6. Besuch
„Hallo!“, rief Lily ins stille Haus hinein, „Wir sind wieder da!“
Keine Antwort. „Wo sind die denn alle?“, fragte Lily ratlos. Ich zuckte nur mit den Schultern und folgte Lily ins Haus. Wir schleppten die Koffer die Treppen hoch in unsere Zimmer. Sie lagen im zweiten Stock, worüber Lily sich schon seit Jahren beschwerte. Nachdem wir die Koffer dann endlich in unseren Zimmern abgestellt hatten, liefen wir die Treppe wieder nach unten ins Erdgeschoss, wo die Küche lag. Auf dem Küchentisch fanden wir einen Zettel:
Hallo Lily und Emily, schön, dass ihr wieder da seit. Peter ist noch bei der Arbeit und ich hole Petunia von der Schule ab. Wir kommen alle erst gegen Abend. Ihr könnt euch einfach etwas zu Essen machen, wenn ihr Hunger habt.
„Hast du schon Hunger?“, fragte Lily mich und und legte den Zettel zurück auf den Tisch. „Nein, nicht wirklich. Du?“, erwiderte ich. Lily schüttelte den Kopf. Gleichzeitig und breit grinsend fragten wir: „Pool?“
Dann rannten wir nach oben, um uns unsere Badesachen anzuziehen.
Ich war vor Lily fertig, also wartete ich an der Terrassentür im Wohnzimmer auf sie. Auf der Treppe hörte ich ihre Schritte. Es klingelte an der Tür und ich machte mich auf den Weg, um sie zu öffnen. Lily war schneller. Sie öffnete die Tür und…
… „Black und Potter!“, rief sie überrascht und ich fügte hinzu: „Was macht ihr hier?“
die beiden grinsten uns provokant an und Potter sagte: „Wir besuchen dich hier, Evans. Dass Summer hier ist, konnten wir ja nicht wissen.“
„Was? Warum besucht ihr mich?“, fragte Lily fassungslos. Black lachte leise und ich funkelte ihn wütend an. „Weil…“, sagte Potter gedehnt, „naja, unsere Eltern haben sich am Bahnhof kennen gelernt und gut verstanden. Sie fanden, es sei eine gute Idee, wenn wir dich besuchen kommen. Und hier sind wir.“
„Na dann, kommt rein.“, knurrte Lily und trat einen Schritt zur Seite, um die beiden hereinzulassen. Hinter ihnen ließ sie die Tür ins Schloss fallen. „Kommt mit, wir zeigen euch das Gästezimmer. Ihr müsst es euch teilen.“, informierte Lily die Jungs kühl. Potter grinste: „Kein Problem. Auch wenn ich mir lieber ein Zimmer mit dir geteilt hätte.“
Lily schnaubte wütend auf und ich verkniff mir ein Grinsen. Es war schon lustig, wie Potter sich um Lily bemühte, obwohl die ganz offensichtlich nichts von ihm wollte. Auch Black grinste. Potter wechselte schnell das Thema: „Wolltet ihr gerade Schwimmen gehen?“
„Was?“, fraget Lily, doch dann schien ihr wieder einzufallen, dass wir Badesachen trugen. Sie lief leicht rot an und ich sagte schnell: „Ja, wir wollten in den Pool gehen.“
Wir zeigten den beiden Jungs das Gästezimmer und gingen dann in den Garten zum Pool. „Warum ausgerechnet Potter und Black?“, fragte Lily wütend, „Und dann ist ihr Zimmer auch noch im selben Stockwerk wie unsere.“
Ich lachte leise: „Lily, reg dich ab. Ich finde es ja auch nicht toll, aber es ist nunmal so. Lass uns das Beste daraus machen.“
Lily nickte wiederwillig. Dann grinste sie plötzlich fies. Ich begriff zu spät, was Lily vorhatte. Schon schubste sie mich ins Wasser. Nach Luft schnappend tauchte ich wieder auf. „Lily!“, rief ich empört, „Was sollte das denn?“
Lily lachte und sprang ebenfalls ins Wasser. Sofort bekam sie eine Ladung Wasser von mir ins Gesicht. Rache musste sein. Sie kreischte und spritzte zurück. Und schon begann eine wilde Wasserschlacht.
