Helena Andromeda | Kapitel 7

Am nächsten Morgen wurde ich von Tess geweckt, die in der Kochnische das Frühstück vorbereitete. Ich schälte mich aus der Hängematte, die wir inzwischen aufgehängt hatten und half Tess mit dem Frühstück. Während ich alles auf einem Tablett an Deck brachte, ging Tess zu den Kajüten, um Sammy, Ben und Alea zu holen. Da wir noch immer keinen Wind hatten, konnten wir alle zusammen essen und niemand musste am Steuer stehen. Sammy bekam eine Tafel Schokolade von Alea und legte sie sich ganz aufs Brot, was wir anderen mit einem Grinsen quittierten. Dann kam unser Gespräch zum Thema Fusseln, die Sammy sammelte. Er erklärte uns, welche verschiedenen Arten es gab und wie er sie sortierte. Ich schüttelte lachend den Kopf und konzentrierte mich auf mein Brot, das ich gerade mit Marmelade bestrich. Ein paar Minuten später flog eine Möwe über uns und schien landen zu wollen. Sofort starteten wir damit, die Möwe zu vertreiben, da Tess große Angst vor diesen Vögeln hatte. Die Möwe flog mit protestierendem Kreischen davon. „Danke.“, sagte Tess erleichtert. Sammy umarmte sie fest, dann flüchtete er so schnell es ging ins Deckshäuschen, Tess hinter ihm her. Ben lachte laut los. Und auch Alea und ich mussten lachen. Wir räumten den Tisch ab und brachten alles wieder unter Deck. „Waffenstillstand.“, verkündete Sammy zwinkernd, als wir wieder an Deck kamen. „Proben wir jetzt?“, fragte Lennox und die anderen nickten begeistert. Sofort liefen alle los, um ihre Instrumente zu holen. Ich blieb etwas ratlos an Deck stehen. Ben war der erste, der wieder bei mir oben ankam. „Du spielst kein Instrument oder?“, fragte er. Ich schüttelte den Kopf: „Keines, das wir hier haben. Ich spiele Klavier.“

„Aber du kannst singen.“, sagte Ben. Ich sah ihn überrascht an: „Woher…?“

Ben unterbrach mich: „Ich habe euch gehört. Dich und Lennox, als wir vom Tauchen gekommen sind.“

Ich nickte nur. Ben nannte mir ein paar Lieder, die sie spielten und ich kannte fast alle davon. Nach und nach stießen jetzt die anderen zu uns. Tess und ich teilten noch schnell die Texte auf. Ich war froh, dass sie es nicht schlimm fand, nicht mehr alleine zu singen, sondern mit mir zusammen. Dann begannen wir.

Nach der Bandprobe wollte Alea noch einmal schwimmen gehen. Sie und Ben standen an der Reling und diskutierten leise. Anscheinend machte Ben sich Sorgen, dass Alea wieder mit Walen mit schwimmen könnte. Lennox hatte sich an den Mast gelehnt und spielte auf seiner Gitarre. Tess war unter Deck und spülte das Geschirr, während Sammy am Bug saß und seine Fussel neu sortierte und ich die Wäsche aufhängte. Lennox trat zu Alea und Ben und mischte sich in ihre Diskussion ein. Ich konnte nicht verstehen, was sie sagten, aber ein paar Sekunden später trat Ben zu mir und half mir mit der Wäsche. „Mach dir keine Sorgen.“, sagte ich zu ihm, „Sie schafft das schon.“

Ben nickte seufzend und mir war klar, dass meine Worte ihn nur minimal beruhigt hatten, doch er ließ es sich kaum anmerken. Alea sprang über die Reling und Lennox kehrte zu seinem Platz am Mast zurück. Kurze Zeit später wurde Lennox allerdings unruhig. Er legte seine Gitarre ab und rannte unter Deck. Ben und ich tauschten einen verwirrten Blick. Lennox kam wieder zurück. „Irgendwas ist mit Alea.“, erklärte er hastig, „Ich muss zu ihr.“

„Lennox, warte. Was…“, doch bevor ich meinen Satz beenden konnte, war Lennox schon über die Reling gesprungen. Ich sah ihm erschrocken nach und auch Ben wirkte beunruhigt. Sammy kam zu uns: „Wo will Scorpio denn hin? Er kann doch gar nicht schwimmen.“

Ein erstickter Laut entkam mir und Ben griff beruhigend nach meiner Hand. Tess kam ebenfalls zu uns aufs Deck. „Was ist denn los?“, fragte sie, als sie unsere besorgten Gesichter erblickte. Ben erklärte ihr schnell die Situation. Doch im nächsten Moment hörten wir Geräusche auf der Leiter und wir alle verstummten. Zwei Taucher kletterten aufs Schiff. Sie nahmen ihre Masken ab und begannen mit bedrohlicher Haltung und schnellem Englisch auf uns einzureden. Nur einzelne, unzusammenhängende Worte kamen bei mir an. Ben antwortete mit eindringlicher Stimme und versuchte, die Männer zu beruhigen. Im nächsten Moment sprang Lennox aufs Deck und brachte den ersten Taucher mit einem Tritt zu Fall. Den zweiten schubste er über die Reling. Der erste hatte sich erholt, und nun sprang ich vor. Die Zeit auf der Straße kam mir jetzt nur zu Gute. Tess und Sammy kamen mir zu Hilfe. Und auch Ben und Lennox ließen nicht lange auf sich warten. Zusammen manövrierten wir auch diesen Taucher über Bord. „Sammy, Maschine an!“, rief Ben seinem kleinen Bruder zu, der schon auf halben Weg zum Heck war. Ben sprintete zum Ruder. Lennox lief zur Reling und half Alea an Bord. Sie sank auf der Sitzbank zusammen. Im nächsten Moment kam ein weiterer Taucher an Bord. Und er hatte ein Messer in der Hand.

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Lia | Kapitel 4

Am nächsten Morgen brachen wir auf. Ich hatte wieder meine alten Sachen, die Arwen für mich gesäubert hatte, an und meine Waffen und meinen Beutel mit dem Nötigsten umgeschnallt. Außerdem hatte Arwen mir eine Kette geschenkt. Der Anhänger war gold und vereinte Sonne, Mond und Sterne.

