Emily Summer | 4. Gewitter

4. Gewitter

„Hey Emmi.“, begrüßte Lily mich, als wir uns beim Mittagessen trafen, „Ist alles okay?“

„Klar.“,sagte ich und lächelte sie müde an. Ich wusste, Lily glaubte mir nicht und sie hatte Recht. Es ging mir nicht gut.

Der Rest des Tages verlief recht normal. Nur dass die anderen Schüler aus meinem Jahrgang mich seltsam ansahen war anders als sonst. Bis zum Abendessen hatte es sich herumgesprochen, dass ich ,mehrere‘ Ängste hatte. Als ich mit Lily die große Halle betrat, verstummten sofort alle Gespräche und alle wandten sich mir zu. Nun hatte ich genau zwei Möglichkeiten:

1. Umdrehen und gehen.

2. In die Halle gehen und mich den Fragen und dummen Witzen stellen.

Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit. Mit hoch erhobenem Haupt ging ich zu meinem Platz am Gryffindor-Tisch und setzte mich. Fast alle Blicke und ein Flüstern folgte Lily und mir. Ein Slytherin sagte leise etwas und der halbe Tisch brach in lautes Gelächter aus. Lily und ich ignorierten sie und begannen ein Gespräch. Nach und nach wandten sich auch die anderen Schüler wieder von uns ab.

(Zeitsprung, Abend)

Ein lauter Donner riss mich aus dem Schlaf. Sofort saß ich kerzengerade im Bett. Ich zog die Vorhänge meines Himmelbettes beiseite. Durch das Fenster sah ich, wie ein heftiges Gewitter am Himmel tobte. Die anderen Mädchen in meinem Schlafsaal schliefen noch fest. In der Hoffnung, dass es im Gemeinschaftsraum stiller war, schlich ich nach unten. Dort nahm ich eine Wolldecke und setzte mich auf das Sofa, das am Weitesten vom Kamin entfernt war. Ich versuchte, die Erinnerungen zurückzudrängen, doch es gelang mir nicht. Sie stürmten auf mich ein, durchfluteten meinen Kopf. Ich schluchzte leise auf. Warum musste ausgerechnet mein Leben so beschissen sein? Irgendwo öffnete sich eine Tür und Schritte ertönten. Eine Gestalt erschien im Türrahmen der Jungenschlafsäle. „Was willst du hier, Black?“, fragte ich und meine Stimme klang nicht annähernd so wütend, wie ich es mir wünschte, „Verschwinde!“

Er verschwand nicht. Natürlich nicht. Er war Sirius Black. Was erwartete ich? Stattdessen kam er auf mich zu und setzte sich neben mich. Ich hatte keine Lust, ihn anzumotzen. „Ist alles okay?“, fragte Black, „Ich weiß, dass das Gewitter ein Teil deiner größten Angst ist. Willst du es mir erzählen?“

Ich schüttelte nur den Kopf.

Flashback:

„Emily!“, rief mein Vater und kam in mein Zimmer gestürmt, „Emily, hör mir zu. Sie sind fast da. Du musst hier weg!“

„Was ist mit euch?“, fragte ich mit zitternder Stimme. Jetzt kam auch meine Mutter in mein Zimmer: „Emily, sie wollen vor allem mich. Wir haben doch schon mal besprochen, was wir im Falle eines Angriffs tun. Bitte halte dich an den Plan. Es ist sehr wichtig, dass du überlebst.“

Ich sah sie verzweifelt an: „Warum?“

„Das wirst du erfahren, wenn es so weit ist.“, erklärte meine Mutter. Mein Vater sagte eindringlich: „Lauf!“

Unten im Wohnzimmer knallte es. Meine Eltern liefen zur Tür. „Vergiss nicht, dass wir dich lieben!“, rief meine Mutter noch, dann waren sie verschwunden. Mir war klar, dass ich meine Eltern zum letzten mal gesehen hatte. Sie würden im Kampf sterben. Und ihr letzter Wunsch war, dass ich in Sicherheit war. Im Wohnzimmer ertönten Knalle. Ich kam mir feige vor, aber dennoch rannte ich zum Fenster.

Nach gefühlten Stunden war das Gewitter endlich vorbei und ich hatte mich wieder beruhigt. Langsam stand ich auf und meinte: „Ich gehe dann mal schlafen.“

„Emily, hast du Lust mal mit mir nach Hogsmead zu gehen?“, fragte Black. Seine Frage brachte mich zum Lächeln: „Sorry Black, aber du bist ein arroganter, aufgeblasener, selbsverliebter und gemeiner Playboy.“

Black sah mir verdutzt nach, als ich in den Mädchenschlafsaal ging.

