Emily Summer | 6. Besuch

6. Besuch

„Hallo!“, rief Lily ins stille Haus hinein, „Wir sind wieder da!“

Keine Antwort. „Wo sind die denn alle?“, fragte Lily ratlos. Ich zuckte nur mit den Schultern und folgte Lily ins Haus. Wir schleppten die Koffer die Treppen hoch in unsere Zimmer. Sie lagen im zweiten Stock, worüber Lily sich schon seit Jahren beschwerte. Nachdem wir die Koffer dann endlich in unseren Zimmern abgestellt hatten, liefen wir die Treppe wieder nach unten ins Erdgeschoss, wo die Küche lag. Auf dem Küchentisch fanden wir einen Zettel:

Hallo Lily und Emily, schön, dass ihr wieder da seit. Peter ist noch bei der Arbeit und ich hole Petunia von der Schule ab. Wir kommen alle erst gegen Abend. Ihr könnt euch einfach etwas zu Essen machen, wenn ihr Hunger habt. 

„Hast du schon Hunger?“, fragte Lily mich und und legte den Zettel zurück auf den Tisch. „Nein, nicht wirklich. Du?“, erwiderte ich. Lily schüttelte den Kopf. Gleichzeitig und breit grinsend fragten wir: „Pool?“

Dann rannten wir nach oben, um uns unsere Badesachen anzuziehen.

Ich war vor Lily fertig, also wartete ich an der Terrassentür im Wohnzimmer auf sie. Auf der Treppe hörte ich ihre Schritte. Es klingelte an der Tür und ich machte mich auf den Weg, um sie zu öffnen. Lily war schneller. Sie öffnete die Tür und…

… „Black und Potter!“, rief sie überrascht und ich fügte hinzu: „Was macht ihr hier?“

die beiden grinsten uns provokant an und Potter sagte: „Wir besuchen dich hier, Evans. Dass Summer hier ist, konnten wir ja nicht wissen.“

„Was? Warum besucht ihr mich?“, fragte Lily fassungslos. Black lachte leise und ich funkelte ihn wütend an. „Weil…“, sagte Potter gedehnt, „naja, unsere Eltern haben sich am Bahnhof kennen gelernt und gut verstanden. Sie fanden, es sei eine gute Idee, wenn wir dich besuchen kommen. Und hier sind wir.“

„Na dann, kommt rein.“, knurrte Lily und trat einen Schritt zur Seite, um die beiden hereinzulassen. Hinter ihnen ließ sie die Tür ins Schloss fallen. „Kommt mit, wir zeigen euch das Gästezimmer. Ihr müsst es euch teilen.“, informierte Lily die Jungs kühl. Potter grinste: „Kein Problem. Auch wenn ich mir lieber ein Zimmer mit dir geteilt hätte.“

Lily schnaubte wütend auf und ich verkniff mir ein Grinsen. Es war schon lustig, wie Potter sich um Lily bemühte, obwohl die ganz offensichtlich nichts von ihm wollte. Auch Black grinste. Potter wechselte schnell das Thema: „Wolltet ihr gerade Schwimmen gehen?“

„Was?“, fraget Lily, doch dann schien ihr wieder einzufallen, dass wir Badesachen trugen. Sie lief leicht rot an und ich sagte schnell: „Ja, wir wollten in den Pool gehen.“

Wir zeigten den beiden Jungs das Gästezimmer und gingen dann in den Garten zum Pool. „Warum ausgerechnet Potter und Black?“, fragte Lily wütend, „Und dann ist ihr Zimmer auch noch im selben Stockwerk wie unsere.“

Ich lachte leise: „Lily, reg dich ab. Ich finde es ja auch nicht toll, aber es ist nunmal so. Lass uns das Beste daraus machen.“

Lily nickte wiederwillig. Dann grinste sie plötzlich fies. Ich begriff zu spät, was Lily vorhatte. Schon schubste sie mich ins Wasser. Nach Luft schnappend tauchte ich wieder auf. „Lily!“, rief ich empört, „Was sollte das denn?“

Lily lachte und sprang ebenfalls ins Wasser. Sofort bekam sie eine Ladung Wasser von mir ins Gesicht. Rache musste sein. Sie kreischte und spritzte zurück. Und schon begann eine wilde Wasserschlacht.

