Emily Summer | 13. Heulende Hütte

Erneut klopfte ich an die Tür von Remus‘ Büro. Kein Geräusch. Es reichte mir jetzt. Ich öffnete die Tür und trat in das Büro. Es war leer. Remus war nicht da. Ich wollte mich gerade umdrehen, da entdeckte ich auf dem Schreibtisch ein Pergament, auf dem sich etwas bewegte. Vorsichtig trat ich näher und nahm das Pergament in die Hand. Ich erkannte, dass es sich um eine Karte von Hogwarts handelte. Auf der Karte bewegten sich viele kleine Punkte, die mit Namen beschriftet waren. Ein Name zog meinen Blick besonders an:  Severus Snape. Laut der Karte lief er gerade direkt in Richtung der Peitschenden Weide. Was hatte er vor? Ich legte die Karte zurück auf den Tisch und verließ schnellen Schrittes das Büro. Als ich durch die Korridore lief, gab ich mir Mühe, leise zu sein, doch auf den Wiesen rannte ich schon fast. Ein paar Meter von der Peitschenden Weide entfernt, blieb ich stehen. Einige Sekunden lang sah ich die Weide nachdenklich an. Dann trat ich entschlossen vor und konnte dem ersten Ast gerade noch so ausweichen. Ich rannte los und wich den meisten Ästen aus. Doch schließlich traf mich ein Ast. Ich flog durch die Luft und landete hart auf dem Boden. Außer Reichweite der Peitschenden Weide. Einige Augenblicke lang blieb ich noch liegen, um wieder zu Atem zu kommen. Dann rappelte ich mich auf. Durchrennen ging also nicht. Vielleicht mit einem Zauberspruch? Ich zog meinen Zauberstab und richtete ihn auf den Baum: „Aresto Momentum.“
Der Baum schüttelte sich kurz, sonst passierte nichts. Okay, nächster Versuch: „Impedimenta.“
Wieder nichts. Ich dachte angestrengt nach. Remus hatte mir doch mal von einem Zauberspruch erzählt. Wie ging der noch? Zögernd hob ich den Zauberstab: „Immobilus.“
Die Peitschende Weide, die sich vorher noch geschüttelt hatte, erstarrte. Ich rannte los.

Als ich mich dem Ende des Geheimganges näherte, wurde ich langsamer. Snape war dort, aber was erwartete mich noch? „Exppelliarmus!“, rief eine Stimme, die mir irgendwie bekannt vorkam. Dann ertönte ein Geräusch, das sich anhörte, als würde jemand gegen eine Wand fliegen. Was auch immer da drinnen los war, ich musste da rein. Snape traute ich fast alles zu. Ich sprang zur Tür und riss sie auf. Mit einem Blick hatte ich die Lage erfasst. Ron, verletzt auf dem Bett. Harry mit erhobenem Zauberstab, Hermine neben ihm. Am anderen Ende des Raumes Remus und Sirius mit den restlichen Zauberstäben. Und Snape neben der Tür, offenbar bewusstlos. Ich richtete den Zauberstab auf Harry und Hermine und meine freie, linke Hand auf Remus und Sirius. „Zauberstäbe fallen lassen.“, sagte ich kalt und sah die vier abwechselnd an. Harry schoss einen Zauber auf mich ab, doch ich wischte ihn mit einer lockeren Bewegung meines Handgelenkes weg. „Ich sagte: Fallen lassen!“, wiederholte ich deutlich und funkelte Harry wütend an. „Emily.“, sagte Remus, „Ich kann das erklären.“
„Ach ja?“, fragte ich und zog eine Augenbraue hoch, „Typische letzte Worte für eine Freundschaft. Nicht wahr, Black?“
Sirius zuckte zusammen: „Emily…“
„Aber Emily!“, sagte Remus fest, „Peter ist hier.“
„Peter?“, fragte ich fassungslos, „Peter ist tot!“
„Nein.“, sagte Sirius, „Er ist da.“
Sirius deutete auf Ron, der genauso verwirrt aussah, wie ich mich fühlte: „Ich? Sie sind verrückt. Völlig übergeschnappt!“
„Nicht du!“, sagte Sirius, „Deine Ratte.“
„Krätze?“, fragte Ron. Ich senkte meinen Zauberstab und meine Hand und ging langsam auf Ron zu: „Ron, gibst du mir die Ratte bitte ein mal. Wir wollen nur etwas ausprobieren. Es wird ihm nicht weh tun.“
Ron nickte zögernd und reichte mir seine Ratte. Ich ging zu Sirius und hielt ihm die Ratte hin. Als er sie nahm, berührten sich unsere Finger kurz und ein angenehmes Kribbeln durchfuhr mich. Unsere Blicke trafen sich. Seiner fragend, meiner nachdenklich. Dann lies ich die Ratte los und der Moment war vorbei. Sirius packte die Ratte und drehte sich zu Remus. Und dann ging alles ganz schnell. Sirius lies die Ratte los, die sich in Peter verwandelte, Sirius und Remus stürzten mit ihren Zauberstäben auf ihn zu und Harry entschied, dass wir ihn den Dementoren übergeben sollten. Wir gingen den Geheimgang zurück und standen schließlich wieder im Freien. Sirius trat auf mich zu: „Emily? Können wir reden?“
Ich wich seinem Blick aus: „Ich denke, du solltest jetzt lieber mit Harry sprechen.“
Er zögerte kurz, dann nickte er und entfernte sich zusammen mit Harry. Ich beobachtete die beiden einige Augenblicke lang. Dann sah ich zum Himmel und erstarrte. Der Vollmond schob sich gerade an einer Wolke vorbei. „Harry!“, kreischte Hermine, die den Mond wohl auch gesehen hatte. Ich trat langsam auf Remus zu: „Remus, sie mich an!“
Remus Blick lag fest auf dem Mond. Er begann sich zu verwandeln. Hinter mir hörte ich eilige Schritte. „Remus, hast du deinen Trank genommen?“, fragte ich eindringlich. Werwolf-Remus knurrte wütend und holte mit der Pranke aus. Er traf mich seitlich am Kopf und ich flog ins Gras. Sirius stürzte sich als Hund bellend auf Werwolf-Remus. Hermine kreischte und Harry schrie: „Sirius!“
Remus hat den Trank nicht genommen., gab ich mir selbst die Antwort auf meine Frage. Dann wurde alles schwarz.

