Ich gähnte. Luna sah mich von der Seite an: „Alles okay? Du siehst müde aus.“
„Ja, mir geht es gut.“, antwortete ich und gähnte erneut. Luna warf mir einen Blick zu, der mich wissen ließ, dass sie mir nicht glaubte, doch sie fragte nicht weiter nach. „Komm, wir gehen zum Unterricht.“, sagte sie und stand auf. Ich seufzte und folgte ihrem Beispiel. Zusammen durchquerten wir die Halle. An der Tür holte Ginny uns ein: „Hey ihr zwei. Wir haben Pflege magischer Geschöpfe jetzt zusammen.“
„Ich weiß.“, sagte Luna. Ich nickte nur und gähnte hinter vorgehaltener Hand. Ginny sah mich fragend an: „Alles in Ordnung?“
„Ich bin nur müde.“, wich ich aus. Auch Ginny war nicht überzeugt, das sah ich ihr an. „Aha.“, machte sie und wechselte dann das Thema, „Kommt, wir sollten langsam los. Sonst kommen wir noch zu spät.“
Luna und ich nickten und wir liefen los.
Georges Sicht:
„Lee, los. Beeil dich mal ein bisschen!“, rief Fred. Lee seufzte nur, rannte aber tatsächlich etwas schneller. Hinter uns bog Filch gerade schnaufend um die Ecke. „Ich weiß, wo wir uns verstecken können. Kommt.“, sagte Fred und bog scharf um die nächste Ecke. Wir stürmten die Marmortreppe hinunter und durch die Eingangshalle. Am Portal rannten wir fast Ginny, Luna und Maëlle um. „Tut uns leid!“, rief ich über die Schulter zurück. Die drei Mädchen sahen uns entgeistert nach. Wir rannten Fred hinterher, der uns zielsicher über die Ländereien von Hogwarts führte. Ich blickte zurück und sah, wie Filch gerade aus dem Eingangsportal stolperte. „Fred!“, schrie Lee, „Du willst doch nicht zur Peitschenden Weide, oder?“
„Doch!“, rief Fred zurück, „Das ist das ideale Versteck.“
ich starrte ihn entgeistert an: „Du bist wahnsinnig! Wie willst du dich denn unter der Peitschenden Weide verstecken? Die erschlägt uns vorher!“
„Ich weiß, was ich tue.“, antwortete Fred, „Vertraut mir.“
Lee und ich warfen uns einen zweifelnden Blick zu, sagten aber nichts. Kurz vor der Peitschenden Weide zog Fred seinen Zauberstab: „Stupor!“
Der Zauber traf einen Knoten im Stamm der Weide. Augenblicklich erstarrte der ganze Baum. „Kommt!“, rief Fred und rannte auf den Stamm zu. Im nächsten Moment war er verschwunden. Lee und ich starrten einen Moment fassungslos auf die Weide. Dann rannten wir Fred hinterher. An der Stelle, an der er verschwunden war, befand sich ein Loch. „Los, wir müssen uns beeilen.“, drängte Lee, „Da hinten kommt Filch.“
Ich nickte und sprang. Als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte ich, dass ich in einem kleinen Tunnel stand. Ein paar Meter vor mir stand Fred und grinste mich frech an. Lee landete direkt hinter mir. „Na endlich.“, meinte Fred, „Ich dachte schon, ihr kommt überhaupt nicht mehr.“
„Du hättest uns ja vorwarnen können, erwiderte Lee, „Wir haben uns voll erschreckt, als du plötzlich weg warst.“
Fred grinste nur, drehte sich um und folgte dem Gang. Ich lief ebenfalls los. Lee seufzte und ging hinter mir her. Es wurde immer dunkler, je weiter wir uns von dem Loch entfernten. Wir zogen unsere Zauberstäbe und flüsterten: „Lumos.“
Der Gang wurde in schwaches Licht getaucht. Fred stoppte so abrupt, dass ich in ihn hineinlief. Während ich noch fluchte, kletterte Fred schon die Leiter nach oben. Lee und ich kletterten ihn hinterher. „Wo sind wir?“, fragte Lee, als wir oben ankamen. Fred antwortete wie selbstverständlich: „In der Heulenden Hütte.“
Lee und ich starrten ihn fassungslos an. Fred grinste und öffnete eine Tür hinter sich: „Kommt rein.“
Zögernd betraten Lee und ich den Raum. Ein Bett stand darin, sonst war er leer. Vor dem Bett lag etwas auf dem Boden. Ich ging näher darauf zu und bemerkte, dass es ein Brief war. Als ich ihn aufhob erkannte ich, dass es der Brief von Remus an Maëlle war. Maëlle war die letzte, die den Brief besessen hatte. Und das bedeutete, dass Maëlle hier gewesen sein musste.