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Emily Summer | 3. Irrwicht

3. Irrwicht

Ich schlug die Augen auf – und kniff sie im nächsten Moment schon wieder fest zu. Alles um mich herum war blendend weiß. Nach ein paar Sekunden wagte ich es, die Augen erneut zu öffnen. Sofort kam Madam Pomfrey auf mich zu gewuselt: „Oh, Summer, Sie sind wach! Wie geht es Ihnen?“

Ich musste lächeln: „Gut Madam Pomfrey. Danke.“

„Das war ja eine heftige Geschichte.“, sagte Madam Pomfrey aufgeregt, „Mister Black hat sie mir erzählt, als er sie gebracht hat. Sie konnten vor lauter Regen nichts sehen und sind gegen einen Baum gerannt.“

Ich schnaubte laut auf. Das Black es wagte, sie eine bescheuerte Geschichte zu erzählen! Kaum zu glauben. Der würde noch was erleben. Madam Pomfrey untersuchte mich noch einmal, dann entließ sie mich. Ich ging ohne Umweg zur großen Halle, da ich Black und die anderen dort vermutete. Tatsächlich entdeckte ich sie am Ende des Gryffindor-Tisches. Doch bevor ich auch nur die Hälfte des Weges zu ihnen zurückgelegt hatte, fing mich die kreischende Lily ab. Sie umarme mich fest. „Lily! Ich ersticke“, stöhnte ich und sie lies mich los. Dann musterte sie mich besorgt: „Geht es dir gut?“

Ich nickte nur. „Komm.“, forderte Lily und zog an meinem Arm, „Du musst etwas essen.“

„Mache ich gleich.“, versprach ich, „Ich muss nur noch kurz was mit Black klären.“

„Mit Black?“, fragte Lily und sah mir verdutzt hinterher, als ich geradewegs auf die Rumtreiber zuging. „Also.“, sagte ich und setzte mich neben Remus, „Erst einmal danke, dass ihr mir gestern geholfen habt. Aber Black, was sollte die Story mit, ich sei gegen einen Baum gelaufen. Geht es noch bescheuerter?“

Pettigrew und Potter prusteten los. „Ernsthaft?“, fragte Potter lachend, „Das hast du gesagt?“

Black nickte und wurde doch tatsächlich rot. „Oh Emily, es tut mir so leid!“, platzte es aus Remus heraus. Mit einem Finger strich er über das getrocknete Blut an meiner Wange. „Remus.“, sagte ich sanft und nahm seine Hände in meine, „Ich mache dir keinen Vorwurf. Du kannst nichts dafür. Ich wünschte, ich könnte dir irgendwie helfen.“

Damit stand ich auf und setzte mich zu Lily. Wir frühstückten und ich erzählte ihr die wahre Geschichte, nicht die mit dem Baum. Auch sie hatte Mitleid mit Remus. Danach gingen wir zusammen zum Unterricht. Verteidigung gegen die dunklen Künste. Professor Sullivan kam mit einem alten Reisekoffer in die Klasse und verkündete: „In diesem Koffer ist ein Irrwicht. Ihr sollt euch heute eurer größten Angst stellen. Der Zauber heißt Riddikulus. Sprecht mir nach. Riddikulus.“    

„Riddikulus.“, wiederholte die Klasse. „Sehr schön, sehr schön.“, sagte Professor Sullivan, „Stellt euch bitte in einer Reihe auf.“

Die Klasse stellte sich in einer Reihe auf. Stetig rückten die Schüler vor. Und mit jeder Person die drankam wuchs meine Angst. Die anderen hatten die unterschiedlichsten Ängste. Es gab Spinnen, Schlangen und noch vieles mehr. Dann kam ich an die Reihe. Der Irrwicht vor mir verwandelte sich in eine vermummte Gestalt. Ein Todesser. Dann kam ein Vollmond. Ein brennender Baum. Ein Himmel, an dem ein Gewitter tobte. Und schließlich zwei Leichen. Die Leichen meiner Eltern. Ich schrie erstickt auf und rannte aus dem Klassenzimmer. Die Klasse hinter mir war totenstill. Draußen setzte ich mich auf eine Treppe und verbarg mein Gesicht in den Händen. Ich schluchzte leise. Plötzlich hörte ich Schritte hinter mir und dann ließ sich eine Person neben mich fallen. Diese Person legte tröstend einen arm um mich. Ich wusste nicht, wer es war, aber es interessierte mich auch nicht. „Warum hast du mehrere Ängste?“, fragte die Person irgendwann. Es war Black. Warum immer Black? Ich zuckte zurück und er nahm seinen Arm von meinen Schultern. Ich überlegte, ob ich ihm antworten sollte und entschied mich dafür. Mit leiser Stimme sagte ich: „Es sind nicht mehrere. Es ist eine. Auch wenn du die Zusammenhänge noch nicht verstehen magst.“

