Laute Stimmen aus dem Klassenraum neben uns ließen uns stehenbleiben. „Das ist Harry.“, meinte Ginny. Sie und Luna wussten mittlerweile, dass ich ein Werwolf war. Ich hatte es ihnen erzählt und sie hatten total verständnisvoll reagiert. „Lasst uns mal nachschauen, was da los ist.“, schlug Luna vor. Wir öffneten die Tür und betraten den Raum, in dem außer Harry noch Ron und Hermine waren. „Was ist denn los?“, fragte ich. Harry sah uns genervt an: „Das geht euch nichts an.“
Luna seufzte, während Ginny und ich uns einen genervten Blick zuwarfen. Warum wollte Harry bloß immer alles alleine machen? „Warte mal Harry.“, sagte Hermine plötzlich, „Sie können uns helfen.“
Ron und Harry sahen sie überrascht an. „Wir müssen in Umbridges Büro. Ihr Kamin ist der einzige, der nicht überwacht wird. Von dort aus können wir nachsehen, ob Sirius wirklich im Ministerium ist.“, erklärte Hermine. Harry sah sie wütend an: „Er ist dort, Hermine! Mit Voldemort, der ihn foltert. Ich habe es gesehen.“
„Bitte Harry.“, sagte Hermine, „Wir müssen nachsehen. Es könnte eine Falle sein.“
Harry sah wohl ein, dass Hermine recht hatte und stimmte zu. „Könnt ihr dafür sorgen, dass niemand den Gang vor Umbridges Büro betritt?“, fragte Hermine uns. Ginny stimmte sofort zu: „Natürlich.“
Ich sah sie fragend an. Ginny grinste frech: „Wir sagen einfach, jemand hätte eine Ladung Karottengas losgelassen.“
„Wie…“, fragte Harry, wurde aber von Ginny unterbrochen, „Das hatten Fred und George vor ihrem Abgang eigentlich noch vor.“
Als die Namen der Zwillinge fielen, zuckte ich zusammen, doch zum Glück bemerkte es niemand. „Was machen wir, wenn Umbridge kommt?“, warf Luna ein. „Ich gehe zu ihr und sage, dass Peeves die Verwandlungsräume verwüstet.“, beschloss Ron. Wir anderen nickten und schon ging es los. Nachdem Ron mit Umbridge verschwunden war, gingen Harry und Hermine in das Büro der pinken Pest. Luna lief zum einen Ende des Ganges, während Ginny und ich zum anderen Ende gingen. Wir erzählten jedem, dass jemand Karottengas losgelassen hätte und kurze Zeit später war der Gang menschenleer. Dann kamen Adrian Pucey und die beiden Gorillas Crabbe und Goyle. „Was ist hier los?“, fragte Pucey. Ginny setzte mit gelangweilter Stimme zu unserer Lüge an: „Hier hat jemand Karotten…“
„Hör auf zu lügen, Weasley!“, sagte Pucey scharf, „Wir wissen, dass hier etwas nicht stimmt. Professor Umbridge schickt uns.“
Er gab Crabbe ein Zeichen und dieser schnappte sich Ginny. Sie versuchte sich zu wehren und eine leichte Rangelei entstand. Pucey packte mich fest an den Armen. Ich versuchte es mit Veela-Charme und er ließ mich sofort los und starrte mich mit großen Augen an. Im nächsten Moment traf mich Goyles Faust fest im Gesicht. Ich taumelte zur Seite und versuchte die SChwärze aus meinen Augenwinkeln zu vertreiben. Pucey kam wieder zu Sinnen und packte mich erneut. „Noch einmal und du hast ein Problem.“, flüsterte er mir drohend ins Ohr. „Habe ich das nicht schon?“, zischte ich wütend zurück. Bevor er etwas erwidern konnte, tauchte Neville auf und versuchte, Ginny zu helfen. „Den nehmen wir auch noch mit.“, entschied Pucey und Goyle schnappte sich Neville. Dann schleppten uns die drei in Umbridges Büro. Auch dort sah es nicht gut für uns aus. Millicent Bullstrode hielt Hermine fest. Blaise hatte Ron fest im Griff. Pansy Parkinson hielt Luna fest, die allerdings keine Anstalten machte, sich zu wehren. Harry saß auf einem pinken Sessel. Umbridge mit gezücktem Zauberstab vor ihm. Malfoy und Noël standen am Fenster. „Maëlle!“, sagte Noël entsetzt. „Was machst du hier?“, fragte Blaise fast ebenso entsetzt. „Kommen da deine brüderlichen Beschützerinstinkte zum Vorschein?“, stichelte ich. „Maëlle.“, sagte Noël warnend, „Was tust du hier?“
„Frag deine Freunde.“, meinte ich nur. Umbridge mischte sich ein: „Ruhe!“
