Lia | Kapitel 4

Am nächsten Morgen brachen wir auf. Ich hatte wieder meine alten Sachen, die Arwen für mich gesäubert hatte, an und meine Waffen und meinen Beutel mit dem Nötigsten umgeschnallt. Außerdem hatte Arwen mir eine Kette geschenkt. Der Anhänger war gold und vereinte Sonne, Mond und Sterne.

Die ersten Tage der Reise herrschte eine ziemlich distanzierte Stimmung. Wir sprachen nur das Nötigste miteinander. Doch it der zeit wurde es besser. Wir lernten uns kennen. Heute rasteten wir bei einer großen Gruppe von Steinen. Sam hatte Feuer gemacht und rührte in einem Kessel herum, der darüber hing. Es hatte sich sehr schnell herausgestellt, dass Sam gut kochen konnte und so war es zu seiner Aufgabe geworden. Gandalf und Gimli diskutierten über die beste Route und Boromir versuchte, Merry und Pippin den richtigen Umgang mit dem Schwert beizubringen. Aragorn und ich saßen daneben und gaben Tipps, während ich versuchte, meine Haare zu einer praktischen Frisur zu flechten. “Nimm das Schwert in beide Hände, Pippin.”, rief Aragorn und lachte leise. “Merry, hol ein bisschen mehr aus, du brauchst den Schwung für einen kraftvollen Schlag.”, erklärte ich dem Hobbit und löste meine halb geflochtene Frisur, da sie sich gerade ohnehin wieder auflöste. “Danke.”, antwortete Merry fröhlich auf meinen Tipp. “Brauchst du Hilfe?”, fragte plötzlich Legolas, der lautlos hinter mich getreten war. “Ja.”, sagte ich erleichtert und lächelte ihn an, “Danke Legolas.”
Er lächelte zurück und setzte sich hinter mich. Dann flocht er die Hälfte meiner Haare geschickt zu einem Kranz. “Danke.”, sagte ich noch einmal, als er fertig war. Er grinste: “Immer wieder gerne.”
Ohne uns abzusprechen standen wir auf, liefen zum Rand der Steinansammlung und blickten in die Ferne. “Was ist das?”, fragte Legolas plötzlich und deutete auf eine dunkle Wolke, die sich uns ziemlich schnell näherte. “Ein Wolkenfetzen.”, meinte Gimli gleichgültig. “Der sich ziemlich schnell bewegt.”, Boromirs Lachen hatte einem besorgten Tonfall Platz gemacht. “Crebain aus Dunland!”, rief Legolas im gleichen Moment, in dem ich schrie: “Versteckt euch!”
Boromir packte Merry und Pippin und stürzte sich mit ihnen in die Büsche. Aragorn und Frodo hechteten unter einen Felsen. Gimli schnappte sich Sam, der schnell unser Gepäck zusammengesucht hatte und Gandalf führte das Pony Lutz weg. Ich griff nach einem Kelch mit Wasser und schüttete es über das Feuer. “Lia!”, rief Legolas. Er saß unterhalb der Felsen in einem Baum. Ich rannte los und sprang. Legolas fing mich geistesgegenwärtig auf. Gerade. ich rechtzeitig. Schon erreichten die Crebain die Felsen, umschwirrten sie und zogen dann wieder ab. Wir warteten noch kurz und kamen dann langsam wieder aus den Verstecken. “Wir müssen den Pass des Caradhras nehmen.”, entschied Gandalf grimmig. Niemand widersprach ihm und so fanden wir uns ein paar Stunden später auf einem Berg in hüfthohem Schnee wieder. Legolas hatte kaum Probleme. Als Elb konnte er einfach über den Schnee laufen. Auch ich sank durch mein Elbenblut nicht ganz so tief ein wie Aragorn, Boromir und Gandalf. Die Hobbits hatten es am Schwersten. Frodo stolperte und purzelte den leichten Abhang wieder nach unten. Aragorn fing ihn auf. Doch bei dem Sturz hatte Frodo den Ring verloren. Der wurde gerade von Boromir aufgehoben. Er hielt den Ring an der Schnur vor sein Gesicht und starrte ihn wie hypnotisiert an. Ich wollte zu ihm gehen und ihm den Ring abnehmen, doch Legolas hielt mich zurück. Was vermutlich besser war. Ich war schließlich auch nicht immun gegen die Macht des Ringes. “Boromir.”, sagte Aragorn gefährlich ruhig, “Gib Frodo den Ring zurück.”
