sie mir entgegen. Ich lachte nur. Kalt und emotionslos, wie sie es mir beigebracht hatte. Unser Duell war schnell und voller Todesflüche. Ich verfehlte sie erneut und sie lachte schadenfroh. Die Wut in mir flammte höher, als jemals zuvor. Meine Mutter lachte noch immer. Ich schoss einen weiteren Todesfluch, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Die nächsten Sekunden zogen an mir vorbei, wie in Zeitlupe. In meinen Ohren rauschte es. Die Züge meiner Mutter, die meinen so ähnlich waren, verzogen sich vor Entsetzen, als sie begriff, dass sie nichts mehr tun konnte. Mein Todeshauch traf sie mitten in die Brust und sie ging zu Boden. Ich sank auf die Knie. Dann war Draco plötzlich wieder da. Er setzte sich neben mich und nahm mich in die Arme. Ich weiß nicht, wie lange wir dort saßen, aber irgendwann erstarben die Kämpfe um uns herum und die Rufe aus dem Schloss informierten uns darüber, dass Voldemort tot war. “Komm, lass uns gehen.”, sagte Draco und zog mich mit ihm nach oben. Auf dem Weg klopften uns einige Leute auf die Schultern, lobten uns und sprachen Glückwünsche aus. Vor dem Schloss apparierten wir.

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Mary Elizabeth O’Sullivan | 15. Nebelgrau

“Was habt ihr noch aus meinem Verlies gestohlen?”, Bellatrix’ schrille Stimme tat mir in den Ohren weh und Hermine Granger schmerzerfüllten Schreie machten es nicht unbedingt besser. “Sag es mir, Schlammblut!”, tobte Dracos Tante weiter, “Crucio!”
Granger schrie und ich zuckte zusammen. Draco griff nach meiner Hand und drückte sie sanft. Er wusste genau, was gerade in mir vorging, denn er fühlte und dachte das gleiche. Wir mussten zusehen, wie Hermine Granger sich am Boden vor Schmerzen krümmte und konnten nichts tun, obwohl wir wussten, dass es falsch war. Bellatrix stellte ihre Frage immer und immer wieder und Granger leugnete zwischen ihren Schreien, dass sie im Verlies der Lestranges gewesen waren. Meine Hand in Dracos zitterte und er drückte sie fester, gab mir Halt, wo er selbst doch keinen hatte. Bilder zuckten vor meinem inneren Auge auf. Bilder von mir, vor Schmerzen schreiend auf dem Boden, über mir meine Mutter mit erhobenem Zauberstab. Ich musste ein Schluchzen unterdrücken. Draco merkte es. Mit dem Daumen strich er beruhigend über meine Hand. Erstaunlicherweise beruhigte es mich tatsächlich. Bellatrix schrie noch ein paar Mal: “Crucio!”
Dann ging der Tumult los. Potter und Weasley stürmten den Salon und begannen damit, Flüche auf uns abzuschießen. Bellatrix beendete diesen Kindergarten, indem sie Granger an den Haaren packte und ihr ein Messer an den Hals hielt. “Lasst die Zauberstäbe fallen oder das Schlammblut stirbt!”, drohte sie mit einer bösen Art von Amüsement in der Stimme. Ich unterdrückte ein Keuchen. Bellatrix würde Granger doch nicht wirklich in diesem Salon die Kehle durchschneiden oder? Traurigerweise war ich mir bei Bellatrix relativ sicher, dass sie es tun würde. Potter und Weasley ließen die Zauberstäbe fallen. Plötzlich quietschte etwas leiseSofort schnellten alle Blicke zum Kronleuchter an der Decke. Dort saß ein Hauself und drehte seelenruhig am Kronleuchter. “Lass das, Hauself!”, kreischte Narzissa Malfoy. Der Hauself sah sie böse an: “Sie können Dobby nichts befehlen. Sie werden Harry Potter und seinen Freunden nichts tun.”
Der Mut dieses Hauselfen war wirklich bewundernswert. “Wag es nicht!”, Narzissas Stimme war noch um einiges schriller als zuvor. Der Hauself ignorierte sie und drehte weiter. Schließlich fiel der Kronleuchter von der Decke. Bellatrix kreischte und stieß Granger von sich weg. sie wurde von Weasley aufgefangen. Potter und der Hauself traten zu ihnen und sie fassten einander an den Händen. “Nein!”, schrie Bellatrix und warf ihr Messer in dem Moment, in dem die Gruppe disapparierte. Ihr Messer verschwand und Bellatrix pustete sich mit einem bösen, zufriedenen Lächeln die Haare aus dem Gesicht. Ich verbarg mein erschrockenes Gesicht hinter einem zufriedenen Lächeln: “Gut gemacht Bellatrix, mein Onkel wird das zu würdigen wissen.”
Bellatrix wirkte noch zufriedener. Innerlich übergab ich mich. Wie hatte ich das alles nur jemals für richtig halten können? Hoffentlich hatte Bellatrix’ Messer keinen von ihnen getroffen. “Kinder, geht nach oben.”, wies Narzisse uns an, “Der Dunkle Lord wird bald hier eintreffen und er wird sehr wütend sein.”
Draco und ich nickten synchron und verließen den Salon. An der Abzweigung, wo sich die Wege zu unseren Zimmern trennten, umarmte Draco mich. “Ich ziehe mich schnell um.”, informierte er mich leise, “Dann komme ich zu deinem Zimmer. Warte dort auf mich.”
Ich nickte und sah ihm nach, als er davonging. Dann ging ich in mein Zimmer. Dort stellte ich mich ans Fenster und sah hinaus in den wolkenbehangenen Himmel. Ein paar Minuten später trat Draco neben mich. Schweigend standen wir einige Augenblicke lang nebeneinander am Fenster und sahen nach draußen. “Wollen wir raus gehen?”, fragte Draco schließlich, “Frische Luft wird uns gut tun.”
“Okay.”, willigte ich ein und folgte Draco nach draußen in den Rosengarten. Die frische Luft tat tatsächlich gut. Sie milderte meine stechenden Kopfschmerzen ein wenig. Draco legte einen Arm um meine Taille und zog mich näher zu sich. So liefen wir zwischen den Rosensträuchern hindurch. Über uns der nebelgraue Himmel. “Wir brauchen einen Plan, wie wir hier raus kommen.”, sagte Draco irgendwann. Ich lachte freudlos: “Ja, gut. Und wie sollen wir das bitte anstellen?”
“Ich weiß doch auch nicht!”, zischte Draco verzweifelt. “Wir haben keine Chance.”, sagte ich kalt, “Wir können nichts tun und wir sollten uns damit abfinden.”
“Wer es nicht versucht, der hat schon verloren.”, meinte Draco wütend. Ich starrte ebenso wütend zurück. Er schüttelte enttäuscht den Kopf. Ob er von mir enttäuscht war oder unserem Streit, konnte ich nicht sagen. Draco drehte sich um und ging ohne ein weiteres Wort zurück zum haus. Tränen begannen mir über die Wangen zu laufen. Warum musste nur alles so verdammt kompliziert sein? Passend zu meiner Stimmung begann es plötzlich zu regnen. Ich ließ meinen Tränen freien Lauf und setzte mich auf eine Bank, versteckt zwischen den Rosensträuchern. Unter anderen Umständen wäre es ein romantischer Ort. Was eine Ironie des Schicksals.

