„Die Zeit ist um!“, verkündete Slughorn und rieb sich vergnügt die Hände, „Nichts mehr am Trank verändern.“
Ich seufzte erleichtert und begann schon einmal damit, meine Sachen aufzuräumen.
Professor Slughorn ging rum und beurteilte die einzelnen Tränke. Als er bei meinem Trank ankam, war er entzückt. „Perfekt! Einfach perfekt!“, rief er aufgeregt, „Miss Abbott, Sie kommen doch wieder zu meinem Abendessen am Freitag, nicht wahr?“
Ich lächelte: „Natürlich. Danke für die Einladung, Professor.“
„Schön, schön.“, sagte Slughorn strahlenden ging weiter. Seit ich mit Hermine nach einem Heilmittel für Cedric suchte, war ich in Zaubertränke sehr gut geworden und kannte mich in dem Bereich auch gut aus. Und seit wir Snape nicht mehr hatten, machte der Unterricht sogar Spaß. „Der Unterricht ist beendet.“, verkündete Slughorn, „Sie können gehen.“
Nacheinander strömten die Schüler aus dem Klassenzimmer. Zusammen mit meinen Freunden machte ich mich auf den Weg zum Mittagessen.
Ich beeilte mich mit dem Essen, da ich noch mit Hermine in der Bibliothek verabredet war. Ernie beobachtete mich lachend: „Warum beeilst du sich so?“
„Ich bin noch mit Hermine verabredet.“, antwortete ich zwischen zwei Bissen. Die anderen begannen ein Gespräch. Ich verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zur Bibliothek. Hermine wartete schon auf mich. „Hey Hermine.“, begrüßte ich. „Hi Bella.“, sagte sie lächelnd, „Ich muss leider doch schon los. Tut mir leid. Wollen wir uns in zwanzig Minuten bei Cedric im Krankenflügel treffen?“
Ich zuckte mit den Schultern: „Klar, bis dann.“
Hermine winkte mir kurz zu und ging. Ich ging die Regalreihen entlang und suchte nach einem Buch, das mir irgendwie weiterhelfen könnte. Nach zwanzig Minuten ging ich in den Krankenflügel. Hermine traf kurz nach mir ein. Zu meiner Überraschung war Ginny Weasley bei ihr. „Ginny flüchtet vor Ron und Dean.“, erklärte Hermine, als sie meinen fragenden Blick bemerkte. Dann drückte sie mir ein Buch in die Hand. „Wie haben schon so viel versucht und nichts hat funktioniert.“, sagte Hermine, „Ich glaube, das könnte klappen. Einen Versuch ist es wert.“
Ich klappte das Buch an der Stelle auf, an der das Lesezeichen steckte. „Der Kuss der wahren Liebe.“, las Ginny laut vor. Ich sah von dem Buch in meiner Hand zu Hermine: „Das ist ein Märchenbuch.“
Hermine lächelte selbstzufrieden: „Ich weiß.“
Ich schnaubte: „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass das funktionieren könnte.“
„Doch.“, sagte Hermine, „Einen Versuch ist es wert.“
„Hermine, das funktioniert vielleicht in Märchen, aber nicht im echten Leben.“, widersprach ich. „Hermine hat recht.“, mischte Ginny sich ein, „Versuch es doch einfach mal.“
Ich gab mich geschlagen. „Na schön.“, seufzte ich genervt, „Es wird sowieso nicht funktionieren.“
Unsicher ging ich zu Cedric und beugte mich ein Stück zu ihm herunter. Ich zögerte kurz, dann gab ich ihm einen sanften Kuss auf die Lippen. Nichts passierte. Ich nahm meine Tasche. „Ich muss zu Kräuterkunde.“, erklärte ich, „Bis dann.“
„Bis dann.“, murmelte Hermine etwas niedergeschlagen. Ginny sagte nichts. Ich verließ den Krankenflügel. Vor der großen Halle traf ich meine Freunde. Zusammen gingen wir zu den Gewächshäusern. Professor Sprout erwartete uns schon. „Sie warten bitte kurz hier.“, bat sie Hannah und mich. Wir tauschten einen verwirrten Blick. Professor Sprout schloss den anderen Schülern das Gewächshaus auf und kam dann wieder zu uns. Sie sah uns traurig an: „Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihre Mutter ermordet aufgefunden wurde.“
Ich schlug mir entsetzt die Hand vor den Mund, Hannah schluchzte auf. Professor Sprout sah uns mitfühlend an: „Ihr Vater erwartet Sie in Dumbledores Büro. Auf Wiedersehen. Passen Sie auf sich auf.“
Wir verabschiedeten uns ebenfalls und machten uns dann auf den Weg zum Büro des Schulleiters.