Draco Malfoy ging rum uns sammelte unsere Zauberstäbe ein. Dann wurden auch wir an die Wand geführt. Umbridge stand drohend vor Harry. „Ich frage Sie das jetzt nur noch ein Mal. Was wollten Sie in meinem Kamin?“, sie machte bedrohlich noch einen Schritt auf Harry zu. Der sah sie nur trotzig an und schwieg. „Sie haben Dumbledore kontaktiert, nicht wahr?“, schrie Umbridge, so plötzlich, dass alle im Raum zusammenzuckten. Alle außer Harry, der sie ausdruckslos ansah. Dann ging die Tür auf und Snape betrat den Raum. Umbridge wirkte erfreut ihn zu sehen: „Snape! Haben Sie das Veritaserum?“
“Ich habe Ihnen meine letzte Flasche letzten Monat gegeben.“, erklärte Snape mit seiner typisch gelangweilten Stimme, „Sie haben doch wohl nicht alles aufgebraucht? Ich sagte doch drei Tropfen genügen.“
Umbridge lief zartrosa an: „Wann können Sie mir neues bringen?“
Snape zuckte gleichgültig mit den Schultern: „In zwei Monaten.“
Jetzt lief Umbridge dunkelrot an. „Das ist zu spät!“, kreischte sie, „Ich brauche es jetzt!“
„Dann kann ich Ihnen nicht helfen.“, stellte Snape fest und drehte sich um. „Er hat ihn.“, mischte sich Harry plötzlich ein, „Er hält Tatze gefangen! Dort wo sie versteckt ist.“
Snape drehte sich wieder zu ihm und sah ihn ausdruckslos an. Umbridges Blick schnellte zwischen den beiden hin und her: „Snape, was meint er damit?“
„Ich habe keine Ahnung.“, sagte Snape kalt und rauschte aus dem Raum. Umbridge starrte die Tür an und sah aus, als könnte sie jeden Moment explodieren. Sie zückte ihren Zauberstab und richtete ihn auf Harry: „Vielleicht wird ja der Cruciatus-Fluch Ihre Zunge etwas lockern.“
Wir sahen sie alle entsetzt an. „Das dürfenSie nicht!“, kreischte Hermine, „Harry, wir müssen es ihr sagen.“
Jetzt starrten wir Hermine entsetzt an und Harry schüttelte verbissen den Kopf. Hermine hielt sich die Hände vors Gesicht und begann zu schluchzen. Ginny und ich wechselten einen verwirrten Blick. „Was möchten Sie uns erzählen, meine Liebe?“, fragte Umbridge gespielt sanft und freundlich. „Sie haben recht.“, sagte Hermine leicht gedämpft durch ihre Hände, „Wir haben versucht, Dumbledore zu finden. Wir wollten ihm sagen, dass sie fertig ist.“
„Dass wer fertig ist?“, fragte Umbridge nach. „Die Waffe!“, rief Hermine weinend, „Die Waffe, die wir für Dumbledore bauen sollten.“
„Was ist das für eine Waffe?“, fragte Umbridge süßlich lächelnd. Hermine schluchzte: „Wir w… wissen nicht, w… wie sie funktioniert.“
„Wo ist sie?“, fragte Umbridge weiter, „Hier in der Schule?“
„Natürlich nicht.“, sagte Hermine mit einer Spur Verachtung in der Stimme, „Wir haben sie tief im Verbotenen Wald versteckt.“
„Führen Sie mich hin.“, verlangte Umbridge, „Potter, Sie kommen mit.“
Die drei verließen das Büro. Luna, Ginny, Neville, Ron und ich begannen wieder, uns gegen die Griffe der Slytherins zu wehren. Ron zog eine Packung voller Süßigkeiten aus seiner Tasche. Crabbe griff danach und auch Goyle, Pucey und Bullstrode steckten sich einige Süßigkeiten in den Mund. Fast im selben Moment bekamen sie Nasenbluten, fielen in Ohnmacht oder begannen, sich zu übergeben. Dafür mussten sie uns loslassen. Ich stürzte mich auf Malfoy und versuchte, an die Zauberstäbe zu kommen. Malfoy wollte sich gegen mich wehren und ließ dafür die Zauberstäbe los. Sie flogen durch die Luft und landeten direkt vor Ron. Der sammelte sie ein und warf jedem seinen jeweiligen Stab zu. Ginny begann Flüche auf Malfoy abzufeuern. Ich zielte mit dem Zauberstab auf Noël. Der zog seinen eigenen: „Das tust du nicht.“
Seine Stimme war fassungslos. Ich lächelte ihn kalt an und schoss ein Expelliarmus auf ihn ab. Sein Zauberstab landete mit einem leisen Klacken am anderen Ende des Raumes. Er sah mich wütend an. Ich blickte gleichgültig zurück: „Du hast dich für die falsche Seite entschieden, Noël. Locomotor Mortis.“
Seine Beine klebten zusammen und als er versuchte, einen Schritt nach vorne zu machen, kippte er um. Als ich mich umdrehte sah ich, dass auch alle anderen aus dem Inquisitionskommando außer Gefecht gesetzt worden waren. Ron, Ginny, Luna, Neville und ich rannten aus dem Büro und in Richtung des Verbotenen Waldes. Auf den Ländereien trafen wir auf Harry und Hermine. „Wie kommen wir zum Ministerium?“, fragte ich etwas außer Atem. Luna sah uns an, als wäre das sonnenklar: „Wir fliegen.“