Die ersten Tage der Reise herrschte eine ziemlich distanzierte Stimmung. Wir sprachen nur das Nötigste miteinander. Doch it der zeit wurde es besser. Wir lernten uns kennen. Heute rasteten wir bei einer großen Gruppe von Steinen. Sam hatte Feuer gemacht und rührte in einem Kessel herum, der darüber hing. Es hatte sich sehr schnell herausgestellt, dass Sam gut kochen konnte und so war es zu seiner Aufgabe geworden. Gandalf und Gimli diskutierten über die beste Route und Boromir versuchte, Merry und Pippin den richtigen Umgang mit dem Schwert beizubringen. Aragorn und ich saßen daneben und gaben Tipps, während ich versuchte, meine Haare zu einer praktischen Frisur zu flechten. “Nimm das Schwert in beide Hände, Pippin.”, rief Aragorn und lachte leise. “Merry, hol ein bisschen mehr aus, du brauchst den Schwung für einen kraftvollen Schlag.”, erklärte ich dem Hobbit und löste meine halb geflochtene Frisur, da sie sich gerade ohnehin wieder auflöste. “Danke.”, antwortete Merry fröhlich auf meinen Tipp. “Brauchst du Hilfe?”, fragte plötzlich Legolas, der lautlos hinter mich getreten war. “Ja.”, sagte ich erleichtert und lächelte ihn an, “Danke Legolas.”
Er lächelte zurück und setzte sich hinter mich. Dann flocht er die Hälfte meiner Haare geschickt zu einem Kranz. “Danke.”, sagte ich noch einmal, als er fertig war. Er grinste: “Immer wieder gerne.”
Ohne uns abzusprechen standen wir auf, liefen zum Rand der Steinansammlung und blickten in die Ferne. “Was ist das?”, fragte Legolas plötzlich und deutete auf eine dunkle Wolke, die sich uns ziemlich schnell näherte. “Ein Wolkenfetzen.”, meinte Gimli gleichgültig. “Der sich ziemlich schnell bewegt.”, Boromirs Lachen hatte einem besorgten Tonfall Platz gemacht. “Crebain aus Dunland!”, rief Legolas im gleichen Moment, in dem ich schrie: “Versteckt euch!”
Boromir packte Merry und Pippin und stürzte sich mit ihnen in die Büsche. Aragorn und Frodo hechteten unter einen Felsen. Gimli schnappte sich Sam, der schnell unser Gepäck zusammengesucht hatte und Gandalf führte das Pony Lutz weg. Ich griff nach einem Kelch mit Wasser und schüttete es über das Feuer. “Lia!”, rief Legolas. Er saß unterhalb der Felsen in einem Baum. Ich rannte los und sprang. Legolas fing mich geistesgegenwärtig auf. Gerade. ich rechtzeitig. Schon erreichten die Crebain die Felsen, umschwirrten sie und zogen dann wieder ab. Wir warteten noch kurz und kamen dann langsam wieder aus den Verstecken. “Wir müssen den Pass des Caradhras nehmen.”, entschied Gandalf grimmig. Niemand widersprach ihm und so fanden wir uns ein paar Stunden später auf einem Berg in hüfthohem Schnee wieder. Legolas hatte kaum Probleme. Als Elb konnte er einfach über den Schnee laufen. Auch ich sank durch mein Elbenblut nicht ganz so tief ein wie Aragorn, Boromir und Gandalf. Die Hobbits hatten es am Schwersten. Frodo stolperte und purzelte den leichten Abhang wieder nach unten. Aragorn fing ihn auf. Doch bei dem Sturz hatte Frodo den Ring verloren. Der wurde gerade von Boromir aufgehoben. Er hielt den Ring an der Schnur vor sein Gesicht und starrte ihn wie hypnotisiert an. Ich wollte zu ihm gehen und ihm den Ring abnehmen, doch Legolas hielt mich zurück. Was vermutlich besser war. Ich war schließlich auch nicht immun gegen die Macht des Ringes. “Boromir.”, sagte Aragorn gefährlich ruhig, “Gib Frodo den Ring zurück.”
Frodo sah etwas erschrocken aus. Aragorns Hand lag auf dem Schwertgriff. Etwas wiederwillig gab Boromir den Ring zurück. Er überspielte es mit einem Lachen. Wir liefen weiter. Boromir ging jetzt neben mir. Er wirkte niedergeschlagen. “Es ist nicht deine Schuld.”, sagte ich leise, “Die Macht des Ringes ist stark.”
“Dir und Aragorn macht er nichts aus.”, meinte Boromir. Ich lächelte nachsichtig: “Ich glaube, der Ring ist stärker für die, die nach Machst streben. Du willst Macht. Das ist, zumindest in deinem Fall, nichts Schlimmes. Ich bin mir sicher, du wärst ein guter Herrscher. Aber im Gegensatz zu dir, wollen Aragorn und ich keine Macht. In Aragorns Fall hat er sich gar aktiv gegen Macht entschieden. Ich will nicht behaupten, dass der Ring uns nichts anhaben kann. Auch wir spüren die Macht. Nur eben einfach nicht so stark wie du.”
Boromir lächelte leicht: “Danke Lia.”
Ich erwiderte das Lächeln und ließ mich zurückfallen, bis ich neben Aragorn am Ende unseres Zuges lief. “Er fühlt sich schlecht.”, stellte Aragorn fest. Ich nickte nur. Aragorn seufzte leise. “Vermisst du Arwen?”, fragte ich ein paar Minuten später. Sobald er ihren Namen hörte, erschien ein Lächeln auf seinem Gesicht. “Ja.”, antwortete er schlicht, “Ich liebe sie.”
Ich lächelte leicht. So etwas wie Aragorn und Arwen wollte ich auch haben. “Du hast Arwen kennengelernt.”, sagte Aragorn, “Wie fandest du sie?”
“Sie ist wirklich nett.”, antwortete ich lächelnd. Dann schwiegen wir wieder. Kurze Zeit später wurde der Schnee noch tiefer. Links von uns befand sich eine glatte Felswand. Rechts ging es steil nach unten. Ein scharfer Wind kam auf und mit ihm bekam ich ein komisches Gefühl. “Irgendetwas stimmt hier nicht.”, murmelte ich eher zu mir selbst, “Das ist kein normaler Wind.”
“Was?”, fragte Frodo vor mir etwas verwirrt. Ich antwortete ihm nicht. Stattdessen brüllte ich: “Stopp!”
Gerade noch rechtzeitig bleib unser kleiner Zug stehen. Vor Legolas, der an der Spitze lief, fielen einige große Felsbrocken in die Tiefe. Der Wind wurde zu einem Sturm. Doch er wurde on einem seltsamen Flüstern begleitet. “Das ist Saruman.”, erklärte uns Gandalf mit lauter Stimme, “Er versucht, dem Berg zum Einsturz zu bringen!”
Na toll. Dann kamen einige Massen an Schnee zu uns runter und begruben uns darunter. Für einen Moment lang dachte ich, dass Saruman es tatsächlich geschafft hatte, den Berg zum Einsturz zu bringen und ich tot war. Doch dann wurde ich von Aragorn aus dem Schnee gezogen. Ich war also doch nicht tot. “Alles okay?”, fragte Aragorn besorgt. Ich nickte nur und sah mich um. Auch alle anderen Gefährten waren wohlbehalten wieder aus dem Schnee aufgetaucht. “Gandalf, wir müssen umkehren.”, drängte Aragorn. Brillante Idee. Der Mann war sympathisch. “Lasst uns die Pforte von Rohan nehmen.”, schlug Boromir vor. “Nein.”, widersprach Aragorn sofort, “Der Weg führt zu nah an Isengard vorbei.”
Auch Gimli mischte sich jetzt ein: “Wir sollten durch die Mienen Morias gehen. Mein Vetter Bali würde uns fürstlich begrüßen.”
“Lassen wir den Ringträger entscheiden.”, verkündete Gandalf. Der arme Frodo wirkte etwas überfordert. “Wir gehen durch die Mienen Morias.”, legte er fest. Gandalf neigte den Kopf: “So soll es sein.”

