Ich klammerte mich an den Thestral auf dem ich saß und versuchte panisch, nicht nach unten zu sehen. Wie ich das fliegen hasste! Vor allem, wenn man nicht sah, worauf man saß. Wir machten eine unerwartete, scharfe Kurve und ich schrie erschrocken auf. Ein paar Minuten später flogen wir nach unten und landeten in einer verlassenen Gasse, in der nichts war, außer einer Telefonzelle und einem Müllcontainer. Ich stieg so elegant, wie ich konnte, ab, was nicht sehr elegant war, da ich ziemlich zitterte. Harry führte uns zur Telefonzelle, mit der wir ins Ministerium gelangten. Im Laufschritt durchquerten wir die große Eingangshalle und fuhren mit einem der Aufzüge in die Mysteriumsabteilung. Dort dauerte es etwas, bis wir die richtige Tür gefunden hatten. Staunend betraten wir die Halle der Prophezeiungen. Die Gänge zwischen den deckenhohen Regalen voller silberner Kugeln waren beschriftet. Harry rannte los und suchte nach Sirius. Wir anderen blieben etwas verunsichert stehen. Nach ein paar Minuten kam Harry zu uns zurück: „Er ist nicht hier.“
„Harry.“, sagte Neville und deutete auf eine Kugel im Regal neben sich, „Da steht dein Name.“
Harry ging zu der Prophezeiung und streckte die Hand nach ihr aus. „Harry!“, sagte Hermine scharf, „Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist.“
Harry wandte den Blick nicht von der Prophezeiung ab. „Ich muss.“, erklärte er, „Da steht mein Name.“
Er nahm die Kugel aus dem Regal. Wir warteten mit angehaltenem Atem, doch nichts passierte. Plötzlich tauchten um uns herum acht vermummte, dunkel gekleidete Gestalten auf. Todesser. Wir stellten uns Rücken an Rücken in einem dichten Kreis auf. Der Todesser gegenüber von Harry zog sich die Maske vom Kopf: „Überraschung.“
„Mister Malfoy!“, keuchte Harry, „Was wollen Sie von uns?“
Mister Malfoy lachte höhnisch: „Was wohl, Potter? Die Prophezeiung. Gib sie mir!“
Während Harry und Mister Malfoy diskutierten, verständigten wir uns lautlos. Als Mister Malfoy wütend einen Schritt auf Harry zu machte, hoben wir die Zauberstäbe und feuerten verschiedene Zauber ab. Dann rannten wir los. Hinter und fielen die Prophezeiungen aus den Regalen und lautes Fluchen erklang. Wir durchquerten die erste Tür, die wir fanden. Und plötzlich war da nichts mehr. Wir fielen ins Nichts. „Aresto Momentum!“, rief Hermine geistesgegenwärtig. Knapp über dem Boden stoppten wir. Dann fielen wir die letzten Zentimeter zu Boden. Langsam standen wir auf und sahen uns um. Wir waren in einem großen Raum, der fast komplett leer war. In der Mitte des Raumes war ein Podium, auf dem ein Tor mit einem Vorhang stand. Langsam gingen wir darauf zu. Plötzlich entstand um uns herum ein dichter, dunkler Rauch, der uns die Sicht nahm. Ich schrie auf, als ich Hände spürte, die nach mir griffen. Als sich der Rauch verzog sah ich, dass Ginny, Luna, Ron, Hermine, Neville und ich in einem Halbkreis um das Podium herum aufgestellt worden waren. Jeder von uns wurde von einem Todesser festgehalten und bedroht. Vor dem Podium standen Harry und Lucius Malfoy. Mister Malfoy hielt die Prophezeiung in der Hand. Plötzlich knallte es mehrmals laut und weitere Personen erschienen. Sie begannen, gegen die Todesser zu kämpfen. Irgendwann tauchte Dumbledore auf. Die Kämpfe stoppten nach und nach. Schließlich kämpfte nur noch ein Paar. Sirius Black und Bellatrix Lestrange. Bellatrix feuerte einen Todesfluch ab, der sein Ziel nicht verfehlte. Sirius kippte langsam seitlich in das Tor und verschwand. In der Halle wurde es still. Bellatrix verschwand durch eine Tür und Harry rannte ihr hinterher, dicht gefolgt von Dumbledore. Ginny, Luna und ich stellten uns zusammen und diskutierten über den ,Ausflug‘. Irgendwann kam Dumbledore zurück: „Harry geht es gut.“
Wir tauschten erleichterte Blicke. Die Ordensmitglieder kamen zu uns und zusammen mit ihnen disapparierten wir.
Maëlle Delamare | 9. Verhör und Geschwisterliebe
Laute Stimmen aus dem Klassenraum neben uns ließen uns stehenbleiben. „Das ist Harry.“, meinte Ginny. Sie und Luna wussten mittlerweile, dass ich ein Werwolf war. Ich hatte es ihnen erzählt und sie hatten total verständnisvoll reagiert. „Lasst uns mal nachschauen, was da los ist.“, schlug Luna vor. Wir öffneten die Tür und betraten den Raum, in dem außer Harry noch Ron und Hermine waren. „Was ist denn los?“, fragte ich. Harry sah uns genervt an: „Das geht euch nichts an.“
Luna seufzte, während Ginny und ich uns einen genervten Blick zuwarfen. Warum wollte Harry bloß immer alles alleine machen? „Warte mal Harry.“, sagte Hermine plötzlich, „Sie können uns helfen.“
Ron und Harry sahen sie überrascht an. „Wir müssen in Umbridges Büro. Ihr Kamin ist der einzige, der nicht überwacht wird. Von dort aus können wir nachsehen, ob Sirius wirklich im Ministerium ist.“, erklärte Hermine. Harry sah sie wütend an: „Er ist dort, Hermine! Mit Voldemort, der ihn foltert. Ich habe es gesehen.“
„Bitte Harry.“, sagte Hermine, „Wir müssen nachsehen. Es könnte eine Falle sein.“
Harry sah wohl ein, dass Hermine recht hatte und stimmte zu. „Könnt ihr dafür sorgen, dass niemand den Gang vor Umbridges Büro betritt?“, fragte Hermine uns. Ginny stimmte sofort zu: „Natürlich.“
Ich sah sie fragend an. Ginny grinste frech: „Wir sagen einfach, jemand hätte eine Ladung Karottengas losgelassen.“
„Wie…“, fragte Harry, wurde aber von Ginny unterbrochen, „Das hatten Fred und George vor ihrem Abgang eigentlich noch vor.“
Als die Namen der Zwillinge fielen, zuckte ich zusammen, doch zum Glück bemerkte es niemand. „Was machen wir, wenn Umbridge kommt?“, warf Luna ein. „Ich gehe zu ihr und sage, dass Peeves die Verwandlungsräume verwüstet.“, beschloss Ron. Wir anderen nickten und schon ging es los. Nachdem Ron mit Umbridge verschwunden war, gingen Harry und Hermine in das Büro der pinken Pest. Luna lief zum einen Ende des Ganges, während Ginny und ich zum anderen Ende gingen. Wir erzählten jedem, dass jemand Karottengas losgelassen hätte und kurze Zeit später war der Gang menschenleer. Dann kamen Adrian Pucey und die beiden Gorillas Crabbe und Goyle. „Was ist hier los?“, fragte Pucey. Ginny setzte mit gelangweilter Stimme zu unserer Lüge an: „Hier hat jemand Karotten…“
„Hör auf zu lügen, Weasley!“, sagte Pucey scharf, „Wir wissen, dass hier etwas nicht stimmt. Professor Umbridge schickt uns.“
Er gab Crabbe ein Zeichen und dieser schnappte sich Ginny. Sie versuchte sich zu wehren und eine leichte Rangelei entstand. Pucey packte mich fest an den Armen. Ich versuchte es mit Veela-Charme und er ließ mich sofort los und starrte mich mit großen Augen an. Im nächsten Moment traf mich Goyles Faust fest im Gesicht. Ich taumelte zur Seite und versuchte die SChwärze aus meinen Augenwinkeln zu vertreiben. Pucey kam wieder zu Sinnen und packte mich erneut. „Noch einmal und du hast ein Problem.“, flüsterte er mir drohend ins Ohr. „Habe ich das nicht schon?“, zischte ich wütend zurück. Bevor er etwas erwidern konnte, tauchte Neville auf und versuchte, Ginny zu helfen. „Den nehmen wir auch noch mit.“, entschied Pucey und Goyle schnappte sich Neville. Dann schleppten uns die drei in Umbridges Büro. Auch dort sah es nicht gut für uns aus. Millicent Bullstrode hielt Hermine fest. Blaise hatte Ron fest im Griff. Pansy Parkinson hielt Luna fest, die allerdings keine Anstalten machte, sich zu wehren. Harry saß auf einem pinken Sessel. Umbridge mit gezücktem Zauberstab vor ihm. Malfoy und Noël standen am Fenster. „Maëlle!“, sagte Noël entsetzt. „Was machst du hier?“, fragte Blaise fast ebenso entsetzt. „Kommen da deine brüderlichen Beschützerinstinkte zum Vorschein?“, stichelte ich. „Maëlle.“, sagte Noël warnend, „Was tust du hier?“