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Emily Summer | 12. Zurück in Hogwarts

Schnellen Schrittes ging ich den Weg Richtung Eingangsportal von Schloss Hogwarts entlang. Es war schon spät. Ich betrat die Eingangshalle mit den vier Stundengläsern der vier Häuser und stürmte weiter. Mit einer Handbewegung öffnete ich die Flügeltür der großen Halle. Mein Großvater hatte mir diesen Trick einst beigebracht. Ich verlangsamte meine Schritte nur ein wenig, als ich zwischen den mittleren Haustischen entlang ging. Mein Großvater, der wohl gerade seine Rede gehalten hatte, verstummte. Er breitete die Arme aus, als ich bei ihm ankam: „Emily!“
„Hallo Großvater, schön dich zu sehen.“, erwiderte ich lächelnd. Wir umarmten uns kurz, dann setzte ich mich auf den freien Platz am Lehrertisch. Neben Remus. „Großer Auftritt, was?“, sagte er grinsend. Ich schnaubte nur und verdrehte die Augen. „Wie ich soeben sagte“, fuhr mein Großvater mit seiner Rede fort, „haben wir zwei neue Lehrer im Kollegium. Professor Lupin wird nun Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichten. Und Professor Summer wird die neue Lehrerin für Geschichte der Zauberei.“
Die Schüler applaudierten. Mein Großvater klatschte in die Hände: „Lasst das Festmal beginnen.“
Das Essen erschien und die ganze Halle begann zu essen.

Nach dem Essen ging ich in mein Büro, dass direkt neben meinem Klassenzimmer lag. Entsetzt sah ich mich um. Klar, Professor Binns war ein Geist und keiner wusste, wie alt er wirklich war. Aber in diesem Büro sah es aus, wie in einem Museum. Nur, dass es in einem Museum sicherlich nicht so verstaubt war. Der Staub lag zentimeterhoch auf den Möbeln, die aussahen, als stammten sie aus dem 17. Jahrhundert. Ich stöhnte. Hier war noch einiges zu tun. Ich zog den Zauberstab und schwang ihn beherzt durch die Luft. Der Staub verschwand und die Möbel veränderten sich so, wie ich sie gerne haben wollte. Mit einem weiteren Schwung änderte ich die Wandfarbe in ein pastellblau und ließ an der Decke einen perfekten Sternenhimmel entstehen. Ich lächelte zufrieden, dann ging ich weiter und renovierte noch das Badezimmer und das Schlafzimmer. Vollkommen zufrieden zog ich mich schließlich um und legte mich ins Bett. Ich betrachtete noch eine Weile die Sterne über mir und dachte an Sirius. Was er wohl gerade machte? Wie ging es ihm? Jahrelang hatte ich kaum an ihn gedacht, versucht ihn zu vergessen. Doch jetzt, wegen eines Zeitungsartikels, hatte sich mein geordnetes Leben völlig verändert. Über diese Gedanken hinweg, schlief ich schließlich ein.

Ich hörte die Schritte der Schüler auf dem Korridor. Dann ging die Tür auf und sie betraten den Klassenraum. Ich war aufgeregt, ließ mir aber nichts anmerken. Jetzt würde die erste Unterrichtsstunde, die ich halten würde, beginnen. Ich lächelte die Schüler freundlich an: „Hallo, setzt euch doch bitte.“
Folgsam nahmen die Schüler Platz. Ich stellte mich hinter den Lehrerpult: „Guten Morgen.“
„Guten Morgen.“, antwortete die Klasse brav. Sie kannten mich noch nicht und wussten nicht, was ich von ihnen verlangte. „Also, wie ihr wisst bin ich Professor Summer, die neue Lehrerin für Geschichte der Zauberei.“, stellte ich mich freundlich vor. Die Hand eines braunhaarigen Mädchens schoss in die Luft. Ich lächelte sie an: „Du bist Hermine Granger, oder?“
Sie nickte. „Okay, was ist los Hermine?“, fragte ich. Sie nahm die Hand runter: „Sie haben Professor Dumbledore gestern Großvater genannt. Ist er wirklich Ihr Großvater?“
Ich lachte: „Sonst hätte ich ihn wohl kaum so genannt. Ja, Albus Dumbledore ist mein Großvater.“
Hermine und ein paar anderen klappte der Mund auf. Die Klasse war sprachlos. Diesen Moment der Stille nutzte ich, um mit dem Unterricht zu beginnen.

Der Schulgong ertönte und die Schüler packten ihre Sachen zusammen. Auch ich räumte meine Sachen in meine Tasche. Als ich aufsah, war der Klassenraum fast leer. Nur Harry stand noch da. Wir sahen uns schweigend an. „Du hast das wahrscheinlich schon hundertmal gehört, aber du siehst aus, wie James.“, brach ich das Schweigen schließlich leise, „Nur deine Augen… Lilys Augen.“
„Sie haben sie gekannt.“, sagte Harry ebenso leise wie ich, „Meine Eltern.“
Ich nickte: „Ja. James war ein guter Freund. Und Lily war die beste Freundin, die ich mir hätte wünschen können. Sie war wie eine Schwester für mich.“
„Wie waren meine Eltern so?“, fragte Harry. „Wunderbar.“, antwortete ich lächelnd, „Dein Vater hat oft angegeben. Wir konnten uns am Anfang nicht leiden, aber mit der Zeit haben wir uns angefreundet. Man konnte sich immer auf ihn verlassen. Mit Lily habe ich mich sofort sehr gut verstanden. Sie war hilfsbereit und hat jedem eine Chance gegeben.“
Harry dachte einen Moment über meine Worte nach. Dann fragte er: „Wenn sie meine Eltern kannten, kannten sie dann auch Sirius Black?“
Mein Lächeln verschwand augenblicklich: „Ja, ich kannte Black. Zumindest dachte ich das.“
Harry sah mich fragend an und öffnete den Mund, doch ich kam ihm zuvor: „Harry, du solltest zu deinem nächsten Klassenzimmer gehen. Der Unterricht beginnt gleich.“
Harry nickte und verließ meinen Klassenraum. Ich sah ihm noch einige Sekunden nach.

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Emily Summer | 11. Aus Azkaban entkommen

Bescheuerter Wasserkocher. Warum ging er nicht an? Es klingelte an der Haustür und ich ließ den Wasserkocher, Wasserkocher sein, um die Tür zu öffnen. Remus stand mit ernstem Gesicht davor: „Hallo Emily. Darf ich rein kommen?“
„Ja, natürlich, Remus.“, antwortete ich leicht erschrocken, „Was ist denn passiert?“
„Ich möchte etwas mit dir besprechen.“, sagte Remus, während er eintrat. In der Küche setzte er sich an den Tisch, während ich das Wasser, dieses Mal mit meinem Zauberstab, zum Koche brachte. Schließlich gab ich Remus eine Tasse Tee. Mit einer zweiten Tasse setzte ich mich Remus gegenüber: „Okay, was ist los?“
Remus zog ein Blatt aus seiner Tasche und schob es über den Tisch zu mir. Als ich es hochhob, erkannte ich, dass es sich um den Ausschnitt aus dem Tagespropheten handelte. Ich schnappte erschrocken nach Luft und ließ den Ausschnitt fallen, als ich die Überschrift las:
Sirius Black – Aus Azkaban entkommen
„Er ist frei?“, fragte ich fassungslos und starrte Sirius‘ Bild unter den Artikel an. Er war abgemagert und blass. Seine Haare hingen ihm wild ins Gesicht und sein Gesicht war voller Dreck. Remus nickte: „Ja. Emily, er ist ein gefährlicher Mörder. Ich befürchte, du bist hier nicht mehr sicher. Es könnte sein, dass er dich noch immer liebt. Dann wird er dich sicherlich suchen.“
„Du meinst, er will mir etwas tun?“, keuchte ich. Remus sah unschlüssig aus: „Ich weiß es nicht. Aber wir sollten auf Nummer sicher gehen. Ich werde dieses Jahr auf Hogwarts unterrichten. Dort wärst du sicherer. Dein Großvater ist einer der größten Zauberer der Welt.“
„Aber Remus, ich bin Heilerin.“, wandte ich ein, „Was soll ich denn auf Hogwarts?“
Remus sah mich bedeutungsvoll an und ich verstand. Mein Großvater hatte mir schon vor Jahren eine Stelle als Lehrerin für Geschichte der Zauberei angeboten. Das wäre perfekt. „Ich schreibe Albus.“, sagte ich und sprang auf, um Pergament und Tinte zu holen. Lindsay folgte mir schnurrend aus der Küche. Mit Pergament, Feder und Tinte kehrte ich in die Küche zurück und lies mich wieder auf meinen Stuhl fallen. Ich überlegte kurz, dann begann ich zu schreiben:

