Bella Abbott | 6. Die dritte Aufgabe

“Habt ihr Cedric gesehen?”, fragte ich Ron und Hermine, die offensichtlich gerade von Harry kamen. Hermine nickte: “Ja, eben gerade war er noch mit Cho am See.”
“Danke.”, rief ich, während ich schon weiter lief. In den letzten Wochen war ich ihm erfolgreich aus dem Weg gegangen. Heute hatte ich jedoch ein ungutes Gefühl und ich wollte Cedric vor der dritten Aufgabe unbedingt noch einmal sehen und ihm viel Glück wünschen. Wie Hermine gesagt hatte, stand er mit Cho am See. Ich blieb wie angewurzelt stehen, als ich sah, dass die beiden stritten. Sie hatten mich noch nicht gesehen, da ich von ein paar Büschen verdeckt wurde. “Das kannst du nicht machen, Cedric!”, schrie Cho gerade. “Doch, Cho. Das kann ich.”, antwortete Cedric ruhig, “Das zwischen uns passt einfach nicht mehr. Es ist Schluss. Akzeptiere das.”
Er wollte gehen, doch sie hielt ihn am Handgelenk fest. “Du liebst eine andere oder?”, fauchte sie, “Ist es diese Bella?”
Cedric antwortete nicht. “Also ja.”, zischte Cho, “Ich wusste es!”
Sie ließ Cedric los und stürzte davon. Cedric sah ihr einen Moment lang etwas verwirrt nach. Ich trat neben ihn. “Hast du uns gehört?”, seufzte er und drehte sich zu mir. Ich kaute unsicher auf meiner Unterlippe herum und sah ihn entschuldigend an: “Ihr wart kaum zu überhören.”
“Wie viel hast du gehört?”, fragte er leise. “Nur das Ende.”, antwortete ich, “Tut mir leid, dass ihr euch getrennt habt.”
Cedric schüttelte den Kopf: “Muss es nicht.”
“Ich wollte dir eigentlich nur viel Glück wünschen.”, wechselte ich das Thema. Er lächelte mich an: “Danke Bella.”
Ich erwiderte sein Lächeln. Unsere Blicke trafen sich und verfingen sich ineinander. Eine gefühlte Ewigkeit sahen wir uns in die Augen, keiner in der Lage, den Blick abzuwenden. Schließlich riss ich mich von seinen sturmgrauen Augen los: “Du solltest gehen. Nicht, dass du zu spät kommst.”
Er fuhr sich leicht verwirrt durch die Haare und nickte: “Ja, du hast recht.”
Einer inneren Eingebung folgend, umarmte ich Cedric schnell. “Viel Glück.”, flüsterte ich. Er lächelte mich sanft an. Dann gab er mir ohne Vorwarnung einen kurzen, sanften Kuss auf die Lippen, lächelte mir noch einmal zu und verschwand dann. Ich starrte ihm sprachlos nach.

Ich drängte mich an Susan, Justin, Hannah und Ernie vorbei, um mich auf den Platz neben Ernie zu setzen, den sie mir freigehalten hatten. Auf der anderen Seite neben mir saß zufällig Hermine, die genauso besorgt aussah, wie ich mich fühlte. Wir beobachteten, wie die Champions nacheinander das Labyrinth betraten. Die Hecke schloss sich hinter ihnen und ich starrte die grüne Wand einige Minuten lang ratlos an. “Sollen wir jetzt ernsthaft stundenlang eine Hecke anstarren?”, fragte ich leicht amüsiert. Ein paar Leute um mich herum brachen in Gelächter aus. “Die Leute weiter oben sehen vielleicht etwas.”, sagte Hermine und sah die Tribüne nach oben. “Auch nicht so viel mehr, als wir.”, meinte Anthony Goldstein, der eine Reihe über uns saß. Nach und nach entstanden Gespräche in kleineren Gruppen, während wir warteten. Nach einiger Zeit sprühten die ersten roten Funken. Fleur wurde aus dem Labyrinth geholt. Kurz darauf wurde auch Viktor Krum gerettet. Jetzt waren nur noch Cedric und Harry da drin. Stundenlang passierte nichts. Ich wurde von Minute zu Minute nervöser. Ernie versuchte, mich zu beruhigen, doch das brachte nicht viel. Plötzlich tauchten Harry und Cedric wie aus dem Nichts vor dem Labyrinth auf. Alle applaudierten laut. Doch ich sprang auf. Da stimmte etwas nicht! Das schien auch Fleur bemerkt zu haben, denn sie schrie entsetzt los. Bevor irgendjemand sonst reagieren konnte, rannte ich los. Die Zuschauer verfielen in Panik. Hermine und Ron versuchten, zu Harry zu gelangen, doch die aufgeregte Menge ließ keinen Durchgang. Ich erreichte Cedric und ließ mich neben ihm auf den Boden sinken. Harry weinte und auch mir liefen die Tränen haltlos über die Wangen. “Er ist zurück.”, schluchzte Harry, “Voldemort ist wieder da!”
Ich keuchte entsetzt auf. Natürlich glaubte ich Harry, warum sollte er lügen? Und warum sonst war Cedric tot? Ich begann heftiger zu weinen. Professor Moody kam zu uns und nahm Harr mit. Irgendwo in der Nähe hörte ich einen Mann schreien. Cedrics Vater, der um seinen Sohn trauerte. Ich blendete alles aus und klammerte mich an Cedrics leblosen Körper. Warum? Warum er?

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