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Mary Elizabeth O’Sullivan | 14. Mitternachtsblau

Ich saß neben Draco an der langen Tafel und starrte Löcher in die Luft. Todesserversammlungen waren so langweilig! “Mary.”, sagte mein Onkel plötzlich und erweckte so meine Aufmerksamkeit, “Möchtest du die Gruppe morgen Abend begleiten, die Potter holt?”
Ich sah ihn einen Moment fassungslos an. Ließ er mir tatsächlich die Wahl? Insgeheim bezweifelte ich das. Also antwortete ich widerwillig: “Gerne, Herr.”
Mein Onkel lächelte zufrieden: “Sehr gut. Dann wäre die Gruppe vollzählig.”
Ich schweifte gedanklich wieder ab. Kurze Zeit später beendete Voldemort das Treffen. Draco begleitete mich zu meinem Zimmer. Unsere Eltern waren zwar bereits zurückgekehrt, allerdings mussten meine Eltern schon morgen zu einer weiteren geheimen Mission, so hatten sie zusammen mit Dracos Eltern beschlossen, dass ich vorerst hier wohnen bleiben sollte.

Am nächsten Abend traf sich die Gruppe, die Potter holen sollte, in der Eingangshalle. Alle hatten ihre Besen dabei. Alle, außer mein Onkel, der keinen Besen brauchte. Wir traten nach draußen, schwangen uns auf unsere Besen und flogen los. Irgendwann stoppte mein Onkel und wir flogen höher, um uns in der Dunkelheit des mitternachtsblauen Himmels zu verbergen. Dann warteten wir, bis einige Zeit später die verschiedensten Fluggelegenheiten unter uns auftauchten. Zu unserer Überraschung waren dort sieben Harry Potters. Alle in Begleitung eines erwachsenen Zauberers oder einer erwachsenen Hexe. “Vielsafttrank!”, hörte ich den Zauberer rechts neben mir leise fluchen. MeinOnkel gab das Zeichen zum Angriff und sofort flogen alle Todesser los. Ich hängte mich an die Fersen eines Weasleys. Persönlich kannte ich ihn nicht, er war älter. Vermutlich Bill, denn Charlie befand sich nach wie vor bei seinen Drachen in Rumänien. Percy war im Ministerium und arbeitete für meinen Onkel und die Zwillinge Fred und George waren noch jünger. Bill flog mit einem der Potters auf seinem Thestral in Schlangenlinien durch den Himmel. Ich war ihnen dicht auf den Fersen und schoss Zauber und Flüche auf sie ab, denen sie eins ums andere Mal auswichen. Irgendwann begann das Dunkle Mal an meinem linken Unterarm heftig zu brennen. Mein Onkel rief mich zurück. Sofort drehte och ab und folgte dem Ruf Voldemorts. Insgeheim war ich froh darüber. Ich wollte weder Bill, noch irgendjemandem sonst etwas tun. Sie hatten mir nichts getan. Im Gegenteil. Sie kämpften für ihre Freiheit, was ihr gutes Recht war. Ich flog zurück zum Malfoy Manor, wo ich auch die anderen meiner Gruppe vorfand. Nur mein Onkel war nicht da, aber ich hörte seine Stimme aus dem Salon. Er tobte vor Wut. Ich schloss daraus, dass Harry Potter ihm schon wieder entkommen war. Jetzt war es wohl besser, ihm nicht zu nahe zu kommen. Das schienen auch die anderen zu denken, denn sie blieben in der Eingangshalle und warfen sich unbehagliche Blicke zu. Plötzlich ertönten eilige Schritte. Mein Blick schnellte sofort zur Treppe, die Draco gerade mit schnellen Schritten herunterkam. Als er mich entdeckte, wich der angespannte Ausdruck auf seinem Gesicht, einem entspannteren. Lächelnd nahm er mich in den Arm: “Mary, dir geht es gut.”
Ich nickte mur. Die anderen Todesser um uns herum warfen uns verstohlene Blicke zu. Draco bemerkte es auch. “Was?”, fragte er die anderen Todesser kühl, “Darf ich meine zukünftige Frau nicht angemessen begrüßen?”
Sie schwiegen und senkten die Blicke. Ich unterdrückte ein Lachen. Draco nahm meine Hand: “Komm Mary, wir gehen.”
Zusammen machten wir uns auf den Weg in sein Zimmer.