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Helena Andromeda | Kapitel 6

Ich saß neben Ben im Deckshäuschen. Wir schälten die Kartoffeln fürs Mittagessen, während Tess die Wäsche aufhängte und Sammy ein verheddertes Seil am Mast löste. Alea stand am Bug und versuchte etwas aus den Farben des Meeres zu lesen. „Es kommt Wind auf!“, rief Ben plötzlich und stellte die Schüssel mit den fertigen Kartoffeln weg, „Wir hissen die Segel!“

Auch ich legte mein Messer weg und alle versammelten sich, um die Segel zu setzen. Das funktionierte gut, denn mittlerweile wussten alle, was zu tun war. Als wir fertig waren, gingen alle wieder zurück an ihre Arbeiten. Alea ging unter Deck, um Kekse zu backen. Auch Lennox war dort unten, er flickte ein kaputtes Tau. Ein paar Minuten später kam Lennox an Deck und gesellte sich zu Ben und mir, während Tess unter Deck ging, um mit ihren Eltern zu telefonieren. „Braucht ihr Hilfe?“, fragte Lennox. Er wirkte etwas durcheinander und… enttäuscht? Ich musterte ihn Stirn runzelnd: „Alles okay?“

„Ja, es ist nur…“, er zögerte und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare, „Alea verhält sich so seltsam mir gegenüber.“

Ich sagte nichts, das war mir auch schon aufgefallen. Ben lächelte Lennox beruhigend an: „Das wird schon wieder. Ich glaube, sie muss gerade über vieles nachdenken und vor allem ist sie sich im Moment nicht einmal sicher, wer sie selbst wirklich ist. Gib ihr etwas Zeit.“

Lennox nickte und stieß die Luft aus: „Danke Ben.“

Ben grinste: „Kein Problem. Und jetzt wollen wir mal die Kartoffeln kochen.“

„Ich spiele ein wenig Gitarre, wenn das für euch okay ist.“, meinte Lennox. Ich lächelte ihn an: „Natürlich. Bis später.“

Zusammen mit Ben ging ich unter Deck, wo wir das Mittagessen zubereiteten.

Nach dem Mittagessen entschieden Sammy, Tess, Ben und Alea tauchen zu gehen. Lennox und ich würde auf dem Schiff bleiben. „Ist das wirklich in Ordnung für dich?“, fragte Ben, als wir alleine am Bug standen. Ich nickte lächelnd: „Das ist überhaupt kein Problem. Ich gehe sowieso nicht gerne tauchen.“

„Okay.“, sagte Ben sichtlich erleichtert. Die vier sprangen ins Wasser. Lennox saß im Deckshäuschen und lenkte das Schiff. Ich ging zu ihm: „Wollen wir ein bisschen Musik machen? So wie früher?“

Lennox lachte leise, stellte den Autopiloten an und ging seine Gitarre holen. Zusammen setzten wir uns in die Sitzecke. Lennox spielte Gitarre und ich sang dazu. Ein paar Lieder sang auch er mit. So verbrachten wir die Zeit, bis die anderen vier wieder zurückkamen. Ben war der erste, der nach etwa drei Stunden über die Reling kletterte. Er lächelte uns an. Nach ihm kamen auch die anderen drei. Lennox und ich gingen zu ihnen herüber und während sie ihre Taucherausrüstungen ablegten erzählten sie uns von ihrem Ausflug. Von dem Ruinendorf, das sie unter Wasser entdeckt hatten und von den Walen, denen Alea fast gefolgt wäre. „In diesem Dorf muss es mal Zivilisation gegeben haben.“ meinte Alea, „Ich glaube nicht, dass sie einfach umgezogen sind. Etwas Schlimmes muss passiert sein.“

Lennox nickte düster. Ben holte Wasser für alle außer Lennox, der es ja nicht trinken durfte. Als sich Aleas und Lennox‘ Knie berührten, wich Alea zurück und starrte entsetzt in ihr Wasserglas. Dann sprang sie auf und lief unter Deck. Mit der Ausrede, Tee für Lennox kochen zu müssen. Ben und ich tauschten einen wissenden Blick und ich nickte ihm zu. Dann folgte Ben Alea. Ein paar Minuten später ging ich mit den leeren Gläsern ebenfalls nach unten. Ben und Alea saßen nebeneinander auf dem Sofa. Ich bekam noch den Bens letzten Satz des Gespräches mit: „Könnte es nicht sein, dass Lennox dein Bruder ist?“

Ich schnappte nach Luft und ließ eines der Gläser fallen. Es zersprang am Boden in kleine Einzelteile. Ben und Alea drehten sich erschrocken zu mir um. Ich setzte eine gleichgültige Miene auf und sagte mit kühler Stimme: „Entschuldigt, ich wollte euer Gespräch nicht stören. Ignoriert mich einfach, ich mach das nur schnell weg.“

„Helena…“, setzte Ben an, aber ich brachte ihn mit einem Kopfschütteln zum Verstummen. Nach ein paar Sekunden widmeten die beiden sich wieder ihrem Gespräch. Ich räumte schnell die Scherben weg, bevor ich wieder an Deck ging. Dem Gespräch hörte ich nicht zu. In meinem Kopf wiederholte sich immer wieder Bens Satz: Könnte es nicht sein, dass Lennox dein Bruder ist.

Ich wollte das auf keinen Fall, es würde bedeuten, dass sie Lennox‘ richtige Schwester wäre. Sie würde sich in unsere Verbindung einschleichen und alles wäre anders als vorher. Dabei war es Lennox alleine, der meine Geheimnisse wusste und mich verstand. Ich wollte nicht, dass Alea das kaputt machte.

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Lia | Kapitel 3

Der Ringrat fand im Innenhof des großen Gebäudes statt. Als Aragorn und ich ihn betraten, waren bereits fast alle anwesend. Drei kleine Gruppen von Elben aus verschiedenen Gegenden, die sich untereinander angeregt unterhielten. So weit weg von ihnen, wie möglich, saßen ein paar Zwerge, die die Elben misstrauisch beäugten. Dann waren da noch Gandalf der Graue und ein kleiner Hobbit. Das musste Frodo sein, der Ringträger. Aragorn und ich setzten uns neben eine Gruppe Elben, von denen ich annahm, dass sie aus Düsterwald kamen.

Legolas’ Sicht:
Ich beobachtete die junge Frau, die zusammen mit Aragorn den Innenhof betreten hatte. Sie war eindeutig menschlich, aber irgendetwas stimmte da nicht. Nach ein paar Sekunden begriff ich, dass es ihre Bewegungen waren, die irgendwie elbisch wirkten. Ich erstarrte. Konnte es sein, dass sie eine Halbelbe war? Der Blick, mit dem sie sich umsah, zeigte außerdem von einer schnellen Auffassungsgabe und viel Konzentration und Aufmerksamkeit. Alles, was man für einen Kampf brauchte. Ob sie wohl kämpfen konnte? Ich konnte keine Waffen entdecken. Sie trug lediglich ein elegantes, dunkelrotes Elbenkleid. Auch die hochgesteckten, dunkelbraunen Haare, ließen sie eher wie eine brave Elbenfrau wirken. Genau die Art, für die ich mich eigentlich nicht interessierte. Eigentlich. Denn irgendetwas an dieser jungen Frau zog mich voll und ganz in ihren Bann.