Lieber Großvater,
du hast mir mal die Stelle als Lehrerin für
Geschichte der Zauberei angeboten. Ich denke, jetzt wäre es an der Zeit, dieses Angebot anzunehmen, wenn es noch steht.
Liebe Grüße, Emily.
PS: Ich würde mich freuen, dich wiederzusehen. 

Remus nickte. Er hatte wohl meine, für ihn kopfüber stehende, Schrift entziffert. Ich ging ins Wohnzimmer und pfiff nach meiner grauen Eule. Yuna kam vom Schrank hinunter geflattert und landete auf meiner Schulter. Ich hielt ihr den Brief hin: „Bringst du diesen Brief bitte zu meinem Großvater?“
Yuna ruckte mit dem Kopf, nahm den Brief in den Schnabel und flog durch den Kamin davon. Ich sah ihr einen Moment nach und überlegte, ob dieser Brief die richtige Entscheidung gewesen war. Dann kehrte ich in die Küche zurück und setzte mich erneut Remus gegenüber an den Tisch. „Der Brief ist auf dem Weg.“, sagte ich lächelnd, „Was wirst du eigentlich unterrichten?“
Remus‘ Lächeln wurde ein wenig kleiner: „Verteidigung gegen die Dunklen Künste.“
„Nein!“, hauchte ich, dann fuhr ich lauter fort, „Nein Remus! Das kannst du nicht machen! Auf dieser Stelle lastet ein Fluch. Was… was, wenn ich dich verliere? Du bist mein bester Freund.“
Tränen glitzerten in meinen Augen. „Emily, beruhige dich.“, sagte Remus ruhig, „Es muss nicht unbedingt sein, dass ich sterbe. Es ist viel wahrscheinlicher, dass jemand von meinem pelzigen Problem erfährt und ich deshalb von Hogwarts geworfen werde.“
Ich öffnete den Mund, um zu protestieren: „Aber wenn…“
„Kein Aber.“, unterbrach Remus mich, „Ich werde nicht sterben. So einfach ist das.“
„Aber wenn du doch sterben solltest, dann bringe ich dich um.“, sagte ich halb im Spaß. Remus grinste: „Damit kann ich leben. Ich muss jetzt los.“
ich nickte und begleitete Remus zur Tür. Als ich zurück in die Küche kam, fiel mein Blick auf den Ausschnitt des Tagespropheten, der noch immer auf dem Tisch lag. Nachdenklich nahm ich ihn in die Hand und sah mir Sirius‘ Bild noch einmal genauer an.

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Emily Summer | Zusammenfassung der nächsten Jahre

Ich bekam den Schulabschluss mit Bestnoten und begann dann auch sofort mit der Ausbildung zur Heilerin. Mit Sirius hatte ich den Kontakt weitestgehend abgebrochen. Mit Remus traf ich mich ab und zu. Er war ein guter Freund geworden. Lily und James waren ein Paar. Und als sie schließlich heirateten, schien ihr Glück perfekt. Dann wurde Lily schwanger und bekam ihren kleinen Sohn Harry. Es hätte nicht besser laufen können für sie.
Als mich die Nachricht erreichte, dass Voldemort Lily und James Potter ermordet hatte, war ich am Boden zerstört, doch ich wusste, Lily hätte nicht gewollt, dass ich zu sehr trauerte. Also lebte ich weiter. Ich wollte Harry bei mir aufnehmen, doch mein Großvater erklärte mir alles und ich verstand, dass das nicht ging.
Dass Sirius Lily und James verraten hatte, konnte ich einfach nicht glauben. Er hatte mich verraten. Aber James? Nein. Oder vielleicht doch?

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Emily Summer | 10. Verrat

10. Verrat

Schwungvoll ließ ich mich neben Sirius aufs Sofa fallen. Ich lehnte mich neben ihn und schlug den Tagespropheten auf. „Und? Steht was Wichtiges drin?“, fragte Sirius. „Eine fünfköpfige Muggelfamilie wurde ermordet.“, antwortete ich, „Und es werden nach wie vor viele Hexen und Zauberer vermisst.“
Sirius nickte. Ich klappte den Tagespropheten zusammen und legte ihn auf die Sofalehne. Dann stand ich auf: „Ich muss los, Sirius. Ich bin noch mit Lily, Vero und Jessi verabredet.“
„Okay.“, sagte Sirius und ich ging zum Porträtloch.

Am See traf ich die drei anderen. Wir unterhielten uns über die ersten Wochen Unterricht und über unsere Sommerferien. Und darüber, wie schade es sei, dass die unser letztes Jahr auf Hogwarts war.

Nach einer Weile verabschiedete Jessi sich: „Ich muss los, habe noch eine Verabredung. Ihr wisst schon.“
Mit einem Augenzwinkern verschwand sie. Ich stand ebenfalls auf: „Ich muss vor dem Abendessen noch in die Bibliothek.“
„Du lernst zu viel.“, meinte Vero und verdrehte die Augen. „Finde ich nicht.“, sagte Lily und stand auf, „Ich muss auch noch in die Bibliothek.“
„Na gut.“, sagte Vero und lehnte sich zurück, „Ich bleibe noch hier.“
Lily und ich nickten und machten uns auf den Weg zur Bibliothek.