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Mary Elizabeth O’Sullivan | 13. Lavendellila

Kleine Info: 
Einen Teil dieses Kapitels hat Lyssa geschrieben. Vielen Dank an sie an dieser Stelle. Ich werde ihren Teil fett machen. 

 

Ich biss erneut von meinem Toast ab und blätterte den Tagespropheten um. Im selben Moment ging die Tür auf und Draco betrat den Salon. Er setzte sich mir gegenüber, betrachtete kurz verwirrt meine Scheibe Toast mit Butter, nahm sich selbst aber nichts zu Essen. Ich aß fertig, ohne, dass Draco etwas sagte. Dann legte ich den Tagespropheten weg und sah Draco mit schief gelegtem Kopf aufmerksam an. “Hast du Lust, heute nachmittag was zu unternehmen?”, fragte Draco. Er wirkte etwas nervös, versteckte das aber hinter seinem erwartungsvollen Lächeln. “Was denn?”, fragte ich neugierig auf seine Idee. Er zuckte lächelnd mit den Schultern: “Es gibt einen See hier in der Nähe. Wir könnten baden gehen und picknicken.”
“Okay.”, stimmte ich lächelnd zu. Draco strahlte: “Ich bereite alles vor.”
“Damit meinst du, dass du den Hauselfen Bescheid sagst oder?”, fragte ich lachend. Draco grinste: “Ganz genau.”
Ich musste noch heftiger lachen. “Wir treffen uns um 16 Uhr in der Eingangshalle.”, wies Draco mich an: “Umgezogen mit Badesachen. Bis später.”
Mit schnellen Schritten verließ er den Salon. Grinsend sah ich ihm nach. Ich freute mich darüber, dass er mich nach einem Ausflug gefragt hatte. Aber warum? Hatte Astoria etwa doch recht und ich war in Draco verliebt? Das würde allerdings bedeuten, dass ich schwächer werden würde. Hatte ich wegen Draco begonnen, alles zu hinterfragen? Seufzend stand ich auf und machte mich auf den Weg zu meinem Zimmer, um mich umzuziehen.

Pünktlich um 16 Uhr trafen Draco und ich uns in der Eingangshalle. Draco trug eine kurze, dunkelgrüne Hose und ein offenes, weißes Hemd. In der einen Hand hatte er einen großen Picknickkorb, unter den anderen Arm hatte er sich eine grün, schwarz karierte Picknickdecke geklemmt. “Ich würde dir jetzt meinen Arm anbieten, aber leider habe ich nur zwei, nicht drei.”, scherzte Draco. Ic grinste: “Schon okay. Und jetzt los. Du musst mir den Weg zeigen.”
Draco grinste ebenfalls und ging dann los. Ich folgte ihm. Auf dem Weg überlegte ich, wann ich mich so verändert hatte. Wann war ich bei Draco so offen geworden? Es war eine Seite an mir, die ich vorher nicht gekannt hatte. Eine Seite, die nur bei Draco zum Vorschein kam. “Wir sind da.”, informierte Draco mich plötzlich und riss mich so aus meinen Gedanken. Wir standen auf einer großen Wiese vor einem kleinen See. Draco breitete die Picknickdecke aus und stellte den Korb darauf. “Setz dich.”, sagte er lächelnd. Ich lächelte zurück: “Danke.”
Wir setzten uns und begannen mit dem Essen. Die Hauselfen hatten die verschiedensten Dinge eingepackt. Kuchen, kleine Törtchen und Erdbeeren. “Hier, du musst unbedingt die Erdbeeren probieren.”, meinte Draco und nahm sich eine. Er hob die Hand und sah mich erwartungsvoll an. Ich war verwirrt. Sollte ich jetzt ernsthaft eine Erdbeere aus seinen Händen essen oder was? Egal, ich ließ mich auf das Spiel ein und öffnete meinen Mund. Er hielt sie mir hin und ich biss ab. Sie schmeckte tatsächlich sehr gut. “Wollen wir schwimmen gehen?”, fragte Draco. 

Dracos Sicht: 
Es hatte mich überrascht, dass Mary die Erdbeere von mir angenommen hatte. Aber es freute mich, da es bedeutete, dass sie langsam begann, mir zu vertrauen. Sie nickte zur Antwort meiner Frage und stand auf. Ih tat es ihr nach und zog mein Hemd aus. Sie streifte sich ihr lavendellila Kleid über den Kopf. Darunter trug sie einen schwarzen Bikini. Mary band ihre roten Locken zu einem hohen, etwas unordentlichen Dutt. Dann sah sie zu mir. Ihr Blick flackerte für den Bruchteil einer Sekunde zu meiner nackten Brust, dann sah sie fest in mein Gesicht. “Los geht’s.”, sagte ich grinsend, lief los und sprang ins Wasser. Mary folgte mir lachend. Sie schwamm in einem großen Kreis um mich herum. Als sie vor mir ankam, spritzte ich ihr eine Handvoll Wasser ins Gesicht. Mary keuchte erschrocken auf und sah mich empört an. Dann bekam ich ebenfalls eine Ladung Wasser ab und schon begann eine wilde Wasserschlacht.