Irgendwann bekamen wir dann doch Hunger und beschlossen, uns drinnen etwas zu Essen machen. Wir trockneten uns ab und und gingen dann in unsere Zimmer, um uns etwas anderes anzuziehen. Danach liefen wir zur Tür des Gästezimmers und klopften an. „Ja?“, hörten wir Blacks Stimme und Lily öffnete die Tür. „Wollt ihr was Essen?“, fragte sie gespielt freundlich. Potter nickte: „Ja gerne, können wir helfen?“

Black sah aus, als fände er die Idee gar nicht gut. Ich lachte leise: „Klar könnt ihr das. Was wollen wir denn kochen?“

„Wie wäre es mit Nudeln und Tomatensoße?“, schlug Lily mit einem fragenden Blick in die Runde vor. Black, Potter und ich nickten zustimmend. Zusammen gingen wir in die Küche.

Lily und ich stellten ziemlich schnell fest, dass Black eigentlich ganz gut kochen konnte. Potter hatte keine Ahnung vom Kochen, sodass ich ihm schließlich auftrug, den Tisch zu decken. Als wir gerade anfangen wollten zu Essen, hörten wir den Schlüssel im Schloss der Haustür und einige Augenblicke später standen Lilys Mutter Elisa und Lilys ältere Schwester Petunia im Esszimmer. Petunia schnitt eine angeekelte Grimasse, als sie Potter und Black sah und murmelte in unsere Richtung: „Hallo.“

Elisa lief freudig auf die Jungs zu und rief: „Hallo James! Hallo Sirius! Wie schön, dass ihr da seit.“

Dann umarmte sie Lily und mich: „Ich freue mich so, dass ihr wieder hier seit.“

mein Blick huschte automatisch zu Black. Was dachte er bloß bei einer so mütterlichen Begrüßung? Er ließ sich nichts anmerken. Potter holte zwei weitere Teller und dann aßen wir alle zusammen.

Am nächsten Morgen wurde ich als Erste wach. Lilys Vater Peter war erst sehr spät zurück gekommen. Ich beschloss, mich anzuziehen und dann Frühstück zu machen.

In der Küche sah ich mich ratlos um. Was sollte ich bloß machen. „Wir haben Obst und sonst…“, murmelte ich leise und öffnete den Kühlschrank. Ja, für ein typisches, englische Frühstück und einen Obstsalat war alles da. So machte ich mich ans Werk. Ich schnitt gerade einen Apfel, als ich plötzlich einen Schmerz in meinem linken Zeigefinger spürte. Ich hatte mir in den Finger geschnitten. „Mist!“, fluchte ich halblaut. „Hey, alles okay?“, erklang plötzlich eine Stimme hinter mir. Ich wirbelte herum: „Black! Erschreck mich doch nicht so! Aber ja, alles okay, ich habe mir nur in den Finger geschnitten.“

Black begutachtete meinen Finger: „Da sollte ein Pflaster drauf. Hast du eins?“

„In meinem Zimmer.“, antwortete ich und lief los. Black folgte mir. Ich hielt die Hand unter den Finger, damit das Blut nicht auf den Holzboden tropfte.

In meinem Zimmer zog ich zog ich die Nachttischschublade auf und nahm ein Pflaster heraus. Black klebte es mir auf den Finger, dann sah er sich in meinem Zimmer um. „Es sieht aus, als wäre das immer dein Zimmer. Als würdest du hier wohnen.“, stellte er fest. „Quatsch!“, sagte ich scharf, dann fuhr ich ruhiger fort, „Ich bin nur sehr oft bei Lily zu Besuch.“

„Warum bist du nicht bei deinen Eltern?“, fragte Black. Ich zögerte kurz: „Sie sind oft geschäftlich unterwegs.“

„Ich gehe dann mal.“, sagte Black zögernd und lief zur Tür. Ich nickte nur, ohne ihn anzusehen.

Die restlichen Ferien ignorierte ich Black, so gut es ging, um weiteren Fragen zu entgehen.

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Emily Summer | 5. Offenbarungen

5. Offenbarungen

„Endlich fertig!“, sagte ich erleichtert, als ich mit Lily und zwei anderen Freundinnen aus dem Eingangsportal trat. Auch Lily lachte erleichtert. Wir hatten vor ein paar Minuten unsere letzte ZAG-Prüfung von diesem Jahr abgeschlossen. Geschichte der Zauberei. Jetzt waren wir auf dem Weg zum See. Später würden wir dann noch unsere Koffer packen und morgen fuhr dann schon der Zug zurück nach ,Hause‘. Wir setzten uns an den See, zogen die Schuhe aus und hielten die Füße ins kühle Wasser. Der Riesenkraken kam an die Oberfläche und zeigte uns seine neusten Tricks. „Habt ihr die ganzen Namen von diesen Kobolden gewusst?“, fragte Jessica. Ich sah sie erstaunt an: „Ja.“