James‘ Sicht:
„Welche Bücher brauchen wir, Mooney?“, fragte ich meinen besten Freund Nummer 2. wir bogen um eine Ecke und blieben wie angewurzelt stehen. Dort stand Tatze, eng umschlungen mit Jessica Brown. Und sie küssten sich heftig. „Heilige Scheiße.“, murmelte Mooney, „Krone, ich glaube, wir sollten lieber gehen.“
Da fiel mir etwas ein: „Wenn Emily das sieht!“

Emily‘s Sicht:
Lily und ich bogen um die Ecke und knallten fast mit Remus und James zusammen. „Hey, was macht ihr denn hier?“, fragte Lily überrascht. „Wir waren in der Bibliothek.“, antwortete James schnell. Fast zu schnell. Ich sah ihn misstrauisch an: „Ich wusste gar nicht, dass du lesen kannst. Aber wir wollen auch zur Bibliothek, also könntet ihr uns bitte mal durchlassen?“
„Das… das geht leider nicht.“, antwortete Remus. Lily lachte: „Quatsch. Warum denn?“
Schnell schob sie sich an den beiden Jungs vorbei und erstarrte. Nach einem kurzen Moment drehte sie sich wieder um: „Lass uns erst später in die Bibliothek gehen.“
Ich sah sie ungläubig an: „Was ist da, das ihr mir nicht zeigen wollt?“
Wie Lily zuvor, schob ich mich an den beiden Jungen vorbei und erstarrte. Sirius und… Jessi? Was fiel ihnen ein? „Oh.“, flüsterte James hinter mir, „Das gibt Ärger.“

Sirius‘ Sicht:
Jessica küsste wirklich gut. Aber… gab es da nicht eine Person, die besser küsste? Eine Person, der ich schon mehrmals gesagt hatte, dass ich sie liebte? Emily! Warum stand ich hier, in einem verlassenen Korridor und küsste ein anderes Mädchen? Jessica und ich lösten uns voneinander, als wir Schritte hörten.

Emily‘s Sicht:
„Hallo Jessica, schön dich zu sehen.“, sagte ich zuckersüß, „Das ist also deine Verabredung, von der du erzählt hast.“
“Emily, ich kann…“, setzte Sirius an, doch ich hob die Hand und er verstummte sofort. „Also Jessica, ich weiß ja nicht, was deine Definition von einem schönen Date ist, aber ich würde ja eher nach Hogsmead gehen.“, sagte ich noch immer freundlich lächelnd, „Und nun zu dir, Blackheart. Du hast mein Vertrauen und meine Liebe missbraucht. Das mit uns ist aus. Ich hoffe, du bist jetzt glücklich!“
Die Tür der Bibliothek ging auf und Mrs. Pinns stolzierte hinaus: „Was ist hier los?“
“Nur eine kleine Meinungsverschiedenheit, Mrs. Pinns.“, lächelte ich, „Lily, kommst du? Wir wollten doch in die Bibliothek.“

Sirius‘ Sicht:
Emily war weg. Sie hatte mit mir Schluss gemacht. Aber sie war völlig ruhig geblieben. Das war viel schlimmer, als hätte sie mich angeschrien. „Warum hast du mich geküsst, Brown?“, fauchte ich Jessica wütend an. „Ich hasse es, dass sie alles bekommt, was sie will!“, sagte Jessica triumphierend. „Eifersucht ist ein starkes Motiv.“, bemerkte Mooney weise, der plötzlich mit Krone aufgetaucht war. Ich schnaubte nur.

Emily‘s Sicht:
“Wirklich alles okay?“, fragte Lily zum gefühlt tausendsten Mal. „Ja, mit dem bin ich durch! War aber zu…“, ich wurde von einer kleinen Zweitklässlerin unterbrochen: „Emily Summer?“
ich sah sie überrascht an: „Ja?“
“Ich soll dir das hier geben.“, sagte sie schüchtern und reichte mir eine Pergamentrolle. „Danke.“, sagte ich lächelnd und sie lief davon. Lily sah die Rolle neugierig an, fragte aber nicht nach. Ich rollte sie auf und las die ordentliche, schräge Handschrift:

Liebe Emily,
komme bitte in mein Büro. Ich möchte mich mit dir unterhalten.
Liebe Grüße, Albus. 
PS: Ich mag Himbeermarmelade .

„Dumbledore will mich sehen.“, antwortete ich auf Lily‘s fragenden Blick, „Wir sehen uns später im Gemeinschaftsraum.“
Lily nickte: „Okay, bis später.“
Ich machte mich auf den Weg zu Albus‘ Büro.

Lily‘s Sicht:
Ich stellte die Bücher zurück in die Regale und verließ die Bibliothek.

Im Gemeinschaftsraum entdeckte ich Vero und Jessica. Als ich näher trat, konnte ich hören, was Jessica sagte: „Sirius küsst ja so gut. Ich weiß echt nicht, warum er sich mit Emily abgegeben hat.“
„Wie konntest du Emily das nur antun?“, fragte ich Jessica wütend, „Du warst ihre Freundin!“
Jessica lachte: „Ich musste so tun, als wäre ich ihre Freundin, damit ich sie besser verletzen kann.“
„Warum?“, fragte ich leicht verzweifelt. Sie grinste fies: „Sie bekommt immer alles, was sie will. Und dann hat sie mir auch noch Sirius weggenommen. Diese dumme…“
„Petrificus Totalus!“, unterbrach ich sie kalt. Jessica fiel um und Vero kreischte. Ich stürmte wütend in den Mädchenschlafsaal.

Emily‘s Sicht:
„Himbeermarmelade.“, sagte ich zu dem Wasserspeier und fuhr mit der magischen Treppe nach oben. Ohne anzuklopfen betrat ich das Büro und setzte mich gegenüber von meinem Großvater auf einen Stuhl. „Hallo Großvater.“, sagte ich lächelnd, „Du wolltest mich sprechen?“
„Hallo Emily. Ja, ich wollte dich sprechen.“, antwortete mein Großvater, „Du bist in deinem letzten Jahr auf Hogwarts. Weißt du schon, welchen Beruf du danach ausüben möchtest?“
„Ich würde gerne Heilerin werden.“, antwortete ich, „Ich möchte anderen Leuten helfen.“
Albus nickte: „Ja, das verstehe ich. Aber wenn du irgendwann mal was anderen machen möchtest… ich denke, die Schüler würden sich freuen, Professor Binns loszuwerden.“
Ich lächelte: „Danke Albus.“
„Kein Problem.“, lächelte er zurück, „Ich bin wirklich froh, dass du mir verziehen hast.“
„Ich auch!“, lachte ich, „Aber ich denke, wir sollten langsam los. Abendessen.“
Albus nickte und wir verließen zusammen das Büro. Auf dem Korridor trennten sich unsere Wege, denn ich ging noch Lily abholen.

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Emily Summer | 9. Date

9. Date

„Du musst los.“, kommentierte Lily. Wir saßen mit Jessi und Vero im Gemeinschaftsraum. Jessi und Vero machten Hausaufgaben. Lily und ich waren fertig und hatten bis vor ein paar Sekunden noch gelesen. Ich nickte zur Antwort auf Lily‘s Bemerkung und legte mein Buch zur Seite. „Willst du dich nicht umziehen?“, fragte Vero und sah von ihrem Aufsatz auf. Ich schüttelte den Kopf: „Nein.“

„Warum?“, fragte Jessi leicht entsetzt, „Du triffst dich schließlich mit Sirius Black!“

Ich zuckte mit den Schultern und wandte mich zum Gehen.