Lias Sicht: 
Kurz nach uns trafen die Menschen ein, dann begann Elrond mit der Versammlung. Er berichtete uns, worum es ging und bat Frodo, den Ring in die Mitte unserer Versammlung auf einen Steintisch zu legen, was der junge Hobbit auch tat. “Wir müssen…”, setzte Elrond an, wurde aber von einem der Menschen unterbrochen: “Er ist ein Geschenk. Wir sollten ihn gegen Sauron einsetzen. Gebt Gondor den Ring.”
Aragorn stand auf: “Ihr könnt ihn nicht benutzen, Boromir. Alleine Sauron kontrolliert ihn.”
“Was weiß ein einfacher Waldläufer schon davon?”, fragte der Mensch, Boromir abfällig. Ein blonder Düsterwald-Elb sprang auf: “Er ist kein einfacher Waldläufer. Das ist Aragorn, Arathorns Sohn. Du bist ihm zur Treue verpflichtet.”
“Legolas, setzt dich.”, bat Aragorn auf Elbisch. Legolas, der blonde Elb, setzte sich wieder auf seinen Stuhl und auch Aragorn und Boromir ließen sich wieder auf ihre Plätze sinken. “Zerstören wir ihn doch einfach.”, schlug einer der Zwerge vor und bevor ihn jemand aufhalten konnte, war er aufgestanden und holte mit der Axt aus. Als sie auf den Ring traf, zersprang die Axt in mehrere Teile. Der Ring blieb unversehrt. Der Zwerg sah ziemlich geschockt aus, während um elronds Mundwinkel ein leichtes Schmunzeln tanzte. “Der Ring kann nicht zerstört werden.”, erklärte er, “Zumindest durch nichts, das wir hier haben. Im Feuer des Schicksalsberges geschmiedet, kann er nur dort zerstört werden. Einer von euch muss das tun.”
Schweigen. Langsam verstand ich, wofür Aragorn mich dabei haben wollte. Schließlich brach Boromir das Schweigen: “Man kann nicht einfach in den Schicksalsberg hineinspazieren.”
Er lang, als würde er es gerade einer Gruppe von Dummen erklären. Aber ich musste ihm recht geben. So einfach, wie Elrond es darstellte, war es nicht. Legolas sprang wieder aus: “Habt ihr nicht gehört, was Herr Elrond gesagt hat? Der Ring muss zerstört werden!”
“Und Ihr haltet Euch für den Richtigen?”, fragte der Zwerg mit der Axt böse. “Und was, wenn wir es nicht schaffen?”, Boromir stand ebenfalls auf. Auch der Zwerg sprang jetzt auf: “Eher sterbe ich, als den Ring in der Hand eines Elben zu sehen!”
Jetzt sprangen auch die anderen Männer auf und ein Streit brach los.

Legolas’ Sicht:
Ich diskutierte gerade lautstark mit einem dieser verdammten Zwerge, als eine laute Frauenstimme alle im Innenhof innehalten ließ: “Ruhe!”
Die junge Frau, die mit Aragorn gekommen war, war aufgestanden und hatte uns alle nur mit diesem einen Wort wieder in die Gegenwart zurückgeholt. “Was hat ein Weib uns schon zu sagen?”, fragte der Zwerg, mit dem ich gestritten hatte, mürrisch. Ich wollte mich umdrehen und ihn zurechtweisen, doch die junge Frau war schneller. Blitzschnell zog sie ein Schwert unter dem Kleid hervor und hielt es dem Zwerg an die Kehle. Damit hatte sich meine Frage, bezüglich ihrer Kampffähigkeiten, wohl geklärt. “Pass auf, dass das Weib dir nicht gleich den Kopf abhackt!”, zischte sie den Zwerg wütend an. Aragorn trat zu ihr und legte ihr beschwichtigend eine Hand auf den Arm: “Beruhig dich bitte, Lia.”
Lia also. Sie steckte das Schwert wieder weg und sah ruhig in die Runde: “Frodo wollte etwas sagen.”
“Ich bringe den Ring nach Mordor.”, wiederholte er, was wir Streitenden vorher offenbar überhört hatten, “Auch, wenn ich nicht weiß, wo das ist.”

Lias Sicht:
“Ich werde dir helfen, diese Borde zu tragen.”, schloss Gandalf sich ihm an. Auch Aragorn trat zu ihnen: “Sollte ich dich durch mein Leben oder meinen Tod schützen können, werde ich es tun.”
Legolas, der Zwerg mit der Axt und Boromir schlossen sich der Ring-Gemeinschaft an. Dann sprang plötzlich Sam aus dem Gebüsch: “Ohne mich geht Herr Frodo nirgendwo hin!”
“Wohl wahr.”, meinte Elrond halb belustigt, halb missbilligend, “Man kann euch nicht einmal trennen, wenn Frodo auf einer geheimen Versammlung eingeladen ist und du nicht.”
“Wir kommen auch mit!”, riefen Merry und Pippin und stürmten den Innenhof von der anderen Seite. Elrond sah jetzt etwas verwirrt aus. Ich spürte Aragorn Blick und sah zu ihm. In seinen Augen stand eine Frage. Ich nickte kaum merklich. Meine Entscheidung stand fest. Aragorn lächelte leicht. “Auch ich werde euch begleiten.”, verkündete ich und trat zu ihnen. “Aber… du bist eine Frau.”, wandte Boromir ein. Frauenfeindlicher Idiot! Sollte ich ihm lieber das Knie, den Fuß oder gleich das Schwert in die Kronjuwelen rammen? Aragorn schien zu ahnen, was ich dachte, denn er legte mir eine Hand auf die Schulter und schüttele leicht den Kopf. Na schön, dann halt nicht. Stattdessen lächelte ich Boromir unschuldig an: “Hast du ein Problem damit?”
“Ich glaube nicht, dass du stark genug bist.”, antwortete er geradeheraus. Meine Mordgedanken wurden von Aragorn unterbrochen: “Ich habe sie alleine eine Gruppe von Orks besiegen sehen. Ich versichere dir, dass sie stark genug ist.”
“Ich bin eine Waldläuferin.”, mischte ich mich ein, “Wenn ich nicht stark genug wäre, würde ich nicht hier stehen.”
Boromir sagte nichts mehr. “Zehn Gefährten.”, Elronds Stimme klang irgendwie feierlich, “So soll es sein.”
“Großartig!”, sagte Pippin, “Und wo soll es hingehen?”
Alle starrten ihn an, niemand antwortete. Ich hatte das ungute Gefühl, dass Merry und Pippin nicht den leisesten Schimmer einer Ahnung hatten, worauf sie sich hier eingelassen hatten.