„Frag deine Freunde.“, meinte ich nur. Umbridge mischte sich ein: „Ruhe!“
Draco Malfoy ging rum uns sammelte unsere Zauberstäbe ein. Dann wurden auch wir an die Wand geführt. Umbridge stand drohend vor Harry. „Ich frage Sie das jetzt nur noch ein Mal. Was wollten Sie in meinem Kamin?“, sie machte bedrohlich noch einen Schritt auf Harry zu. Der sah sie nur trotzig an und schwieg. „Sie haben Dumbledore kontaktiert, nicht wahr?“, schrie Umbridge, so plötzlich, dass alle im Raum zusammenzuckten. Alle außer Harry, der sie ausdruckslos ansah. Dann ging die Tür auf und Snape betrat den Raum. Umbridge wirkte erfreut ihn zu sehen: „Snape! Haben Sie das Veritaserum?“
“Ich habe Ihnen meine letzte Flasche letzten Monat gegeben.“, erklärte Snape mit seiner typisch gelangweilten Stimme, „Sie haben doch wohl nicht alles aufgebraucht? Ich sagte doch drei Tropfen genügen.“
Umbridge lief zartrosa an: „Wann können Sie mir neues bringen?“
Snape zuckte gleichgültig mit den Schultern: „In zwei Monaten.“
Jetzt lief Umbridge dunkelrot an. „Das ist zu spät!“, kreischte sie, „Ich brauche es jetzt!“
„Dann kann ich Ihnen nicht helfen.“, stellte Snape fest und drehte sich um. „Er hat ihn.“, mischte sich Harry plötzlich ein, „Er hält Tatze gefangen! Dort wo sie versteckt ist.“
Snape drehte sich wieder zu ihm und sah ihn ausdruckslos an. Umbridges Blick schnellte zwischen den beiden hin und her: „Snape, was meint er damit?“
„Ich habe keine Ahnung.“, sagte Snape kalt und rauschte aus dem Raum. Umbridge starrte die Tür an und sah aus, als könnte sie jeden Moment explodieren. Sie zückte ihren Zauberstab und richtete ihn auf Harry: „Vielleicht wird ja der Cruciatus-Fluch Ihre Zunge etwas lockern.“
Wir sahen sie alle entsetzt an. „Das dürfenSie nicht!“, kreischte Hermine, „Harry, wir müssen es ihr sagen.“
Jetzt starrten wir Hermine entsetzt an und Harry schüttelte verbissen den Kopf. Hermine hielt sich die Hände vors Gesicht und begann zu schluchzen. Ginny und ich wechselten einen verwirrten Blick. „Was möchten Sie uns erzählen, meine Liebe?“, fragte Umbridge gespielt sanft und freundlich. „Sie haben recht.“, sagte Hermine leicht gedämpft durch ihre Hände, „Wir haben versucht, Dumbledore zu finden. Wir wollten ihm sagen, dass sie fertig ist.“
„Dass wer fertig ist?“, fragte Umbridge nach. „Die Waffe!“, rief Hermine weinend, „Die Waffe, die wir für Dumbledore bauen sollten.“
„Was ist das für eine Waffe?“, fragte Umbridge süßlich lächelnd. Hermine schluchzte: „Wir w… wissen nicht, w… wie sie funktioniert.“
„Wo ist sie?“, fragte Umbridge weiter, „Hier in der Schule?“
„Natürlich nicht.“, sagte Hermine mit einer Spur Verachtung in der Stimme, „Wir haben sie tief im Verbotenen Wald versteckt.“
„Führen Sie mich hin.“, verlangte Umbridge, „Potter, Sie kommen mit.“
Die drei verließen das Büro. Luna, Ginny, Neville, Ron und ich begannen wieder, uns gegen die Griffe der Slytherins zu wehren. Ron zog eine Packung voller Süßigkeiten aus seiner Tasche. Crabbe griff danach und auch Goyle, Pucey und Bullstrode steckten sich einige Süßigkeiten in den Mund. Fast im selben Moment bekamen sie Nasenbluten, fielen in Ohnmacht oder begannen, sich zu übergeben. Dafür mussten sie uns loslassen. Ich stürzte mich auf Malfoy und versuchte, an die Zauberstäbe zu kommen. Malfoy wollte sich gegen mich wehren und ließ dafür die Zauberstäbe los. Sie flogen durch die Luft und landeten direkt vor Ron. Der sammelte sie ein und warf jedem seinen jeweiligen Stab zu. Ginny begann Flüche auf Malfoy abzufeuern. Ich zielte mit dem Zauberstab auf Noël. Der zog seinen eigenen: „Das tust du nicht.“
Seine Stimme war fassungslos. Ich lächelte ihn kalt an und schoss ein Expelliarmus auf ihn ab. Sein Zauberstab landete mit einem leisen Klacken am anderen Ende des Raumes. Er sah mich wütend an. Ich blickte gleichgültig zurück: „Du hast dich für die falsche Seite entschieden, Noël. Locomotor Mortis.“
Seine Beine klebten zusammen und als er versuchte, einen Schritt nach vorne zu machen, kippte er um. Als ich mich umdrehte sah ich, dass auch alle anderen aus dem Inquisitionskommando außer Gefecht gesetzt worden waren. Ron, Ginny, Luna, Neville und ich rannten aus dem Büro und in Richtung des Verbotenen Waldes. Auf den Ländereien trafen wir auf Harry und Hermine. „Wie kommen wir zum Ministerium?“, fragte ich etwas außer Atem. Luna sah uns an, als wäre das sonnenklar: „Wir fliegen.“
Maëlle Delamare | 8. Georges Plan und Freds Tipp
Fred setzte sich neben mich auf die Bank am Ravenclaw-Tisch. „Hey Maëlle.“, sagte er, „Heute ist der letzte Hogsmead-Tag für dieses Schuljahr. Wollen wir zusammen gehen? Als Freunde?“
Ich sah ihn überrascht an. Dann nickte ich: „Klar, gerne.“
Fred stand auf: „Super, dann los.“
Ich sah ihn fragend an: „Jetzt sofort?“
„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragte er grinsend und streckte mir eine Hand entgegen. Ich lachte und nahm seine Hand.
In Hogsmead setzten wir uns in die Drei Besen, tranken Butterbier und unterhielten uns. irgendwann beschlossen wir, in Hogsmead spazieren zu gehen. Ich hatte mich bei Fred untergehakt und wir liefen lachend durch die Straßen. „Wollen wir zur Heulenden Hütte?“, fragte er. Ich blickte nachdenklich in den Himmel. Nein, ich wollte nicht zur Heulenden Hütte. Aber den Grund konnte ich Fred nicht sagen. Also nickte ich: „Okay.“
Fred lächelte und zog mich hinter sich her.
Am Rand von Hogsmead, mit dem Blick zur Heulenden Hütte blieben wir stehen. „Irgendwie unheimlich oder?“, fragte Fred. Ich antwortete nicht. Er drehte seinen Kopf in meine Richtung und sah mich ernst an: „Ich weiß, du kennst die Heulende Hütte besser als die meisten anderen. Du bist einmal im Monat dort. Immer an Vollmond. Du bist ein Werwolf!“
Meine Gedanken rasten. Sollte ich es abstreiten oder zugeben? „Bist du deswegen mit mir nach Hogsmead gegangen?“, fragte ich ihn wütend, „Einfach nur, um mich das zu fragen? Freunde machen so etwas nicht. Du bist kein Freund!“
„Maëlle, ich…“, murmelte Fred, doch ich warf ihm nur noch einen letzten giftigen Blick zu und stürmte davon.
Freds Sicht:
Seufzend folgte ich Maëlle. Vielleicht hätte ich Georges Plan nicht zustimmen sollen. Aber ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass sie so ausrasten würde. Ich hatte erwartet, dass sie es abstreiten würde oder, dass es ihr peinlich war und sie es zugab. Wie sollte ich das bloß George erzählen?