Marys Sicht: 
Eine gefühlte Ewigkeit später stiegen wir wieder aus dem Wasser. Nebeneinander legten wir uns auf die grüne karierte Decke und ließen uns von der Sonne trocknen. “Danke.”, sagte ich irgendwann und strich mir ein paar Strähnen meines roten Haares aus der Stirn, die sich aus meinem Dutt gelöst hatten. Draco drehte sich auf die Seite, um mich ansehen zu können: “Wofür?”
“Dass du für mich da bist.”, antwortete ich sofort, ohne darüber nachzudenken. Doch es stimmte. Er war für mich da. Er hatte mich nicht verraten, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass ich alles hinterfragte. Ich vertraute ihm. Draco lächelte nur als Antwort auf meine Aussage. Plötzlich fiel mir auf, wie nah wir uns waren. Nur ein paar Zentimeter trennten unsere Lippen von einander. Ich könnte mich einfach vorbeugen und dann…
Keine Ahnung, ob der Impuls letztendlich von mir oder von ihm ausging, aber wir überbrückten die letzten Zentimeter und küssten uns. Es war nicht mein erster Kuss, aber mit Draco fühlte es sich besser an, als mit allen anderen davor. Wir lösten uns voneinander und starten uns erschrocken an. “Mary… es tut mir leid, es…”, entschuldigte Draco sich leicht verzweifelt. Ich schüttelte schnell den Kopf: “Nein Draco. Das muss es nicht. Es hat mir gefallen. Weißt du, ich…”
Ich brach ab. Wie sollte ich ihm sagen, dass ich ihn mochte? Ich liebte ihn, da war ich mir inzwischen sicher. Aber wie sagte man das jemandem? Draco lächelte leicht. Dann sagte er es einfach: “Ich liebe dich Mary.”
Ich starrte ihn eine Sekunde lang sprachlos an. Dann lachte ich leise auf. “Ich liebe dich auch.”, flüsterte ich und wir umarmten uns.

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Mary Elizabeth O’Sullivan l 12. Samtschwarz

Warum war es richtig, anderen Leid zuzufügen? Ich selbst wollte ja auch nicht, dass mir welches zugefügt wurde. Aufgebracht lief ich im Zimmer hin und her. Okklumentik funktionierte nicht. Dafür musste ich meinen Geist frei machen. Nichts fühlen, nichts denken. Und das ging gerade nicht. “Topi!”, rief ich aufgelöst. Ein kleiner Hauself erschien mitten im Raum. Er sah mich mit schief gelegtem Kopf an: “Was kann Topi für Sie tun, Miss?”
“Bring mich zum Musiksalon.”, verlangte ich. Topi verbeugte sich knapp und lief los. Ich folgte ihm schnell.

Der Musiksalon war ein großer Saal mit bodentiefen Bogenfenstern. Er war hell eingerichtet und nicht möbliert. Bis auf das Klavier neben einem der Fenster. “Lass mich bitte alleine.”, bat ich Topi, der sich schnell verbeugte und dann mit einem lauten Knall verschwand. Langsam ging ich zu dem Klavier hinüber. Mit der Hand strich ich über das samtschwarze Holz. Dann setzte ich mich vor die Tasten und begann zu spielen. Nach und nach entspannte ich mich und meine Gedanken hörten auf, alles zu hinterfragen, was mir als richtig beigebracht worden war.