Maëlle Sicht:
Pünktlich um acht Uhr klopfte ich an Professor Umbridges Bürotür. Ihre hohe, mädchenhafte Stimme bat mich herein. Als ich das Büro betrat, musste ich erst einige Male blinzeln. Alles war pink. Und voller Katzen. Dieses Büro war ja schlimmer, als mein Zimmer, als ich es das erste Mal betreten hatte. „Setz
dich.“, forderte Umbridge mich auf. Folgsam setzte ich mich auf einen der beiden Stühle vor dem Schreibtisch. Überrascht stellte ich fest, dass vor beiden Stühlen schon Pergament und Feder bereit lagen. Offenbar würde ich nicht alleine nachsitzen. In dem Moment klopfte es an der Tür. „Herein.“, sagte Umbridge. Die Tür öffnete sich und einer der Weasley-Zwillinge betrat den Raum. „Sie sind zu spät, Mr. Weasley.“, bemerkte Umbridge spitz. Der Weasley-Zwilling nickte: „Ja. Tut mir leid.“
„Setzen Sie sich.“, befahl Umbridge. Der Weasley-Zwilling setzte sich auf den Stuhl neben mir. „Fred oder George?“, fragte ich ihn flüsternd. „George.“, flüsterte er zurück. „Ruhe!“, zeterte Umbridge. George und ich verstummten augenblicklich. „Sie schreiben bitte den Satz Ich soll nicht widersprechen. auf das Pergament.“, erklärte Umbridge. „Wie oft?“, fragte George genervt, während ich feststellte: „Wir haben keine Tinte.“
„Tinte brauchen Sie nicht.“, sagte Umbridge, „Und Sie schrieben den Satz so oft, bis er sich einprägt.“
George war sichtlich genervt, sagte aber nichts. Stattdessen nahm er die Feder. Auch ich nahm die längliche, schwarze Feder in die Hand und begann mit meinem ersten Satz. Kaum war ich fertig, spürte ich einen heftigen Schmerz in meiner linken Hand. Der Satz auf dem Pergament war blutrot, ich hatte mit meinem eigenen Blut geschrieben. Und dieser verdammte Satz war auch in meine Hand eingeritzt. Entsetzt sah ich zu George, der fassungslos zurück sah. „Gibt es ein Problem?“, fragte Umbridge zuckersüß. Wir verneinten und schrieben weiter.
Nach gefühlten Stunden entließ Umbridge uns endlich. Zusammen mit George verließ ich das Büro. Ein paar Korridore gingen wir gemeinsam. Dann wollte ich in den Gang zum Ravenclaw-Turm abbiegen, doch George hielt mich am Handgelenk fest. Überrascht drehte ich mich zu ihm um. Er zog einen Brief aus seiner Tasche und reichte ihn mir. Es war Remus‘ Brief. Ich verstaute ihn in meiner Tasche und bedankte mich. „Warum warst du in der Heulenden Hütte?“, fragte George. Ich sah ihn wütend an: „Das geht dich nichts an!“
George öffnete den Mund, doch ich warf mein Haar zurück, drehte mich um und rauschte davon.