Als ich die Marmortreppe hinunterstieg, sah ich Black mit dem Rücken zu mir vor dem Eingangsportal stehen. Er drehte sich um, als er meine Schritte hörte. Sofort breitete sich ein strahlendes Lächeln auf seinem Gesicht aus: „Emily! Ich dachte schon, du kommst nicht mehr.“

Ich lächelte leicht: „Ich war mir auch nicht sicher, ob ich kommen soll.“

Black lachte: „Dann kann ich ja froh sein, dass du da bist.“

Er bot mir seinen Arm an und nach kurzem Zögern hakte ich mich bei ihm unter. Wir liefen nach Hogsmead. Auf dem Weg schwiegen wir. Doch als wir dann mit unseren Butterbieren an einem Tisch in den Drei Besen saßen, begannen wir, uns zu unterhalten. Über den Unterricht und wir lästerten über Lucius Malfoy und Bellatrix und Narzissa Black. Wir lachten viel, während unseres Gespräches. Die Atmosphäre war ausgelassen und angenehm.

Sirius‘ Sicht:
Sie lachte wieder ihr wunderschönes Lachen. Ihre langen, blonden Locken fielen ihr ins Gesicht und sie strich sie mit blitzenden, grünen Augen zurück. Automatisch musste ich grinsen. Sie war so hübsch. Innerlich lachte ich mich aus. Natürlich war sie hübsch, sonst würde ich ja nicht versuchen, sie rumzukriegen. Aber sie war irgendwie… Stopp Sirius! Ich würde sie jetzt wegen des Kusses fragen.

Emily‘s Sicht:
Sirius schien tief in Gedanken versunken zu sein. Ein seltsames Funkeln lag in seinen Augen. „Alles in Ordnung, Sirius?“, fragte ich. Er sah mich ernst an: „Ich habe mich nur gefragt, warum du nach dem Kuss weggerannt bist.“

Ich zögerte. Sollte ich ihm die Wahrheit sagen? Was hatte ich schon zu verlieren? „Du bist ein Playboy, Sirius. Das weiß jeder.“, sagte ich leise, „Ich hatte Angst, nur eine deiner vielen Errungenschaften zu sein. Angst, dass du mich bald fallen lässt, wie all die anderen vor mir.“

Sirius‘ Sicht:
Bei ihren Worten wurde mir eines klar. Emily war nicht wie die anderen. Sie war anders. Ich würde sie nicht einfach so fallen lassen. Ich wollte für sie da sein. Sie beschützen.

Emily‘s Sicht:
„Ich liebe dich!“, stieß Sirius hervor. Ich starrte ihn mit offenem Mund an. Black beugte sich über den Tisch und legte seine Lippen auf meine. Sanft und zögernd, als würde er erwarten, dass ich ihn wegstoßen würde. Doch als ich seinen Kuss erwiderte, wurde er fordernder. „Wenn du mich verletzt, Black, wirst du es bereuen.“, sagte ich halb im Spaß. Sirius‘ Stimme war ernst, als er antwortete: „Ich werde dich nicht verletzten, versprochen. Ich liebe dich.“

„Ich dich auch.“, antwortete ich und schon lagen seine Lippen erneut auf meinen.

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Emily Summer | 8. Ball der Blumen

8. Ball der Blumen

Langsam drehte ich mich um. „Black.“, sagte ich so gelangweilt, wie noch nie zuvor. Ich war ihm die ersten Monate erfolgreich aus dem Weg gegangen und jetzt musste ich einen ganzen Abend mit ihm verbringen. Es gab so viele Jungs auf Hogwarts, aber ich musste ausgerechnet den bekommen, dem ich seit den Sommerferien aus dem Weg ging. Ich wollte es nicht glauben. Ein Stück weiter entdeckte ich Lily mit Potter. Die Arme. „Willst du tanzen, meine Schöne?“, fragte Black. Ich sah wieder zu ihm: „Erst müssen wir mal was klären. Ich bin vielleicht schön, aber ich gehöre nicht dir.“

„Okay Süße.“, grinste Black und nahm meine Hand. Ich öffnete empört den Mund, doch Black legte mir einen Finger auf die Lippen. Ein angenehmes Kribbeln durchfuhr meinen Körper und mein Herz schlug plötzlich schneller. Verwirrt schüttelte ich den Kopf. Was war denn mit mir los? Black und ich blieben lange auf der Tanzfläche . Ich hätte niemals gedacht, dass sich Tanzen mit Black so gut anfühlen würde. So richtig.

Irgendwann beschlossen wir, etwas zu essen und gingen zum Buffet. Danach führte Black mich nach draußen, wo wir uns auf eine Bank an den Schwarzen See setzten. „Wieso bist du mir in den letzten Monaten aus dem Weg gegangen?“, fragte Black, nachdem wir eine Weile geschwiegen hatten. „Ich bin nicht…“, setzte ich an, brach bei Black‘s Blick aber ab. „Ich weiß, dass irgendwas in deiner Vergangenheit passiert ist, das du niemandem erzählst.“, sagte Black, „Was ist es?“

Ich sprang auf: „Das geht dich gar nichts an! Warum interessiert dich das überhaupt?“

“Emily, ich mache mir Sorgen um dich.“, sagte Black und zog mich am Handgelenk zurück auf die Bank. Ich starrte ihn fassungslos an: „Du… was?“

„Das… sag mir erst, was es mit deinem Irrwicht auf sich hat. Und diesem Zimmer bei Lily.“, forderte Black. Ich zögerte kurz: „Okay, von mir aus. Als ich neun war, kamen Todesser in unser Haus und tötete meine Eltern. In dieser Nacht gewitterte es. Ich konnte in den Wald fliehen, aber ein Blitz schlug in einen Baum ein und ich konnte einem brennenden Ast gerade noch so ausweichen. Albus, McGonnagall und Shacklebolt haben mich gerettet und ins Jugendheim gebracht. In Hogwarts habe ich Lily kennengelernt. Wir haben uns angefreundet und ihre Eltern haben mich bereitwillig aufgenommen.“

„Das mit deinen Eltern tut mir leid.“, sagte Black, „Aber warum hast du Professor Dumbledore gerade beim Vornamen genannt?“

„Er ist wie ein Großvater für mich.“, antwortete ich zögernd, „Jetzt du.“

„Ich mag dich, Emily.“, sagte Black sanft, „Sehr.“

Ich war mir nicht sicher, ob ich ihm glauben sollte, doch ich konnte nicht länger darüber nachdenken. Schon lagen Black‘s Lippen auf meinen. Ich erwiderte den Kuss. Nach einer Weile lösten wir uns wieder von einander und mir wurde mit einem Schlag bewusst, wen ich gerade geküsst hatte. Black, den Playboy der Schule. Ich war ja so bescheuert! Schnell wirbelte ich herum und rannte zurück zum Schloss.

