Ich nahm einen weiteren Bissen meines Abendessens. Meine Eltern saßen mir gegenüber. Wir schwiegen. Wie immer. „Mary, wir werden morgen für zwei Wochen verreisen. Zusammen mit Narzisst und Lucius.”, ergriff meine Mutter das Wort, „Tom und seine Anhänger werden vorerst hierher umziehen.”
Ich nickte knapp. „Wir möchten, dass du bei Draco Malfoy wohnst, während wir weg sind.”, sagte mein Vater. Innerlich verdrehte ich die Augen. Aber ich war auch erleichtert, dass ich nicht zwei Wochen lang alleine mit Tom und seinen Anhängern in einem Haus wohnen musste. „Sei morgen früh bitte fertig”, befahl meine Mutter, „Henriette soll dir helfen.”
Ich nickte erneut.
Es klopfte an meine Tür. „Herein.”, sagte ich leise. Henriette betrat mein Zimmer. „Ich soll Ihnen beim Packen helfen, Miss.”, sagte sie vorsichtig. „Danke Henriette.”, sagte ich kühl, “Aber das mache ich lieber alleine.”
Sie neigte den kopf und ging wieder. Ich warf wahllos Kleider in meine Tasche. Zehn Minuten später war ich fertig.
Dracos Sicht:
Es klingelte. Ich machte mich auf den weg zur Eingangshalle, wo schon die Stimmen von meinen Eltern und der Familie O’Sullivan zu hören waren. Ich betrat die Eingangshalle und mein Blick fiel zuerst auf Mary, die etwas abseits stand. Sie hatte ein aquamarinblaues Kleid an und trug ihre roten Locken offen. Wie an dem ersten Tag, an dem wir uns getroffen hatten. Ich begrüßte Marys Eltern und stellte mich dann neben Mary. „Hallo Mary. Schön, dass du da bist”, begrüßte ich sie. Mary sah zu mir noch: „ Draco.“
Ich konnte aus ihrem Blick und ihrer Stimme nicht genau schließen, ob sie sich freute, hier zu sein oder nicht. Bei Mary durfte man sich da nie so sicher sein. Unsere Eltern verabschiedeten sich und disapparierten. Wir schwiegen einige Sekunden. Schließlich brach ich die Stille: „Komm, ich zeige dir dein Zimmer.”
Sie reagierte nicht. „Oder willst du lieber bei mir im Zimmer schlafen?”, fragte ich grinsend. Mary nickte abwesend. Ich betrachtete sie verwirrt. Hörte sie mir überhaupt zu? Worüber dachte sie so intensiv nach, dass sie nicht einmal verstand, was ich sagte?
Marys Sicht:
Draco lief los und ich folgte ihm ohne überhaupt zu wissen, wohin. Verdammt, ich musste aufhören, darüber nachzudenken. Es war gefährlich. Ich durfte nichts fühlen! Später sollte ich mich unbedingt wieder okkludieren. Ich durfte nichts hinterfragen, sonst war ich tot. Nicht wirklich mein bevorzugtes Ende. „Wir sind da.”, unterbrach Draco meine Gedanken und ich konnte gerade noch stehen bleiben, bevor ich in ihn hineinlief. Bei Merlin Bart, ich war gedanklich schon wieder abgeschweift! Das musste ich dringend ändern. Draco öffnete die Tür und führte mich in mein Zimmer für die nächsten zwei Wochen. Es war meinem von zu Hause ähnlich. Die Einrichtung war quasi gleich. Nur war alles viel dunkler als in unserem Anwesen. „Richte dich in Rune ein.”, sagte Draco, „Ich bin in der Bibliothek. Falls du Hilfe brauchen solltest, ruf nach Topi.”
Ich bedankte mich. Draco wandte sich zum Gehen. „Habt ihr ein Klavier?”, fragte ich leise. Draco blieb an der Tür stehen. Er musterte mich fragend und ich glaubte, auch eine Spur Besorgnis in seinem Blick zu sehen. „Ja.“, antwortete er, „Im Musiksalon.“
Ich nickte leicht. Draco wartete ein paar Sekunden, dann ging er.