Maëlles Sicht:
Ich wusste, dass ich überreagiert hatte. Aber es hatte mich einfach so geschockt. Woher wusste Fred es? Würde er es weitererzählen? Was sollte ich bloß tun? Was, wenn es bald die ganze Schule wusste? Ich rannte zur Eulerei. Remus würde mir bestimmt helfen können. Als ich dort war zog ich Pergament, Feder und Tinte aus meiner Tasche, die ich zum Glück mitgenommen hatte.
Lieber Remus,
wie geht es dir?
Fred hat mein Geheimnis herausgefunden. Ich bin total ausgerastet und habe ihn angeschrien und beschuldigt, kein Freund zu sein. Was soll ich denn jetzt machen? Was, wenn Fred es weitererzählt und es bald die ganze Schule weiß? Bestimmt hassen sie mich dann alle und halten mich für ein Monster. Vielleicht hätten sie damit ja recht. Vielleicht ist es besser, wenn ich die Schule verlassen würde.
Alles Liebe, Maëlle
Ich hatte schnell geschrieben. Meine Schrift war unordentlich und an manchen Stellen kaum leserlich. Ich faltete den Zettel zusammen und band ihn der nächstbesten Eule ans Bein. Sie flog sofort davon.
Freds Sicht:
Ich betrat den Gryffindor-Gemeinschaftsraum und ließ den Blick schweifen. George konnte ich nirgends entdecken. Stattdessen sah ich Ginny, die in einem Sessel am Kamin saß und in einem Buch blätterte. Ich ging zu ihr: „Hallo Ginny.“
„Hi Fred.“, murmelte sie abwesend und schlug die Seite um. Ich musterte sie verwirrt. Ginny und Lesen? „Was liest du denn da?“, fragte ich sie. Ginny klappte das Buch zu: „Es ist ein Buch über Heilzauber. Maëlle hat es mir geliehen.“
Maëlle hatte Ginny zum Lesen gebracht? Das hätte Mum sicher gefallen. Aber trotzdem…
„Ginny, ich möchte, dass du dich von Maëlle fern hältst.“, bat ich meine Schwester ernst, „Ich habe etwas über sie herausgefunden.“
Ginny runzelte die Stirn: „Was hast du herausgefunden?“
„Kann ich dir nicht sagen.“, antwortete ich leicht verzweifelt, „Vertrau mir einfach. Ach, und weißt du, wo George ist?“
„George ist vorhin mit Lee in den Jungenschlafsaal gegangen.“, informierte Ginny mich und stand auf. „Wo gehst du hin?“, fragte ich. „Zu Luna.“, antwortete sie über die Schulter und verließ den Gemeinschaftsraum. Ich seufzte und suchte weiter nach George.
Maëlle Delamare | 7. Expecto Patronum und Besenschrank
Ich hastete durch die Gänge von Hogwarts. Das DA-Treffen hatte schon vor einer halben Stunde begonnen. Snape hatte mich abgefangen und mit den Trank für heute Abend gegeben, da er dann nicht hier sein würde. Ich liefere der Wand drei Mal auf und ab und die Tür erschien. Schnell betrat ich den Raum der Wünsche. Alle waren konzentriert am Üben. Ich suchte nach Harry, um ihn zu fragen, was wir gerade machten. Doch ich fand ihn nicht. Stattdessen stand plötzlich Fred hinter mir. „Hallo Maëlle.“, begrüßte er mich. „Hi Fred.“, antwortete ich. Er sah mich verwirrt an: „Woher weißt du, dass ich Fred bin?“
Ich dachte nach. Woher wusste ich, dass er Fred war und nicht George? Das Gefühl, wenn ich George sah, war einfach anders. Ich lächelte Fred an: „Das bleibt mein Geheimnis. Sag mal, was machen wir denn gerade?“
„Wir üben den Patronus-Zauber.“, antwortete Fred, „Soll ich dir erklären, wie es geht?“
Ich nickte. „Okay.“, sagte Fred, „Als Erstes suchst du dir eine starke, glücklich Erinnerung. Und dann sagtest du einfach Expecto Patronum.“
„Okay, danke.“, sagte ich lächelnd. Fred nickte und ging wieder zu George. Ich überlegte angestrengt. Eine starke, glückliche Erinnerung? Das war schwer nach dem letzten Jahr. Ich war tief in Gedanken, so merkte ich nicht, dass Ginny neben mich trat. „Hi Maëlle.“, sagte sie und ich zuckte zusammen. „Hi Ginny.“, sagte ich lachend, „Und? Hast du es schon hinbekommen?“
Ginny lächelte mich breit an: „Ein bisschen. Schau mal. Expecto Patronum.“
Dichter, silberner Nebel kam aus ihrem Zauberstab. „Wow.“, ich sah Ginny beeindruckt an, „Das ist echt gut.“
Ginny lächelte stolz. Plötzlich verstummten alle und sahen zur Tür. Erst konnte ich nichts ungewöhnliches entdecken, doch dann sah ich einen kleinen Hauselfen, der mit großen Augen die Menge absuchte. „Harry Potter?“, fragte er mit hoher, piepsiger Stimme. Harry drängte sich durch die Menge nach vorne: „Dobby! Was ist denn los?“
„Die böse Hexe kommt!, piepste Dobby, „Die böse Hexe in pink. Harry Potter und seine Freunde müssen verschwinden!“
Alle standen wie erstarrt da, niemand sagte ein Wort. Dann schrie Harry: „Worauf wartet ihr? Rennt!“
Alle rannten gleichzeitig zur Tür und es entstand ein großes Gedränge. Ginny und ich drängten uns gemeinsam durch die Tür und rannten los. Ein paar Gänge weiter verloren wir uns. Ich rannte weiter und hoffte, dass ich die Eulerei rechtzeitig erreichte. Plötzlich wurde ich am Handgelenk gepackt und in einen dunklen, engen Raum gezogen. Eine andere Hand legte sich fest über meinen Mund und erstickte meinen Schrei. Im nächsten Moment ertönten Schritte vor der Tür. Einige Sekunden später nahm die fremde Person ihre Hand von meinem Mund. Dann flammte ein Zauberstab auf. „George!“, keuchte ich. „Pssst!, zischte er. Ich starrte ihn an und versuchte erst einmal, die Situation zu verarbeiten. Doch George machte mir das Denken schwer. Er hielt noch immer mein Handgelenk. Ich entzog es ihm. „Danke für die Rettung.“, sagte ich ohne einem Lächeln. George nickte nur. Ich öffnete die Tür der Besenkammer und trat auf den Gang. Jemand räusperte sich. Entsetzt hob ich den Blick. Blaise und Noël standen mir gegenüber. Noëls Blick war entsetzt, Blaise‘s Miene war undurchdringlich. Hinter mir trat George aus dem Besenschrank. Blaise zog spöttisch eine Augenbraue hoch: „Will ich wissen, was ihr da drinnen gemacht habt?“
Noëls Blick wurde wenn möglich noch entsetzter. „Wir haben überhaupt nichts gemacht!“, fauchte ich Blaise an. Doch er grinste nur. Noël ging nicht weiter darauf ein: „Darüber reden wir später noch Maëlle. Aber kannst du mir bitte mal erklären, was du noch hier machst?“
Ich sah ihn verwirrt an. Was meinte er? Noël seufzte: „Der Mond, Maëlle. Beeil dich!“
Ich verstand. Wir hatten Vollmond. Das hatte ich ja völlig vergessen. Ich drehte mich um und rannte los. Im Laufen zog ich den Wolfsbanntrank hervor.
Georges Sicht:
Ich sah Maëlle verwirrt hinterher. Der Mond? Ich hatte einen Gedanken, der mich nicht mehr losließ. Wenn ich recht hatte, war Maëlle nicht die, für die wir sie alle gehalten hatten. Noël funkelte mich wütend an: „Verschwinde besser, bevor ich mir einen Fluch ausgesucht habe, den ich gegen dich verwende.“
Normalerweise ging ich bei einer Drohung zwar nicht, aber gerade war der Drang, mit meinem Bruder zu reden, größer. Ich sah Noël spöttisch an und ging dann zum Gryffindor-Gemeinschaftsraum.