„Willst du es mir erzählen?“, fragte es sanft. „Nein!“, antwortete ich hart und sprang auf. Ich war schon die halbe Treppe hinabgestiegen, da rief er mir nach: „Professor Sullivan hat mich geschickt. Du sollst zum Unterricht zurück.“

Ich drehte mich um: „Sag ihr, mir sei schlecht und ich ginge zum   Krankenflügel!“

Dann rauschte ich endgültig davon.

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Emily Summer | 2. Vollmond

2. Vollmond

Es waren nun schon ein paar Wochen vergangen. Ich saß mit Lily an einem der Tische im Gemeinschaftsraum. Am Tisch neben uns saßen Potter, Black, Remus und Pettigrew. „Hey, Moony.“, sagte Black plötzlich, „Heute ist Vollmond“

Geschockt sprang ich auf und schnappte mir meine Sachen. Heute war ihr Todestag! Wie konnte ich das vergessen? Ich stürmte in den Mädchenschlafsaal. Dabei spürte ich Lily‘s besorgten Blick in meinem Rücken. Ich zog mir eine Leggins und ein schwarzes Top an, die als mein Schlafanzug herhielten. Dann legte ich mich in mein Bett und zog die Vorhänge zu. Nach und nach kamen die anderen Mädchen. Es war kurz nach Mitternacht, als endlich alle schliefen. Leise stand ich auf, nahm meinen Zauberstab und schlich mich aus dem Schlafsaal. Meine Katze Lindsay folgte mir. Zusammen huschten wir durch das dunkle Schloss. Als wir draußen waren, verschwand Lindsay in der Dunkelheit. Ein paar Minuten später setzte der Regen ein. Es war kein gewöhnlicher Regen. Er war magisch. Man wurde nicht nass und die Tropfen schimmerten in allen Regenbogenfarben. Wie Seifenblasen. Tränen liefen mir stumm über die Wangen. Langsam lief ich los. Mein Ziel war der verbotene Wald. Als ich ihn gerade betreten hatte, hörte ich das Fauchen einer Katze und ein Knurren, das ich keinem Tier zuordnen konnte. Lindsay? War sie in Gefahr? Ich rannte den Geräuschen nach. Vor mir erschien eine Lichtung und ich schnappte geschockt nach Luft. Der Anblick war erschreckend. Meine kleine Katze Lindsay stand mit gesträubtem Fell einem riesigen Wolf gegenüber. Der Wolf knurrte wütend. Lindsay fauchte. Der riesige Wolf wurde immer wütender und er machte sich bereit zum Sprung. „Nein!“, mein Schrei durchbrach das Knurren und Fauchen und die sonstige Stille im Wald. In dem Moment, in dem der Wolf sich vom Boden abstieß, stürzte ich mich über Lindsay. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass Lindsay schon verletzt war. Sie blutete stark aus einer Wunde an ihrer Flanke. Dann traf der Wolf mich mit den Krallen an der Schulter. Bevor ich schreien konnte, bemerkte ich, dass der Wolf kein normaler Wolf war. Er war ein Werwolf! Ich musste  auf jeden Fall verhindern, dass der Werwolf mich mit den Zähnen erwischte. Mit Lindsay im Arm rollte ich mich zur Seite und die Zähne des Werwolfes schnappten in die Luft. Genau an der Stelle, an der vor wenigen Sekunden noch mein Arm gewesen war. Ich warf Lindsay so vorsichtig wie möglich in ein nahes Gebüsch, in dem sie bewegungslos liegen blieb. Hatte ich sie umgebracht? Doch für noch mehr Gedanken blieben mir keine Zeit. Der Werwolf schnappte nach meinem Bein. In letzter Sekunde rollte ich mich zur Seite. Im Stillen dankte ich Potter, dass er so oft mit uns trainierte. Hinter mir raschelte es und ich war kurz abgelenkt. Diesen kurzen Moment nutzte der Werwolf. Er holte mit der Pranke aus. Ich versuchte auszuweichen, doch der Werwolf traf mich an der Wange. Ich spürte, wie mir das Blut übers Gesicht lief. „Tatze, bring Emily hier weg.“, hörte ich eine bekannte Stimme, doch ich war viel zu durcheinander um sie zuordnen zu können. Die Stimme ertönte erneut: „Los Wurmschwanz, verwandeln! Wir lenken ihn ab.“

