“Mary?”, rief Draco die Treppe hoch, “Wo bleibst du denn?”
“Bin auf dem Weg!”, rief ich leicht gestresst zurück, “Entspann dich.”
Keuchend zog ich meinen Koffer die Treppe runter und verfluchte mich dabei selbst, auf Hermine Granger gehört und den Hauselfen Urlaub gegeben zu haben. Es war so anstrengend, gut zu sein. Ich kam bei Draco an, stützte mich auf meine Knie und rang nach Atem. Draco unterdrückte sein Lachen, woraufhin ich ihn gespielt böse ansah, was ihn noch lauter zum lachen brache. Dann nahmen wir die Koffer jeweils in die eine Hand und verschränkten die anderen miteinander. “Bereit?”, fragte Draco mit einem sanften Lächeln. Ich drückte seine und und erwiderte sein Lächeln: “Bereit, wenn du es bist.”
Draco lachte leise und wir apparierten.
Die erste Woche unserer Flitterwochen verbrachten wir in Irland. Es war wirklich schön, wieder in meiner Heimat zu sein. Wir übernachteten in einem alten Herrenhaus, das zu einem Zaubererhotel umgebaut worden war und gingen viel in die schöne Natur Irlands. Draco gefiel die Landschaft, was mich glücklich machte. Die zweite Woche unserer Flitterwochen verbrachten wir bei Dracos älterer Cousine in Frankreich. Lucie, ihr Mann Maximilien und ihre beiden Töchter Marlee und Madeleine hießen uns herzlich willkommen. Sie wohnten gleich neben dem Strand und Draco und ich schliefen bei ihnen im Gästezimmer.
“Marlee!”, schrie Lucie den Strand entlang, “Wir gehen jetzt!”
Die Sonne ging langsam unter. Madeleine gähnte. Marlee kam angerannt und griff nach der Hand ihrer Mutter. Zusammen verließen wir den Strand.
Draco und Maximilien hatten bereits das Essen vorbereitet und so konnten wir uns direkt an den Tisch setzen. Nach dem Essen brachte Maximilien die beiden Mädchen ins Bett. Lucie und Draco begannen ein Gespräch. Ich hörte einige Augenblicke lang zu, dann entschuldigte ich mich kurz, da mir plötzlich schlecht wurde. Mit schnellen Schritten, aber ohne zu rennen, eilte ich ins Badezimmer und übergab mich dort geradewegs in die Kloschüssel. “Shit!”, fluchte ich leise, als mein Magen nichts mehr abgab. Einige Sekunden lang blieb ich noch auf dem Boden sitzen. Dann erhob ich mich langsam, spülte und wusch mir meinen Mund aus. Ich starrte mein Spiegelbild an. Was war nur los mit mir? Wahrscheinlich hatte ich einfach das Essen nicht vertragen. Ja, das musste es sein. Schulterzuckend wandte ich mich vom Spiegel ab und ging zurück zu Draco und Lucie. Beide musterten mich leicht besorgt. “Ist alles in Ordnung?”, fragte Lucie. “Ja, alles gut.”, antwortete ich und setzte ein Lächeln auf, “Ich bin nur etwas erschöpft. Ich denke, ich gehe zu Bett.”
Lucie lächelte sanft: “Natürlich. Ruh dich aus.”
Draco hingegen runzelte die Stirn. Er glaubte mir nicht, dafür kannte er mich mittlerweile zu gut. “Gute Nacht.”, verabschiedete ich mich und ging ins Gästezimmer. Ich zog mich um und legte mich ins Bett. Ich selben Moment ging die Tür auf und Draco betrat das Gästezimmer. Er setzte sich neben mich aufs Bett: “Ist wirklich alles in Ordnung?”
Ich nickte nur. Draco seufzte: “Ich weiß, dass das nicht stimmt Mary. Versprich mir nur, dass du es mir erzählst, wenn du dazu bereit bist.”
Mir traten Tränen in die Augen und ich nickte erneut. “Gut.”, flüsterte Draco und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Ich war mir selbst nicht ganz sicher, warum ich es ihm nicht einfach sagte, es war schließlich nichts schlimmes. Wahrscheinlich wollte ich nicht, dass er mich für schwach hielt. Danke an meine Eltern, die mich so bescheuert erzogen hatten.
Am nächsten Morgen wurde ich von Sonnenstrahlen geweckt. Als ich mich umdrehte, sah ich geradewegs in Dracos graue Augen. Er betrachtete mich lächelnd: “Du bist so schön.”
“Wie lange beobachtet du mich schon?”, fragte ich leicht lächelnd. Draco zuckte grinsend mit den Schultern: “Eine Weile.”
Ich lachte leise. Draco beugte sich vor und wir küssten uns. Plötzlich wurde mir wieder schlecht. Ich zuckte zurück, presste mir die Hand vor den Mund und sprang aus dem Bett. Dann sprintete ich ins Bad und übergab mich wie am Abend zuvor in die Kloschüssel. Ein paar Minuten später klopfte es an die Tür. “Mary?”, fragte Draco besorgt, “Kann ich rein kommen?”
