Helena Andromeda | Kapitel 7

Am nächsten Morgen wurde ich von Tess geweckt, die in der Kochnische das Frühstück vorbereitete. Ich schälte mich aus der Hängematte, die wir inzwischen aufgehängt hatten und half Tess mit dem Frühstück. Während ich alles auf einem Tablett an Deck brachte, ging Tess zu den Kajüten, um Sammy, Ben und Alea zu holen. Da wir noch immer keinen Wind hatten, konnten wir alle zusammen essen und niemand musste am Steuer stehen. Sammy bekam eine Tafel Schokolade von Alea und legte sie sich ganz aufs Brot, was wir anderen mit einem Grinsen quittierten. Dann kam unser Gespräch zum Thema Fusseln, die Sammy sammelte. Er erklärte uns, welche verschiedenen Arten es gab und wie er sie sortierte. Ich schüttelte lachend den Kopf und konzentrierte mich auf mein Brot, das ich gerade mit Marmelade bestrich. Ein paar Minuten später flog eine Möwe über uns und schien landen zu wollen. Sofort starteten wir damit, die Möwe zu vertreiben, da Tess große Angst vor diesen Vögeln hatte. Die Möwe flog mit protestierendem Kreischen davon. „Danke.“, sagte Tess erleichtert. Sammy umarmte sie fest, dann flüchtete er so schnell es ging ins Deckshäuschen, Tess hinter ihm her. Ben lachte laut los. Und auch Alea und ich mussten lachen. Wir räumten den Tisch ab und brachten alles wieder unter Deck. „Waffenstillstand.“, verkündete Sammy zwinkernd, als wir wieder an Deck kamen. „Proben wir jetzt?“, fragte Lennox und die anderen nickten begeistert. Sofort liefen alle los, um ihre Instrumente zu holen. Ich blieb etwas ratlos an Deck stehen. Ben war der erste, der wieder bei mir oben ankam. „Du spielst kein Instrument oder?“, fragte er. Ich schüttelte den Kopf: „Keines, das wir hier haben. Ich spiele Klavier.“

„Aber du kannst singen.“, sagte Ben. Ich sah ihn überrascht an: „Woher…?“

Ben unterbrach mich: „Ich habe euch gehört. Dich und Lennox, als wir vom Tauchen gekommen sind.“

Ich nickte nur. Ben nannte mir ein paar Lieder, die sie spielten und ich kannte fast alle davon. Nach und nach stießen jetzt die anderen zu uns. Tess und ich teilten noch schnell die Texte auf. Ich war froh, dass sie es nicht schlimm fand, nicht mehr alleine zu singen, sondern mit mir zusammen. Dann begannen wir.

Nach der Bandprobe wollte Alea noch einmal schwimmen gehen. Sie und Ben standen an der Reling und diskutierten leise. Anscheinend machte Ben sich Sorgen, dass Alea wieder mit Walen mit schwimmen könnte. Lennox hatte sich an den Mast gelehnt und spielte auf seiner Gitarre. Tess war unter Deck und spülte das Geschirr, während Sammy am Bug saß und seine Fussel neu sortierte und ich die Wäsche aufhängte. Lennox trat zu Alea und Ben und mischte sich in ihre Diskussion ein. Ich konnte nicht verstehen, was sie sagten, aber ein paar Sekunden später trat Ben zu mir und half mir mit der Wäsche. „Mach dir keine Sorgen.“, sagte ich zu ihm, „Sie schafft das schon.“

Ben nickte seufzend und mir war klar, dass meine Worte ihn nur minimal beruhigt hatten, doch er ließ es sich kaum anmerken. Alea sprang über die Reling und Lennox kehrte zu seinem Platz am Mast zurück. Kurze Zeit später wurde Lennox allerdings unruhig. Er legte seine Gitarre ab und rannte unter Deck. Ben und ich tauschten einen verwirrten Blick. Lennox kam wieder zurück. „Irgendwas ist mit Alea.“, erklärte er hastig, „Ich muss zu ihr.“

„Lennox, warte. Was…“, doch bevor ich meinen Satz beenden konnte, war Lennox schon über die Reling gesprungen. Ich sah ihm erschrocken nach und auch Ben wirkte beunruhigt. Sammy kam zu uns: „Wo will Scorpio denn hin? Er kann doch gar nicht schwimmen.“

Ein erstickter Laut entkam mir und Ben griff beruhigend nach meiner Hand. Tess kam ebenfalls zu uns aufs Deck. „Was ist denn los?“, fragte sie, als sie unsere besorgten Gesichter erblickte. Ben erklärte ihr schnell die Situation. Doch im nächsten Moment hörten wir Geräusche auf der Leiter und wir alle verstummten. Zwei Taucher kletterten aufs Schiff. Sie nahmen ihre Masken ab und begannen mit bedrohlicher Haltung und schnellem Englisch auf uns einzureden. Nur einzelne, unzusammenhängende Worte kamen bei mir an. Ben antwortete mit eindringlicher Stimme und versuchte, die Männer zu beruhigen. Im nächsten Moment sprang Lennox aufs Deck und brachte den ersten Taucher mit einem Tritt zu Fall. Den zweiten schubste er über die Reling. Der erste hatte sich erholt, und nun sprang ich vor. Die Zeit auf der Straße kam mir jetzt nur zu Gute. Tess und Sammy kamen mir zu Hilfe. Und auch Ben und Lennox ließen nicht lange auf sich warten. Zusammen manövrierten wir auch diesen Taucher über Bord. „Sammy, Maschine an!“, rief Ben seinem kleinen Bruder zu, der schon auf halben Weg zum Heck war. Ben sprintete zum Ruder. Lennox lief zur Reling und half Alea an Bord. Sie sank auf der Sitzbank zusammen. Im nächsten Moment kam ein weiterer Taucher an Bord. Und er hatte ein Messer in der Hand.

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