Maëlle Delamare | 6. Geheimer Widerstand und ein Date
„Maëlle!“, rief eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und umarmte Ginny, die eben nach mir gerufen hatte. „Wie waren deine Weihnachtsferien?“, fragte sie. „Ganz gut.“, antwortete ich, „Und deine? Wie geht es deinem Dad?“
„Meine Ferien waren super. Dad geht es fast wieder gut. Er ist zu Hause.“, erzählte sie, „Schau mal, da kommt Luna.“
Ich sah in die Richtung, in die sie gedeutet hatte und entdeckte Luna, die sich durch die Menge kämpfte. Als sie bei uns ankam, umarmte sie uns. „Bis später.“, verabschiedete Ginny sich, „Wir sehen uns in Zaubertränke.“
Und schon verschwand sie in der Menge. Luna und ich kämpften uns durch das Gedränge zum Ravenclaw-Tisch. Nach dem Frühstück gingen wir in die Kerker, wo der Zaubertrankunterricht stattfand. Nachdem Snape die Tür aufgeschlossen hatte, setzten wir uns an unsere Plätze. Ginny kam gerade noch rechtzeitig. Genervt ließ sie sich auf den Platz neben mich fallen. „Michael hat schon wieder mit einer anderen geflirtet.“, seufzte sie, „Ich frage mich, warum er überhaupt mit mir zusammen ist.“
„Ach Ginny.“, sagte ich sanft, „Warum flirtest du dann nicht auch mal mit anderen Jungs?“
„Miss Weasley.“, schnarrte Snape, „Wenn Sie Ihren persönlichen Kram bitte bis zum Unterrichtende für sich behalten könnten? Fünf Punkte Abzug für Gryffindor. Schön, dann beginnen wir jetzt mit dem Unterricht.“
Ginny starrte Snape wütend an: „Fünf Punkte? Das ist nicht sein Ernst!“
„Psst!“, zischte Luna, „Sonst werden es noch mehr.“
Ginny und ich grinsten uns an und konzentrierten uns dann auf den Unterricht.
„Hey Maëlle.“, sagte eine Stimme hinter uns, „Hi Luna.“
Wir drehten uns um. Ich lächelte: „Hi, äh…“
„George.“, sagte er grinsend. Ich lachte: „Ja, sorry. Hi George.“
Er beugte sich ein Stück vor und flüsterte: „Nächstes Wochenende dürfen wir nach Hogsmead. Kommt um 16 Uhr zum Eberkopf.“
„Warum?“, fragte ich verwirrt. „Zum kämpfen Lernen.“, antwortete George mit rebellischem Gesichtsausdruck. Luna nickte: „Wir werden dort sein.“
George lächelte und wandte sich zum Gehen. Doch er drehte sich noch einmal um: „Ach, und sagt es niemandem. Umbridge darf es auf keinen Fall erfahren.“
Luna und ich nickten. Als George weg war, stand plötzlich ein Junge aus Gryffindor hinter mir. Wenn ich mich recht erinnerte, war er einen Jahrgang über mir. „Hallo Maëlle.“, sagte er, „Ich bin Seamus Finnigan. Hast du Lust, am Wochenende mit mir nach Hogsmead zu gehen? Vielleicht ein Butterbier trinken?“
Ich sah ihn nachdenklich an. Eigentlich hatte ich vorgehabt, hier in Hogwarts keinen Gebrauch mehr von meinen Veela-Genen zu machen. Aber eigentlich sprach doch nichts dagegen. Ich warf Seamus ein strahlendes Lächeln zu: „Ja, total gerne.“
Seamus lächelte zurück: „Super. Treffen wir uns um zwölf Uhr in der Eingangshalle?“
„Perfekt.“, antwortet ich. Seamus lächelte und ging. Luna sah mich fragend an: „Ich dachte, du wolltest nicht…“
„Ja, ich weiß.“, unterbrach ich sie, „Aber irgendwie hatte ich Lust dazu.“
Luna zuckte mit den Schultern: „Okay, viel Spaß. Aber vergiss das Treffen um 16 Uhr nicht.“
Ich nickte lächelnd.
„Wollen wir direkt in die Drei Besen oder willst du noch woanders hin?“, fragte Seamus. Ich überlegte kurz: „Ich würde gerne noch schnell in den Honigtopf.“
Seamus lächelte: „Okay, komm.“
Im Honigtopf füllte ich meinen Vorrat an Süßigkeiten wieder auf und Seamus kaufte mir eine Packung Schokofrösche. Danach gingen wir in die Drei Besen, wo wir Butterbier tranken und uns unterhielten.
Um 15:45 Uhr stand ich auf: „Sorry Seamus, ich bin noch mit Ginny und Luna verabredet. War schön mit dir. Bis dann.“
Seamus wirkte überrascht, lächelte aber: „Alles klar, bis dann.“
Ich verließ die Drei Besen und machte mich auf die Suche nach dem Eberkopf. Ich fand ihn nach kurzer Zeit in einer Seitengasse, direkt neben einem geschlossenen Zaubertrankladen, in dessen Schaufenster eine Flasche Salamanderblut stand. Angewidert wandte ich den Blick ab und ging schnellen Schrittes auf die Eingangstür des Eberkopfes zu. Außer den vielen Schülern, die zu Harrys Treffen gekommen waren, war nicht viel los. Ich sah mir den Raum genauer an. Er war schmutzig. Hinter der Theke stand ein älterer Mann, der die Gläser mit einem schmutzigen Lappen putzte. Auf der Theke stand ein verschimmeltes Glas saurer Gurken. Ich wusste genau, was ich hier nicht tun würde: etwas essen.
Georges Sicht:
Die Tür öffnete sich und Maëlle betrat den Eberkopf. Sie sah sich um und ihr war sichtlich unwohl. Trotzdem lächelte sie und setzte sich neben Ginny und Luna. Fred und ich kauften Butterbier für alle und Hermine begann mit ihrer Rede.
Maëlles Sicht:
„Habt ihr Vorschläge für einen Namen?“, fragte Hermine. Alle dachten angestrengt nach. Nach kurzer Diskussion einigten wir uns auf Ginnys Vorschlag. Dumbledores Armee. Kurz DA. Hermine schrieb den Namen auf ein langes Pergament. „Tragt hier bitte eure Namen ein.“, bat sie. Schnell bildete sich eine lange Schlange vor dem Pergament. Eine seltsame Stimmung lag in der Luft. Wir hatten einen geheimen Widerstand gegen Umbridge gegründet.
Maëlle Delamare | 5. Die pinke Hölle und Streit
Ich gähnte. Luna sah mich von der Seite an: „Alles okay? Du siehst müde aus.“
„Ja, mir geht es gut.“, antwortete ich und gähnte erneut. Luna warf mir einen Blick zu, der mich wissen ließ, dass sie mir nicht glaubte, doch sie fragte nicht weiter nach. „Komm, wir gehen zum Unterricht.“, sagte sie und stand auf. Ich seufzte und folgte ihrem Beispiel. Zusammen durchquerten wir die Halle. An der Tür holte Ginny uns ein: „Hey ihr zwei. Wir haben Pflege magischer Geschöpfe jetzt zusammen.“
„Ich weiß.“, sagte Luna. Ich nickte nur und gähnte hinter vorgehaltener Hand. Ginny sah mich fragend an: „Alles in Ordnung?“
„Ich bin nur müde.“, wich ich aus. Auch Ginny war nicht überzeugt, das sah ich ihr an. „Aha.“, machte sie und wechselte dann das Thema, „Kommt, wir sollten langsam los. Sonst kommen wir noch zu spät.“
Luna und ich nickten und wir liefen los.
