1. Fünftes Schuljahr
Ich lief mit meinem Gepäck durch die Mauer. Nach sechs Wochen Ferien bei Lily in der Muggelwelt kam mir das Gedränge am Bahnhof 9 3/4 fast schon unwirklich vor. Lily kam durch die Mauer und blieb neben mir stehen. „Immer wieder überwältigend oder?“, fragte sie lächelnd. Ich nickte und lies meinen Blick über die vielen Zauberer und Hexen am Bahnsteig gleiten: „Es ist magisch.“
Lily lachte: „Wollen wir?“
Erneut nickte ich und zusammen stiegen wir in den Hogwarts-Express. Wir fanden ein leeres Abteil und luden unserer Koffer in die Gepäckablage. Lily verabschiedete sich. Sie musste ins Vertrauensschüler-Abteil. Ich zog ein Buch hervor und begann zu lesen. Als die rote Dampflock losfuhr, legte ich es zur Seite und sah aus dem Fenster. Wir fuhren aus dem Bahnhof und die Landschaft vor dem Fenster wurde immer wilder. Bald würde mein fünftes Schuljahr in Hogwarts beginnen. Ich widmete mich wieder meinem Buch, doch nur kurze Zeit später öffnete sich die Abteiltür und Severus trat ein. „Oh. Hi, Sev.“, begrüßte ich ihn freundlich. „Hi Emily.“, erwiderte er, „Ist Lily da?“
Ich zog eine Augenbraue hoch: „Siehst du sie hier irgendwo?“
Sev grinste: „Nein. Du hast Recht.“
Er kam ganz rein und wir unterhielten uns kurz über die Ferien, in denen wir uns auch ab und zu gesehen hatten. Nach einiger Zeit ging er wieder. Er wollte zurück zu seinen Freunden. Ich mochte Sev. Wirklich. Aber seine Freunde konnte ich nicht ausstehen. Sie würden später mit Sicherheit alle Todesser werden. Und was ich noch weniger mochte als Potter und Black waren Todesser. Wo wir gerade von Potter und Black sprachen, genau diese Beiden öffneten nun die Abteiltür. „Oh, hallo Summer. Was machst du denn hier?“, fragte Potter. Ichsucht ihn spöttisch an: „Vielleicht ist es dir noch nicht aufgefallen, aber das hier, Potter, ist mein Abteil. Und jetzt verschwindet, ihr dummen, überheblichen, gehirnlosen…“
„Was wollte Schniefelus hier?“, unterbrach Black mich, bevor ich noch mehr Beleidigungen dranhängen konnte. Ich sah ihn überrascht an. Hörte ich da etwa Eifersucht in seiner Stimme? Nein, das konnte nicht sein. Wir mochten uns nicht. Nur ein paar Sekunden später hatte ich meine Fassung wieder: „Das geht dich gar nichts an. Und jetzt verschwindet!“
Als sie immer noch keine Anstalten machten zu gehen, zückte ich meinen Zauberstab. „Okay, okay.“, meinte Potter beschwichtigend und die beiden traten den Rückzug an. Sie wussten, sie hätten in einem Duell keine Chance gegen mich. Nachdem die Beiden weg waren kam Lily. „Was wollten Potter und Black hier?“, fragte sie stirnrunzelnd. Ich verdrehte die Augen: „Nerven. Wie immer.“
Lindsay, meine Katze, kratzte an ihrer Transportbox und ich lies sie raus. Die restliche fahrt über unterhielten wir uns und spielten Zauberschnippschnapp. Zwischendurch zogen wir uns um. Als wir endlich am Bahnsteig ausstiegen, begrüßten wir Hagrid freudig und stiegen dann zusammen in eine der Kutschen, um mit ihr nach oben zu fahren. Es war jedes mal von Neuem überwältigend, nach den Ferien Hogwarts zu sehen. In der großen Halle warteten wir ungeduldig auf die neuen Erstklässler. Als die Auswahl begann, erinnerte ich mich zurück an meine eigene.
Flashback:
Ich stand mit den anderen Erstklässlern vorne und dachte, ich würde sterben vor Aufregung. Dann, endlich, sagte die ältere Hexe vorne: „Summer, Emily!“
Ich schritt mit einem Lächeln und ziemlich selbstbewusst nach vorne. Ich setzte mich auf den Hocker und die Professorin setzte mir den sprechenden Hut auf. „Hm, bei dir ist es sehr schwierig.“, sprach der Hut in meinem Kopf, „Deine Intelligenz spricht für Ravenclaw. Für dein Mitgefühl würde ich dich nach Hufflepuff stecken. Und dein Mut zeugt von Gryffindor. Schwierig. Aber ich denke… ja… ich denke, das ist die richtige Wahl. GRYFFINDOR!“
Ich gab der älteren Hexe den Hut zurück und setzte mich neben Lily an den applaudierenden, rot, goldenen Tisch. Dort hatte ich mich zum ersten Mal mit Lily unterhalten und wir hatten uns sofort gut verstanden. Und nun waren wir die besten Freundinnen.
Die Erstklässler waren nun alle eingeteilt. Das Essen erschien und alle stürzten sich darauf. Wie jedes Jahr fielen Lily und ich kurze Zeit später satt, zufrieden und müde in unsere gemütlichen Himmelbetten.