Als ich in meinem Schlafsaal ankam, stellte ich leicht überrascht fest, dass auch Lily schon da war. Sie sah mit einem fassungslosem Blick auf, als ich die Tür hinter mir schloss. Gleichzeitig sagten wir: „Er hat mich geküsst!“

„Potter?“, fragte ich sicherheitshalber nach. Lily nickte: „Ja. Und bei dir?“

„Siri… Black.“, antwortete ich. Lily stand der Mund offen: „Und? Magst du ihn?“

Ich schmiss ich auf mein Bett und verbarg meinen Kopf im Kissen. „Ja, ich glaube schon.“, meine Antwort klang durch das Kissen gedämpft. Lily setzte sich zu mir aufs Bett: „Aber Emmi, das ist doch nicht schlimm.“

Ich setzte mich auf: „Er ist ein Playboy. In ein paar Tagen wird er mich wieder fallen lassen. Das…“

Ich konnte den Satz nicht beenden, denn in diesem Moment klatschte etwas mit voller Wucht gegen das Fenster. Ich schrie erschrocken auf und Lily kreischte: „Eine Eule!“

Sie rannte zum Fenster und riss es auf. Die Eule trudelte herein und landete neben mir auf dem Bett. Ich nahm ihr den, an mich adressierten, Brief aus dem Schnabel und öffnete ihn.

Liebe Emily,

ich weiß nicht, warum du nach dem Kuss weggerannt bist (Küsse ich wirklich so schlecht?). Aber ich möchte dich nicht aufgeben. Dafür bist du mir zu wichtig. Nächstes Wochenende ist Hogsmead-Wochenende. Gehen wir zusammen hin? Ich bin um 9 Uhr morgens in der Eingangshalle. Falls du kommen willst.

Liebe Grüße, Sirius.

Sprachlos reichte ich Lily den Brief. „Ich finde, du solltest hingehen.“, meinte sie, nachdem sie den Brief gelesen hatte. „Ja, ich denke das tue ich.“, erwiderte ich, „Aber wenn er mich verletzt, wird er es bereuen.“

Lily lachte: „Das ist die Emily, die ich kenne.“

„Magst du eigentlich James?“, fragte ich bemüht beiläufig. Lily wurde rot: „Naja, ja… irgendwie schon.“

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Emily Summer | 7. Gelbe Rose

7. Gelbe Rose

Minerva McGonnagall klatschte laut in die Hände, um uns zur Ruhe zu ermahnen. Sie hatte alle Gryffindors ab der vierten Klasse in ihrem Klassenzimmer versammelt. „Ruhe, alle zusammen. Ich habe Ihnen etwas mitzuteilen.“, rief sie laut, „Aufgrund einer Schülerabstimmung hat Professor Dumbledore sich für einen Ball zu Weihnachten entschieden.“

Viele Mädchen kreischten aufgeregt los, sodass Professor McGonnagall erneut laut klatschen und „Ruhe!“ rufen musste. „Es ist kein gewöhnlicher Ball.“, fuhr sie schließlich fort, „Er ist etwas ganz Besonderes. Jedes Mädchen bekommt eine Blume zugeteilt. Bestmöglich sollten sie dann ein Kleid in der Farbe der Blume oder ein paar Merkmale von ihr tragen. Die Jungen sollten alle im Laufe der nächsten zwei Wochen einen Brief an mich schreiben, in dem sie die Blume nennen, mit dessen Mädchen sie auf den Ball gehen wollen.“

„Wie soll das denn gehen?“, fragte ein Junge aus der fünften Klasse, „Dann weiß ja niemand, wer sein Tanzpartner ist.“

„Ja, das ist richtig, Mister Haresgill.“, sagte Professor McGonnagall, „Wer nicht tanzen kann, kommt bitte dienstags und donnerstags um 18 Uhr in die große Halle. Dort ist dann Tanzunterricht. Jungen, ihr könnt gehen.“

Die Jungs verließen nacheinander den Raum. Als alle weg waren, ging Professor McGonnagall mit Briefen rum und verteilte diese an alle Mädchen. „Bitte erst draußen öffnen.“, sagte sie, dann entließ sie uns. Lily und ich liefen ins nächste Mädchenklo und schlossen uns zusammen in einer Kabine ein. Aufgeregt und neugierig rissen wir die Briefe auf. „Mohnblume.“, sagte Lily mit einem leichten Lächeln. Ich zog eine Augenbraue hoch, als ich den Namen meiner Blume las: „Gelbe Rose.“

„Weißt du schon, was du anziehst?“, fragte Lily. Ich zuckte mit den Schultern: „Mal sehen.“

Die nächsten Wochen traf man auf den Gängen hauptsächlich auf Jungen, die angestrengt über Blumen nachdachten und auf Mädchen, die sich aufgeregt über Kleider und Schmuck unterhielten. Zum Tanzkurs gingen Lily und ich nicht, wir konnten beide tanzen.

Zwei Stunden vor Beginn des Balls standen Lily und ich in unserem Schlafsaal vor unseren Kleidern. Lily hatte sich für ein hübsches, schwarzes Kleid entschieden, dass ihr bis kurz über die Knie ging. Mein Kleid glich dem von Belle aus die Schöne und das Biest. Wir zogen die Kleider an und Lily befestigte eine verzauberte Mohnblume an dem Gürtel ihres Kleides. Dann machte sie mir einen langen geflochtenen Zopf und steckte ein paar verzauberte gelbe Rosen hinein. Als Schmuck trug ich goldene Ohrringe in Rosenform und eine Kette mit einer goldenen Rose. Ich machte Lily ebenfalls einen geflochtenen Zopf und steckte ihr ein paar schwarze Perlen hinein. Ihre Ohrringe waren, wie in ihr Haarschmuck, schwarze Perlen. Ihre Kette war eine Mohnblume an einem silbernen Band.  Nachdem wir uns geschminkt haben, betrachteten wir uns zufrieden im Spiegel. Fertig! Zusammen liefen wir wir durch das Schloss zur großen Halle. Dort fand der Ball statt. Als wir die Treppe hinunterstiegen, richteten sich alle. Blicke auf uns. Am Fuß der Treppe trennten wir uns, um unsere Tanzpartner zu suchen. „Hallo schöne Fremde. Sieht aus, als wären wir heute zusammen hier.“, sagte jemand hinter mir. Diese Stimme würde ich unter tausenden erkennen. Das durfte jetzt echt nicht wahr sein!

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Emily Summer | 6. Besuch

6. Besuch

„Hallo!“, rief Lily ins stille Haus hinein, „Wir sind wieder da!“

Keine Antwort. „Wo sind die denn alle?“, fragte Lily ratlos. Ich zuckte nur mit den Schultern und folgte Lily ins Haus. Wir schleppten die Koffer die Treppen hoch in unsere Zimmer. Sie lagen im zweiten Stock, worüber Lily sich schon seit Jahren beschwerte. Nachdem wir die Koffer dann endlich in unseren Zimmern abgestellt hatten, liefen wir die Treppe wieder nach unten ins Erdgeschoss, wo die Küche lag. Auf dem Küchentisch fanden wir einen Zettel:

Hallo Lily und Emily, schön, dass ihr wieder da seit. Peter ist noch bei der Arbeit und ich hole Petunia von der Schule ab. Wir kommen alle erst gegen Abend. Ihr könnt euch einfach etwas zu Essen machen, wenn ihr Hunger habt. 