Georges Sicht:
„Lee, los. Beeil dich mal ein bisschen!“, rief Fred. Lee seufzte nur, rannte aber tatsächlich etwas schneller. Hinter uns bog Filch gerade schnaufend um die Ecke. „Ich weiß, wo wir uns verstecken können. Kommt.“, sagte Fred und bog scharf um die nächste Ecke. Wir stürmten die Marmortreppe hinunter und durch die Eingangshalle. Am Portal rannten wir fast Ginny, Luna und Maëlle um. „Tut uns leid!“, rief ich über die Schulter zurück. Die drei Mädchen sahen uns entgeistert nach. Wir rannten Fred hinterher, der uns zielsicher über die Ländereien von Hogwarts führte. Ich blickte zurück und sah, wie Filch gerade aus dem Eingangsportal stolperte. „Fred!“, schrie Lee, „Du willst doch nicht zur Peitschenden Weide, oder?“
„Doch!“, rief Fred zurück, „Das ist das ideale Versteck.“
ich starrte ihn entgeistert an: „Du bist wahnsinnig! Wie willst du dich denn unter der Peitschenden Weide verstecken? Die erschlägt uns vorher!“
„Ich weiß, was ich tue.“, antwortete Fred, „Vertraut mir.“
Lee und ich warfen uns einen zweifelnden Blick zu, sagten aber nichts. Kurz vor der Peitschenden Weide zog Fred seinen Zauberstab: „Stupor!“
Der Zauber traf einen Knoten im Stamm der Weide. Augenblicklich erstarrte der ganze Baum. „Kommt!“, rief Fred und rannte auf den Stamm zu. Im nächsten Moment war er verschwunden. Lee und ich starrten einen Moment fassungslos auf die Weide. Dann rannten wir Fred hinterher. An der Stelle, an der er verschwunden war, befand sich ein Loch. „Los, wir müssen uns beeilen.“, drängte Lee, „Da hinten kommt Filch.“
Ich nickte und sprang. Als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte ich, dass ich in einem kleinen Tunnel stand. Ein paar Meter vor mir stand Fred und grinste mich frech an. Lee landete direkt hinter mir. „Na endlich.“, meinte Fred, „Ich dachte schon, ihr kommt überhaupt nicht mehr.“
„Du hättest uns ja vorwarnen können, erwiderte Lee, „Wir haben uns voll erschreckt, als du plötzlich weg warst.“
Fred grinste nur, drehte sich um und folgte dem Gang. Ich lief ebenfalls los. Lee seufzte und ging hinter mir her. Es wurde immer dunkler, je weiter wir uns von dem Loch entfernten. Wir zogen unsere Zauberstäbe und flüsterten: „Lumos.“
Der Gang wurde in schwaches Licht getaucht. Fred stoppte so abrupt, dass ich in ihn hineinlief. Während ich noch fluchte, kletterte Fred schon die Leiter nach oben. Lee und ich kletterten ihn hinterher. „Wo sind wir?“, fragte Lee, als wir oben ankamen. Fred antwortete wie selbstverständlich: „In der Heulenden Hütte.“
Lee und ich starrten ihn fassungslos an. Fred grinste und öffnete eine Tür hinter sich: „Kommt rein.“
Zögernd betraten Lee und ich den Raum. Ein Bett stand darin, sonst war er leer. Vor dem Bett lag etwas auf dem Boden. Ich ging näher darauf zu und bemerkte, dass es ein Brief war. Als ich ihn aufhob erkannte ich, dass es der Brief von Remus an Maëlle war. Maëlle war die letzte, die den Brief besessen hatte. Und das bedeutete, dass Maëlle hier gewesen sein musste.
Maëlle Sicht:
Pünktlich um acht Uhr klopfte ich an Professor Umbridges Bürotür. Ihre hohe, mädchenhafte Stimme bat mich herein. Als ich das Büro betrat, musste ich erst einige Male blinzeln. Alles war pink. Und voller Katzen. Dieses Büro war ja schlimmer, als mein Zimmer, als ich es das erste Mal betreten hatte. „Setz
dich.“, forderte Umbridge mich auf. Folgsam setzte ich mich auf einen der beiden Stühle vor dem Schreibtisch. Überrascht stellte ich fest, dass vor beiden Stühlen schon Pergament und Feder bereit lagen. Offenbar würde ich nicht alleine nachsitzen. In dem Moment klopfte es an der Tür. „Herein.“, sagte Umbridge. Die Tür öffnete sich und einer der Weasley-Zwillinge betrat den Raum. „Sie sind zu spät, Mr. Weasley.“, bemerkte Umbridge spitz. Der Weasley-Zwilling nickte: „Ja. Tut mir leid.“
„Setzen Sie sich.“, befahl Umbridge. Der Weasley-Zwilling setzte sich auf den Stuhl neben mir. „Fred oder George?“, fragte ich ihn flüsternd. „George.“, flüsterte er zurück. „Ruhe!“, zeterte Umbridge. George und ich verstummten augenblicklich. „Sie schreiben bitte den Satz Ich soll nicht widersprechen. auf das Pergament.“, erklärte Umbridge. „Wie oft?“, fragte George genervt, während ich feststellte: „Wir haben keine Tinte.“
„Tinte brauchen Sie nicht.“, sagte Umbridge, „Und Sie schrieben den Satz so oft, bis er sich einprägt.“
George war sichtlich genervt, sagte aber nichts. Stattdessen nahm er die Feder. Auch ich nahm die längliche, schwarze Feder in die Hand und begann mit meinem ersten Satz. Kaum war ich fertig, spürte ich einen heftigen Schmerz in meiner linken Hand. Der Satz auf dem Pergament war blutrot, ich hatte mit meinem eigenen Blut geschrieben. Und dieser verdammte Satz war auch in meine Hand eingeritzt. Entsetzt sah ich zu George, der fassungslos zurück sah. „Gibt es ein Problem?“, fragte Umbridge zuckersüß. Wir verneinten und schrieben weiter.
Nach gefühlten Stunden entließ Umbridge uns endlich. Zusammen mit George verließ ich das Büro. Ein paar Korridore gingen wir gemeinsam. Dann wollte ich in den Gang zum Ravenclaw-Turm abbiegen, doch George hielt mich am Handgelenk fest. Überrascht drehte ich mich zu ihm um. Er zog einen Brief aus seiner Tasche und reichte ihn mir. Es war Remus‘ Brief. Ich verstaute ihn in meiner Tasche und bedankte mich. „Warum warst du in der Heulenden Hütte?“, fragte George. Ich sah ihn wütend an: „Das geht dich nichts an!“
George öffnete den Mund, doch ich warf mein Haar zurück, drehte mich um und rauschte davon.
Maëlle Delamare | 4. Die Heulende Hütte und ein Brief
Lieber Remus,
wie geht es dir? Mir geht es ganz gut. Naja, der zweite Zyklus hat eben begonnen. Ist das immer so schmerzhaft oder wird es irgendwann besser? Ich habe etwas Angst vor heute Abend. Es ist ja erst meine zweite Verwandlung. Kennst du die Heulende Hütte? Da bringt Madam Pomfrey mich heute Abend hin, nachdem ich den Wolfsbanntrank genommen habe. Eigentlich sollte ich meine Wolfsgestalt dann unter Kontrolle habe, ich weiß. Aber was, wenn nicht? Wenn ich jemanden verletze?
Mein Bruder hat mich gestern völlig ignoriert. Er hängt nur noch mit Blaise und den anderen Slytherins ab. Ich mag sie nicht, sie beleidigen ihre Mitmenschen, einfach nur zum Spaß. Meinst du, Noël wird irgendwann auch so? Ich hoffe nicht.
Liebe Grüße, Maëlle.
Ich sah der braunen Eule nach, die meinen Brief zu Remus brachte. Hoffentlich konnte er mir noch vor der Verwandlung antworten. Er war vermutlich der einzige, der mir meine Angst nehmen konnte. Weil er mich als einziger verstand. Seufzend wandte ich mich ab und machte mich auf den Weg zu meinem ersten Unterricht.
„Shit, shit, shit!“, fluchte ich und trat gegen die nächstbeste Wand. Doch das löste mein Problem auch nicht. Stattdessen tat jetzt auch noch mein Fuß weh. „Hey, alles in Ordnung?“, hörte ich eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um. Dort stand Fred. Oder George? „Ja, klar.“, antwortete ich und lächelte ihn an, „Alles in Ordnung. Bist du Fred oder George?“
Ich wusste, dass er mir nicht glaubte, dass alles okay war, aber er fragte nicht weiter nach. „Ich bin George.“, sagte er nur. Ich nickte, ohne etwas zu sagen. Er musterte mich kurz: „Sehen wir uns beim Abendessen?“
„Ja. Natürlich.“, log ich. Dann drehte ich mich um und lief davon.