Dracos Sicht: 
Ich kam gerade aus meinem Zimmer, wo ich mich nach meinem Quiddich-Training umgezogen und geduscht hatte. Jetzt war ich auf dem Weg zu Marys Zimmer, um zu schauen, wie es ihr ging. Doch Mary war nicht in ihrem Zimmer. “Topi!”, rief ich nach dem Hauselfen, der nur wenige Sekunden später vor mir stand. “Ja, Herr?”, fragte er. “Wo ist Mary?”, verlangte ich zu wissen. Topi lächelte: “Sie ist im Musiksalon.”
“Danke Topi.”, sagte ich noch, während ich loslief. Topi neigte den Kopf und verschwand. Schon in der Nähe des Musiksalons hörte ich die Klaviermelodie. War das Mary? Dumme Frage, natürlich war es Mar, wer sonst? Leise öffnete ich die Tür und trat ein. Mary saß mit dem Rücken zu mir und schien mich nicht zu bemerken. Ich lauschte ihrer traurigen Melodie. Sie spielte gut. Das Stück endete. Mary blieb sitzen, begann aber kein neues Stück. Stattdessen sagte sagte sie: “Komm näher.”
So viel also zu sie hatte mich nicht bemerkt. Langsam trat ich näher zu ihr. “Woher wusstest du, dass ich hier bin?”, fragte ich neugierig. Sie zuckte mit den Schultern: “Ein Gefühl.”
Dann drehte sie sich zu mir um und ich stellte erschrocken fest, dass Mary geweint hatte. “Was ist passiert?”, fragte ich besorgt. Mary wischte sich schnell über die Augen: “Nichts. Es ist alles okay.”
Doch nichts war okay. Ich wollte sie in den Arm nehmen, ihr sagen, dass alles gut werden würde, doch ich tat es nicht. “Mary.”, sagte ich stattdessen sanft, “Ich sehe doch, dass du geweint hast. Was ist los?”
Sie lieb stumm. Ich nahm ihre Hand und sah sie eindringlich an: “Du kannst mir vertrauen.”
Mary begann erneut zu weinen, riss aber wütend ihre Hand aus meiner und sprang auf. “Ich kann es dir nicht sagen!”, rief sie verzweifelt, “Du kannst mir nicht helfen. Niemand kann mir helfen!”
Niemand kann mir helfen. Ich erinnerte mich daran, wie ich diese Worte selbst gesagt hatte. Vor einigen Wochen auf dem Astronomieturm zu Dumbledore. Damals hatte ich dringend Hilfe gebraucht. Ich brauchte sie immer noch, klar, aber wie es schien, brauchte die sonst so selbstsichere Mary sie gerade dringender. Ich ging vorsichtig auf sie Tür. Sie wich bis auf die Wand hinter sich zurück. Wie ein Tier, dass in die Enge getrieben wurde. “Mary, bitte. Lass mich dir helfen.”, ich hörte selbst, wie flehentlich meine Stimme klang. Normalerweise hätte ich mich dafür ausgelacht, aber gerade war es mir egal. Mary kämpfte mit sich, ich konnte es in ihren Augen sehen. Sie schluchzte auf und schlug sich die Hände vors Gesicht. Und dann, plötzlich, stürzte sie sich in meine Arme. Mary klammerte sich an mir fest. Erst erschrak ich leicht, dann legte ich die Arme um sie und drückte sie an mich. Ich hielt sie einfach nur fest. Mary vergrub ihr Gesicht in meinem Shirt und weinte leise an meiner Schulter. Ihre Tränen durchnässten den Stoff meines Oberteils. Auch Pansy hatte schon so an meiner Schulter geweint, als wir noch jünger gewesen waren. Doch im Gegensatz zu jetzt, hatte ich mir damals Sorgen um mein Hemd gemacht. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die mir trotzdem viel zu kurz vorkam, löste sich Mary wieder von mir und setzte sich auf den Boden. Ich setzte mich neben sie und lehnte mich an die Wand. Dann wartete ich. Würde Mary mir erzählen, was los war? “Wenn du mich verrätst, verfluche ich dich.”, sagte Mary nach ein paar Minuten und sah mich warnend an. “Ich werde dich nicht verraten.”, versicherte ich sofort, “Ich habe dir doch gesagt, dass du mir vertrauen kannst.”
Mary nickte und holte tief Luft: “Ich glaube, es ist falsch, was wir tun.”

Marys Sicht: 
Draco lächelte mich sanft an: “Ja, ich weiß. Es ist falsch.”
Ich sah ihn überrascht an: “Und du tust es trotzdem?”
“Du doch auch.”, sagte Draco mit einem traurigen Lächeln, “Wir wurden so erzogen.”
Er hatte recht. Aber sollte ich jetzt einfach so weitermachen, wie vorher? Nein, das konnte ich nicht.

Dracos Sicht: 
Sie hinterfragte also alles, was ihr als richtig beigebracht worden war. Sie, wie ich es schon seit ein paar Jahren tat. Ein paar Minuten saßen wir schweigend auf dem Boden. Schließlich stand ich auf: “Komm, wir machen uns etwas zu essen.”
Mary nickte und folgte mir.

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Mary Elizabeth O’Sullivan l 11. Aquamarinblau

Ich nahm einen weiteren Bissen meines Abendessens. Meine Eltern saßen mir gegenüber. Wir schwiegen. Wie immer. „Mary, wir werden morgen für zwei Wochen verreisen. Zusammen mit Narzisst und Lucius.”, ergriff meine Mutter das Wort, „Tom und seine Anhänger werden vorerst hierher umziehen.”

Ich nickte knapp. „Wir möchten, dass du bei Draco Malfoy wohnst, während wir weg sind.”, sagte mein Vater. Innerlich verdrehte ich die Augen. Aber ich war auch erleichtert, dass ich nicht zwei Wochen lang alleine mit Tom und seinen Anhängern in einem Haus wohnen musste. „Sei morgen früh bitte fertig”, befahl meine Mutter, „Henriette soll dir helfen.”

Ich nickte erneut.

 

Es klopfte an meine Tür. „Herein.”, sagte ich leise. Henriette betrat mein Zimmer. „Ich soll Ihnen beim Packen helfen, Miss.”, sagte sie vorsichtig. „Danke Henriette.”, sagte ich kühl, “Aber das mache ich lieber alleine.”

Sie neigte den kopf und ging wieder. Ich warf wahllos Kleider in meine Tasche. Zehn Minuten später war ich fertig.

 

Dracos Sicht:

Es klingelte. Ich machte mich auf den weg zur Eingangshalle, wo schon die Stimmen von meinen Eltern und der Familie O’Sullivan zu hören waren. Ich betrat die Eingangshalle und mein Blick fiel zuerst auf Mary, die etwas abseits stand. Sie hatte ein aquamarinblaues Kleid an und trug ihre roten Locken offen. Wie an dem ersten Tag, an dem wir uns getroffen hatten. Ich begrüßte Marys Eltern und stellte mich dann neben Mary. „Hallo Mary. Schön, dass du da bist”, begrüßte ich sie. Mary sah zu mir noch: „ Draco.“

Ich konnte aus ihrem Blick und ihrer Stimme nicht genau schließen, ob sie sich freute, hier zu sein oder nicht. Bei Mary durfte man sich da nie so sicher sein. Unsere Eltern verabschiedeten sich und disapparierten. Wir schwiegen einige Sekunden. Schließlich brach ich die Stille: „Komm, ich zeige dir dein Zimmer.”