Es raschelte und ein Hirsch sprang elegant auf die Lichtung. Dicht gefolgt von einer kleinen Ratte. Sie nahmen nun den Kampf gegen den Werwolf auf. Dann betrat eine menschliche Gestalt die Lichtung und kniete sich neben mich. Black! „Kannst du aufstehen?“, fragte er und seine Stimme klang fast schon sanft. Ich zitterte und fühlte mich wie kurz vor einer Ohnmacht. Black schien es zu bemerken und hob mich kurzerhand hoch. Er trug mich aus dem Wald. Nach ein paar Minuten fragte er: „Warum hast du deine Katze eigentlich fast schon mit deinem Leben beschützt?“

Flashback:

Noch immer lag ich zitternd im Regen. Der nächtliche Wald um mich herum hatte all seine Schönheit verloren. Plötzlich knallte es laut und eine fiese Männerstimme sagte: „Na Kleine? Jetzt habe ich dich doch noch gefunden.“       Ich konnte – oder wollte mich nicht bewegen. Was hatte es denn jetzt noch für einen Sinn? Der Mann lachte schadenfroh: „Cru…“

Er konnte seinen Fluch nicht beenden, denn eine kleine, schwarze Katze sprang ihm an die Hand. Sein Zauberstab flog in hohem Bogen davon. Ich rappelte mich auf. Lindsay hatte Recht, es hatte immer einen Sinn!

„Sie hat einst das Selbe für mich getan.“, antwortete ich Black mit schwacher Stimme. Plötzlich drehte sich alles um mich herum. „Emily!“, rief Black erschrocken, doch ich konnte ihm nicht mehr antworten. Um mich herum versank alles in Dunkelheit.

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Emily Summer | 1. Fünftes Schuljahr 

1. Fünftes Schuljahr 

Ich lief mit meinem Gepäck durch die Mauer. Nach sechs Wochen Ferien bei Lily in der Muggelwelt kam mir das Gedränge am Bahnhof 9 3/4 fast schon unwirklich vor. Lily kam durch die Mauer und blieb neben mir stehen. „Immer wieder überwältigend oder?“, fragte sie lächelnd. Ich nickte und lies meinen Blick über die vielen Zauberer und Hexen am Bahnsteig gleiten: „Es ist magisch.“

Lily lachte: „Wollen wir?“

Erneut nickte ich und zusammen stiegen wir in den Hogwarts-Express. Wir fanden ein leeres Abteil und luden unserer Koffer in die Gepäckablage. Lily verabschiedete sich. Sie musste ins Vertrauensschüler-Abteil. Ich zog ein Buch hervor und begann zu lesen. Als die rote Dampflock losfuhr, legte ich es zur Seite und sah aus dem Fenster. Wir fuhren aus dem Bahnhof und die Landschaft vor dem Fenster wurde immer wilder. Bald würde mein fünftes Schuljahr in Hogwarts beginnen. Ich widmete mich wieder meinem Buch, doch nur kurze Zeit später öffnete sich die Abteiltür und Severus trat ein. „Oh. Hi, Sev.“, begrüßte ich ihn freundlich. „Hi Emily.“, erwiderte er, „Ist Lily da?“
Ich zog eine Augenbraue hoch: „Siehst du sie hier irgendwo?“

Sev grinste: „Nein. Du hast Recht.“

Er kam ganz rein und wir unterhielten uns kurz über die Ferien, in denen wir uns auch ab und zu gesehen hatten. Nach einiger Zeit ging er wieder. Er wollte zurück zu seinen Freunden. Ich mochte Sev. Wirklich. Aber seine Freunde konnte ich nicht ausstehen. Sie würden später mit Sicherheit alle Todesser werden. Und was ich noch weniger mochte als Potter und Black waren Todesser. Wo wir gerade von Potter und Black sprachen, genau diese Beiden öffneten nun die Abteiltür. „Oh, hallo Summer. Was machst du denn hier?“, fragte Potter. Ichsucht ihn spöttisch an: „Vielleicht ist es dir noch nicht aufgefallen, aber das hier, Potter, ist mein Abteil. Und jetzt verschwindet, ihr dummen, überheblichen, gehirnlosen…“