Georges Sicht:
Ich sah ihr verwirrt nach. Sie war heute so anders. Sie hatte versucht, es zu überspielen. Mit einem Lächeln. Merlin, ihr Lächeln…
Ich schüttelte den Kopf. Was dachte ich denn da? Ich kannte sie gerade mal seit drei Tagen. Mir gedanklich den Zauberstab gegen den Kopf schlagen, lief ich weiter. Da ich einige Geheimgänge nahm, kam ich schnell an der Eulerei an. Ich band einer der Eulen meinen Brief ans Bein und sah ihr nach, als sie davonflog. Ich wandte mich ab und wollte gerade wieder gehen, da landete eine Eule neben mir. Sie trug einen Brief im Schnabel, auf dem Maëlles Name stand. Innerlich kämpfte ich mit mir. Der Brief könnte von ihren Eltern sein. Er könnte aber auch von ihrem Freund sein, falls sie einen hatte. Ich nahm der Eule den Brief ab. Wenn ich ihn nur kurz lese, würde es ihr nicht auffallen. Und ich hätte Gewissheit. Schnell faltete ich den Brief auseinander:
Liebe Maëlle,
mir geht es gut. Ich denke, dass es immer so schmerzhaft ist, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Du brauchst keine Angst vor heute Abend zu haben. Ich kenne die Heulende Hütte, sie wurde in meiner Schulzeit für mich erbaut und trägt auch ihren Namen wegen mir. In der Heulenden Hütte kannst du, selbst wenn der Trank nicht wirken sollte, niemanden angreifen. Aber Severus Snape ist einer der besten Zaubertrankmeister, ich bin mir sicher, dass er dir einen ausgezeichneten Trank braut.
Ich hoffe nicht, dass Noël irgendwann so wird, wie die anderen Slytherins.
Viel Glück heute Abend!
Remus.
Ich starrte entgeistert auf den Brief. Remus. Wer war dieser Remus? Plötzlich hörte ich Schritte auf der Treppe. Schnell faltete ich den Brief wieder zusammen und steckte ihn zurück in den Umschlag. Die Tür ging auf und ein Junge mit dunklen Haaren und blauen Augen betrat die Eulerei. Ein Slytherin, seinem Umhang nach zu urteilen. Ich hatte ihn noch nie gesehen. Sein Blick fiel auf den Brief in meiner Hand: „Das ist nicht deiner.“
„Nein.“, antwortete ich, „Er ist an meine Schwester. Ich werde ihr den Brief bringen.“
Der fremde Junge zog mit einem spöttischen Lächeln die Augenbrauen hoch: „Maëlle ist also deine Schwester?“
Ich war leicht verunsichert, liess mir aber nichts anmerken: „Ja.“
Jetzt grinste mich der Junge an und streckte mir die Hand entgegen: „Hi, ich bin Noël. Maëlles echter Bruder.“
Ich starrte ihn an. Dann lachte ich und schüttelte seine Hand. In diesem Moment ging die Tür erneut auf.
Maëlles Sicht:
Als ich die Tür zur Eulerei öffnete, standen George und Noël in der Mitte des Raumes. Mein Blick viel auf den Brief in Georges Hand. Mein Name stand darauf. Ich umarmte Noël kurz. „Viel Glück heute Abend.“, flüsterte er mir ins Ohr. Dann nahm ich Georges Handgelenk und zog ihn hinter mir her aus der Eulerei. „Bekomme ich bitte meinen Brief?“, fragte ich, als wir um Korridor standen. Wortlos gab er ihn mir. „Hast du ihn gelesen?“, fragte ich weiter. George zögerte kurz, dann nickte er. „Du weißt aber schon, dass man keine fremden Briefe liest oder?“, bemerkte ich. George nickte wieder: „Wer ist Remus?“
“Auch wenn du gar nicht wissen solltest, dass Remus mir geschrieben hat…“, sagte ich, „Du Kennst ihn. Er war vor zwei Jahren der Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste hier.“
George starrte mich an: „Professor Lupin?“
„Ja.“, sagte ich nickend. „Aber warum?“, fragte George. Ich sah ihn ausdruckslos an: „Das geht dich nichts an. Und außerdem muss ich jetzt los.“
George folgte mir nicht, als ich so schnell wie möglich zu Snapes Büro lief. Ich klopfte. „Herein.“, ertönte Snapes kalte Stimme. Ich öffnete die Tür und trat in sein Büro. An den Wänden standen deckenhohe Regale voller Zaubertrankzutaten. Snape stand hinter seinem Schreibtisch, der mitten im Raum stand. „Guten Abend Professor.“, sagte ich höflich. „Sie sind pünktlich, gut.“, antwortete Snape ohne eine Begrüßung, „Das ist ihr Trank.“
Er deutete auf ein Fläschchen, das auf seinem Schreibtisch stand. „Danke.“, sagte ich und nahm das Fläschchen in die Hand, „Ich habe es ganz vergessen, aber ich habe heute eigentlich Nachsitzen.“
„Bei wem?“, fragte Snape scharf. „Bei Professor Umbridge.“, meine Antwort klang eher wie eine Frage. Snape seufzte: „Ich kümmere mich darum. Ich sage ihr, dass du heute bei mir Nachsitzen hast und morgen zu ihr gehst.“
Ich nickte: „Danke, Sir.“
Er verzog keine Miene. „Trink jetzt den Trank, bevor Madam Pomfrey kommt.“, wies er mich an. Ich nickte, öffnete das Fläschchen und trank. Es schmeckte widerlich, aber ich lies mir nichts anmerken. Ich stellte das leere Fläschchen zurück auf den Tisch, als die Tür plötzlich aufging. Madam Pomfrey betrat Snapes Büro. „Guten Abend.“, begrüßte sie uns, „Maëlle, meine Liebe, können wir los?“
Ich nickte: „Ja, Madam Pomfrey. Auf Wiedersehen, Professor Snape.“
Snape murmelte etwas, so leise, dass ich es kaum verstand. Aber ich glaubte, dass es ein ,Auf Wiedersehen‘ war.
Madam Pomfrey verließ die Heulende Hütte sofort wieder, nachdem sie mich hinein gebracht hatte. Ich hatte noch etwas Zeit, bevor der Vollmond aufgehen würde. Schnell zog ich Remus‘ Brief hervor. Ich wollte ihn gerade öffnen, da durchfuhr mich ein scharfer Schmerz. Erschrocken lies ich den Brief fallen. Ich hatte die Zeit falsch eingeschätzt. Die Verwandlung begann.
Maëlle Delamaren | 3. Ginny, Snape und Luna
Ich seufzte genervt auf. Vor mir teilte sich der Korridor. Und ich hatte keine Ahnung, welchen Weg ich nehmen musste, um zum Klassenzimmer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu kommen. Plötzlich ertönten Schritte hinter mir und eine Stimme sagte: „Sieht aus, als bräuchtest du schon wieder Hilfe.“
Ich drehte mich lachend um: „Ihr schon wieder! Aber ja, könnt ihr mir den Weg zum Klassenzimmer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste zeigen?“
Die Zwillinge nickten und liefen los. Ich folgte ihnen. Vor einer schlichten Tür blieben sie schließlich stehen. „Danke.“, sagte ich lächelnd. Die beiden grinsten mich an: „Kein Problem. Wir müssen jetzt los, haben ja auch Unterricht.“
Ich nickte und die beiden verschwanden. Langsam öffnete ich die Tür und trat in den Klassenraum. Er war schon voller Schüler. Die Professorin konnte ich jedoch nirgends entdecken. Ich sah mich nach einem freien Sitzplatz um und entdeckte schließlich einen neben einem Mädchen mit roten Haaren. „Hallo, ist hier noch frei?“, fragte ich. Sie lächelte: „Hi, klar, setz dich. Ich bin Ginny. Und du?“
„Ich heiße Maëlle.“, antwortete ich lächelnd und setzte mich neben sie. In diesem Moment ging die Tür auf und die Professorin trat ein. „Guten Morgen Klasse.“, begrüßte sie uns mit hoher Stimme. „Guten Morgen Professor Umbridge.“, erwiderte die Klasse höflich. Sie lächelte zufrieden: „Sehr schön. Und jetzt bitte Zauberstäbe weg und Bücher raus. Lest bitte Kapitel 1.“
Wir packten die Zauberstäbe weg, holten die Bücher raus und schlugen Kapitel 1 auf. Ich schielte zu Ginny. Sie starrte genervt auf ihr Buch. „Hast du auch keine Lust, das zu lesen?“, fragte ich. „Natürlich nicht!“, antwortete sie und verdrehte die Augen. „Miss Weasley, Miss Delamare, in meinem Unterricht wird nicht geflüstert! Lesen Sie nun bitte das erste Kapitel.“
Wir verdrehten gleichzeitig die Augen, was Umbridge zum Glück nicht sah und begannen dann, das erste Kapitel zu lesen. Nach einer Weile hob ich die Hand. Umbridge versuchte, mich zu ignorieren, doch nachdem mich immer mehr Schüler ansahen, musste sie mich drannehmen: „Was ist denn Miss Delamare?”