„Hast du schon Hunger?“, fragte Lily mich und und legte den Zettel zurück auf den Tisch. „Nein, nicht wirklich. Du?“, erwiderte ich. Lily schüttelte den Kopf. Gleichzeitig und breit grinsend fragten wir: „Pool?“

Dann rannten wir nach oben, um uns unsere Badesachen anzuziehen.

Ich war vor Lily fertig, also wartete ich an der Terrassentür im Wohnzimmer auf sie. Auf der Treppe hörte ich ihre Schritte. Es klingelte an der Tür und ich machte mich auf den Weg, um sie zu öffnen. Lily war schneller. Sie öffnete die Tür und…

… „Black und Potter!“, rief sie überrascht und ich fügte hinzu: „Was macht ihr hier?“

die beiden grinsten uns provokant an und Potter sagte: „Wir besuchen dich hier, Evans. Dass Summer hier ist, konnten wir ja nicht wissen.“

„Was? Warum besucht ihr mich?“, fragte Lily fassungslos. Black lachte leise und ich funkelte ihn wütend an. „Weil…“, sagte Potter gedehnt, „naja, unsere Eltern haben sich am Bahnhof kennen gelernt und gut verstanden. Sie fanden, es sei eine gute Idee, wenn wir dich besuchen kommen. Und hier sind wir.“

„Na dann, kommt rein.“, knurrte Lily und trat einen Schritt zur Seite, um die beiden hereinzulassen. Hinter ihnen ließ sie die Tür ins Schloss fallen. „Kommt mit, wir zeigen euch das Gästezimmer. Ihr müsst es euch teilen.“, informierte Lily die Jungs kühl. Potter grinste: „Kein Problem. Auch wenn ich mir lieber ein Zimmer mit dir geteilt hätte.“

Lily schnaubte wütend auf und ich verkniff mir ein Grinsen. Es war schon lustig, wie Potter sich um Lily bemühte, obwohl die ganz offensichtlich nichts von ihm wollte. Auch Black grinste. Potter wechselte schnell das Thema: „Wolltet ihr gerade Schwimmen gehen?“

„Was?“, fraget Lily, doch dann schien ihr wieder einzufallen, dass wir Badesachen trugen. Sie lief leicht rot an und ich sagte schnell: „Ja, wir wollten in den Pool gehen.“

Wir zeigten den beiden Jungs das Gästezimmer und gingen dann in den Garten zum Pool. „Warum ausgerechnet Potter und Black?“, fragte Lily wütend, „Und dann ist ihr Zimmer auch noch im selben Stockwerk wie unsere.“

Ich lachte leise: „Lily, reg dich ab. Ich finde es ja auch nicht toll, aber es ist nunmal so. Lass uns das Beste daraus machen.“

Lily nickte wiederwillig. Dann grinste sie plötzlich fies. Ich begriff zu spät, was Lily vorhatte. Schon schubste sie mich ins Wasser. Nach Luft schnappend tauchte ich wieder auf. „Lily!“, rief ich empört, „Was sollte das denn?“

Lily lachte und sprang ebenfalls ins Wasser. Sofort bekam sie eine Ladung Wasser von mir ins Gesicht. Rache musste sein. Sie kreischte und spritzte zurück. Und schon begann eine wilde Wasserschlacht.

Irgendwann bekamen wir dann doch Hunger und beschlossen, uns drinnen etwas zu Essen machen. Wir trockneten uns ab und und gingen dann in unsere Zimmer, um uns etwas anderes anzuziehen. Danach liefen wir zur Tür des Gästezimmers und klopften an. „Ja?“, hörten wir Blacks Stimme und Lily öffnete die Tür. „Wollt ihr was Essen?“, fragte sie gespielt freundlich. Potter nickte: „Ja gerne, können wir helfen?“

Black sah aus, als fände er die Idee gar nicht gut. Ich lachte leise: „Klar könnt ihr das. Was wollen wir denn kochen?“

„Wie wäre es mit Nudeln und Tomatensoße?“, schlug Lily mit einem fragenden Blick in die Runde vor. Black, Potter und ich nickten zustimmend. Zusammen gingen wir in die Küche.

Lily und ich stellten ziemlich schnell fest, dass Black eigentlich ganz gut kochen konnte. Potter hatte keine Ahnung vom Kochen, sodass ich ihm schließlich auftrug, den Tisch zu decken. Als wir gerade anfangen wollten zu Essen, hörten wir den Schlüssel im Schloss der Haustür und einige Augenblicke später standen Lilys Mutter Elisa und Lilys ältere Schwester Petunia im Esszimmer. Petunia schnitt eine angeekelte Grimasse, als sie Potter und Black sah und murmelte in unsere Richtung: „Hallo.“

Elisa lief freudig auf die Jungs zu und rief: „Hallo James! Hallo Sirius! Wie schön, dass ihr da seit.“

Dann umarmte sie Lily und mich: „Ich freue mich so, dass ihr wieder hier seit.“

mein Blick huschte automatisch zu Black. Was dachte er bloß bei einer so mütterlichen Begrüßung? Er ließ sich nichts anmerken. Potter holte zwei weitere Teller und dann aßen wir alle zusammen.

Am nächsten Morgen wurde ich als Erste wach. Lilys Vater Peter war erst sehr spät zurück gekommen. Ich beschloss, mich anzuziehen und dann Frühstück zu machen.

In der Küche sah ich mich ratlos um. Was sollte ich bloß machen. „Wir haben Obst und sonst…“, murmelte ich leise und öffnete den Kühlschrank. Ja, für ein typisches, englische Frühstück und einen Obstsalat war alles da. So machte ich mich ans Werk. Ich schnitt gerade einen Apfel, als ich plötzlich einen Schmerz in meinem linken Zeigefinger spürte. Ich hatte mir in den Finger geschnitten. „Mist!“, fluchte ich halblaut. „Hey, alles okay?“, erklang plötzlich eine Stimme hinter mir. Ich wirbelte herum: „Black! Erschreck mich doch nicht so! Aber ja, alles okay, ich habe mir nur in den Finger geschnitten.“

Black begutachtete meinen Finger: „Da sollte ein Pflaster drauf. Hast du eins?“

„In meinem Zimmer.“, antwortete ich und lief los. Black folgte mir. Ich hielt die Hand unter den Finger, damit das Blut nicht auf den Holzboden tropfte.