“Nein.“, sagte Lily im selben Augenblick. Wir alle lachten laut los. „Ich habe ein paar erfunden.“, meinte Veronica grinsend und wir lachten noch heftiger. Hinter uns ertönten aufgeregte Rufe und wir drehten uns überrascht um. Black und Potter standen mit erhobenen Zauberstäben dem entwaffneten Sev gegenüber. Lily und ich schnappten gleichzeitig empört nach Luft. Potter sagte etwas, das wir wegen der Entfernung nicht verstanden und schon hing Sev kopfüber in der Luft. Gleichzeitig sprangen Lily und ich auf und stürmten wütend über die Wiese auf Sev, Potter, Black und die Schaulustigen zu. „Lass ihn runter, Potter!“, schrie Lily außer sich vor Wut. Potter sah sie nachdenklich an: „Nur, wenn du mit mir ausgehst, Evans.“

Lily sah aus, als würde sie gleich explodieren: „Mit dir würde ich nicht mal ausgehen, wenn ich nur die Wahl zwischen dir und dem Riesenkraken hätte. Und jetzt lass ihn runter!“

Potter sah nun auch wütend aus. Dabei war es gar nicht der erste Korb, den er von Lily bekommen hatte. Langsam sollte er sich echt daran gewöhnt haben. Potter senkte seinen Zauberstab und Sev fiel zu Boden. Er blieb wie eine zusammengefaltete Fledermaus liegen. Lily stürzte zu ihm und bot ihm ihre Hand an: „Sev! Alles in Ordnung?“

Sev schlug ihre Hand weg: „Ich brauche keine Hilfe von einem Schlammblut!“

„Na schön.“, sagte sie wütend und verletzt, „Dann sieh doch zu, wie du nächstes mal alleine zurecht kommst!“

Tränen glänzten in ihren Augen. Sie wandte sich ab und rannte den Weg zurück zum Schloss. „Wie kannst du nur?“, fragte ich Sev voller Verachtung. Potter sah genauso wütend aus, wie ich mich fühlte. „Furunkulus.“, sagte ich kalt, den Zauberstab auf Sev gerichtet. Es folgten noch ein paar weitere Flüche, dann rannte ich Lily hinterher.

Als ich in der Eingangshalle ankam, war Lily schon weg. Stattdessen kam mir Professor Sullivan entgegen. „Kommen Sie mit, Miss Summer.“, bat sie mich, „Professor Dumbledore möchte Sie sprechen.“

Ich folgte ihr überrascht zu Dumbledores Büro. Vor der Tür ließ sie mich alleine. Zögernd klopfte ich an. Was Dumbledore wohl von mir wollte? „Herein.“, hörte ich Dumbledore von innen sagen. Langsam öffnete ich die Tür, trat ein und schloss sie dann wieder hinter mir. „Oh, hallo Emily.“, begrüßte Dumbledore mich lächelnd, „Ich habe dich schon erwartet. Setz dich doch bitte.“

Ich setzte mich auf den Stuhl vor Dumbledores Schreibtisch. Es war nicht das erste mal, dass ich mit Dumbledore sprach. Genau genommen war es das zweite mal. Und das letzte mal war es sehr traurig gewesen.

Flashback:

Der Todesser warf sich trotz Lindsay auf seinen Zauberstab. Immer und immer wieder schoss er einen Zauber auf mich ab. Und immer und immer wieder wich ich ihm aus. Langsam ging mir die Puste aus. Dann knallte es und drei weitere Personen tauchten in der Nähe auf. Eine streng aussehende Frau, ein dunkelhäutiger Mann und ein Mann mit langen, silberweißen Haaren und Bart. Der Todesser rannte los und die Frau und der dunkelhäutige Mann nahmen die Verfolgung auf. Der andere Mann kam auf mich zu: „Alles in Ordnung?“

„Also Emily, du fragst dich sicher, warum du hier bist.“, sagte Dumbledore und ich nickte stumm. „Also.“, fuhr Dumbledore fort, „Ich möchte dir etwas erzählen. Als deine Eltern starben, warst du erst neun. Du warst traurig und verstört. Aber ich denke, jetzt bist du bereit, es zu erfahren. In der Nacht, in der du deine Eltern verloren hast, verlor ich meine Tochter.“

„Sie… was?“, fragte ich fassungslos. Dumbledore lächelte: „ Ich bin dein Großvater, Emily.“

„Warum sollte ich Ihnen das glauben?“, fragte ich misstrauisch. Dumbledore seufzte: „Du hast Recht. Deine Mutter hat mich sicher nie erwähnt. Unser Verhältnis war nicht so gut.“

„Sie hatten jahrelang Zeit.“, sagte ich bemüht ruhig. „Bitte, sag ,du‘ zu mir, ich bin schließlich dein Großvater.“, bot Dumbledore mir an. Ich sprang wütend auf: „Du hattest jahrelang Zeit es mir zu sagen, stattdessen saß ich zwei verdammte Jahre im Jugendheim fest. Es war schrecklich dort. Ich dachte ich hätte niemanden mehr, ich wäre alleine und du hast mich in dem Glauben gelassen!“

„Es tut mir leid.“, sagte Dumbledore. „Das ist alles? Es tut dir leid?“, fragte ich fassungslos und wütend, „Ich denke, es ist besser, wenn ich gehe!“

Damit stürmte ich aus dem Büro. Ich konnte es einfach nicht fassen.