Ich nahm die Hand runter: „Ich bin fertig. Wann lernen wir, wie wir die Zauber anwenden?“
„Zauber anwenden?“, fragte Umbridge schrill, „Warum sollten Sie denn die Zauber anwenden?“
„Um zu wissen, wie es geht?“, fragte ich etwas ironisch. „Lesen reicht.“, rief Umbridge mit einer Stimme, die nochmal zwei Oktaven höher war, als davor. Ich zog eine Augenbraue hoch: „Wie sollen wir denn die Zauber in der Prüfung beschreiben, wenn wir sie nie zuvor ausgeführt haben?“
„Es reicht!“, kreischte Umbridge, „Es reicht. Nachsitzen, Miss Delamare. Mittwoch, um acht Uhr in meinem Büro.“
Ich warf ihr wütende Blicke zu, sagte aber nichts mehr.
Als die Schulglocke klingelte, war ich die erste, die den Raum verließ. Auf dem Gang holte Ginny mich schließlich ein: „Hey, das war echt mutig von dir, ihr zu widersprechen.“
„Danke.“, sagte ich lächelnd. Ginny lächelte zurück: „Was hast du jetzt?“
„Zaubertränke.“, antwortete ich, „Und du?“
„Geschichte der Zauberei.“, sagte Ginny und verdrehte die Augen, „Bis später.“
Und schon war sie weg. Ich lächelte leicht, dann folgte ich drei Ravenclaw-Schülern zum Klassenzimmer für Zaubertränke. „Miss Delamare.“, begrüßte mich ein Mann mit fettigen, schwarzen Haaren, der vermutlich der Professor war, „Kommen Sie bitte mal kurz zu mir?“
Ich ging zu ihm. „Ich bin Professor Snape.“, stellte er sich vor, „Morgen Abend ist Vollmond. Kommen Sie bitte um 16:30 Uhr in mein Büro, um den Wolfsbanntrank zu sich zu nehmen. Madam Pomfrey bringt sie dann in die Heulende Hütte.“
Ich nickte. „Gut.“, sagte Snape, „Und jetzt setzen Sie sich, damit wir endlich mit dem Unterricht beginnen können.“
Ich drehte mich um und setzte mich auf den erstbesten Platz, den ich fand. Neben mir saß ein Mädchen mit langen, blonden Haaren, das mich freundlich anlächelte. „Hallo, ich bin Luna Lovegood.“, sagte sie mit leiser, verträumter Stimme, „Bist du neu hier? Ich habe dich noch nie gesehen.“
Ich lächelte sie an: „Hi, ja. Ich bin Maëlle. Ich komme aus Frankreich und habe erste dieses Jahr nach Hogwarts gewechselt.“
„Du hast Veela-Blut in die oder?“, fragte Luna. Ich sah sie überrascht an. Das hatte mich noch nie jemand so direkt gefragt. In Beauxbaton war das nicht wirklich ungewöhnlich gewesen. Viele Mädchen dort hatten Veela-Blut in sich gehabt. „Äh, ja, du hast recht.“, antwortete ich, „Meine Großmutter war eine Veela.“
„Das habe ich gleich gesehen.“, sagte Luna mit einem strahlenden Lächeln, „Also das mit dem Veela-Blut, nicht…“
Sie wurde von einem lauten Klatschen unterbrochen. „Ist jetzt endlich Ruhe?“, fragte Snape gefährlich ruhig. Die Klasse schwieg. „Gut.“, sagte Snape langsam, „Dann schlagt jetzt eure Bücher auf Seite 46 auf und braut den dort beschriebenen Trank.“
Ich schlug mein Buch auf und las mir die Zutatenliste durch. Dann suchte ich die Zutaten in den Schränken. Als ich alles zusammen hatte, setzte ich mich wieder an meinen Platz und begann mit dem Trank. Ich fanden ziemlich schwer, da wir Zaubertränke in Beauxbaton erst ab dem dritten Jahr und als Wahlfache gehabt hatten. Doch mit Lunas Hilfe bekam ich es ganz gut hin. Snape lobte mich sogar. Nach Zaubertränke machte ich mich mit Luna auf den Weg zum nächsten Fach. Kräuterkunde.
Maëlle Delamare | 2. Ravenclaw und Zwillinge
„Maëlle!“, rief Noël durchs ganze Haus, „Wir wollen los. Wie lange brauchst du denn?“
„Ich komme gleich!“, schrie ich genervt zurück und schminkte mich fertig. Dann ging ich betont langsam nach unten in die Eingangshalle, wo Dad und Noël schon auf mich warteten. „Na endlich.“, seufzte mein Vater, als er mich sah, „Maëlle, beeile dich nächstes mal bitte ein bisschen.“
Ich nickte: „Natürlich Dad, tut mir leid.“
Mein Vater lächelte: „Schon okay, jetzt aber los.“
Er nahm unsere Hände und wir dissapparierten. Wir manifestierten uns wieder in Dumbledores Büro in Hogwarts. Er selbst saß hinter seinem Schreibtisch. Ein Mann mit zerschlissenen Klamotten stand neben ihm. Beide sahen uns freundlich lächelnd an. Dad verabschiedete sich und dissapparierte wieder. Noël ging zu Dumbledore und dem anderen Mann und reichte beiden die Hand. Ich tat es ihm nach. „Hallo Noël, halle Maëlle.“, begrüßte Dumbledore uns, „Ihr werdet jetzt hier in Häuser eingeteilt. Seid ihr bereit?“
Wir nickten. Dumbledore erhob sich und holte einen alten Hut aus einem Schrank. Dann ging er damit zu Noël und reichte ihm diesen. Noël sah ihn verwirrt an. Dumbledore lächelte: „Du musst ihn einfach aufsetzen.“
Mit einem skeptischen Blick setzte Noël sich den Hut auf den Kopf. Der Hut bewegte sich, ein Mund und zwei Augen erschienen. Noël zuckte zusammen und ich machte überrascht einen Schritt rückwärts. Nach einer Weile sagte der Hut laut: „Slytherin!“
Dumbledore und der fremde Mann klatschten. Noël reichte mir den Hut und ich setzte ihn mir auf den Kopf. „Slytherin wäre eine Möglichkeit. Hufflepuff und Gryffindor passen nicht. Aber Ravenclaw wäre eine gute Idee.“, sagte der Hut in meinem Kopf, „Ja, ich habe mich entschieden. Ravenclaw!“
erneut applaudierten die beiden Männer. Dann nahm Dumbledore mir den Hut ab und legte ihn zurück in den Schrank. „Noël, gehe bitterer die Tür und warte dort auf uns.“, bat Dumbledore, „Wir müssen noch etwas mit Maëlle besprechen.“
Noël nickte und verließ das Büro. Dumbledore setzte sich lächelnd wieder hinter seinen Schreibtisch: „Also Maëlle, du hast ja ein… kleines Problem. Alle Lehrer außer Dolores Umbridge wissen Bescheid. Sie darf es unter keinen Umständen erfahren. Severus Snape wird dir jeden Monat einen Wolfsbanntrank brauen. Dann kannst du deine Wolfsgestalt noch kontrollieren.“
Ich nickte nur. „Das hier ist Remus Lupin.“, stellte Dumbledore den Mann neben sich vor, „Er ist auch hier zur Schule gegangen. Vorletztes Jahr war er Lehrer hier.“
„Okay.“, sagte ich leicht verwirrt, „Und was hat das alles mit mir zu tun?“
Remus lächelte leicht: „Ich bin auch ein Werwolf.“
„Sie… was?“, ich sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. „Ich bin ein Werwolf. Wie du.“, wiederholte Remus Lupin, „Und wenn du irgendwelche Fragen hast oder Hilfe brauchst, dann kannst du mir gerne eine Eule schicken.“
„Danke.“, sagte ich lächelnd, „Das mache ich gerne.“
„Sehr gut.“, sagte Dumbledore, „Dann wäre das ja jetzt geklärt. Remus, ich muss dich jetzt verabschieden. Das Festessen beginnt gleich.“
Remus nickte und dissapparierte. Dumbledore und ich verließen das Büro. Vor der Tür wartete Noël auf uns. Zusammen machten wir uns auf den Weg zur Eingangshalle, die schon voller Schüler war. Unauffällig mischten Noël und ich uns unter die Menge. Wir betraten eine große Halle, in der fünf lange Tische standen. An einem saßen die Lehrer. An den anderen saßen die Schüler. Offensichtlich nach den Häusern geordnet. Ratlos sah ich mich um. Wo sollte ich mich hinsetzen? „Du siehst aus, als brauchst du Hilfe.“, sagte plötzlich eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich mit einem strahlenden Lächeln um: „Ja. Ich bin neu hier und habe keine Ahnung…“
Ich verstummte. Vor mir standen zwei völlig identisch aussehende Jungen. „Wo du dich hinsetzten sollst.“, beendete einer von ihnen meinen Satz. Ich nickte stumm. „Du musst an den Tisch ganz links.“, informierte mich der andere Junge. „Danke.“, sagte ich lächelnd, „Also dann, man sieht sich.“
Ich drehte mich um und ging zu dem Tisch, den die Zwillinge mir gezeigt hatten.
