Ich hängte meinen Heilerkittel an den Haken und ging nach unten in die Eingangshalle. Von dort aus apperrierte ich zum Grimmauld-Platz. Ich hatte beschlossen, Sirius zu besuchen. Ob ich wieder bereit war mit ihm zusammen zu sein, wusste ich noch immer nicht. Mein Vertrauen zu ihm war noch nicht wieder vollständig aufgebaut. „Sirius!“, rief ich in das scheinbar leere Haus. Ich bekam keine Antwort, aber einige Sekunden später kam er die Treppe herunter. Er lächelte, als er mich sah: „Hallo Emily.“
Wir umarmten uns kurz. In diesem Moment ging die Tür auf und Remus, Tonks, Kingsley und Moody traten ins Haus. Wir begrüßten uns. Remus zwinkerte mir zu. Offenbar hatte er gesehen, wie Sirius und ich uns umarmt hatten. Na super! Ich streckte Remus die Zunge raus. In diesem Moment ging die Tür erneut auf und Snape trat ins Haus. Seine Miene war ernst: „Potter und seine Freunde sind im Ministerium. Sie denken Black ist dort.“
Alle blickten sprachlos zu Snape. Tonks sprach schließlich aus, was alle dachten: „Wir müssen da hin.“
Zustimmendes Nicken. Sirius packte mich am Handgelenk: „Emily, ich will, dass du hierbleibst.“
„Und warten, ob ihr alle wieder lebend zurückkommt?“, fragte ich spöttisch, „Vergiss es!“
Ich wirbelte herum und dissapperierte. Als die Welt um mich herumliefen Gestalt annahm, musste ich mich einen Moment orientieren. Um mich herum apperrierten weitere Ordensmitglieder. In der Mitte des Raumes, auf einem Podest, standen Harry und Lucius Malfoy. Harry hielt die Prophezeiung in der Hand und gab sie gerade Lucius. In einem Halbkreis um das Podest standen weitere Todesser, die Ron, Hermine, Ginny, Luna und Neville festhielten. „Harry! Duck dich!“, schrie Sirius und feuerte einen Fluch auf Lucius ab. Auch die anderen Ordensmitglieder griffen nun die Todesser an. Wir hatten den Überraschungseffekt auf unserer Seite. Ein kleiner Vorteil. Ich griff Bellatrix an. Sie war sehr gut. Aber auch ich hatte viel geübt und mein Großvater hatte mir den ein oder anderen Trick beigebracht. Ein ums andere mal blockten oder lenkten wir die Flüche der jeweils anderen ab. Plötzlich schrie Lucius auf und ich war einen Moment abgelenkt. Lucius hatte die Prophezeiung fallen gelassen. Bellatrix‘ Fluch traf mich völlig unerwartet. Ich flog durch die halbe Halle und knallte hart auf den Boden. Benommen rappelte ich mich wieder auf. Alles war verschwommen. Ich fasste mir an den schmerzenden Kopf. Mein Blick wurde langsam schärfer. Sirius hatte den Kampf mit Bellatrix aufgenommen. Ich stand auf und taumelte kurz. Ich musste Sirius helfen! Mir war in diesem Moment etwas klar geworden: Ich liebte Sirius noch immer. Wahrscheinlich würde ich damit nie aufhören. Bellatrix schoss einen Zauber auf Sirius ab. Er traf. Sirius erstarrte und taumelte langsam auf den Vorhang zu. Ich rannte los. Wenn Sirius durch diesen Vorhang fallen würde, wäre er verloren. Das konnte ich nicht zulassen! Als ich Sirius erreichte, berührte er mit der Hand schon den Vorhang. Im letzten Moment zog ich ihn zur Seite. Er fiel wir leblos zur Boden. Tränen verschleierten meine Sicht. Ich sank neben Sirius zu Boden. Meine Tränen tropften auf sein Gesicht. Ich bekam nicht mehr mit, was um mich herum passierte. „Sirius.“, schluchzte ich, „Wach auf!“
Doch ich hatte genug Erfahrung im Heilen, um zu wissen, dass Sirius nicht aufwachen würde. Er war nicht tot. Nicht ganz. Er war wie in einer Art Koma. Ich wusste nicht, ob er jemals wieder aufwachen würde. Wir hätten Monate haben können. Vielleicht Jahre. Immer noch liefen mir die Tränen über die Wangen.
Irgendwann kam Remus zu mir. Sanft zog er mich hoch und apparierte mit mir nach Hause. Dort brachte er mich zum Sofa und machte uns einen Tee. Als wir mit zwei Tassen auf dem Sofa saßen, fragte Remus: „Du liebst ihn immer noch, oder?“
Ich nickte teilnahmslos und Remus verstand, dass ich gerade nicht reden wollte. Dann saßen wir dort nebeneinander auf dem Sofa. Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, Stunde um Stunde und schwiegen.