In meinem Zimmer zog ich zog ich die Nachttischschublade auf und nahm ein Pflaster heraus. Black klebte es mir auf den Finger, dann sah er sich in meinem Zimmer um. „Es sieht aus, als wäre das immer dein Zimmer. Als würdest du hier wohnen.“, stellte er fest. „Quatsch!“, sagte ich scharf, dann fuhr ich ruhiger fort, „Ich bin nur sehr oft bei Lily zu Besuch.“

„Warum bist du nicht bei deinen Eltern?“, fragte Black. Ich zögerte kurz: „Sie sind oft geschäftlich unterwegs.“

„Ich gehe dann mal.“, sagte Black zögernd und lief zur Tür. Ich nickte nur, ohne ihn anzusehen.

Die restlichen Ferien ignorierte ich Black, so gut es ging, um weiteren Fragen zu entgehen.

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Emily Summer | 5. Offenbarungen

5. Offenbarungen

„Endlich fertig!“, sagte ich erleichtert, als ich mit Lily und zwei anderen Freundinnen aus dem Eingangsportal trat. Auch Lily lachte erleichtert. Wir hatten vor ein paar Minuten unsere letzte ZAG-Prüfung von diesem Jahr abgeschlossen. Geschichte der Zauberei. Jetzt waren wir auf dem Weg zum See. Später würden wir dann noch unsere Koffer packen und morgen fuhr dann schon der Zug zurück nach ,Hause‘. Wir setzten uns an den See, zogen die Schuhe aus und hielten die Füße ins kühle Wasser. Der Riesenkraken kam an die Oberfläche und zeigte uns seine neusten Tricks. „Habt ihr die ganzen Namen von diesen Kobolden gewusst?“, fragte Jessica. Ich sah sie erstaunt an: „Ja.“

“Nein.“, sagte Lily im selben Augenblick. Wir alle lachten laut los. „Ich habe ein paar erfunden.“, meinte Veronica grinsend und wir lachten noch heftiger. Hinter uns ertönten aufgeregte Rufe und wir drehten uns überrascht um. Black und Potter standen mit erhobenen Zauberstäben dem entwaffneten Sev gegenüber. Lily und ich schnappten gleichzeitig empört nach Luft. Potter sagte etwas, das wir wegen der Entfernung nicht verstanden und schon hing Sev kopfüber in der Luft. Gleichzeitig sprangen Lily und ich auf und stürmten wütend über die Wiese auf Sev, Potter, Black und die Schaulustigen zu. „Lass ihn runter, Potter!“, schrie Lily außer sich vor Wut. Potter sah sie nachdenklich an: „Nur, wenn du mit mir ausgehst, Evans.“

Lily sah aus, als würde sie gleich explodieren: „Mit dir würde ich nicht mal ausgehen, wenn ich nur die Wahl zwischen dir und dem Riesenkraken hätte. Und jetzt lass ihn runter!“

Potter sah nun auch wütend aus. Dabei war es gar nicht der erste Korb, den er von Lily bekommen hatte. Langsam sollte er sich echt daran gewöhnt haben. Potter senkte seinen Zauberstab und Sev fiel zu Boden. Er blieb wie eine zusammengefaltete Fledermaus liegen. Lily stürzte zu ihm und bot ihm ihre Hand an: „Sev! Alles in Ordnung?“

Sev schlug ihre Hand weg: „Ich brauche keine Hilfe von einem Schlammblut!“

„Na schön.“, sagte sie wütend und verletzt, „Dann sieh doch zu, wie du nächstes mal alleine zurecht kommst!“

Tränen glänzten in ihren Augen. Sie wandte sich ab und rannte den Weg zurück zum Schloss. „Wie kannst du nur?“, fragte ich Sev voller Verachtung. Potter sah genauso wütend aus, wie ich mich fühlte. „Furunkulus.“, sagte ich kalt, den Zauberstab auf Sev gerichtet. Es folgten noch ein paar weitere Flüche, dann rannte ich Lily hinterher.

Als ich in der Eingangshalle ankam, war Lily schon weg. Stattdessen kam mir Professor Sullivan entgegen. „Kommen Sie mit, Miss Summer.“, bat sie mich, „Professor Dumbledore möchte Sie sprechen.“

Ich folgte ihr überrascht zu Dumbledores Büro. Vor der Tür ließ sie mich alleine. Zögernd klopfte ich an. Was Dumbledore wohl von mir wollte? „Herein.“, hörte ich Dumbledore von innen sagen. Langsam öffnete ich die Tür, trat ein und schloss sie dann wieder hinter mir. „Oh, hallo Emily.“, begrüßte Dumbledore mich lächelnd, „Ich habe dich schon erwartet. Setz dich doch bitte.“

Ich setzte mich auf den Stuhl vor Dumbledores Schreibtisch. Es war nicht das erste mal, dass ich mit Dumbledore sprach. Genau genommen war es das zweite mal. Und das letzte mal war es sehr traurig gewesen.

Flashback:

Der Todesser warf sich trotz Lindsay auf seinen Zauberstab. Immer und immer wieder schoss er einen Zauber auf mich ab. Und immer und immer wieder wich ich ihm aus. Langsam ging mir die Puste aus. Dann knallte es und drei weitere Personen tauchten in der Nähe auf. Eine streng aussehende Frau, ein dunkelhäutiger Mann und ein Mann mit langen, silberweißen Haaren und Bart. Der Todesser rannte los und die Frau und der dunkelhäutige Mann nahmen die Verfolgung auf. Der andere Mann kam auf mich zu: „Alles in Ordnung?“

„Also Emily, du fragst dich sicher, warum du hier bist.“, sagte Dumbledore und ich nickte stumm. „Also.“, fuhr Dumbledore fort, „Ich möchte dir etwas erzählen. Als deine Eltern starben, warst du erst neun. Du warst traurig und verstört. Aber ich denke, jetzt bist du bereit, es zu erfahren. In der Nacht, in der du deine Eltern verloren hast, verlor ich meine Tochter.“

„Sie… was?“, fragte ich fassungslos. Dumbledore lächelte: „ Ich bin dein Großvater, Emily.“

„Warum sollte ich Ihnen das glauben?“, fragte ich misstrauisch. Dumbledore seufzte: „Du hast Recht. Deine Mutter hat mich sicher nie erwähnt. Unser Verhältnis war nicht so gut.“

„Sie hatten jahrelang Zeit.“, sagte ich bemüht ruhig. „Bitte, sag ,du‘ zu mir, ich bin schließlich dein Großvater.“, bot Dumbledore mir an. Ich sprang wütend auf: „Du hattest jahrelang Zeit es mir zu sagen, stattdessen saß ich zwei verdammte Jahre im Jugendheim fest. Es war schrecklich dort. Ich dachte ich hätte niemanden mehr, ich wäre alleine und du hast mich in dem Glauben gelassen!“

„Es tut mir leid.“, sagte Dumbledore. „Das ist alles? Es tut dir leid?“, fragte ich fassungslos und wütend, „Ich denke, es ist besser, wenn ich gehe!“

Damit stürmte ich aus dem Büro. Ich konnte es einfach nicht fassen.

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