Maëlle Delamare | 1. England und ein Einhorn
„Maëlle!“, rief mein Bruder und klopfte laut gegen meine Zimmertür, „Maëlle! Ist alles in Ordnung? Es gibt Frühstück und…“
Ich stöhnte genervt auf: „Noël! Bitte, sei einen Moment leise. Aber du darfst rein kommen.“
Prompt öffnete sich die Tür und Noël trat in mein Zimmer. Als er sah, dass ich noch im Bett lag, zog er mir die Bettdecke weg. „Noël!“, kreischte ich, „Gib mir meine Decke zurück! Das ist nicht lustig!“
Noël lachte nur: „Finde ich schon.“
„Blödmann.“, murrte ich leise und Noël verschwand lachend aus meinem Zimmer. Ich stand auf und machte mich fertig. Dann ging ich in die Küche, wo mein Vater und mein Bruder bereits am Esstisch saßen. Ich setzte mich meinem Vater gegenüber an den Tisch und nahm mir ein Brötchen. Mein Vater räusperte sich. Er wirkte nervös. Ich sah ihn mit erhobener Augenbraue an: „Was ist los Dad?“
„Also… ähm… eure Maman ist ja… gegangen. Als der… Unfall passiert ist.“, stammelte mein Dad, „Und im Krankenhaus habe ich jemanden kennengelernt. Sie heißt Yasmin und lebt eigentlich in England. Sie macht hier in Frankreich nur Ferien. Ich kenne sie noch nicht lange, aber ich liebe sie, wie keine Zweite. Ich habe mich dazu entschieden, dass wir zu ihr nach England ziehen.“
Noël und ich starrten ihn beide mit offenen Mündern an. Vermutlich aber aus unterschiedlichen Gründen. „Dad, liebst du Maman nicht mehr?“, flüsterte ich, „Und außerdem will ich hier nicht weg! Was ist mit meinen Freunden? Und meiner Schule?“
„Du wirst in England neue Freunde finden. Und Hogwarts ist auch eine ausgezeichnete Schule.“, sagte Dad, „Außerdem komme ich aus England. Das weißt du Maëlle.“
Ich nickte: „Ja, schon. Aber…“
„Kein ,aber‘.“, unterbrach mich Dad, „Wir ziehen nach England. Keine Widerrede.“
Ich gab mich geschlagen. „Wann reisen wir ab?“, fraget Noël. „In drei Tagen geht unser Flug.“, antwortete Dad. „In drei Tagen?“, rief ich entsetzt, „Dad!“
Ich sprang vom Tisch auf und rannte in mein Zimmer.
Ein paar Minuten später klopfte es leicht an meine Tür. Ich antwortete nicht. Noël kam trotzdem rein. „Hey, alles okay?“, fragte er und setzte sich neben mich aufs Bett. Ich schüttelte wütend den Kopf: „Nein! Ich will nicht nach England ich will hier bleiben!“
„Ach Maëlle.“, seufzte Noël, „Sie es als Neuanfang. Madam Maxine hätte dich wahrscheinlich sowieso von Beauxbaton verwiesen, wenn sie von deinem Unfall erfahren hätte.“
Seine Stimme war immer lauter geworden. Ich saß völlig erstarrt da. Noël sah mich erschrocken an. „Maëlle, es tut mir leid.“, entschuldigte er sich, „Ich wollte nicht… weißt du, für Dad und mich ist es auch schwer. Maman, dein Unfall…“
„Ich weiß.“, antwortete ich ebenso leise, „Und du hast wahrscheinlich recht.“
Noël nickte und verlies mein Zimmer. Er wusste, dass ich jetzt lieber alleine sein wollte.
Drei Tage später saßen wir im Flugzeug. Meine letzten beiden Tage in Frankreich hatte ich mit Packen und mit meinen Freunden verbracht. Keiner von ihnen wusste von meinem Unfall. Das war vermutlich auch besser so. Sie würden mich sonst verabscheuen. Das Flugzeug landete und wir holten unser Gepäck vom Gepäckband. Kurz hinter dem Flughafen dissapparierten wir. Wir landeten vor einer langen Treppe, die zu der Haustür eines großen Anwesens führte. Dieses Anwesen war so anders als unser gemütliches, kleines Cottage in Frankreich. Ich war mir sicher, dass ich mich niemals an mein neues Leben in England gewöhnen würde. Mein Dad lief voller Vorfreude die Treppe nach oben. Noël und ich folgten ihm weniger begeistert. Wobei das bei mir noch sehr untertrieben war. Dad klingelte und nur ein paar Sekunden später öffnete eine hübsche Frau die Tür, die Dad sofort in die Arme sprang. Ich war jetzt schon genervt von ihr. Wie sollte ich das hier bloß überleben? „Kinder, das ist Yasmin.“, stellte Dad uns die Frau vor. Noël reichte ich höflich die Hand: „Hallo, ich bin Noël. Und das ist meine Schwester Maëlle.“
Er deutete auf mich. Die Frau warf mir ein strahlendes Lächeln zu. Ich zwang mir ebenfalls ein Lächeln auf die Lippen und schüttelte ihre Hand. „Kommt doch mit nach drinnen“, sagte Yasmin und führte uns in ein geräumiges Wohnzimmer. Dann lief sie zu einer Tür am anderen Ende des Raumes und rief: „Blaise! Sie sind da.“
Blaise? Ich warf meinem Vater einen fragenden Blick zu. Der räusperte sich und warf Noël und mir einen entschuldigenden Blick zu: „Also, das habe ich wohl vergessen zu erzählen. Yasmin hat einen Sohn. Blaise ist genauso alt wie du, Noël.“
Noël grinste. Für ihn war das alles ein riesiges Abenteuer. Ich öffnete empört den Mund und wollte gerade etwas erwidern, da kam Yasmin mit einem gut aussehenden Jungen zurück. Er kam zu uns und grinste uns an: „Hi, ich bin Blaise. Und ihr?“
Noël grinste zurück: „Hallo. Ich heiße Noël.“
„Maëlle.“, antwortete ich nur kühl und ohne der Spur eines Lächelns. Ja, ich hatte heute schon eindeutig genug gelächelt. „Blaise, Liebling, könntest du den beiden bitte ihre Zimmer zeigen?“, bat Yasmin. Blaise nickte und gab uns mit einer Handbewegung zu verstehen, dass wir ihm folgen sollten. Er führte uns gefühlt 1000 Treppen nach oben und Flure entlang. Irgendwann standen wir vor zwei Türen, die nebeneinander lagen. „Noël, rechts ist dein Zimmer.“, erklärte Blaise, „Maëlle, deins ist links.“
Ich nickte ihm wortlos zu und öffnete die Tür zu meinem Zimmer. Es war vollkommen in rosa und weiß gehalten und überall glitzerte es. Ich starrte fassungslos ein weißes Einhorn an der pinken Wand an. Das konnte einfach nicht ihr Ernst sein! Ich war 14, nicht vier! Wütend drehte ich mich um und suchte den Weg zurück ins Wohnzimmer. Nachdem ich mich ein paar mal verlaufen hatte, fand ich die richtige Tür und rauschte wütend ins Wohnzimmer. „Dad? Ich muss dir etwas zeigen!“, fauchte ich. Dad folgte mir sichtlich verwirrt in das Zimmer, das ich so garantiert nicht als mein Zimmer bezeichnen würde. Dort sah er sich halb schockiert, halb belustigt um. „Dad, ich weigere mich in diese Zimmer zu ziehen!“, sagte ich stur, „Ich bin 14 und nicht vier! Ich möchte, dass du es neu streichst.“
Dad nickte nur: „Ich werde mit Yasmin reden und morgen alles neu streichen.“
Er verlies mein Zimmer, um die Koffer zu holen und ich setzte mich auf das Bett. Dabei warf ich dem Einhorn auf der Wand wütende Blicke zu.