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Lia | Kapitel 2

Die drei Hobbits, Aragorn und ich blieben vor der großen Eingangstür von Erlands Palast stehen. Aragorn klopfte und ein paar Sekunden später öffnete ein dunkelhaariger Elb die Flügeltür. Er führte uns in einen großen Salon und lächelte uns höflich an: “Elrond wird gleich hier sein. Setzt euch doch.”
Damit ließ er uns alleine. Wir setzten uns auf die Sessel und Sofas und tatsächlich betrat nur ein paar Minuten später ein weiterer Elb den Salon. Elrond. Auch ihn kannte ich nicht persönlich, aber ich hatte schon Gemälde von ihm gesehen, weshalb ich ihn sofort erkannte. Er musterte uns kurz, begrüßte uns mit einem Nickten und wandte sich dann an Aragorn. “Arwen hat mir bereits berichtet, dass ihr kommen würdet.”, sagte er mit ruhiger Stimme, “Ich habe Frodo versorgt. Er wird es überleben. Gandalf ist bei ihm. Er braucht Ruhe und ist noch nicht bei Bewusstsein. Ich nehme an, du weißt bereits vom Ringrat?”
Aragorn nickte: “Ja.”
“Sehr schön.”, erwiderte Elrond und wandte sich an die drei Hobbits, “Wir haben Zimmer für euch hergerichtet. Vor der Tür wartet Faldor auf euch. Er wird sie euch zeigen.”
Die Hobbits bedankten sich und verließen den Raum. Elrond setzte sich und musterte mich mit einem wissenden Blick. Was bitte wusste er, das ich nicht wusste? “Herzlich Willkommen in Bruchtal.”, sagte er mit einem schmalen Lächeln, “Ich bin Elrond. Wer seid Ihr?”
“Danke.”, sagte ich, ohne sein angedeutetes Lächeln zu erwidern, “Mein Name ist Lia.”
“Eine Waldläuferin?”, vermutete Elrond. Ich antwortete nur mit einem knappen Nicken. “Und eine Halbelbe?”, Elrond Frage brachte mich aus dem Konzept. “Woher…?”, begann ich, brach aber ab. Jetzt schlich sich ein echtes Lächeln auf Elronds Gesicht: “Ich habe euch ankommen sehen. Die Art, wie Ihr euch bewegt. Wie die Elben. Allerdings habt Ihr keine spitzen Ohren. Daher meine Vermutung, dass Ihr eine Halbelbe seid.”
Mein Blick huschte zu Aragorn. “Ja.”, beantwortete dieser meine unausgesprochene Frage, “Ich habe es geahnt.”
Ich sah wieder zu Elrond. Sein Lächeln war verschwunden. “Aragorn, warum hast du sie her gebracht?”, fragte er jetzt ganz direkt. Offenbar hatte Elrond genug von den ungezwungen, höflichen Plaudereien. “Ich habe sie gegen eine Gruppe von Orks kämpfen gesehen.”, erklärte Aragorn ihm, was er auch mir gesagt hatte, “Wir wissen beide, zu was das hier herauslaufen wird. Da können wir eine weitere Person, die gut mit Waffen umgehen kann, sehr gut gebrauchen.”
Elrond wirkte noch nicht ganz überzeugt, weshalb Aragorn hinzufügte: “Außerdem ist sie viel unterwegs als Waldläuferin. Vielleicht hat sie noch wichtige Informationen.”
Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück. Schön, wenn die beiden über mich reden wollten, als wäre ich überhaupt nicht da, sollten sie doch. Ich würde ihr wichtiges Gespräch jedenfalls nicht stören. “Gut.”, willigte Elrond nach einigen Augenblicken schließlich ein, “Lia kann bleiben.”
Aragorn neigte den Kopf. Elrond wandte sich an mich: “Es würde ich freuen, wenn Ihr uns beim Ringrat in drei Tagen ebenfalls Gesellschaft leisten würdet. Meine Tochter Arwen kann Euch sicher etwas angemessenes zum Anziehen geben.”
Ja klar, als ob. Er wollte mich ja nicht einmal hier haben. Doch ich neigte nur höflich den Kopf: “Wie Ihr wünscht.”
Damit war es beschlossen. Ich würde in drei tagen zu diesem geheimnisvollen Ringrat gehen.

Die nachten Tage in Bruchtal waren seit langer Zeit endlich mal wieder entspannend. Ich ging spazieren, erkundete die Gegend, trainierte auf dem Trainingsgelände (teilweise alleine, teilweise mit Aragorn) und machte einen Ausritt.
Am Morgen des dritten Tages wurde ich von einem Klopfen an meiner Zimmertür geweckt. Ich stand auf und öffnete die Tür. Mir gegenüber stand jetzt eine hübsche Elbe mit langen braunen Haaren und hellblauen Augen, die mich fassungslos anstarrte. “Lia!”, hauchte sie, “Du ist es wirklich!”
Ich runzelte leicht die Stirn: “Tut mir leid, aber kennen wir uns?”
Die fremde Elbe sah mich an, als hätte ich sie geschlagen. Dann setzte sie ein Lächeln aus: “Ich dachte, ich kenne dich. Mein Name ist Arwen. Ich richte dich für den Ringrat her.”
Das war also Arwen, Elronds Tochter. Mir entging nicht, dass sie die förmliche Anrede ignorierte. Das machte sie mir sympathisch, denn auch ich hielt nicht viel davon. Arwen trat in mein Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Dann legte sie ein Kleid auf mein Bett. Es war dunkelrot und typisch elbisch. Ich mochte Elben nicht besonders, schließlich hatte sie mich als Baby verstoßen, aber ihre Kleidung war schön. “Ich denke, das Kleid müsste dir passen.”, meinte Arwen, “Probier es mal an.”
Ich tat, was sie wollte und tatsächlich passte das Kleid wie angegossen. Es war aus festerem Stoff, als die Elben normalerweise trugen und als ich Arwen überrascht ansah, zwinkerte sie mir zu: “Du wirst mitten in einer Gruppe streitsüchtiger Männer sitzen. Und Männer greifen gerne zu ihre Waffen. Könnte sein, dass du dich verteidigen musst und dann wäre dieser hauchdünne Stoff nur kontraproduktiv.”
Ich musste grinsen. “Setz dich.”, befahl Arwen, “Ich mache dir die Haare.”

Eine halbe Stunde später konnte ich mich im Spiegel kaum wieder erkennen. Mit dem dunkelroten Elbenkleid und den hochgesteckten Haaren sah ich ganz und gar nicht mehr aus wie ich. Und das war wohl das Schlimmste. Aber für diese eine Ratssitzung würde es schon gehen. Arwen trat neben mich. Wir musterten uns gegenseitig im Spiegel. Sie trug ein ganz ähnliches Kleid wie ich, nur in hellblau. Überrascht musste ich feststellen, dass wir uns ähnlich sahen. Die gleichen, feinen Gesichtszüge, das gleiche Haar. Nur die spitzen Ohren besaß ich nicht und meine Augen waren irgendwie anders. Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, klopfte es erneut an meiner Tür. Ich riss den Blick vom Spiegel los und öffnete. Aragorn stand im Türrahmen. “Lia, bist du fertig?”, fraget er. Die Förmlichkeiten hatten wir beim gemeinsamen Training abgelegt. “Ich wollte dich zum Ringrat ab…”, er brach ab, als er Arwen hinter mir entdeckte. Plötzlich war sein Gesicht mit so viel Liebe und Zuneigung überzogen, dass ich den Blick abwenden musste. Arwen erwiderte seinen Blick mit der selben tiefen Liebe. Sie lächelte uns beide noch einmal an und drückte sich dann an Aragorn vorbei, hinaus aus meinem Zimmer. Aragorn sah ihr ein paar Herzschläge lang nach, dann wandte er sich mit einem fragenden Gesichtsausdruck wieder mir zu. Ich nickte nur: “Ich bin fertig.”
Zusammen verließen wir mein Zimmer.