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Emily Summer | 4. Gewitter

4. Gewitter

„Hey Emmi.“, begrüßte Lily mich, als wir uns beim Mittagessen trafen, „Ist alles okay?“

„Klar.“,sagte ich und lächelte sie müde an. Ich wusste, Lily glaubte mir nicht und sie hatte Recht. Es ging mir nicht gut.

Der Rest des Tages verlief recht normal. Nur dass die anderen Schüler aus meinem Jahrgang mich seltsam ansahen war anders als sonst. Bis zum Abendessen hatte es sich herumgesprochen, dass ich ,mehrere‘ Ängste hatte. Als ich mit Lily die große Halle betrat, verstummten sofort alle Gespräche und alle wandten sich mir zu. Nun hatte ich genau zwei Möglichkeiten:

1. Umdrehen und gehen.

2. In die Halle gehen und mich den Fragen und dummen Witzen stellen.

Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit. Mit hoch erhobenem Haupt ging ich zu meinem Platz am Gryffindor-Tisch und setzte mich. Fast alle Blicke und ein Flüstern folgte Lily und mir. Ein Slytherin sagte leise etwas und der halbe Tisch brach in lautes Gelächter aus. Lily und ich ignorierten sie und begannen ein Gespräch. Nach und nach wandten sich auch die anderen Schüler wieder von uns ab.

(Zeitsprung, Abend)

Ein lauter Donner riss mich aus dem Schlaf. Sofort saß ich kerzengerade im Bett. Ich zog die Vorhänge meines Himmelbettes beiseite. Durch das Fenster sah ich, wie ein heftiges Gewitter am Himmel tobte. Die anderen Mädchen in meinem Schlafsaal schliefen noch fest. In der Hoffnung, dass es im Gemeinschaftsraum stiller war, schlich ich nach unten. Dort nahm ich eine Wolldecke und setzte mich auf das Sofa, das am Weitesten vom Kamin entfernt war. Ich versuchte, die Erinnerungen zurückzudrängen, doch es gelang mir nicht. Sie stürmten auf mich ein, durchfluteten meinen Kopf. Ich schluchzte leise auf. Warum musste ausgerechnet mein Leben so beschissen sein? Irgendwo öffnete sich eine Tür und Schritte ertönten. Eine Gestalt erschien im Türrahmen der Jungenschlafsäle. „Was willst du hier, Black?“, fragte ich und meine Stimme klang nicht annähernd so wütend, wie ich es mir wünschte, „Verschwinde!“

Er verschwand nicht. Natürlich nicht. Er war Sirius Black. Was erwartete ich? Stattdessen kam er auf mich zu und setzte sich neben mich. Ich hatte keine Lust, ihn anzumotzen. „Ist alles okay?“, fragte Black, „Ich weiß, dass das Gewitter ein Teil deiner größten Angst ist. Willst du es mir erzählen?“

Ich schüttelte nur den Kopf.

Flashback:

„Emily!“, rief mein Vater und kam in mein Zimmer gestürmt, „Emily, hör mir zu. Sie sind fast da. Du musst hier weg!“

„Was ist mit euch?“, fragte ich mit zitternder Stimme. Jetzt kam auch meine Mutter in mein Zimmer: „Emily, sie wollen vor allem mich. Wir haben doch schon mal besprochen, was wir im Falle eines Angriffs tun. Bitte halte dich an den Plan. Es ist sehr wichtig, dass du überlebst.“

Ich sah sie verzweifelt an: „Warum?“

„Das wirst du erfahren, wenn es so weit ist.“, erklärte meine Mutter. Mein Vater sagte eindringlich: „Lauf!“

Unten im Wohnzimmer knallte es. Meine Eltern liefen zur Tür. „Vergiss nicht, dass wir dich lieben!“, rief meine Mutter noch, dann waren sie verschwunden. Mir war klar, dass ich meine Eltern zum letzten mal gesehen hatte. Sie würden im Kampf sterben. Und ihr letzter Wunsch war, dass ich in Sicherheit war. Im Wohnzimmer ertönten Knalle. Ich kam mir feige vor, aber dennoch rannte ich zum Fenster.

