Ich packte einen weiteren Stapel Kleidung in meinen magisch vergrößerten Koffer. Bisher hatte ich hier in Irland Privatunterricht, bei einem Hauslehrer, den meine Eltern sorgfältig ausgesucht hatten. Doch mein sechstes Schuljahr würde ich an Hogwarts verbringen, denn ich würde mit meinen Eltern nach England ziehen, um meinen Onkel zu treffen. Meine Mutter betrat mein Zimmer: “Mary, bist du fertig?”
Ihre Stimme war kühl, wie immer. Ich setzte eine ausdruckslose Miene auf. “Ja Mutter.”, antwortete ich ebenso kühl. Sie nickte zufrieden: “Gut. Wir essen jetzt zu Abend. Morgen geht es schon früh los.”
Sie ging. Ich seufzte leise und folgte ihr.
“Komm schon Lou.”, versuchte ich meine Katze zu locken. Lou lag unter meinem Bett und hatte absolut keine Lust, in ihre Transportbox zu gehen. Dabei mussten wir dringend los. Meine Eltern warteten bereits im Garten auf uns. Ich begann, Lou mit Leckereien zu locken. Sie kam maunzend unterm Bett hervor. Ich hob sie hoch, setzte sie in ihre Transportbox und schloss die Tür. Endlich. Ich seufzte erleichtert. Mein Koffer war schon vor einer halben Stunde zu unserem neuen Anwesen gebracht worden. Mein Vater sah mich genervt an, als ich zu ihnen trat: “Na endlich. Beeil dich nächstes mal etwas Mary.”
“Natürlich, Vater.”, sagte ich, den Block auf den Boden gerichtet, “Entschuldigt bitte.”
Meine Eltern nickten nur. “Du weißt, wohin du apparieren musst.”, eine Mutter meinte es als Frage, doch es klang eher nach einer Aussage. Ich antwortete trotzdem: “Ja.”
Meine Mutter nickte zufrieden. Wir apparierten. Unser neues Anwesen war größer und stand neben einem Wald. Sein rabenschwarzer Anstrich verbreitete eine düstere Atmosphäre. Wir betraten das Anwesen. Von innen fand ich es schöner. Die Wände waren cremefarben gestrichen. Die Möbel waren aus dunklem Holz, in das hin und wieder einige Blüten geschnitzt waren. Alles in allem wirkte das Anwesen von innen edel und elegant, während es von außen düster, sogar bedrohlich wirkte. Zwei Hauselfen kamen zu uns und begrüßten uns piepsend. Der größere Hauself bat meine Eltern in den Salon zu einem Tee. Mein Vater lehnte ab und machte sich lieber auf den Weg in sein Arbeitszimmer. Der Hauself und meine Mutter verschwanden richtig Salon. “Mein Name ist Henriette.”, stellte sich sie andere Hauselfe mit hoher Stimme vor, “Folgen Sie mir, Miss. Ich zeige Ihnen Ihr Zimmer.”
Ohne Miene Antwort abzuwarten lief Henriette los. Ich folgte ihr. Sie führte mich einige Treppen hinauf und wieder hinab und eine Menge Gänge entlang. Ich musste mir eingestehen, dass ich mich hier ohne Henriette hoffnungslos verirren würde. Henriette blieb vor einer Tür aus dunklem Holz stehen. “Ihr Zimmer.”, piepste sie. Ich öffnete die Tür und betrat mein neues Zimmer. Es sah aus, wie das restliche Anwesen von innen. Cremefarbene Wände, dunkle Holzmöbel, geschnitzte Blumenranken. Der Boden war, wie die Möbel, aus dunklem Holz. Neben dem cremefarben bezogenen Bett war ein großer, bodentiefer Spiegel an der Wand angebracht. In einer anderen Ecke des Zimmers stand ein großer, schwarzer Flügel neben einer großen Fensterfront und einer Balkontür. Gegenüber vom Bett befand sich eine weitere Tür, die, wie Henriette mir erklärte, zum Badezimmer führte. “Das da ist übrigens dein Kleiderschrank.”, sagte Henriette und deutete auf den Spiegel neben dem Bett. “Wie bitte?”, fragte ich überrascht und sah vom Spiegel zu Henriette und wieder zurück. Henriette lächelte begeistert, ging zum Spiegel und drückte leicht gegen seinen goldenen Rand. Mit offenem Mund beobachtete ich, wie der Spiegel nach innen klappte und eine Öffnung zu einem begehbaren Kleiderschrank freigab. “Ich ziehe mich jetzt zurück.”, informierte Henriette mich, “Falls Sie mich brauchen, rufen Sie einfach meinen Namen. Ich komme heute Nachmittag wieder, um Ihnen zu helfen, sich für das Treffen fertigzumachen.”
“Welches Treffen?”, fragte ich verwirrt. Henriette sah machmitfühlend an: “Das Treffen mit Ihrem Onkel.”
Sie verschwand mit einem Knall. Ich ging zu dem Flügel, denn ich hatte beschlossen, meine Zeit mit Klavierspielen zu verbringen.