Irgendwann bekamen wir dann doch Hunger und beschlossen, uns drinnen etwas zu Essen machen. Wir trockneten uns ab und und gingen dann in unsere Zimmer, um uns etwas anderes anzuziehen. Danach liefen wir zur Tür des Gästezimmers und klopften an. „Ja?“, hörten wir Blacks Stimme und Lily öffnete die Tür. „Wollt ihr was Essen?“, fragte sie gespielt freundlich. Potter nickte: „Ja gerne, können wir helfen?“
Black sah aus, als fände er die Idee gar nicht gut. Ich lachte leise: „Klar könnt ihr das. Was wollen wir denn kochen?“
„Wie wäre es mit Nudeln und Tomatensoße?“, schlug Lily mit einem fragenden Blick in die Runde vor. Black, Potter und ich nickten zustimmend. Zusammen gingen wir in die Küche.
Lily und ich stellten ziemlich schnell fest, dass Black eigentlich ganz gut kochen konnte. Potter hatte keine Ahnung vom Kochen, sodass ich ihm schließlich auftrug, den Tisch zu decken. Als wir gerade anfangen wollten zu Essen, hörten wir den Schlüssel im Schloss der Haustür und einige Augenblicke später standen Lilys Mutter Elisa und Lilys ältere Schwester Petunia im Esszimmer. Petunia schnitt eine angeekelte Grimasse, als sie Potter und Black sah und murmelte in unsere Richtung: „Hallo.“
Elisa lief freudig auf die Jungs zu und rief: „Hallo James! Hallo Sirius! Wie schön, dass ihr da seit.“
Dann umarmte sie Lily und mich: „Ich freue mich so, dass ihr wieder hier seit.“
mein Blick huschte automatisch zu Black. Was dachte er bloß bei einer so mütterlichen Begrüßung? Er ließ sich nichts anmerken. Potter holte zwei weitere Teller und dann aßen wir alle zusammen.
Am nächsten Morgen wurde ich als Erste wach. Lilys Vater Peter war erst sehr spät zurück gekommen. Ich beschloss, mich anzuziehen und dann Frühstück zu machen.
In der Küche sah ich mich ratlos um. Was sollte ich bloß machen. „Wir haben Obst und sonst…“, murmelte ich leise und öffnete den Kühlschrank. Ja, für ein typisches, englische Frühstück und einen Obstsalat war alles da. So machte ich mich ans Werk. Ich schnitt gerade einen Apfel, als ich plötzlich einen Schmerz in meinem linken Zeigefinger spürte. Ich hatte mir in den Finger geschnitten. „Mist!“, fluchte ich halblaut. „Hey, alles okay?“, erklang plötzlich eine Stimme hinter mir. Ich wirbelte herum: „Black! Erschreck mich doch nicht so! Aber ja, alles okay, ich habe mir nur in den Finger geschnitten.“
Black begutachtete meinen Finger: „Da sollte ein Pflaster drauf. Hast du eins?“
„In meinem Zimmer.“, antwortete ich und lief los. Black folgte mir. Ich hielt die Hand unter den Finger, damit das Blut nicht auf den Holzboden tropfte.
In meinem Zimmer zog ich zog ich die Nachttischschublade auf und nahm ein Pflaster heraus. Black klebte es mir auf den Finger, dann sah er sich in meinem Zimmer um. „Es sieht aus, als wäre das immer dein Zimmer. Als würdest du hier wohnen.“, stellte er fest. „Quatsch!“, sagte ich scharf, dann fuhr ich ruhiger fort, „Ich bin nur sehr oft bei Lily zu Besuch.“
„Warum bist du nicht bei deinen Eltern?“, fragte Black. Ich zögerte kurz: „Sie sind oft geschäftlich unterwegs.“
„Ich gehe dann mal.“, sagte Black zögernd und lief zur Tür. Ich nickte nur, ohne ihn anzusehen.
Die restlichen Ferien ignorierte ich Black, so gut es ging, um weiteren Fragen zu entgehen.