Sie reagierte nicht. „Oder willst du lieber bei mir im Zimmer schlafen?”, fragte ich grinsend. Mary nickte abwesend. Ich betrachtete sie verwirrt. Hörte sie mir überhaupt zu? Worüber dachte sie so intensiv nach, dass sie nicht einmal verstand, was ich sagte?

 

Marys Sicht:

Draco lief los und ich folgte ihm ohne überhaupt zu wissen, wohin. Verdammt, ich musste aufhören, darüber nachzudenken. Es war gefährlich. Ich durfte nichts fühlen! Später sollte ich mich unbedingt wieder okkludieren. Ich durfte nichts hinterfragen, sonst war ich tot. Nicht wirklich mein bevorzugtes Ende. „Wir sind da.”, unterbrach Draco meine Gedanken und ich konnte gerade noch stehen bleiben, bevor ich in ihn hineinlief. Bei Merlin Bart, ich war gedanklich schon wieder abgeschweift! Das musste ich dringend ändern. Draco öffnete die Tür und führte mich in mein Zimmer für die nächsten zwei Wochen. Es war meinem von zu Hause ähnlich. Die Einrichtung war quasi gleich. Nur war alles viel dunkler als in unserem Anwesen. „Richte dich in Rune ein.”, sagte Draco, „Ich bin in der Bibliothek. Falls du Hilfe brauchen solltest, ruf nach Topi.”

Ich bedankte mich. Draco wandte sich zum Gehen. „Habt ihr ein Klavier?”, fragte ich leise. Draco blieb an der Tür stehen. Er musterte mich fragend und ich glaubte, auch eine Spur Besorgnis in seinem Blick zu sehen. „Ja.“, antwortete er, „Im Musiksalon.“

Ich nickte leicht. Draco wartete ein paar Sekunden, dann ging er.

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Mary Elizabeth O’Sullivan | 10. Feuerrot

“Mary!”, rief eine Stimme hinter mir. Ich blieb stehen und drehte mich um. Am anderen Ende des Ganges war Draco und kam mit großen Schritten auf mich zu. Blaise und Theo, die mit mir auf dem Weg zum Essen waren, blieben ebenfalls stehen. Draco erreichte uns. Er warf einen kurzen Blick zu Blaise und Theo. Dann sagte er zu mir nur zwei Worte: “Heute Abend.”
Theo sah uns verwirrt an, Blaise fragend. Heute Abend also sollte Dumbledore sterben. Ich nickte Draco knapp zu. Er neigte kurz den Kopf und ging dann in die entgegengesetzte Richtung davon. Ich setzte meinen Weg zur Großen Halle fort. Theo und Blaise folgten mir. “Was ist heute Abend?”, fragte Blaise neugierig, als wir uns an den Slytherin-Tisch setzten. Ich schenkte ihm ein geheimnisvolles Lächeln: “Was denkst du?”
Er zuckte mit den Schultern: “Schlaft ihr miteinander?”
Ich spukte den Kürbissaft, den ich gerade getrunken hatte, wieder aus. Theo lachte über meinen geschockten Gesichtsausdruck. Eine Sekunde später hatte ich mich wieder unter Kontrolle. “Nein.”, antwortete ich Blaise, “Draco und ich füllen Aufträge aus.”
“Aufträge?”, fragte Theo mit gerunzelter Stirn, “Was für Aufträge?”
“Tut mir leid.”, sagte ich leicht herablassend, “Geheim.”
Theo und Blaise musterten mich misstrauisch. Ich stand auf: “Bis dann. Entscheidet weise, wenn es soweit ist.”
Sie sahen mir völlig verwirrt nach, als ich die Halle verließ.

Es war dunkel. Die Gänge von Hogwarts wurden nur durch den Mond erhellt. Ich war auf dem Weg zum Raum der Wünsche. Plötzlich stellten sich mir zwei Personen in den Weg. Theo und Blaise. “Was wollt ihr denn hier?”, fauchte ich gereizt. “Wir wollen wissen, was für Aufträge das sind.”, antwortete Blaise entschieden. Ich verdrehte die Augen: “Schön, ich sage es euch, aber danach muss ich euch leider umbringen.”
Theo und Blaise sahen mich finster an und zogen beide ihre Zauberstäbe. Ich grinste triumphierend: “Wollt ihr es immer noch wissen?”
“Kommen die Aufträge von Du-weißt-schon-wem?”, fragte Theo. Mein Grinsen erstarb. Ich nickte und holte einmal tief Luft. Keine Ahnung, wann ich beschlossen hatte, es ihnen zu erzählen, aber es kam mir richtig vor. Also begann ich zu erzählen: “In den Sommerferien hat Draco das Dunkle Mal bekommen. Voldemort hat ihm den Auftrag erteilt, Dumbledore zu töten. Ich helfe ihm.”
Blaise und Theo starrten mich etwas geschockt an. “Aber warum?”, fragte Theo vorsichtig. Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern: “Lord Voldemort ist mein Onkel.”
Blaise zog hörbar die Luft ein, Theo keuchte. Jetzt war es also raus. Ich lächelte fies und zog meinen Zauberstab. “War nett euch kennenzulernen.”, meine Stimme triefte vor Spott, “Denkt an meine Worte von heute Mittag.”
“Mary, warte!”, bat Theo, “Du musst das nicht tun.”
Mein Herz kämpfte gegen meinen Verstand. “Ich muss das nicht tun?”, ich lachte freudlos auf, “Ja, du hast recht.”
Kurz blitzte Hoffnung in ihren Augen auf. Doch Hoffnung war so eine Sache. Sie kam und ging schnell. Mit meinem nächsten Satz zerschmetterte ich sie: “Ich will es tun.”
Bevor sie noch etwas sagen konnten schockte ich sie. Sie umzubringen brachte ich nicht über mich, was mich ziemlich wütend auf mich selbst machte. Ich wurde schwach. Das musste ich ändern. Schnell machte ich mich auf den Weg zum Astronomieturm. Für den Raum der Wünsche war es vermutlich schon zu spät.

