Mary Elizabeth O’Sullivan | 17. Eukalyptusgrün

Eine Eule landete vor mir auf dem Küchentisch. Seufzend nahm ich ihr den Brief vom Ministerium ab und überflog ihn kurz. “Draco, unsere Verhandlungen sind heute Mittag!”, rief ich die Treppe hoch. Seine Antwort klang ruhig: “Okay.”
Zwei Minuten später kam Draco zu mir in die Küche. Er schnappte sich einen Toast und reichte mir ein hübsch eingepacktes Päckchen. Irritiert nahm ich es entgegen: “Habe ich einen Jahrestag oder so vergessen?”
Draco schüttelte lächelnd den Kopf: “Nein, es ist für die Verhandlungen. Es soll dir Glück bringen und dich an mich erinnern. Pack es später aus.”
“Okay. Danke.”, sagte ich noch immer leicht verwirrt. Wir beendeten unser Frühstück und gingen in unsere Zimmer, um uns für unsere Verhandlungen fertig zu machen. Ich setzte mich mit dem Päckchen auf mein Bett und schloss für ein paar Sekunden die Augen. Vielleicht war jetzt der letzte Moment, in dem ich so friedlich in meinem Zimmer saß. Die Wahrscheinlichkeit, nach Azkaban zu kommen, war nicht besonders gering. Seufzend öffnete ich meine Augen wieder. Ich nahm Dracos Päckchen und zögerte kurz, bevor ich es langsam öffnete. Es war ein elegantes, eukalyptusgrünes Kleid. Ich musste lächeln. Mein Blick fiel auf die dunkle Uhr an meiner Wand. Ich sollte mich langsam beeilen.

Dracos Sicht: 
Mary kam die Treppe herunter. Sie trug das Kleid, das ich ihr geschenkt hatte und es stand ihr sehr gut. Vor mir bleib sie stehen und drehte sich einmal im Kreis: “Und? Wie sehe ich aus?”
Ic lachte leise: “Wunderschön. Wie immer.”
Sie grinste. “Na komm.”, ich hielt ihr meine Hand hin. Marys Grinsen verschwand und machte Platz für einen angespannten Gesichtsausdruck. Sie nahm meine Hand und wir apparierten.

Marys Sicht: 
Mit ein paar anderen Todessern standen wir vor den Verhandlungsräumen. Ein kleiner, rundlich Zauberer trat aus einem der Räume: “Mary Elizabeth O’Sullivan.”
Ich küsste Draco vielleicht zum letzten Mal und folgte dann dem kleinen, rundlichen Zauberer in den Verhandlungsraum. Ich setzte mich auf den Stuhl und blickte nach oben zum neuen Zaubereiminister Kingsley Shacklebolt. “Miss O’Sullivan.”, begann er, “Sind Sie sich bewusst, warum Sie heute hier sind?”
Ich schwieg, nickte aber. “Sie tragen das Dunkle Mal und haben für Voldemort gearbeitet. Sind diese Informationen korrekt?”, fuhr Shacklebolt fort. “Ja.”, antwortete ich ruhig. Die Verhandlungsmitglieder begannen leise zu diskutieren. Nur Shacklebolts Blick war nach wie vor fest auf mich gerichtet: “Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung vorzubringen?”

Shacklebolts Sicht: 
Die junge Frau starrte mich an ohne zu blinzeln und ohne die Miene zu verziehen. In diesem Moment sah sie ihrer Mutter erschreckenderweise zum Verwechseln ähnlich. “Nichts.”, antwortete sie schließlich ruhig auf Emine Frage. Plötzlich ging die Tür auf und Percy Weasley betrat den Verhandlungsraum.

Percys Sicht: 
Kingsley wirkte verwirrt und auch die anderen Mitglieder schienen nicht ganz zu verstehen. In der Mitte saß Mary und starrte mit verschränkten Armen ausdruckslos zu Kingsley herauf. “Du hast… nichts zu deiner Verteidigung zu sagen?”, fragte Kingsley nach. Ich beschloss, dass es jetzt Zeit für mich war, einzugreifen. Also trat ich vor und stellte mich neben Mary: “Doch, das hat sie.”
Kingsley wirkte erleichtert. “Nein!”, zischte Mary leise und funkelte mich wütend an. “Doch.”, antwortete ich leise, aber bestimmt. Sie schwieg. “Ich habe Miss O’Sullivan bei der Schlacht beobachtet.”, erklärte ich an die Verhandlungsmitglieder gewandt, “Anfangs hat sie für die Todesser gekämpft, wobei sie sich aber sehr zurückgehalten und so wenige von uns geschockt hat, wie möglich. Getötet hat sie niemanden von uns. Dann hat sie die Seite gewechselt und für uns gekämpft. Sie hat sogar versucht, einen von seinen Horkruxen zu zerstören.”
die Verhandlungsmitglieder nickten und machten sich Notizen. “Mary, erzähl ihnen, was du zu mir und zu deinem Onkel gesagt hast.”, forderte ich sie auf. Sie verdrehte leicht die Augen. Kaum sichtbar. “Ich habe gesagt, dass die dunkle Seite falsch ist und, dass ich nach siebzehn Jahren endlich erfahren habe, was Liebe ist. Für Liebe lohnt es sich zu kämpfen.”, wiederholte Mary ihre Worte von der Schlacht, “Was ich zu meinem Onkel gesagt habe, haben die meisten von euch gehört. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich gegen ihn stelle und für Harry Potter kämpfe.”

Marys Sicht: 
Nach meinen Worten schwiegen alle Anwesenden eine Weile. Schließlich ergriff einer der Verhandlungsmitglieder das Wort: “Außerdem hat sie ihre eigene Mutter getötet. Ist das nicht Beweis genug?”
“Wir stimmen ab.”, entschied Kingsley Shacklebolt, “Wer ist dafür, dass Mary Elizabeth O’Sullivan eine Strafe bekommt?”
Nach und nach hoben sich einige Hände. Doch es waren wir weniger als die Hälfte. Mit einem leichten Lächeln schlug Kingsley Shacklebolt drei Mal auf seinen Pult: “In allen Punkten freigesprochen.”
Ich starrte ihn sprachlos an. Nur langsam sickerte die Erkenntnis zu mir durch. Ich war frei!

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