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Lia | Kapitel 1

Drehung, Schlag. Lau raschelte unter meinen Füßen, während ich mit dem Schwert auf die Orks um mich herum einschlug. Ich gab mir kaum Mühe. Die Orks waren mittlerweile nur noch zu siebt und sie waren alle nicht besonders schlau. Ich nagelte einen von ihnen an den Baum. Noch sechs. Schwarzes Blut spritzte auf den Boden, als ich den nächsten köpfte. Fünf. Das machte fast schon Spaß.

 

Aragorns Sicht:
Kampflärm ließ uns innehalten. “Ihr wartet hier.”, wies ich die drei Hobbits an, die mit mir unterwegs waren, “Ich schaue nach, ob da jemand Hilfe braucht.”
Ohne ihre Antwort abzuwarten, lief ich los. Meine Schritte auf dem laubbedeckten Waldboden waren beinahe lautlos und ich suchte mir geschickt Deckung hinter den Baumstämmen. ein paar Augenblicke später kam ich oberhalb eines kleinen Tals zum Stehen. Unter mir auf der Lichtung kämpften vier Orks gegen eine junge Frau mit langen, braunen Haaren. Sie war wirklich gut, das konnte man auf den ersten Blick erkennen. Ihre Bewegungen waren so schnell, dass sie überall zu sein schien. Fast sah es so aus, als würde sie tanzen, so elegant, kraftvoll und leichtfüßig wirbelte sie über den Platz. Erneut fiel ein Ort. Sein Kopf rollte noch ein paar Meter weiter. Das riss mich aus meiner Beobachtung.

 

Lias Sicht: 
Noch drei Orks. Langsam wurde es langweilig. Ich hatte gerade beschlossen, die verbliebenen dunklen Gestalten jetzt schnell zu töten, da sprang ein Mann mit dunkler Kleidung leichtfüßig neben mir auf die Lichtung. Er mischte sich auf meiner Seite in den Kampf ein und bewundernd stellte ich fest, dass er sogar noch besser mit dem Schwert umgehe konnte, als ich. Ein paar Herzschläge später waren die Orks Geschichte. Leicht angewidert wischte ich mein mit schwarzem Blut überzogenes Schwert an den Lumpen eines Orks ab. Dabei ließ ich den fremden Mann keine Sekunde aus den Augen. Er hatte sein Schwert weg gesteckt und die Kapuze abgenommen. So konnte ich erkennen, dass er schulterlange, dunkelbraune Haare und graublaue Augen hatte. Auch er ließ mich seinerseits keine Sekunde aus den Augen. Ein paar Sekunden lang starrten wir uns abschätzend an. Schließlich brach der Fremde das Schweigen: “Ihr habt einen seht guten Kampfstil. Wo habt Ihr den Umgang mit dem Schwert gelernt?”

Ich schwieg ein paar Augenblicke, wog ab, ob ich ihm antworten sollte. Dann sagte ich knapp: “Ich nehme an, wie auch Ihr gelernt habt. Ihr seid ach ein Waldläufer?”
Er nickte: “Mein Name ist Streicher.”
Eine Lüge, die ich durchschaute. Obwohl ich ihn nur aus Erzählungen kannte, war ich mir sicher, dass der fremde Mann vor mir Aragorn war. Doch ich ging nicht auf seinen Decknamen ein, sondern warf ihm ein leichtes Lächeln zu: “Lia.”

“Ich bin auf dem Weg zum Ringrat in Bruchtal.”, erzählte Aragorn alias Streicher, “Wenn die Entscheidung so ausfällt, wie ich vermute, könnten wir Eure Kampftricks gut gebrauchen. Begleitet Ihr mich?” Ich antwortete, bevor ich noch einmal darüber nachdenken konnte: “Ja, ich begleite Euch, aber ob ich Euch helfen werde, entscheide ich, wenn es soweit ist.”

Aragorn/Streicher neigte den Kopf und lief los. Ich folgte ihm. Das würde spannend werden!

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Helena Andromeda | Kapitel 5

Wir stiegen aus dem Beiboot, mit dem wir zum Strand von Renesse gefahren waren. Schweigend liefen wir den Strand entlang. Plötzlich packte Tess Aleas Arm und versteckte sich hinter ihr. „Was ist los?“, fragte ich etwas verwirrt. Tess deutete nur nach vorne, wo gerade eine Möwe auf uns zu flog. „Du hast Angst vor dem Vogel da?“, sprach Alea die Frage aus, die auch mir auf der Zunge gelegen hatte. Tess erklärte uns mit gepresster Stimme, das sie mal fast ein Auge verloren hatte, weil sie von einer Möwe angegriffen worden war. Alea hatte die Idee, Tess in die Mitte zu nehmen, sodass sie von allen Seiten von den Möwen abgesichert war. Wir setzten die Idee sofort um und wankten so alle zusammen über den Strand, was uns leicht verstörte Blicke von den anderen Strandbesuchern einbrachte. An der Straße lösten wir den Kreis um Tess, die sich mit Tränen in den Augen, leise bedankte. Alea nahm sie in den Arm. Das fand Sammy toll, weshalb er sich zu den beiden in einer Gruppenumarmung gesellte. Ben zog mich zu ihnen in die Umarmung herein und nach kurzem Zögern und gute Zureden gesellte sich auch Lennox zu uns. Automatisch legten wir alle nach ein paar Augenblicken die Hände übereinander: „Alpha Cru!“

Wir schossen noch ein Selfie und dann mussten wir uns beeilen, um das Jugendamt noch rechtzeitig zu erreichen. Während Lennox und Alea hineingingen, warteten Sammy, Tess, Ben und ich draußen. Wir setzten uns auf die Treppe und warteten in etwas angespanntem Schweigen. Ich sah mich immer wieder nervös um. Das schien Ben aufzufallen. Er warf mir besorgte Blicke zu. Lennox und Alea kamen wieder nach draußen und erzählten uns, was sie herausgefunden hatten. Anscheinend wurde am selben Tag wie Alea noch ein weiteres Kind auf die selbe Weise abgegeben. Das war wirklich merkwürdig. Wir beschlossen zum Südstrand zu gehen, das war der Strand, an dem Alea damals abgegeben wurde. Er war wunderschön mit feinem, weißen Sand. Alea entdeckte etwas weiter weg und wir liefen langsam darauf zu. Als wir näher kamen, erkannten wir, dass es ein toter Orca war. Alea brach weinend hinter einem Strandkorb zusammen. „Das war mein Orca!“, schluchzte sie. Die anderen sagen sie nur hilflos an. Ich jedoch wusste genau, wie Alea sich gerade fühlte. Ich setzte mich neben sie in den Sand und nahm sie wortlos in den Arm. „Sie öffnen jetzt den Bauch des Wales.“, informierte Ben uns. Ich sagte nichts. Ben bemerkte nicht einmal, dass das gerade ziemlich unsensibel gewesen war. „Was ist das?“, fragte Lennox plötzlich und zog scharf die Luft ein, „Alea, das musst du dir ansehen!“

Alea spähte um den Rand des Strandkorbes. „Da steht was drin!“, keuchte Alea. Jetzt sah auch ich um die Ecke des Korbes. „Ich hole sie.“, entschied Lennox und lief auch schon los. Nur ein paar Sekunden später war er auch schon wieder da. Mit der Kugel in seiner Hand. Es war eine Schneekugel. Er gab sie Alea. Diese drehte sie um und schnappte nach Luft: „Da, die Schrift!“