Nach gefühlten Stunden war das Gewitter endlich vorbei und ich hatte mich wieder beruhigt. Langsam stand ich auf und meinte: „Ich gehe dann mal schlafen.“

„Emily, hast du Lust mal mit mir nach Hogsmead zu gehen?“, fragte Black. Seine Frage brachte mich zum Lächeln: „Sorry Black, aber du bist ein arroganter, aufgeblasener, selbsverliebter und gemeiner Playboy.“

Black sah mir verdutzt nach, als ich in den Mädchenschlafsaal ging.

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Emily Summer | 3. Irrwicht

3. Irrwicht

Ich schlug die Augen auf – und kniff sie im nächsten Moment schon wieder fest zu. Alles um mich herum war blendend weiß. Nach ein paar Sekunden wagte ich es, die Augen erneut zu öffnen. Sofort kam Madam Pomfrey auf mich zu gewuselt: „Oh, Summer, Sie sind wach! Wie geht es Ihnen?“

Ich musste lächeln: „Gut Madam Pomfrey. Danke.“

„Das war ja eine heftige Geschichte.“, sagte Madam Pomfrey aufgeregt, „Mister Black hat sie mir erzählt, als er sie gebracht hat. Sie konnten vor lauter Regen nichts sehen und sind gegen einen Baum gerannt.“

Ich schnaubte laut auf. Das Black es wagte, sie eine bescheuerte Geschichte zu erzählen! Kaum zu glauben. Der würde noch was erleben. Madam Pomfrey untersuchte mich noch einmal, dann entließ sie mich. Ich ging ohne Umweg zur großen Halle, da ich Black und die anderen dort vermutete. Tatsächlich entdeckte ich sie am Ende des Gryffindor-Tisches. Doch bevor ich auch nur die Hälfte des Weges zu ihnen zurückgelegt hatte, fing mich die kreischende Lily ab. Sie umarme mich fest. „Lily! Ich ersticke“, stöhnte ich und sie lies mich los. Dann musterte sie mich besorgt: „Geht es dir gut?“

Ich nickte nur. „Komm.“, forderte Lily und zog an meinem Arm, „Du musst etwas essen.“

„Mache ich gleich.“, versprach ich, „Ich muss nur noch kurz was mit Black klären.“

„Mit Black?“, fragte Lily und sah mir verdutzt hinterher, als ich geradewegs auf die Rumtreiber zuging. „Also.“, sagte ich und setzte mich neben Remus, „Erst einmal danke, dass ihr mir gestern geholfen habt. Aber Black, was sollte die Story mit, ich sei gegen einen Baum gelaufen. Geht es noch bescheuerter?“

Pettigrew und Potter prusteten los. „Ernsthaft?“, fragte Potter lachend, „Das hast du gesagt?“

Black nickte und wurde doch tatsächlich rot. „Oh Emily, es tut mir so leid!“, platzte es aus Remus heraus. Mit einem Finger strich er über das getrocknete Blut an meiner Wange. „Remus.“, sagte ich sanft und nahm seine Hände in meine, „Ich mache dir keinen Vorwurf. Du kannst nichts dafür. Ich wünschte, ich könnte dir irgendwie helfen.“

Damit stand ich auf und setzte mich zu Lily. Wir frühstückten und ich erzählte ihr die wahre Geschichte, nicht die mit dem Baum. Auch sie hatte Mitleid mit Remus. Danach gingen wir zusammen zum Unterricht. Verteidigung gegen die dunklen Künste. Professor Sullivan kam mit einem alten Reisekoffer in die Klasse und verkündete: „In diesem Koffer ist ein Irrwicht. Ihr sollt euch heute eurer größten Angst stellen. Der Zauber heißt Riddikulus. Sprecht mir nach. Riddikulus.“    

„Riddikulus.“, wiederholte die Klasse. „Sehr schön, sehr schön.“, sagte Professor Sullivan, „Stellt euch bitte in einer Reihe auf.“

