Fred setzte sich neben mich auf die Bank am Ravenclaw-Tisch. „Hey Maëlle.“, sagte er, „Heute ist der letzte Hogsmead-Tag für dieses Schuljahr. Wollen wir zusammen gehen? Als Freunde?“
Ich sah ihn überrascht an. Dann nickte ich: „Klar, gerne.“
Fred stand auf: „Super, dann los.“
Ich sah ihn fragend an: „Jetzt sofort?“
„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragte er grinsend und streckte mir eine Hand entgegen. Ich lachte und nahm seine Hand.
In Hogsmead setzten wir uns in die Drei Besen, tranken Butterbier und unterhielten uns. irgendwann beschlossen wir, in Hogsmead spazieren zu gehen. Ich hatte mich bei Fred untergehakt und wir liefen lachend durch die Straßen. „Wollen wir zur Heulenden Hütte?“, fragte er. Ich blickte nachdenklich in den Himmel. Nein, ich wollte nicht zur Heulenden Hütte. Aber den Grund konnte ich Fred nicht sagen. Also nickte ich: „Okay.“
Fred lächelte und zog mich hinter sich her.
Am Rand von Hogsmead, mit dem Blick zur Heulenden Hütte blieben wir stehen. „Irgendwie unheimlich oder?“, fragte Fred. Ich antwortete nicht. Er drehte seinen Kopf in meine Richtung und sah mich ernst an: „Ich weiß, du kennst die Heulende Hütte besser als die meisten anderen. Du bist einmal im Monat dort. Immer an Vollmond. Du bist ein Werwolf!“
Meine Gedanken rasten. Sollte ich es abstreiten oder zugeben? „Bist du deswegen mit mir nach Hogsmead gegangen?“, fragte ich ihn wütend, „Einfach nur, um mich das zu fragen? Freunde machen so etwas nicht. Du bist kein Freund!“
„Maëlle, ich…“, murmelte Fred, doch ich warf ihm nur noch einen letzten giftigen Blick zu und stürmte davon.
Freds Sicht:
Seufzend folgte ich Maëlle. Vielleicht hätte ich Georges Plan nicht zustimmen sollen. Aber ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass sie so ausrasten würde. Ich hatte erwartet, dass sie es abstreiten würde oder, dass es ihr peinlich war und sie es zugab. Wie sollte ich das bloß George erzählen?
Maëlles Sicht:
Ich wusste, dass ich überreagiert hatte. Aber es hatte mich einfach so geschockt. Woher wusste Fred es? Würde er es weitererzählen? Was sollte ich bloß tun? Was, wenn es bald die ganze Schule wusste? Ich rannte zur Eulerei. Remus würde mir bestimmt helfen können. Als ich dort war zog ich Pergament, Feder und Tinte aus meiner Tasche, die ich zum Glück mitgenommen hatte.
Lieber Remus,
wie geht es dir?
Fred hat mein Geheimnis herausgefunden. Ich bin total ausgerastet und habe ihn angeschrien und beschuldigt, kein Freund zu sein. Was soll ich denn jetzt machen? Was, wenn Fred es weitererzählt und es bald die ganze Schule weiß? Bestimmt hassen sie mich dann alle und halten mich für ein Monster. Vielleicht hätten sie damit ja recht. Vielleicht ist es besser, wenn ich die Schule verlassen würde.
Alles Liebe, Maëlle
Ich hatte schnell geschrieben. Meine Schrift war unordentlich und an manchen Stellen kaum leserlich. Ich faltete den Zettel zusammen und band ihn der nächstbesten Eule ans Bein. Sie flog sofort davon.
Freds Sicht:
Ich betrat den Gryffindor-Gemeinschaftsraum und ließ den Blick schweifen. George konnte ich nirgends entdecken. Stattdessen sah ich Ginny, die in einem Sessel am Kamin saß und in einem Buch blätterte. Ich ging zu ihr: „Hallo Ginny.“
„Hi Fred.“, murmelte sie abwesend und schlug die Seite um. Ich musterte sie verwirrt. Ginny und Lesen? „Was liest du denn da?“, fragte ich sie. Ginny klappte das Buch zu: „Es ist ein Buch über Heilzauber. Maëlle hat es mir geliehen.“
Maëlle hatte Ginny zum Lesen gebracht? Das hätte Mum sicher gefallen. Aber trotzdem…
„Ginny, ich möchte, dass du dich von Maëlle fern hältst.“, bat ich meine Schwester ernst, „Ich habe etwas über sie herausgefunden.“
Ginny runzelte die Stirn: „Was hast du herausgefunden?“
„Kann ich dir nicht sagen.“, antwortete ich leicht verzweifelt, „Vertrau mir einfach. Ach, und weißt du, wo George ist?“
„George ist vorhin mit Lee in den Jungenschlafsaal gegangen.“, informierte Ginny mich und stand auf. „Wo gehst du hin?“, fragte ich. „Zu Luna.“, antwortete sie über die Schulter und verließ den Gemeinschaftsraum. Ich seufzte und suchte weiter nach George.

