2. Vollmond
Es waren nun schon ein paar Wochen vergangen. Ich saß mit Lily an einem der Tische im Gemeinschaftsraum. Am Tisch neben uns saßen Potter, Black, Remus und Pettigrew. „Hey, Moony.“, sagte Black plötzlich, „Heute ist Vollmond“
Geschockt sprang ich auf und schnappte mir meine Sachen. Heute war ihr Todestag! Wie konnte ich das vergessen? Ich stürmte in den Mädchenschlafsaal. Dabei spürte ich Lily‘s besorgten Blick in meinem Rücken. Ich zog mir eine Leggins und ein schwarzes Top an, die als mein Schlafanzug herhielten. Dann legte ich mich in mein Bett und zog die Vorhänge zu. Nach und nach kamen die anderen Mädchen. Es war kurz nach Mitternacht, als endlich alle schliefen. Leise stand ich auf, nahm meinen Zauberstab und schlich mich aus dem Schlafsaal. Meine Katze Lindsay folgte mir. Zusammen huschten wir durch das dunkle Schloss. Als wir draußen waren, verschwand Lindsay in der Dunkelheit. Ein paar Minuten später setzte der Regen ein. Es war kein gewöhnlicher Regen. Er war magisch. Man wurde nicht nass und die Tropfen schimmerten in allen Regenbogenfarben. Wie Seifenblasen. Tränen liefen mir stumm über die Wangen. Langsam lief ich los. Mein Ziel war der verbotene Wald. Als ich ihn gerade betreten hatte, hörte ich das Fauchen einer Katze und ein Knurren, das ich keinem Tier zuordnen konnte. Lindsay? War sie in Gefahr? Ich rannte den Geräuschen nach. Vor mir erschien eine Lichtung und ich schnappte geschockt nach Luft. Der Anblick war erschreckend. Meine kleine Katze Lindsay stand mit gesträubtem Fell einem riesigen Wolf gegenüber. Der Wolf knurrte wütend. Lindsay fauchte. Der riesige Wolf wurde immer wütender und er machte sich bereit zum Sprung. „Nein!“, mein Schrei durchbrach das Knurren und Fauchen und die sonstige Stille im Wald. In dem Moment, in dem der Wolf sich vom Boden abstieß, stürzte ich mich über Lindsay. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass Lindsay schon verletzt war. Sie blutete stark aus einer Wunde an ihrer Flanke. Dann traf der Wolf mich mit den Krallen an der Schulter. Bevor ich schreien konnte, bemerkte ich, dass der Wolf kein normaler Wolf war. Er war ein Werwolf! Ich musste auf jeden Fall verhindern, dass der Werwolf mich mit den Zähnen erwischte. Mit Lindsay im Arm rollte ich mich zur Seite und die Zähne des Werwolfes schnappten in die Luft. Genau an der Stelle, an der vor wenigen Sekunden noch mein Arm gewesen war. Ich warf Lindsay so vorsichtig wie möglich in ein nahes Gebüsch, in dem sie bewegungslos liegen blieb. Hatte ich sie umgebracht? Doch für noch mehr Gedanken blieben mir keine Zeit. Der Werwolf schnappte nach meinem Bein. In letzter Sekunde rollte ich mich zur Seite. Im Stillen dankte ich Potter, dass er so oft mit uns trainierte. Hinter mir raschelte es und ich war kurz abgelenkt. Diesen kurzen Moment nutzte der Werwolf. Er holte mit der Pranke aus. Ich versuchte auszuweichen, doch der Werwolf traf mich an der Wange. Ich spürte, wie mir das Blut übers Gesicht lief. „Tatze, bring Emily hier weg.“, hörte ich eine bekannte Stimme, doch ich war viel zu durcheinander um sie zuordnen zu können. Die Stimme ertönte erneut: „Los Wurmschwanz, verwandeln! Wir lenken ihn ab.“
Es raschelte und ein Hirsch sprang elegant auf die Lichtung. Dicht gefolgt von einer kleinen Ratte. Sie nahmen nun den Kampf gegen den Werwolf auf. Dann betrat eine menschliche Gestalt die Lichtung und kniete sich neben mich. Black! „Kannst du aufstehen?“, fragte er und seine Stimme klang fast schon sanft. Ich zitterte und fühlte mich wie kurz vor einer Ohnmacht. Black schien es zu bemerken und hob mich kurzerhand hoch. Er trug mich aus dem Wald. Nach ein paar Minuten fragte er: „Warum hast du deine Katze eigentlich fast schon mit deinem Leben beschützt?“
Flashback:
Noch immer lag ich zitternd im Regen. Der nächtliche Wald um mich herum hatte all seine Schönheit verloren. Plötzlich knallte es laut und eine fiese Männerstimme sagte: „Na Kleine? Jetzt habe ich dich doch noch gefunden.“ Ich konnte – oder wollte mich nicht bewegen. Was hatte es denn jetzt noch für einen Sinn? Der Mann lachte schadenfroh: „Cru…“
Er konnte seinen Fluch nicht beenden, denn eine kleine, schwarze Katze sprang ihm an die Hand. Sein Zauberstab flog in hohem Bogen davon. Ich rappelte mich auf. Lindsay hatte Recht, es hatte immer einen Sinn!
„Sie hat einst das Selbe für mich getan.“, antwortete ich Black mit schwacher Stimme. Plötzlich drehte sich alles um mich herum. „Emily!“, rief Black erschrocken, doch ich konnte ihm nicht mehr antworten. Um mich herum versank alles in Dunkelheit.