Die Klasse stellte sich in einer Reihe auf. Stetig rückten die Schüler vor. Und mit jeder Person die drankam wuchs meine Angst. Die anderen hatten die unterschiedlichsten Ängste. Es gab Spinnen, Schlangen und noch vieles mehr. Dann kam ich an die Reihe. Der Irrwicht vor mir verwandelte sich in eine vermummte Gestalt. Ein Todesser. Dann kam ein Vollmond. Ein brennender Baum. Ein Himmel, an dem ein Gewitter tobte. Und schließlich zwei Leichen. Die Leichen meiner Eltern. Ich schrie erstickt auf und rannte aus dem Klassenzimmer. Die Klasse hinter mir war totenstill. Draußen setzte ich mich auf eine Treppe und verbarg mein Gesicht in den Händen. Ich schluchzte leise. Plötzlich hörte ich Schritte hinter mir und dann ließ sich eine Person neben mich fallen. Diese Person legte tröstend einen arm um mich. Ich wusste nicht, wer es war, aber es interessierte mich auch nicht. „Warum hast du mehrere Ängste?“, fragte die Person irgendwann. Es war Black. Warum immer Black? Ich zuckte zurück und er nahm seinen Arm von meinen Schultern. Ich überlegte, ob ich ihm antworten sollte und entschied mich dafür. Mit leiser Stimme sagte ich: „Es sind nicht mehrere. Es ist eine. Auch wenn du die Zusammenhänge noch nicht verstehen magst.“

„Willst du es mir erzählen?“, fragte es sanft. „Nein!“, antwortete ich hart und sprang auf. Ich war schon die halbe Treppe hinabgestiegen, da rief er mir nach: „Professor Sullivan hat mich geschickt. Du sollst zum Unterricht zurück.“

Ich drehte mich um: „Sag ihr, mir sei schlecht und ich ginge zum   Krankenflügel!“

Dann rauschte ich endgültig davon.

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Emily Summer | 2. Vollmond

2. Vollmond

Es waren nun schon ein paar Wochen vergangen. Ich saß mit Lily an einem der Tische im Gemeinschaftsraum. Am Tisch neben uns saßen Potter, Black, Remus und Pettigrew. „Hey, Moony.“, sagte Black plötzlich, „Heute ist Vollmond“

Geschockt sprang ich auf und schnappte mir meine Sachen. Heute war ihr Todestag! Wie konnte ich das vergessen? Ich stürmte in den Mädchenschlafsaal. Dabei spürte ich Lily‘s besorgten Blick in meinem Rücken. Ich zog mir eine Leggins und ein schwarzes Top an, die als mein Schlafanzug herhielten. Dann legte ich mich in mein Bett und zog die Vorhänge zu. Nach und nach kamen die anderen Mädchen. Es war kurz nach Mitternacht, als endlich alle schliefen. Leise stand ich auf, nahm meinen Zauberstab und schlich mich aus dem Schlafsaal. Meine Katze Lindsay folgte mir. Zusammen huschten wir durch das dunkle Schloss. Als wir draußen waren, verschwand Lindsay in der Dunkelheit. Ein paar Minuten später setzte der Regen ein. Es war kein gewöhnlicher Regen. Er war magisch. Man wurde nicht nass und die Tropfen schimmerten in allen Regenbogenfarben. Wie Seifenblasen. Tränen liefen mir stumm über die Wangen. Langsam lief ich los. Mein Ziel war der verbotene Wald. Als ich ihn gerade betreten hatte, hörte ich das Fauchen einer Katze und ein Knurren, das ich keinem Tier zuordnen konnte. Lindsay? War sie in Gefahr? Ich rannte den Geräuschen nach. Vor mir erschien eine Lichtung und ich schnappte geschockt nach Luft. Der Anblick war erschreckend. Meine kleine Katze Lindsay stand mit gesträubtem Fell einem riesigen Wolf gegenüber. Der Wolf knurrte wütend. Lindsay fauchte. Der riesige Wolf wurde immer wütender und er machte sich bereit zum Sprung. „Nein!“, mein Schrei durchbrach das Knurren und Fauchen und die sonstige Stille im Wald. In dem Moment, in dem der Wolf sich vom Boden abstieß, stürzte ich mich über Lindsay. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass Lindsay schon verletzt war. Sie blutete stark aus einer Wunde an ihrer Flanke. Dann traf der Wolf mich mit den Krallen an der Schulter. Bevor ich schreien konnte, bemerkte ich, dass der Wolf kein normaler Wolf war. Er war ein Werwolf! Ich musste  auf jeden Fall verhindern, dass der Werwolf mich mit den Zähnen erwischte. Mit Lindsay im Arm rollte ich mich zur Seite und die Zähne des Werwolfes schnappten in die Luft. Genau an der Stelle, an der vor wenigen Sekunden noch mein Arm gewesen war. Ich warf Lindsay so vorsichtig wie möglich in ein nahes Gebüsch, in dem sie bewegungslos liegen blieb. Hatte ich sie umgebracht? Doch für noch mehr Gedanken blieben mir keine Zeit. Der Werwolf schnappte nach meinem Bein. In letzter Sekunde rollte ich mich zur Seite. Im Stillen dankte ich Potter, dass er so oft mit uns trainierte. Hinter mir raschelte es und ich war kurz abgelenkt. Diesen kurzen Moment nutzte der Werwolf. Er holte mit der Pranke aus. Ich versuchte auszuweichen, doch der Werwolf traf mich an der Wange. Ich spürte, wie mir das Blut übers Gesicht lief. „Tatze, bring Emily hier weg.“, hörte ich eine bekannte Stimme, doch ich war viel zu durcheinander um sie zuordnen zu können. Die Stimme ertönte erneut: „Los Wurmschwanz, verwandeln! Wir lenken ihn ab.“

