Mary Elizabeth O’Sullivan | 10. Feuerrot

“Mary!”, rief eine Stimme hinter mir. Ich blieb stehen und drehte mich um. Am anderen Ende des Ganges war Draco und kam mit großen Schritten auf mich zu. Blaise und Theo, die mit mir auf dem Weg zum Essen waren, blieben ebenfalls stehen. Draco erreichte uns. Er warf einen kurzen Blick zu Blaise und Theo. Dann sagte er zu mir nur zwei Worte: “Heute Abend.”
Theo sah uns verwirrt an, Blaise fragend. Heute Abend also sollte Dumbledore sterben. Ich nickte Draco knapp zu. Er neigte kurz den Kopf und ging dann in die entgegengesetzte Richtung davon. Ich setzte meinen Weg zur Großen Halle fort. Theo und Blaise folgten mir. “Was ist heute Abend?”, fragte Blaise neugierig, als wir uns an den Slytherin-Tisch setzten. Ich schenkte ihm ein geheimnisvolles Lächeln: “Was denkst du?”
Er zuckte mit den Schultern: “Schlaft ihr miteinander?”
Ich spukte den Kürbissaft, den ich gerade getrunken hatte, wieder aus. Theo lachte über meinen geschockten Gesichtsausdruck. Eine Sekunde später hatte ich mich wieder unter Kontrolle. “Nein.”, antwortete ich Blaise, “Draco und ich füllen Aufträge aus.”
“Aufträge?”, fragte Theo mit gerunzelter Stirn, “Was für Aufträge?”
“Tut mir leid.”, sagte ich leicht herablassend, “Geheim.”
Theo und Blaise musterten mich misstrauisch. Ich stand auf: “Bis dann. Entscheidet weise, wenn es soweit ist.”
Sie sahen mir völlig verwirrt nach, als ich die Halle verließ.

Es war dunkel. Die Gänge von Hogwarts wurden nur durch den Mond erhellt. Ich war auf dem Weg zum Raum der Wünsche. Plötzlich stellten sich mir zwei Personen in den Weg. Theo und Blaise. “Was wollt ihr denn hier?”, fauchte ich gereizt. “Wir wollen wissen, was für Aufträge das sind.”, antwortete Blaise entschieden. Ich verdrehte die Augen: “Schön, ich sage es euch, aber danach muss ich euch leider umbringen.”
Theo und Blaise sahen mich finster an und zogen beide ihre Zauberstäbe. Ich grinste triumphierend: “Wollt ihr es immer noch wissen?”
“Kommen die Aufträge von Du-weißt-schon-wem?”, fragte Theo. Mein Grinsen erstarb. Ich nickte und holte einmal tief Luft. Keine Ahnung, wann ich beschlossen hatte, es ihnen zu erzählen, aber es kam mir richtig vor. Also begann ich zu erzählen: “In den Sommerferien hat Draco das Dunkle Mal bekommen. Voldemort hat ihm den Auftrag erteilt, Dumbledore zu töten. Ich helfe ihm.”
Blaise und Theo starrten mich etwas geschockt an. “Aber warum?”, fragte Theo vorsichtig. Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern: “Lord Voldemort ist mein Onkel.”
Blaise zog hörbar die Luft ein, Theo keuchte. Jetzt war es also raus. Ich lächelte fies und zog meinen Zauberstab. “War nett euch kennenzulernen.”, meine Stimme triefte vor Spott, “Denkt an meine Worte von heute Mittag.”
“Mary, warte!”, bat Theo, “Du musst das nicht tun.”
Mein Herz kämpfte gegen meinen Verstand. “Ich muss das nicht tun?”, ich lachte freudlos auf, “Ja, du hast recht.”
Kurz blitzte Hoffnung in ihren Augen auf. Doch Hoffnung war so eine Sache. Sie kam und ging schnell. Mit meinem nächsten Satz zerschmetterte ich sie: “Ich will es tun.”
Bevor sie noch etwas sagen konnten schockte ich sie. Sie umzubringen brachte ich nicht über mich, was mich ziemlich wütend auf mich selbst machte. Ich wurde schwach. Das musste ich ändern. Schnell machte ich mich auf den Weg zum Astronomieturm. Für den Raum der Wünsche war es vermutlich schon zu spät.

Dracos Sicht: 
Dumbledore und ich standen alleine auf dem. Astronomieturm. Dumbledore war entwaffnet. Ich wollte den Todeshauch sprechen, ich wollte es hinter mich bringen, aber ich konnte es nicht. Unten wurde gekämpft, der Lärm hallte zu uns nach oben. “Warum willst du mich umbringen, Draco?”, fragte Dumbledore. Ich war verzweifelt: “Ich habe keine Wahl!”
“Man hat immer eine Wahl.”, meinte Dumbledore sanft. Doch das stimmte nicht. Ich hatte keine Wahl. Zumindest keine realistische. Auf der Treppe ertönten leichte, schnelle Schritte und einige Sekunden später stürmte Mary durch die Tür. Ihre Haare waren zu einem Kranz geflochten. Einige feuerrote Strähnen hatten sich daraus gelöst und umrahmten ihr Gesicht. Sie richtete ihren Zauberstab auf Dumbledore und wirkte dabei so kalt und überlegen. Die Nichte des Teufels. Erneut ertönten Schritte auf der Treppe. Mehr dieses Mal. Eine kleine Gruppe Todesser betrat den Astronomieturm. Darunter Bellatrix und Severus. Mary achtete nicht auf sie. Ihre Aufmerksamkeit lag auf Dumbledore und dem Fluch, den sie sprach: “Avada Ke…”
Severus stieß sie zur Seite. “Severus, bitte…”, flüsterte Dumbledore. Aha, jetzt bat er also um Gnade. Aber Severus würde sie ihm nicht geben. Er sah Dumbledore kalt an: “Avada Kedavra.”
Dumbledore wurde nach hinten geschleudert und fiel aus dem Fenster. Einer der größten Zauberer der Welt war tot. Mary funkelte Severus wütend an. Ich verstand sie nicht. War sie wirklich wütend, weil sie den Mord nicht begehen durfte? Wir setzten uns in Bewegung und flohen vom Tatort.

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