Frodo sah etwas erschrocken aus. Aragorns Hand lag auf dem Schwertgriff. Etwas wiederwillig gab Boromir den Ring zurück. Er überspielte es mit einem Lachen. Wir liefen weiter. Boromir ging jetzt neben mir. Er wirkte niedergeschlagen. “Es ist nicht deine Schuld.”, sagte ich leise, “Die Macht des Ringes ist stark.”
“Dir und Aragorn macht er nichts aus.”, meinte Boromir. Ich lächelte nachsichtig: “Ich glaube, der Ring ist stärker für die, die nach Machst streben. Du willst Macht. Das ist, zumindest in deinem Fall, nichts Schlimmes. Ich bin mir sicher, du wärst ein guter Herrscher. Aber im Gegensatz zu dir, wollen Aragorn und ich keine Macht. In Aragorns Fall hat er sich gar aktiv gegen Macht entschieden. Ich will nicht behaupten, dass der Ring uns nichts anhaben kann. Auch wir spüren die Macht. Nur eben einfach nicht so stark wie du.”
Boromir lächelte leicht: “Danke Lia.”
Ich erwiderte das Lächeln und ließ mich zurückfallen, bis ich neben Aragorn am Ende unseres Zuges lief. “Er fühlt sich schlecht.”, stellte Aragorn fest. Ich nickte nur. Aragorn seufzte leise. “Vermisst du Arwen?”, fragte ich ein paar Minuten später. Sobald er ihren Namen hörte, erschien ein Lächeln auf seinem Gesicht. “Ja.”, antwortete er schlicht, “Ich liebe sie.”
Ich lächelte leicht. So etwas wie Aragorn und Arwen wollte ich auch haben. “Du hast Arwen kennengelernt.”, sagte Aragorn, “Wie fandest du sie?”
“Sie ist wirklich nett.”, antwortete ich lächelnd. Dann schwiegen wir wieder. Kurze Zeit später wurde der Schnee noch tiefer. Links von uns befand sich eine glatte Felswand. Rechts ging es steil nach unten. Ein scharfer Wind kam auf und mit ihm bekam ich ein komisches Gefühl. “Irgendetwas stimmt hier nicht.”, murmelte ich eher zu mir selbst, “Das ist kein normaler Wind.”
“Was?”, fragte Frodo vor mir etwas verwirrt. Ich antwortete ihm nicht. Stattdessen brüllte ich: “Stopp!”
Gerade noch rechtzeitig bleib unser kleiner Zug stehen. Vor Legolas, der an der Spitze lief, fielen einige große Felsbrocken in die Tiefe. Der Wind wurde zu einem Sturm. Doch er wurde on einem seltsamen Flüstern begleitet. “Das ist Saruman.”, erklärte uns Gandalf mit lauter Stimme, “Er versucht, dem Berg zum Einsturz zu bringen!”
Na toll. Dann kamen einige Massen an Schnee zu uns runter und begruben uns darunter. Für einen Moment lang dachte ich, dass Saruman es tatsächlich geschafft hatte, den Berg zum Einsturz zu bringen und ich tot war. Doch dann wurde ich von Aragorn aus dem Schnee gezogen. Ich war also doch nicht tot. “Alles okay?”, fragte Aragorn besorgt. Ich nickte nur und sah mich um. Auch alle anderen Gefährten waren wohlbehalten wieder aus dem Schnee aufgetaucht. “Gandalf, wir müssen umkehren.”, drängte Aragorn. Brillante Idee. Der Mann war sympathisch. “Lasst uns die Pforte von Rohan nehmen.”, schlug Boromir vor. “Nein.”, widersprach Aragorn sofort, “Der Weg führt zu nah an Isengard vorbei.”
Auch Gimli mischte sich jetzt ein: “Wir sollten durch die Mienen Morias gehen. Mein Vetter Bali würde uns fürstlich begrüßen.”
“Lassen wir den Ringträger entscheiden.”, verkündete Gandalf. Der arme Frodo wirkte etwas überfordert. “Wir gehen durch die Mienen Morias.”, legte er fest. Gandalf neigte den Kopf: “So soll es sein.”

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