Es raschelte und ein Hirsch sprang elegant auf die Lichtung. Dicht gefolgt von einer kleinen Ratte. Sie nahmen nun den Kampf gegen den Werwolf auf. Dann betrat eine menschliche Gestalt die Lichtung und kniete sich neben mich. Black! „Kannst du aufstehen?“, fragte er und seine Stimme klang fast schon sanft. Ich zitterte und fühlte mich wie kurz vor einer Ohnmacht. Black schien es zu bemerken und hob mich kurzerhand hoch. Er trug mich aus dem Wald. Nach ein paar Minuten fragte er: „Warum hast du deine Katze eigentlich fast schon mit deinem Leben beschützt?“

Flashback:

Noch immer lag ich zitternd im Regen. Der nächtliche Wald um mich herum hatte all seine Schönheit verloren. Plötzlich knallte es laut und eine fiese Männerstimme sagte: „Na Kleine? Jetzt habe ich dich doch noch gefunden.“       Ich konnte – oder wollte mich nicht bewegen. Was hatte es denn jetzt noch für einen Sinn? Der Mann lachte schadenfroh: „Cru…“

Er konnte seinen Fluch nicht beenden, denn eine kleine, schwarze Katze sprang ihm an die Hand. Sein Zauberstab flog in hohem Bogen davon. Ich rappelte mich auf. Lindsay hatte Recht, es hatte immer einen Sinn!

„Sie hat einst das Selbe für mich getan.“, antwortete ich Black mit schwacher Stimme. Plötzlich drehte sich alles um mich herum. „Emily!“, rief Black erschrocken, doch ich konnte ihm nicht mehr antworten. Um mich herum versank alles in Dunkelheit.

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Emily Summer | 1. Fünftes Schuljahr 

1. Fünftes Schuljahr 

Ich lief mit meinem Gepäck durch die Mauer. Nach sechs Wochen Ferien bei Lily in der Muggelwelt kam mir das Gedränge am Bahnhof 9 3/4 fast schon unwirklich vor. Lily kam durch die Mauer und blieb neben mir stehen. „Immer wieder überwältigend oder?“, fragte sie lächelnd. Ich nickte und lies meinen Blick über die vielen Zauberer und Hexen am Bahnsteig gleiten: „Es ist magisch.“

Lily lachte: „Wollen wir?“

Erneut nickte ich und zusammen stiegen wir in den Hogwarts-Express. Wir fanden ein leeres Abteil und luden unserer Koffer in die Gepäckablage. Lily verabschiedete sich. Sie musste ins Vertrauensschüler-Abteil. Ich zog ein Buch hervor und begann zu lesen. Als die rote Dampflock losfuhr, legte ich es zur Seite und sah aus dem Fenster. Wir fuhren aus dem Bahnhof und die Landschaft vor dem Fenster wurde immer wilder. Bald würde mein fünftes Schuljahr in Hogwarts beginnen. Ich widmete mich wieder meinem Buch, doch nur kurze Zeit später öffnete sich die Abteiltür und Severus trat ein. „Oh. Hi, Sev.“, begrüßte ich ihn freundlich. „Hi Emily.“, erwiderte er, „Ist Lily da?“
Ich zog eine Augenbraue hoch: „Siehst du sie hier irgendwo?“

Sev grinste: „Nein. Du hast Recht.“

Er kam ganz rein und wir unterhielten uns kurz über die Ferien, in denen wir uns auch ab und zu gesehen hatten. Nach einiger Zeit ging er wieder. Er wollte zurück zu seinen Freunden. Ich mochte Sev. Wirklich. Aber seine Freunde konnte ich nicht ausstehen. Sie würden später mit Sicherheit alle Todesser werden. Und was ich noch weniger mochte als Potter und Black waren Todesser. Wo wir gerade von Potter und Black sprachen, genau diese Beiden öffneten nun die Abteiltür. „Oh, hallo Summer. Was machst du denn hier?“, fragte Potter. Ichsucht ihn spöttisch an: „Vielleicht ist es dir noch nicht aufgefallen, aber das hier, Potter, ist mein Abteil. Und jetzt verschwindet, ihr dummen, überheblichen, gehirnlosen…“