Tess blinzelte verwirrt: „Da steht nichts.“

„Doch.“, Lennox kniff angestrengt die Augen zusammen, „ Ich kann es lesen.“

„Was steht denn da?“, fragte Sammy ungeduldig. Alea las vor, was wir anderen nicht lesen konnten: „Ihr, die ihr dies lesen könnt, kommt nach Loch Ness.“

„In welcher Sprache ist das?“, wollte Ben wissen. Alea zuckte ratlos mit den Schultern: „Es muss Wassersprache sein. Also ich meine, Wasserschrift.“

Tess sah Lennox misstrauisch an: „Warum kannst du das lesen? Konntest du Alea etwa auch verstehen, als sie mit den Kobolden geredet hat?“

Lennox nickte unschlüssig. Ich sah zwischen Alea und Lennox hin und her: „Ihr seid also beide irgendwie das Gleiche oder zumindest etwas Ähnliches.“

Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Lennox sah mich fest an: „Das müssen wir herausfinden.“

Alea nickte: „Wir müssen nach Loch Ness!“

„Wie gut, dass wir ein Segelschiff haben.“, sagte Ben grinsend. Sammy lachte: „Los geht’s!“

Und schon rannten wir über den Strand davon. Zurück zur Crucis.

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Helena Andromeda | Kapitel 4

Sammy und ich starrten nach unten ins Wasser. Ben war abgetaucht und nicht mehr zu sehen. Während ich wie erstarrt war, sprang Sammy seinem Bruder plötzlich hinterher. „Sammy, nein!“, schrie ich noch, doch es war schon zu spät. Tess fluchte leise und sprang dann mit grimmigem Gesichtsausdruck ebenfalls über die Reling. „Ich muss auch rein.“, sagte Alea plötzlich. „Nein!“, antwortete Lennox entschieden, „Das ist auch mit Kiemen zu gefährlich.“

Ich sah ihn fassungslos an: „Kiemen?“

„Lange Geschichte.“, wich Lennox aus und wandte sich wieder an Alea, um weiter mit ihr zu diskutieren. Ich sah, wie Ben und Sammy im Wasser miteinander rangelten und traf eine Entscheidung. Ich sprang ebenfalls über Bord. Oben hörte ich Lennox und Alea erschrocken keuchen, dann tauchte ich ins Wasser. Ben und Sammy befanden sich gerade an der Schiffsschraube, wo Ben eine lange Plastikplane Stück für Stück abschnitt. Plötzlich tauchte auch Alea ins Wasser ein. Als ich sie ansah, erstarrte ich. Alea war grün. Und sie hatte Schwimmhäute und Kiemen! Auch Tess, die auf Aleas anderer Seite schwamm, wirkte ziemlich fassungslos. Sammy und Ben, die gerade zum Luft holen nach oben kamen, erstarrten ebenfalls. Und plötzlich eine weitere Erschütterung im Wasser. Lennox war zu ihnen gesprungen. Alea schwamm sofort zu ihm und tauchte mit ihm auf. Tess, Ben, Sammy und ich folgten ihnen. „Du bist eine Meerjungfrau!“, rief Sammy begeistert. Tess schien an ihrem Verstand zu zweifeln: „Ist das wahr?“

Alea nickte etwas zerknirscht. Dann versprach sie, uns später alles zu erzählen. Ben wollte wieder untertauchen, um sich weiter um die Schiffsschraube zu kümmern, doch Alea hielt ihn zurück. „Ich werde Hilfe aus dem Meer holen.“, entschied sie. Schneller, als wir widersprechen konnten, war sie auch schon weggeschwommen. Ben hielt es nicht lange aus, zu warten. Er beschloss, erneut zur Schiffsschraube zu tauchen. „Nein.“, flehte ich leicht verzweifelt, „Ben, tu das nicht.“

Er lächelte mich entschuldigend an, drückte kurz meine Hand und tauchte dann ab. Sammy begann zu brüllen und Tess packte ihn schnell, damit er Ben nicht hinterher schwamm. Ich war wie erstarrt. Was, wenn Alea nicht rechtzeitig zurück kam? Was, wenn die Schiffsschraube Ben tatsächlich umbrächte? Da tauchte Alea plötzlich wieder auf. Ich hörte, wie Lennox hinter mir erleichtert die Luft ausstieß. Um Alea herum tauchten plötzlich eine Menge kleiner, bunter Wesen auf. Fassungslos starrte ich sie an. Waren das Kobolde? Ben tauchte wieder auf. Alea nahm ihm das Messer ab und tauchte mit den Kobolden unter. Tess und ich kletterten zurück an Bord, um das Schiff zu steuern, sobald Alea es geschafft hatte, die Schraube zu befreien. Daran, dass sie es schaffen würde, zweifelten wir nicht. Tatsächlich setzte die Crucis sich einige Zeit später wieder in Bewegung. Kurze Zeit später kletterten auch Alea, Lennox, Ben und Sammy wieder an Bord. Tess stellte den Motor ab und wir gingen zu den anderen. Ben, Sammy und Tess begannen, Alea mit Fragen zu bombardieren. Ich hielt mich etwas abseits. Alea war anders, das wusste ich nun mit Sicherheit. Und das war gut, damit war ich mir auch relativ sicher. Die andere kannten sie länger, daher waren sie verständlicherweise ein wenig sauer und wollten alles sofort wissen. Ich würde Alea jedoch in Ruhe lassen. Schließlich hatte ich selbst einige Geheimnisse, die ich den anderen noch nicht anvertrauen wollte. „Wie viele Geheimnisse hast du eigentlich?“, fragte Ben gerade. Seine Stimme hatte einen leicht enttäuschten Unterton. Plötzlich sprang Lennox mit einem Knurren vor Alea: „Keine Fragen mehr!“

Alea zog ihn außer Hörweite und sie diskutierten kurz. Dann kamen sie zurück und Lennox entschuldigte sich bei Ben. Dieser sah ihn nur warnend an: „Was sollte das?“

„Ich weiß es nicht.“, antwortete Lennox schuldbewusst, „Ich habe ständig das Gefühl, Alea beschützen zu müssen.“

Das ergab Sinn, warum sonst wäre er einfach auf ein Schiff gegangen? Oder hätte sich in voller Absicht in den Regen gestellt? Plötzlich durchzuckte mich ein Gedanke. Was, wenn Lennox auch so war wie Alea? Er konnte magische Dinge. Allerdings bekam er keine Kiemen. Aber was, wenn er etwas Ähnliches war, wie sie? Alea erzählte ihnen jetzt die ganze Geschichte. Von der Krankheit, von der sie jahrelang dachte, dass sie sie hätte, von ihrer Verwandlung bis hin zu jetzt. Das alles klang ziemlich verrückt. Und hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, hätte ich es nicht geglaubt. Doch ich hatte es gesehen und so bleib mir nichts anderes übrig, als einzusehen, dass es eine magische Welt im Wasser tatsächlich gab.