Dracos Sicht: 
Dumbledore und ich standen alleine auf dem. Astronomieturm. Dumbledore war entwaffnet. Ich wollte den Todeshauch sprechen, ich wollte es hinter mich bringen, aber ich konnte es nicht. Unten wurde gekämpft, der Lärm hallte zu uns nach oben. “Warum willst du mich umbringen, Draco?”, fragte Dumbledore. Ich war verzweifelt: “Ich habe keine Wahl!”
“Man hat immer eine Wahl.”, meinte Dumbledore sanft. Doch das stimmte nicht. Ich hatte keine Wahl. Zumindest keine realistische. Auf der Treppe ertönten leichte, schnelle Schritte und einige Sekunden später stürmte Mary durch die Tür. Ihre Haare waren zu einem Kranz geflochten. Einige feuerrote Strähnen hatten sich daraus gelöst und umrahmten ihr Gesicht. Sie richtete ihren Zauberstab auf Dumbledore und wirkte dabei so kalt und überlegen. Die Nichte des Teufels. Erneut ertönten Schritte auf der Treppe. Mehr dieses Mal. Eine kleine Gruppe Todesser betrat den Astronomieturm. Darunter Bellatrix und Severus. Mary achtete nicht auf sie. Ihre Aufmerksamkeit lag auf Dumbledore und dem Fluch, den sie sprach: “Avada Ke…”
Severus stieß sie zur Seite. “Severus, bitte…”, flüsterte Dumbledore. Aha, jetzt bat er also um Gnade. Aber Severus würde sie ihm nicht geben. Er sah Dumbledore kalt an: “Avada Kedavra.”
Dumbledore wurde nach hinten geschleudert und fiel aus dem Fenster. Einer der größten Zauberer der Welt war tot. Mary funkelte Severus wütend an. Ich verstand sie nicht. War sie wirklich wütend, weil sie den Mord nicht begehen durfte? Wir setzten uns in Bewegung und flohen vom Tatort.

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Mary Elizabeth O’Sullivan | 9. Silbergrau

Dracos Sicht: 
Ich war gerade aus dem Raum der Wünsche gekommen und machte mich jetzt langsam auf den Weg zum Essen. “Draco!”, rief plötzlich eine selbstbewusste, aber trotzdem sanfte Stimme nach mir. Ich blieb stehen und drehte mich zu Mary um. Sie nahm meine Hand und zog mich in einen leeren Klassenraum. “Ich habe einen Vorschlag für dich.”, erklärte sie mir, “Ich helfe dir bei deiner Aufgabe und dafür heiratest du mich, sobald wir volljährig sind.”
Ich starrte sie sprachlos an. Mary wollte mich heiraten? Sie war reinblütig und mit dem Dunklen Lord verwandt. Außerdem gefiel sie mir. “Okay.”, stimmte ich ihrem Angebot also zögernd zu. Ich wusste, dass ich hier gerade einen Pakt mit dem Teufel schloss. Mary lächelte zufrieden: “Schön. Erzähl mir, wie du Dumbledore umbringen möchtest.”
Ich erzählte ihr von den ersten beiden Versuchen, von denen sie ja bereits wusste und dann von dem Verschwindekabinett, das ich heute endlich fertig repariert hatte und durch das in drei Tagen die Todesser kommen würden. Marys silbergraue Augen funkelten anerkennend. “Zeig mir das Kabinett.”, verlangte sie. Ich nickte mit einem leichten Lächeln: “Komm mit.”
Sie folgte mir aus dem Klassenzimmer in den Raum der Wünsche. Dort sah sie sich beeindruckt um. Ich führte sie durch das ganze Gerümpel zum Verschwindekabinett. “Hier.”, sagte ich und deutete auf das Verschwindekabinett, “Das Gegenstück steht in einem Laden in der Nokturngasse.”
Mary nickte, wobei ich mir nicht sicher war, ob sie wusste, was die Nokturngasse war. “Was genau ist dein Plan damit?”, fragte sie neugierig. Ich erklärte es ihr: “In drei Tagen kommen ein paar Todesser durch das Kabinett. Dann bringe ich Dumbledore um und wir verschwinden.”
Mary legte leicht den Kopf schief: “Was erhoffst du dir von den Todessern in Hogwarts?”
Dass ich Dumbledore nicht umbringen musste, sondern, dass das jemand von ihnen tat. Es war die Wahrheit, aber das konnte ich Mary nicht sagen. “Wir müssen mit einem Kampf rechnen.”, erklärte ich stattdessen, “Dumbledores Tod wird nicht unbemerkt bleiben und ich weiß nicht, ob wir schnell genug verschwinden können.”
Mary nickte und sah mich zufrieden an. “Du hast das gut durchdacht.”, lobte sie mich, “Hol mich, wenn es soweit ist.”
Damit drehte sie sich um und verließ den Raum der Wünsche.