„Was wollte Schniefelus hier?“, unterbrach Black mich, bevor ich noch mehr Beleidigungen dranhängen konnte. Ich sah ihn überrascht an. Hörte ich da etwa Eifersucht in seiner Stimme? Nein, das konnte nicht sein. Wir mochten uns nicht. Nur ein paar Sekunden später hatte ich meine Fassung wieder: „Das geht dich gar nichts an. Und jetzt verschwindet!“

Als sie immer noch keine Anstalten machten zu gehen, zückte ich meinen Zauberstab. „Okay, okay.“, meinte Potter beschwichtigend und die beiden traten den Rückzug an. Sie wussten, sie hätten in einem Duell keine Chance gegen mich. Nachdem die Beiden weg waren kam Lily. „Was wollten Potter und Black hier?“, fragte sie stirnrunzelnd. Ich verdrehte die Augen: „Nerven. Wie immer.“

Lindsay, meine Katze, kratzte an ihrer Transportbox und ich lies sie raus. Die restliche fahrt über unterhielten wir uns und spielten Zauberschnippschnapp. Zwischendurch zogen wir uns um. Als wir endlich am Bahnsteig ausstiegen, begrüßten wir Hagrid freudig und stiegen dann  zusammen in eine der Kutschen, um mit ihr nach oben zu fahren. Es war jedes mal von Neuem überwältigend, nach den Ferien Hogwarts zu sehen. In der großen Halle warteten wir ungeduldig auf die neuen Erstklässler. Als die Auswahl begann, erinnerte ich mich zurück an meine eigene.

Flashback:  
Ich stand mit den anderen Erstklässlern vorne und dachte, ich würde sterben vor Aufregung. Dann, endlich, sagte die ältere Hexe vorne: „Summer, Emily!“
Ich schritt mit einem Lächeln und ziemlich selbstbewusst nach vorne. Ich setzte mich auf den Hocker und die Professorin setzte mir den sprechenden Hut auf. „Hm, bei dir ist es sehr schwierig.“, sprach der Hut in meinem Kopf, „Deine Intelligenz spricht für Ravenclaw. Für dein Mitgefühl würde ich dich nach Hufflepuff stecken. Und dein Mut zeugt von Gryffindor. Schwierig. Aber ich denke… ja… ich denke, das ist die richtige Wahl. GRYFFINDOR!“

Ich gab der älteren Hexe den Hut zurück und setzte mich neben Lily an den applaudierenden, rot, goldenen Tisch. Dort hatte ich mich zum ersten Mal mit Lily unterhalten und wir hatten uns sofort gut verstanden. Und nun waren wir die besten Freundinnen.

Die Erstklässler waren nun alle eingeteilt. Das Essen erschien und alle stürzten sich darauf. Wie jedes Jahr fielen Lily und ich kurze Zeit später satt, zufrieden und müde in unsere gemütlichen Himmelbetten.

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Emily Summer | Prolog

Prolog

Ich wusste nicht wohin. Nur weg. Ich stolperte über eine Wurzel und fiel, sprang aber sofort wieder auf. Blöde Wurzel. Blöder Baum. Blöder Wald. Mein Leben war im Eimer. Ich rannte wieder los. Blitze zuckten über den dunklen Nachthimmel. Hinter mir ertönten Schreie. Immer und immer wieder. Am Liebsten hätte ich mir die Ohren zu gehalten. Doch das ging nicht. Meine volle Aufmerksamkeit war auf den Boden gerichtet. Wenn ich noch einmal stürzen würde, hätten sie mich. Die Schreie hinter mir verstummten. War es vorbei? Endgültig vorbei? Hinter mir knallte es sechs mal laut, dann erhellte weit hinter mir ein Feuer den nächtlichen Wald. Ich konnte nicht mehr, wagte es aber nicht, stehen zu bleiben. Meine Angst war zu groß. Es blitzte und der Donner folgte sofort. Das Gewitter musste nun direkt über mir sein. Ein kleines Stück vor mir ging ein Baum in Flammen auf. Gerade noch so warf ich mich zur Seite, als ein brennender Ast vor mir zu Boden fiel. Ich blieb liegen. Ich konnte einfach nicht mehr. Es begann zu regnen. Die dicken Tropfen löschten das Feuer und vermischten sich mit den Tränen auf meinem Gesicht. Ich weinte. Weinte, wie ich nie zuvor geweint hatte. Plötzlich raschelte es hinter mir im Gebüsch und ich zuckte erschrocken zusammen. Eine kleine, schwarze Katze mit leuchtenden, grünen Augen kam auf mich zu. Lindsay! War meine Katze wirklich das Einzige, das mir geblieben war?

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