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Fenya Nordström | 1. Herzlich Willkommen in Hogwarts

“Bereit?”, fragte Björn und musterte mich aufmerksam. Ich zwang mir ein Lächeln auf die Lippen und nickte. Zusammen betraten wir das Gelände von Hogwarts. Es war noch früh am morgen und die Sonne ging gerade erst auf, als wir auf das Schloss zuliefen. Wir kamen an einer kleinen Hütte aus Stein vorbei. Im Garten vor der Hütte wuchsen die größten Kürbisse, die ich je gesehen hatte. Wir erreichten das große Eingangsportal und betraten das Schloss. In der Eingangshalle kamen uns ein paar wenige Schüler entgegen, die zum Frühstück gingen. Wir blieben stehen, da wir keine Ahnung hatten, wohin wir mussten. Ein rothaariger Junge, etwa in meinem Alter, kam zu uns: “Kann ich euch helfen?”

“Ja.”, antwortete ich mit einem höflichen Lächeln, “Wir wollen zu Professor Dumbledore. Wie kommen wir zu seinem Büro?”

“Ich kann euch hin bringen.”, bot der Junge an. Ich nahm das Angebot mit einem Nicken an und wir liefen los. “Ich bin übrigens Charlie Weasley.”, stellte er sich vor. Ich lächelte: “Fenya Nordström.”

Dann deutete ich auf Björn, der ein paar Meter hinter uns lief: “Das ist Mister Blomqvist.”

“Wir sind da.”, informierte Charlie uns ein paar Sekunden später. Wir standen in einem verlassenen Gang vor einem Wasserspeier. “Schokofroschkarte.”, sagte Charlie an den Wasserspeier gewandt, der eine Treppe freigab. “Die Treppe hoch ist Dumbledores Büro.”, erklärte Charlie, “Ich gehe dann mal zum Frühstück. Man siehts sich, Fenya.”

“Bis dann.”, sagte ich und sah ihm ein paar Wimpernschläge lang nach, als er ging. “Na komm.”, sagte Björn und und ging vor. Ich folgte ihm die Treppe nach oben vor eine dunkle Holztür, an die Björn klopfte. Fast sofort ertönte eine Stimme von innen “Herein.”

Björn öffnete die Tür und betrat, gefolgt von mir, das Büro. Hinter einem großen Schreibtisch saß ein alter Zauberer mit langen, silberweißen Haaren und Bart. Er begrüßte uns mit einem freundlichen Lächeln: “Fenya, es freut mich, dich am Hogwarts begrüßen zu dürfen.”

Ich erwiderte das Lächeln: “Vielen Dank, Professor Dumbledore.”

“Dein Vater hatte keine Zeit, dich zu begleiten?”, fragte Dumbledore freundlich. Ich verzog leicht das Gesicht: “Er hatte keine Lust.”

Dumbledores Lächeln erstarb und er nickte leicht. Dann deutete er auf Björn: “Wer sind Sie, wenn ich fragen darf?”

“Tut mir leid, ich habe vergessen, mich vorzustellen. Wie unhöflich von mir.”, sagte Björn, während er neben mich trat, “Ich bin Björn Blomqvist. Fenyas Bodyguard.”

Dumbledore runzelte leicht die Stirn: “Sie wollen das alles sicher nicht an die große Glocke hängen.”

“Nein.”, antwortete Björn. “Ich schlage vor, Sie unterrichten Verteidigung gegen die Dunklen Künste hier.”, sagte Dumbledore, “So können sie Fenya unauffällig im Auge behalten. Ich würde Sie auch bezahlen.”

Björn sah zu mir. Ich zuckte mit den Schultern: “Es ist eine gute Idee. Was meinst du Björn?”

Er lächelte leicht: “Gut, dann machen wir das so.”

Ich grinste: “Sehr schön, Professor Blomqvist.”

Dumbledore lächelte: “Fenya, du wirst jetzt noch in eines unserer vier Häuser eingeteilt. Jedes hat seine eigenen Fähigkeiten. Weißt du darüber Bescheid?”

Ich nickte: “Ich habe mich auf dem Weg von Schweden nach hier etwas informiert.”

Dumbledore nickte wohlwollend, erhob sich und reichte mir einen alten Hut vom Schrank: “Einfach aufsetzen.”

Ich setzte mir den Hut auf den Kopf und erschrak, als er zu sprechen begann: “Keine Hufflepuff. Slytherin auch nicht, hm? Gryffindor würde passen. Aber noch besser ist Ravenclaw!”

Das letzte Wort hatte er wohl laut ausgesprochen, denn Dumbledore applaudierte. Ich nahm den Hut vom Kopf und gab ihn zurück. Dumbledore lächelte: “Sehr schön. Ich denke, nun ist alles geklärt. Draußen wartet unser Schulsprecher Bill Weasley auf dich, Fenya. Er wird dir die Schule zeigen und deinen Stundenplan geben. Dein Koffer befindet sich bereits in deinem Schlafsaal.”

“Danke, Professor.”, sagte ich und verließ das Büro. Vor der Tür wartete ein Junge mit langen, roten Haaren auf mich. Er streckte mir eine Hand entgegen, als er mich sah: “Hi, ich bin Bill.”

“Fenya.”, antwortete ich lächelnd. “Erstmal: Herzlich Willkommen in Hogwarts.”, sagte er, “Komm, ich zeige dir die Schule.”

Zusammen liefen wir los.

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Fenya Nordström | Prolog

Die dunkle Bürotür war einschüchternd. Beängstigend. Ich atmete tief durch, legte die Hand auf die Klinke. Doch dann machte ich doch erneut einen Rückzieher und drehte mich wieder zu meinem Bodyguard Björn um: „Du weißt wirklich nicht, warum ich zu ihm muss?“

Er schenkte mir ein mitfühlendes Lächeln und schüttelte den Kopf. Ich seufzte leise und drehte mich wieder zur Tür. Einmal atmete ich noch tief durch, dann öffnete ich die Tür und betrat das Büro meines Vaters. „Du bist spät.“, merkte er an, ohne mich anzusehen. Ich räusperte mich: „Ja. Ich war… duschen.“

Er nickte, schlug seine Akte zu. Sah mich jedoch noch immer nicht an: „Setz’ dich.“

Zögernd befolgte ich seine Anweisung und setzte mich auf den Sessel vor seinem Schreibtisch. Unser Verhältnis war nicht gut. Nicht mehr. Früher hatten wir uns gut verstanden. Wir hatten immer viel Spaß zusammen. Doch dann war meine Schwester Freya nach Frankreich gezogen und hatte den Kontakt abgebrochen und mein Vater hatte mehr gearbeitet, hatte keine Zeit mehr für mich. Und dann war auch noch meine Mutter gestorben. Seit dem konnte mein Vater mich nicht mehr ansehen. Ich sehe ihr zu ähnlich, sagte er, obwohl ich ein Metamorphmagus war. „Ich habe überlegt, dass es besser für dich ist, nach England zu ziehen.“, erklärte mein Vater, „Du bist hier nicht mehr sicher.“

Ich war mir ziemlich sicher, dass das nicht der einzige Grund war. Er wollte mich loswerden. Als hätte er meine Gedanken gelesen, fügte er hinzu: „Du bist meine Tochter. Ich liebe dich und ich will nur das Beste für dich.“

Nichts, als leere Worte. Dennoch nickte ich, denn ich wollte nichts mehr, als so weit wie möglich weg von ihm.

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