„Was wollte Schniefelus hier?“, unterbrach Black mich, bevor ich noch mehr Beleidigungen dranhängen konnte. Ich sah ihn überrascht an. Hörte ich da etwa Eifersucht in seiner Stimme? Nein, das konnte nicht sein. Wir mochten uns nicht. Nur ein paar Sekunden später hatte ich meine Fassung wieder: „Das geht dich gar nichts an. Und jetzt verschwindet!“

Als sie immer noch keine Anstalten machten zu gehen, zückte ich meinen Zauberstab. „Okay, okay.“, meinte Potter beschwichtigend und die beiden traten den Rückzug an. Sie wussten, sie hätten in einem Duell keine Chance gegen mich. Nachdem die Beiden weg waren kam Lily. „Was wollten Potter und Black hier?“, fragte sie stirnrunzelnd. Ich verdrehte die Augen: „Nerven. Wie immer.“

Lindsay, meine Katze, kratzte an ihrer Transportbox und ich lies sie raus. Die restliche fahrt über unterhielten wir uns und spielten Zauberschnippschnapp. Zwischendurch zogen wir uns um. Als wir endlich am Bahnsteig ausstiegen, begrüßten wir Hagrid freudig und stiegen dann  zusammen in eine der Kutschen, um mit ihr nach oben zu fahren. Es war jedes mal von Neuem überwältigend, nach den Ferien Hogwarts zu sehen. In der großen Halle warteten wir ungeduldig auf die neuen Erstklässler. Als die Auswahl begann, erinnerte ich mich zurück an meine eigene.

Flashback:  
Ich stand mit den anderen Erstklässlern vorne und dachte, ich würde sterben vor Aufregung. Dann, endlich, sagte die ältere Hexe vorne: „Summer, Emily!“
Ich schritt mit einem Lächeln und ziemlich selbstbewusst nach vorne. Ich setzte mich auf den Hocker und die Professorin setzte mir den sprechenden Hut auf. „Hm, bei dir ist es sehr schwierig.“, sprach der Hut in meinem Kopf, „Deine Intelligenz spricht für Ravenclaw. Für dein Mitgefühl würde ich dich nach Hufflepuff stecken. Und dein Mut zeugt von Gryffindor. Schwierig. Aber ich denke… ja… ich denke, das ist die richtige Wahl. GRYFFINDOR!“

Ich gab der älteren Hexe den Hut zurück und setzte mich neben Lily an den applaudierenden, rot, goldenen Tisch. Dort hatte ich mich zum ersten Mal mit Lily unterhalten und wir hatten uns sofort gut verstanden. Und nun waren wir die besten Freundinnen.

Die Erstklässler waren nun alle eingeteilt. Das Essen erschien und alle stürzten sich darauf. Wie jedes Jahr fielen Lily und ich kurze Zeit später satt, zufrieden und müde in unsere gemütlichen Himmelbetten.

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Emily Summer | Prolog

Prolog

Ich wusste nicht wohin. Nur weg. Ich stolperte über eine Wurzel und fiel, sprang aber sofort wieder auf. Blöde Wurzel. Blöder Baum. Blöder Wald. Mein Leben war im Eimer. Ich rannte wieder los. Blitze zuckten über den dunklen Nachthimmel. Hinter mir ertönten Schreie. Immer und immer wieder. Am Liebsten hätte ich mir die Ohren zu gehalten. Doch das ging nicht. Meine volle Aufmerksamkeit war auf den Boden gerichtet. Wenn ich noch einmal stürzen würde, hätten sie mich. Die Schreie hinter mir verstummten. War es vorbei? Endgültig vorbei? Hinter mir knallte es sechs mal laut, dann erhellte weit hinter mir ein Feuer den nächtlichen Wald. Ich konnte nicht mehr, wagte es aber nicht, stehen zu bleiben. Meine Angst war zu groß. Es blitzte und der Donner folgte sofort. Das Gewitter musste nun direkt über mir sein. Ein kleines Stück vor mir ging ein Baum in Flammen auf. Gerade noch so warf ich mich zur Seite, als ein brennender Ast vor mir zu Boden fiel. Ich blieb liegen. Ich konnte einfach nicht mehr. Es begann zu regnen. Die dicken Tropfen löschten das Feuer und vermischten sich mit den Tränen auf meinem Gesicht. Ich weinte. Weinte, wie ich nie zuvor geweint hatte. Plötzlich raschelte es hinter mir im Gebüsch und ich zuckte erschrocken zusammen. Eine kleine, schwarze Katze mit leuchtenden, grünen Augen kam auf mich zu. Lindsay! War meine Katze wirklich das Einzige, das mir geblieben war?

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