Als ich nicht antwortete, tat Draco es einfach. Ich hockte neben der Badewanne auf dem Boden. Draco setzte sich neben mich: “Was ist denn los Liebling?”
Ich begann zu weinen und Draco nahm mich in den Arm. “Alles gut.”, flüsterte er beruhigend, während er mir über den Rücken strich. “Ich weiß einfach nicht, was mit mir los ist.”, schluchzte ich, “Und ich bin gerade so schwach. Ich wollte nicht, dass du mich so siehst.”
Ich spürte, dass Draco sich in der Umarmung versteifte. Dann schob er mich ein Stück von sich weg, um mir besser ins Gesicht sehen zu können. “Mary, sieh mich an.”, verlangte er sanft. Zögernd hob ich den Blick. “Du bist nicht schwach.”, erklärte Draco überzeugt, “Im Gegenteil. Du bist die stärkste Person, die ich kenne. Ich meine, wer schafft es schon, sich gegen den Dunklen Lord zu wenden, der, nebenbei gesagt, auch noch dein Onkel ist, und das zu überleben?”
Ich hatte aufgehört zu weinen und ein vorsichtiges Lächeln umspielte meine Mundwinkel. “Es ist okay zu weinen.”, redete er weiter, “Und bitte, Liebling, versteck das nicht vor mir. Ich will für dich da sein.”
Ich nickte. Draco lächelte und nahm mich noch einmal kurz in den Arm: “Gut. Ich hohle mal Lucie. Sie ist ziemlich gut im Heilen. Bestimmt kann sie dir helfen.”
Ich nickte erneut: “Danke Draco.”
“Kein Problem.”, sagte er lächelnd. Er ging und für ein paar Minuten war ich alleine. Dann kam Lucie. Sie schloss die Tür hinter sich und sah mich einige Sekunden lang stumm an. Dann fragte sie: “Mary, könnte es sein, dass du schwanger bist?”
Ich erstarrte. Konnte es sein?
Dracos Sicht:
Maximilien und ich bereiteten das Frühstück vor. Ich hatte Lucie erzählt, was mit Mary war und sie hatte mich gebeten, hier zu bleiben. Mary und sie müssten ein Frauengespräch führen. “Sie sind schon ziemlich lange weg.”, bemerkte Maximilien und stellte die Croissants auf den Tisch. “Frühstück ist fertig!”, rief er dann laut. Marlee und Madeleine kamen in identischen, blütenrosa Kleidern ins Zimmer gehüpft. Sie hatten zwar ein Jahr Altersunterschied, sahen sich aber verblüffend ähnlich. Wir warteten ein paar Herzschläge, dann betrat Lucie den Raum. Dicht gefolgt von einer ziemlich blassen Mary. Ich erschrak, als ich sie so sah. Mit zwei großen Schritten war ich bei ihr und nahm ihre Hände in meine: “Mary! Was ist los?”
Sie setzte ein Lächeln auf und entzog mir ihre Hände: “Mir geht es gut.”
Lucie legte ihr mit ernstem Gesichtsausdruck eine Hand auf die Schulter. Mary nickte nur und Lucie lächelte leicht. Maximilien und ich tauschten einen verwirrten Blick. Wie schafften Frauen es nur immer, sich zu verständigen, ohne, dass wir es verstanden? “Lasst uns frühstücken.”, schlug Maximilien nach ein paar Sekunden des Schweigens vor. Wir stimmten zu, setzten uns an den Tisch und begannen mit dem Essen. Während des Frühstücks beobachtete ich Mary. Sie aß wenig und sagte kein Wort. Ihr Blick war starr in die Luft vor ihr gerichtet. Sie schien tief in Gedanken zu sein. Wir beendeten das Frühstück und Lucie und Maximilien begannen mit dem Abräumen. Lucie schenkte Mary ein ermutigendes Lächeln, das ich erneut nicht verstand. Mary stand ruckartig auf und trat zu mir: “Begleitest du mich zum Strand?”
Ich runzelte verwirrt die Stirn,folgte meiner Frau aber aus dem Haus. Ein paar Minuten lang liefen wir schweigend den Strand entlang. “Mary, du verhältst dich komisch. Bitte sag mir was los ist.”, flehte ich, “Du weißt, dass du mir vertrauen kannst oder?”
Sie nickte: “Ja, natürlich. Ich musste es nur selbst erst einmal verarbeiten.”
“Was denn?”, fragte ich leicht ungeduldig. Mary holte tief Lust: “Draco, ich bin schwanger.”
Ich erstarrte und mir klappte die Kinnlade herunter. Mary sah mich ängstlich an: “Sag doch bitte was.”
“Du…”, stammelte ich, hatte jedoch keine Ahnung, wie ich den Satz beenden sollte. Mary senkte den Blick auf den Boden. In diesem Moment realisierte ich erst richtig, was sie mir da gerade eröffnet hatte. Ein glückliches Lachen brach aus mir heraus. Ich hob sie hoch und wirbelte sie durch die Luft. Mary stieß ein erschrockenes Keuchen aus, dann lachte auch sie. Ich konnte es kaum glauben. Aber ich würde tatsächlich Vater werden. Und ich hatte die beste Frau an meiner Seite, die man sich nur wünschen konnte.