“In der heutigen Stunde brauen Sie bitte ein Gegengift.”, ordnete Slughorn an, “Dafür dürfen Sie beliebige Tränke des Schulbuchs verwenden. Sie haben eine Stunde. Die Zeit läuft.”
Sofort begannen alle, in ihren Büchern zu blättern oder Zutaten zu suchen. Ich schlug mein Zaubertrankbuch irgendwo in der Mitte auf. Der Abschwell-Trank. Ich schüttelte genervt den Kopf. Wie langweilig! Ich würde meinen eigenen Trank brauen. Entschlossen schlug ich mein Schulbuch wieder zu, das würde ich nicht brauchen. Gegengifte waren sowieso langweilig. Ich stand auf und ging zum Zutatenschrank, um mir meine Zutaten zu holen.
“Die Zeit ist um!”, rief Slughorn eine Stunde später und ging rum, um die einzelnen Tränke zu bewerten. Blaise betrachtete meinen giftgrünen Trank misstrauisch: “Was ist das?”
“Nicht anfassen.”, sagte ich warnend, “Ich nenne diesen Trank flüssiges Avada. Er ist tödlich.”
Blaise starrte mich respektvoll an, dann wandte er ein: “Wir sollten ein Gegengift brauen.”
Ich zuckte mit den Schultern: “Oh nein! Da habe ich wohl was mit den Zutaten verwechselt.”
“Das glaube ich auch.”, sagte Slughorn, der in diesem Moment an unseren Tisch trat, “Was sollte das werden?”
“Ich weiß nicht genau.”, sagte ich gespielt unglücklich, “Ich dachte wirklich, dass es funktionieren würde. Besser, ich entsorge ihn schnell.”
Durch ein Schnippen meines Zauberstabes löste sich der giftgrüne Trank in Luft aus. Mit einem kurzen Nicken ging Slughorn weiter zu Potter und Weasley. Potter reichte ihm lediglich einen Stein. Slughorn brach in schallendes Gelächter aus. “Köstlich! Wirklich köstlich!”, rief er, “”Ein Bezoar. Also Harry…”
Potter grinste. Theo und ich verdrehten gleichzeitig die Augen. Blaise flüsterte genervt: “Der heilige Potter.”
Weasley war am nächsten Tag nicht im Unterricht. Nicht, dass es mich stören würde, aber es war ungewöhnlich. “Er wurde vergiftet.”, berichtete Daphne uns beim Mittagessen, was sie von ein paar Ravenclaws erfahren hatte, “Heute Morgen in Professor Slughorns Büro. Angeblich hat er irgendeinen Liebestrank zu sich genommen, woraufhin Potter ihn zu Slughorn gebracht hat. Nachdem er das Gegengift für den Liebestrank bekommen hatte, hat Slughorn eine Flasche Met aufgemacht. Anscheinend war sie vergiftet.”
Eine vergiftete Flasche Met. Mein Blick suchte Dracos. Er sah mich verunsichert an und bestätigte so meinen Verdacht. Draco hatte den Met vergiftet. Nur den Sinn dahinter verstand ich nicht ganz. Fast unmerklich schüttelte ich langsam den Kopf. Draco zuckte ein wenig zusammen und begann dann ein Gespräch mit Blaise. Ich beobachtete ihn weiter. Er hatte Angst vor mir. Zumindest ein bisschen. Meine Eltern hatten mir früh beigebracht, dass es gut war, wenn andere Angst vor einem hatten. Und Draco sah gut aus. Vielleicht war er ja tatsächlich die richtige Wahl, wenn es um einen Ehemann ging.

