“Was habt ihr noch aus meinem Verlies gestohlen?”, Bellatrix’ schrille Stimme tat mir in den Ohren weh und Hermine Granger schmerzerfüllten Schreie machten es nicht unbedingt besser. “Sag es mir, Schlammblut!”, tobte Dracos Tante weiter, “Crucio!”
Granger schrie und ich zuckte zusammen. Draco griff nach meiner Hand und drückte sie sanft. Er wusste genau, was gerade in mir vorging, denn er fühlte und dachte das gleiche. Wir mussten zusehen, wie Hermine Granger sich am Boden vor Schmerzen krümmte und konnten nichts tun, obwohl wir wussten, dass es falsch war. Bellatrix stellte ihre Frage immer und immer wieder und Granger leugnete zwischen ihren Schreien, dass sie im Verlies der Lestranges gewesen waren. Meine Hand in Dracos zitterte und er drückte sie fester, gab mir Halt, wo er selbst doch keinen hatte. Bilder zuckten vor meinem inneren Auge auf. Bilder von mir, vor Schmerzen schreiend auf dem Boden, über mir meine Mutter mit erhobenem Zauberstab. Ich musste ein Schluchzen unterdrücken. Draco merkte es. Mit dem Daumen strich er beruhigend über meine Hand. Erstaunlicherweise beruhigte es mich tatsächlich. Bellatrix schrie noch ein paar Mal: “Crucio!”
Dann ging der Tumult los. Potter und Weasley stürmten den Salon und begannen damit, Flüche auf uns abzuschießen. Bellatrix beendete diesen Kindergarten, indem sie Granger an den Haaren packte und ihr ein Messer an den Hals hielt. “Lasst die Zauberstäbe fallen oder das Schlammblut stirbt!”, drohte sie mit einer bösen Art von Amüsement in der Stimme. Ich unterdrückte ein Keuchen. Bellatrix würde Granger doch nicht wirklich in diesem Salon die Kehle durchschneiden oder? Traurigerweise war ich mir bei Bellatrix relativ sicher, dass sie es tun würde. Potter und Weasley ließen die Zauberstäbe fallen. Plötzlich quietschte etwas leiseSofort schnellten alle Blicke zum Kronleuchter an der Decke. Dort saß ein Hauself und drehte seelenruhig am Kronleuchter. “Lass das, Hauself!”, kreischte Narzissa Malfoy. Der Hauself sah sie böse an: “Sie können Dobby nichts befehlen. Sie werden Harry Potter und seinen Freunden nichts tun.”
Der Mut dieses Hauselfen war wirklich bewundernswert. “Wag es nicht!”, Narzissas Stimme war noch um einiges schriller als zuvor. Der Hauself ignorierte sie und drehte weiter. Schließlich fiel der Kronleuchter von der Decke. Bellatrix kreischte und stieß Granger von sich weg. sie wurde von Weasley aufgefangen. Potter und der Hauself traten zu ihnen und sie fassten einander an den Händen. “Nein!”, schrie Bellatrix und warf ihr Messer in dem Moment, in dem die Gruppe disapparierte. Ihr Messer verschwand und Bellatrix pustete sich mit einem bösen, zufriedenen Lächeln die Haare aus dem Gesicht. Ich verbarg mein erschrockenes Gesicht hinter einem zufriedenen Lächeln: “Gut gemacht Bellatrix, mein Onkel wird das zu würdigen wissen.”
Bellatrix wirkte noch zufriedener. Innerlich übergab ich mich. Wie hatte ich das alles nur jemals für richtig halten können? Hoffentlich hatte Bellatrix’ Messer keinen von ihnen getroffen. “Kinder, geht nach oben.”, wies Narzisse uns an, “Der Dunkle Lord wird bald hier eintreffen und er wird sehr wütend sein.”
Draco und ich nickten synchron und verließen den Salon. An der Abzweigung, wo sich die Wege zu unseren Zimmern trennten, umarmte Draco mich. “Ich ziehe mich schnell um.”, informierte er mich leise, “Dann komme ich zu deinem Zimmer. Warte dort auf mich.”
Ich nickte und sah ihm nach, als er davonging. Dann ging ich in mein Zimmer. Dort stellte ich mich ans Fenster und sah hinaus in den wolkenbehangenen Himmel. Ein paar Minuten später trat Draco neben mich. Schweigend standen wir einige Augenblicke lang nebeneinander am Fenster und sahen nach draußen. “Wollen wir raus gehen?”, fragte Draco schließlich, “Frische Luft wird uns gut tun.”
“Okay.”, willigte ich ein und folgte Draco nach draußen in den Rosengarten. Die frische Luft tat tatsächlich gut. Sie milderte meine stechenden Kopfschmerzen ein wenig. Draco legte einen Arm um meine Taille und zog mich näher zu sich. So liefen wir zwischen den Rosensträuchern hindurch. Über uns der nebelgraue Himmel. “Wir brauchen einen Plan, wie wir hier raus kommen.”, sagte Draco irgendwann. Ich lachte freudlos: “Ja, gut. Und wie sollen wir das bitte anstellen?”
“Ich weiß doch auch nicht!”, zischte Draco verzweifelt. “Wir haben keine Chance.”, sagte ich kalt, “Wir können nichts tun und wir sollten uns damit abfinden.”
“Wer es nicht versucht, der hat schon verloren.”, meinte Draco wütend. Ich starrte ebenso wütend zurück. Er schüttelte enttäuscht den Kopf. Ob er von mir enttäuscht war oder unserem Streit, konnte ich nicht sagen. Draco drehte sich um und ging ohne ein weiteres Wort zurück zum haus. Tränen begannen mir über die Wangen zu laufen. Warum musste nur alles so verdammt kompliziert sein? Passend zu meiner Stimmung begann es plötzlich zu regnen. Ich ließ meinen Tränen freien Lauf und setzte mich auf eine Bank, versteckt zwischen den Rosensträuchern. Unter anderen Umständen wäre es ein romantischer Ort. Was eine Ironie des Schicksals.

