5. Offenbarungen
„Endlich fertig!“, sagte ich erleichtert, als ich mit Lily und zwei anderen Freundinnen aus dem Eingangsportal trat. Auch Lily lachte erleichtert. Wir hatten vor ein paar Minuten unsere letzte ZAG-Prüfung von diesem Jahr abgeschlossen. Geschichte der Zauberei. Jetzt waren wir auf dem Weg zum See. Später würden wir dann noch unsere Koffer packen und morgen fuhr dann schon der Zug zurück nach ,Hause‘. Wir setzten uns an den See, zogen die Schuhe aus und hielten die Füße ins kühle Wasser. Der Riesenkraken kam an die Oberfläche und zeigte uns seine neusten Tricks. „Habt ihr die ganzen Namen von diesen Kobolden gewusst?“, fragte Jessica. Ich sah sie erstaunt an: „Ja.“
“Nein.“, sagte Lily im selben Augenblick. Wir alle lachten laut los. „Ich habe ein paar erfunden.“, meinte Veronica grinsend und wir lachten noch heftiger. Hinter uns ertönten aufgeregte Rufe und wir drehten uns überrascht um. Black und Potter standen mit erhobenen Zauberstäben dem entwaffneten Sev gegenüber. Lily und ich schnappten gleichzeitig empört nach Luft. Potter sagte etwas, das wir wegen der Entfernung nicht verstanden und schon hing Sev kopfüber in der Luft. Gleichzeitig sprangen Lily und ich auf und stürmten wütend über die Wiese auf Sev, Potter, Black und die Schaulustigen zu. „Lass ihn runter, Potter!“, schrie Lily außer sich vor Wut. Potter sah sie nachdenklich an: „Nur, wenn du mit mir ausgehst, Evans.“
Lily sah aus, als würde sie gleich explodieren: „Mit dir würde ich nicht mal ausgehen, wenn ich nur die Wahl zwischen dir und dem Riesenkraken hätte. Und jetzt lass ihn runter!“
Potter sah nun auch wütend aus. Dabei war es gar nicht der erste Korb, den er von Lily bekommen hatte. Langsam sollte er sich echt daran gewöhnt haben. Potter senkte seinen Zauberstab und Sev fiel zu Boden. Er blieb wie eine zusammengefaltete Fledermaus liegen. Lily stürzte zu ihm und bot ihm ihre Hand an: „Sev! Alles in Ordnung?“
Sev schlug ihre Hand weg: „Ich brauche keine Hilfe von einem Schlammblut!“
„Na schön.“, sagte sie wütend und verletzt, „Dann sieh doch zu, wie du nächstes mal alleine zurecht kommst!“
Tränen glänzten in ihren Augen. Sie wandte sich ab und rannte den Weg zurück zum Schloss. „Wie kannst du nur?“, fragte ich Sev voller Verachtung. Potter sah genauso wütend aus, wie ich mich fühlte. „Furunkulus.“, sagte ich kalt, den Zauberstab auf Sev gerichtet. Es folgten noch ein paar weitere Flüche, dann rannte ich Lily hinterher.
Als ich in der Eingangshalle ankam, war Lily schon weg. Stattdessen kam mir Professor Sullivan entgegen. „Kommen Sie mit, Miss Summer.“, bat sie mich, „Professor Dumbledore möchte Sie sprechen.“
Ich folgte ihr überrascht zu Dumbledores Büro. Vor der Tür ließ sie mich alleine. Zögernd klopfte ich an. Was Dumbledore wohl von mir wollte? „Herein.“, hörte ich Dumbledore von innen sagen. Langsam öffnete ich die Tür, trat ein und schloss sie dann wieder hinter mir. „Oh, hallo Emily.“, begrüßte Dumbledore mich lächelnd, „Ich habe dich schon erwartet. Setz dich doch bitte.“
Ich setzte mich auf den Stuhl vor Dumbledores Schreibtisch. Es war nicht das erste mal, dass ich mit Dumbledore sprach. Genau genommen war es das zweite mal. Und das letzte mal war es sehr traurig gewesen.
Flashback:
Der Todesser warf sich trotz Lindsay auf seinen Zauberstab. Immer und immer wieder schoss er einen Zauber auf mich ab. Und immer und immer wieder wich ich ihm aus. Langsam ging mir die Puste aus. Dann knallte es und drei weitere Personen tauchten in der Nähe auf. Eine streng aussehende Frau, ein dunkelhäutiger Mann und ein Mann mit langen, silberweißen Haaren und Bart. Der Todesser rannte los und die Frau und der dunkelhäutige Mann nahmen die Verfolgung auf. Der andere Mann kam auf mich zu: „Alles in Ordnung?“
„Also Emily, du fragst dich sicher, warum du hier bist.“, sagte Dumbledore und ich nickte stumm. „Also.“, fuhr Dumbledore fort, „Ich möchte dir etwas erzählen. Als deine Eltern starben, warst du erst neun. Du warst traurig und verstört. Aber ich denke, jetzt bist du bereit, es zu erfahren. In der Nacht, in der du deine Eltern verloren hast, verlor ich meine Tochter.“
„Sie… was?“, fragte ich fassungslos. Dumbledore lächelte: „ Ich bin dein Großvater, Emily.“
„Warum sollte ich Ihnen das glauben?“, fragte ich misstrauisch. Dumbledore seufzte: „Du hast Recht. Deine Mutter hat mich sicher nie erwähnt. Unser Verhältnis war nicht so gut.“
„Sie hatten jahrelang Zeit.“, sagte ich bemüht ruhig. „Bitte, sag ,du‘ zu mir, ich bin schließlich dein Großvater.“, bot Dumbledore mir an. Ich sprang wütend auf: „Du hattest jahrelang Zeit es mir zu sagen, stattdessen saß ich zwei verdammte Jahre im Jugendheim fest. Es war schrecklich dort. Ich dachte ich hätte niemanden mehr, ich wäre alleine und du hast mich in dem Glauben gelassen!“
„Es tut mir leid.“, sagte Dumbledore. „Das ist alles? Es tut dir leid?“, fragte ich fassungslos und wütend, „Ich denke, es ist besser, wenn ich gehe!“
Damit stürmte ich aus dem Büro. Ich konnte es einfach nicht fassen.

