Mary Elizabeth O’Sullivan | 2. Rauchgrau

“Wie wäre es mit diesem Kleid?”, schlug Henriette vor und hielt mir ein dunkelgrünes Kleid entgegen. “Wie wäre es eher mit diesem hier?”, startete ich einen Versuch und nahm ein graues Kleid von der Kleiderstange. Henriette war zufrieden: “Perfekt. Zieh dich um und dann bringe ich dich in den Salon. Dort wirst du deine Eltern treffen.”
Ich unterdrückte ein genervtes Seufzen und beeilte mich lieber mit dem Umziehen. Als ich fertig war, brachte Henriette mich zum Salon, wo meine Eltern mich schon erwarteten. Henriette machte sich nach einem höflichen Knicks sofort aus dem Staub. “Du apparierst mit mit mir.”, informierte mich mein Vater. Ich nickte nur. Widerspruch war zwecklos. Ich nahm den Arm meines Vaters und wir apparierten. Während ich noch kurz um mein Gleichgewicht kämpfte, liefen meine Eltern schon auf das Anwesen zu. Schnell folgte ich ihnen. Ein kleiner, pummeliger Zauberer öffnete uns die Tür. “Bitte warten Sie einen Moment hier.”, bat er, “Ich hole den Dunklen Lord.”
Er verschwand und kam kurz darauf mit meinem Onkel zurück, den ich nur von Fotos kannte. “Herzlich Willkommen im Malfoy Manor.”, begrüßte er uns mit kalter Stimme, “Wie schön, dass ihr hier seid.”
Meine Eltern neigten die Köpfe und ich tat es ihnen nach. “Mary, bist du bereit?”, fragte mein Onkel mich, “Ich will dir das Dunkle Mal einbrennen.”
Ich lächelte kühl und streckte meinem Onkel meinen Arm entgegen. Natürlich war ich bereit. Ich wurde mein ganzes Leben lang darauf vorbereitet. Mein Onkel legte die Spitze seines Zauberstabs an meinen linken Unterarm. Mit einem nonverbalen Zauber brannte er das Dunkle Mal in meinen Arm. Ich zuckte nicht einmal mit der Wimper. Mein Onkel lächelte zufrieden. “Gehen wir rein.”, schlug er vor.

Dracos Sicht: 
Der Abend, den ich lange gefürchtet hatte, war da. In ein paar Stunden würde ich nicht mehr der selbe sein wie vorher. Ich saß zwischen meiner Mutter und meiner Tante an unserem großen Esstisch im Salon. Um uns herum saßen eine Menge Todesser. Wir warteten auf Voldemort, der vor ein paar Minuten den Raum verlassen hatte. Niemand sagte ein Wort. Plötzlich ging die Tür auf und der Dunkle Lord betrat den Raum. Eine Frau mit kurzen roten und ein Mann mit braunen Haaren folgten ihm. Nach ihnen betrat ein Mädchen, ungefähr in meinem Alter, den Salon. Ihre Schritte waren selbstbewusst und sie betrachtete die versammelten Todesser kühl. Sie war hübsch. Ihre langen, roten Locken trug sie offen. Das bodenlange, rauchgraue Kleid passte perfekt zu ihren funkelnden, grauen Augen. An ihrem linken Unterarm entdeckte ich das Dunkle Mal. “Darf ich vorstellen?”, ergriff Voldemort das Wort, “Meine Schwester Elizabeth, ihr Mann William und meine Nichte Mary.”
Ich starrte Mary an. Voldemorts Nichte? Kein Wunder, dass sie hier so selbstbewusst auftrat und, dass sie bereits das Dunkle Mal trug. “Setzt euch.”, ordnete Voldemort an seine Familie gewandt an. Sie setzten sich auf die drei übrigen Plätze. Mary saß mir gegenüber, aber sie schenkte mir keine Beachtung.

Marys Sicht: 
Die Todesserversammlung war langweilig. Sie lästerten über Harry Potter und Dumbledore und schmiedeten größenwahnsinnige Pläne. Ich achtete darauf, mich gut zu okkludieren und mimte Begeisterung. Nach einer gefühlten Ewigkeit befahl mein Onkel dem Jungen mir gegenüber, vorzutreten. Der blonde Junge bekam das Dunkle Mal. Er tat zufrieden, aber ich konnte sehen, dass er es verabscheute. Idiot. Er sollte stolz darauf sein. Nicht jeder bekam so eine Chance. “Draco, für dich habe ich eine ganz besondere Aufgabe.”, verkündete mein Onkel, “Du musst Dumbledore umbringen.”
Im Salon wurde es noch leiser, als es sowieso schon war. Ein Jugendlicher sollte einen der größten Zauberer der Welt umbringen? Das war absurd. Draco würde das niemals schaffen. Mein Onkel erklärte die Versammlung für beendet. Nach und nach verließen die Todesser den Raum. “Mary, einen Moment bitte.”, hielt mein Onkel mich auf, als ich gerade mit meinen Eltern den Salon verlassen wollte. Ich blieb stehen und drehte mich zu meinem Onkel um. Er wartete, bis wir alleine waren, bevor er anfing zu sprechen: “Draco wird den Auftrag nicht schaffen. Ich möchte, dass du Dumbledore umbringst, wenn er scheitert. Und er wird scheitern. Du kannst dir Hilfe und Tipps bei Severus Snape holen.”
Ich neigte den Kopf: “Natürlich, Onkel.”
Er lächelte zufrieden und gab mir mit der Hand zu verstehen, dass ich entlassen war.

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