Marys Sicht: 
Ich saß am Slytherin-Tisch beim Mittagessen. Mir gegenüber saß Astoria Greengrass, mit der ich mich ganz gut verstand, obwohl sie ein Jahr jünger war. Mit Pansy Parkinson und Astoria großer Schwester Daphne hingegen verstand ich mich überhaupt nicht. Die beiden waren eifersüchtig, weil ich so viel Zeit mit den Jungs verbrachte. Außerdem waren sie oberflächlich und hatten nicht besonders viel Verstand, soweit man das erkennen konnte. Draco betrat die Halle und ging zu Blaise. Ich folgte ihm mit dem Blick. Astoria hörte auf zu reden und folgte meinem Blick. Als sie Draco erblickte, zog sie scharf die Luft ein und sah grinsend zu mir: “Stehst du auf Draco Malfoy, Mary?”
Ich sah sie leicht spöttisch an: “Nein! Er ist ein Idiot.”
Astoria glaubte mir nicht, das sah ich an ihrem Blick. Aber das war mir egal. Sollte sie doch denken, was sie wollte. Ich stand nicht auf Draco. Oder sich? War das, das ich bei ihm fühlte Liebe? Nein. Nein, das konnte nicht sein. Liebe machte jemanden nur schwach, das hatten meine Eltern mir beigebracht. Ich durfte mich nicht verlieben! Draco Malfoy war nur ein Mittel zum Zweck.

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Mary Elizabeth O’Sullivan | 8. Giftgrün

“In der heutigen Stunde brauen Sie bitte ein Gegengift.”, ordnete Slughorn an, “Dafür dürfen Sie beliebige Tränke des Schulbuchs verwenden. Sie haben eine Stunde. Die Zeit läuft.”
Sofort begannen alle, in ihren Büchern zu blättern oder Zutaten zu suchen. Ich schlug mein Zaubertrankbuch irgendwo in der Mitte auf. Der Abschwell-Trank. Ich schüttelte genervt den Kopf. Wie langweilig! Ich würde meinen eigenen Trank brauen. Entschlossen schlug ich mein Schulbuch wieder zu, das würde ich nicht brauchen. Gegengifte waren sowieso langweilig. Ich stand auf und ging zum Zutatenschrank, um mir meine Zutaten zu holen.

“Die Zeit ist um!”, rief Slughorn eine Stunde später und ging rum, um die einzelnen Tränke zu bewerten. Blaise betrachtete meinen giftgrünen Trank misstrauisch: “Was ist das?”
“Nicht anfassen.”, sagte ich warnend, “Ich nenne diesen Trank flüssiges Avada. Er ist tödlich.”
Blaise starrte mich respektvoll an, dann wandte er ein: “Wir sollten ein Gegengift brauen.”
Ich zuckte mit den Schultern: “Oh nein! Da habe ich wohl was mit den Zutaten verwechselt.”
“Das glaube ich auch.”, sagte Slughorn, der in diesem Moment an unseren Tisch trat, “Was sollte das werden?”
“Ich weiß nicht genau.”, sagte ich gespielt unglücklich, “Ich dachte wirklich, dass es funktionieren würde. Besser, ich entsorge ihn schnell.”
Durch ein Schnippen meines Zauberstabes löste sich der giftgrüne Trank in Luft aus. Mit einem kurzen Nicken ging Slughorn weiter zu Potter und Weasley.  Potter reichte ihm lediglich einen Stein. Slughorn brach in schallendes Gelächter aus. “Köstlich! Wirklich köstlich!”, rief er, “”Ein Bezoar. Also Harry…”
Potter grinste. Theo und ich verdrehten gleichzeitig die Augen. Blaise flüsterte genervt: “Der heilige Potter.”

Weasley war am nächsten Tag nicht im Unterricht. Nicht, dass es mich stören würde, aber es war ungewöhnlich. “Er wurde vergiftet.”, berichtete Daphne uns  beim Mittagessen, was sie von ein paar Ravenclaws erfahren hatte, “Heute Morgen in Professor Slughorns Büro. Angeblich hat er irgendeinen Liebestrank zu sich genommen, woraufhin Potter ihn zu Slughorn gebracht hat. Nachdem er das Gegengift für den Liebestrank bekommen hatte, hat Slughorn eine Flasche Met aufgemacht. Anscheinend war sie vergiftet.”
Eine vergiftete Flasche Met. Mein Blick suchte Dracos. Er sah mich verunsichert an und bestätigte so meinen Verdacht. Draco hatte den Met vergiftet. Nur den Sinn dahinter verstand ich nicht ganz. Fast unmerklich schüttelte ich langsam den Kopf. Draco zuckte ein wenig zusammen und begann dann ein Gespräch mit Blaise. Ich beobachtete ihn weiter. Er hatte Angst vor mir. Zumindest ein bisschen. Meine Eltern hatten mir früh beigebracht, dass es gut war, wenn andere Angst vor einem hatten. Und Draco sah gut aus. Vielleicht war er ja tatsächlich die richtige Wahl, wenn es um einen Ehemann ging.

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